Erdogans Feldzug gegen kurdische Parlamentarier

Gestern wurden drei Abgeordneten der türkischen Nationalversammlung die Mandate entzogen, darunter auch zwei Politiker der kurdischen HDP. Einige Stunden später wurden sie von türkischen Sicherheitskräften verhaftet.

- Abgeordneten wurden die Mandate entzogen
- Türkische Polizei verhaftet Politiker
- Ausschreitungen bei Protesten


Am Donnerstag, dem 04.06.2020, wurden drei Abgeordneten der türkischen Nationalversammlung die Mandate entzogen. Aus der kurdischen HDP (Halkların Demokratik Partisi, türkisch für „Demokratische Partei der Völker“) verloren die Politiker Leyla Güven und Musa Farisoğulları ihre Mandate. Bei der CHP (Cumhuriyet Halk Partisi, türkisch für „Republikanische Volkspartei“) war der Politiker Enis Berberoğlu von der repressiven Willkür betroffen. Beide Parteien wehrten sich noch während der Versammlung gegen diese Maßnahme und protestierten durch Klopfen auf den Tischreihen. Ermöglicht wurde diese Entscheidung durch die in der Kritik stehende Regierungspartei AKP und der ultranationalistischen Partei MHP. Sowohl die HDP, wie auch die CHP kritisierten diese Entscheidung scharf. Abgeordnete der HDP bezeichnen die Regierung folglich als „demokratiefeindlich“. Die HDP selbst bezeichnet dies als „gesetzwidrigen Schritt“ und „korrupten, unmoralischen und faschistischen Putsch“. Man würde sich gegen den „freien Willen des Volkes“ richten. Der CHP-Abgeordnete Engin Altay bezeichnete dieses Urteil als „rechtswidrig“. Leyla Güven kommentierte das Geschehen mit „Berxwedan jiyan e“ - Widerstand heißt Leben.

Noch am selben Tag befanden sich die drei Politiker in Haft. Der CHP-Politiker und Journalist Enis Berberoğlu wurde zu über fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ihm wird in einem Spionageprozess vorgeworfen, vertrauliche Informationen bezüglich des türkischen Geheimdienstes MIT und an die Zeitung Cumhuriyet zugespielt zu haben. Demnach habe die türkische Regierung dschihadistische Gruppen in Syrien mit Waffen ausgerüstet. Die beiden kurdischen Politiker der HDP wurden unter Auflagen des KCK-Hauptverfahrens verhaftet. 2007 leitete die türkische Staatsanwaltschaft eine vermeintliche Anti-Terror-Untersuchung ein und das KCK-Hauptverfahren war geboren. Infolgedessen wurden tausende Menschenrechtsaktivisten, Politiker und Journalisten unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung verhaftet.

Leyla Güven befand sich bis Januar 2019 in türkischer Haft. Sie wurde damals wegen ihrer Kritik an der türkischen Militärinvasion in Efrîn verhaftet. Ihr wurde vorgeworfen, „eine bewaffnete Organisation gegründet und geleitet“ zu haben. Außerdem wurde ihr vorgeworfen, Terrorpropaganda betrieben zu haben und gegen das Versammlungs- und Demonstrationsgesetz zu verstoßen. Dort befand sie sich bis lange nach der Gefängnisentlastung in einem unbefristeten Hungerstreik. Sie forderte die Aufhebung der Isolation von Abdullah Öcalan und die Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen PKK.

Türkische Polizei verhaftet Demonstranten

In Istanbul wurde eine Demonstration der Initiative „Befreiung der Frau“ von türkischen Polizisten angegriffen und beendet. Sie hatten gegen die Inhaftierung der kurdischen HDP-Politikerin Leyla Güven protestiert. „Wir kennen Leyla Güven durch ihren Widerstand. Ihre Verhaftung stellt einen Angriff auf den organisierten Frauenkampf dar. Der Staat sollte wissen, dass wir Frauen nicht von den Plätzen weichen werden. Auf diese Angriffe werden wir mit Widerstand reagieren“, so eine der Aktivistinnen. Die Polizei verhaftete fünf Mitglieder der Initiative.

Auch in Ankara versuchte die Polizei einen Demonstrationszug zu verhindern. Mitglieder der HDP-Fraktion trugen während des Protestes Schilder mit Aufschriften wie „Das ist ein Putsch“ und riefen „Putschistische AKP“.


Editiert von Passar Hariky



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Mord, weil junger Mann kurdische Musik hört

Der 20-jährige Kurde Baris Cakan wurde am Abend des gestrigen Sonntags gegen 22:30 in Ankara von drei Männern getötet. Baris C. hörte in einem Park kurdische Musik, woraufhin er von drei Männern angegriffen wurde.

- Kurde wegen Musik hören umgebracht
- Türk. Innenminister erklärt Opfer habe provoziert
- Drei Täter wurden festgenommen


Nach dem kürzlichen rassistischen Mord an George Floyd in den Vereinigten Staaten durch Polizisten, sorgt eine weitere Meldung über einen rassistischen Mord in der Türkei für Aufsehen. Am Sonntag, dem 31.05. wird der 20-jährige Baris Cakan in Ankara von drei Männern angegriffen und ermordet. Grund für den Mord sei das Abspielen kurdischer Musik.
Baris C. stammt aus Patnos, einer überwiegend kurdischen Stadt im Südosten des Landes. Seine Familie erklärt, dass sie immer wieder von Türken angegriffen und belästigt wurden, wenn sie im Park im familiären Kreis kurdische Musik anmachten und hörten.

Die drei Männern wurden später von der Polizei festgenommen. Baris C. erlag im Krankenhaus den Messerstichverletzungen.

Abgeordnete bestreiten Problem mit Kurden

Noch am selben Abend veröffentlichte die Verwaltungsregierung des Distrikts von Ankara eine Erklärung zu dem Mord an Baris Cakan. In diesem heisst es, der junge Kurde habe vom Auto aus laut türkische Musik gehört und habe bewusst provoziert und die Menschen in der Umgebung gestört und sie davon abgehalten den Gebetsruf zu hören.

HDP-Parlamentsabgeordnete aus Amed (türk. Diyarbakir) schreibt auf Twitter: “Ihr feindet alles kurdische an. Eure Feindseligkeit wird das sein, weswegen ihr untergeht. Ihr seid Faschisten!”



Innenminister Soylu und sein Berater Burak Gültekin erklärten ebenfalls auf Twitter, dass der junge Mann durch sein eigenes Verschulden umgebracht wurde und bestreiten, dass es einen Konflikt über kurdische Musik gab.
Demnach seien alle die den Mord und den Grund des Mordes an Baris Cakan sprechen Provokateure, welche die Türkisch-Kurdische Bruderschaft zerstören wollen.

Noch vor einigen Tagen drückte der türkische Präsident Erdogan seinen Bestürztheit über den Mord an George Floyd aus und sprach von “trauriger Ungerechtigkeit auf der Welt”.



Zeitgleich werden Kurden in der Türkei für das simple hören von kurdischer Musik umgebracht und staatliche Akteure stützen dieses Verhalten und versuchen Kurden und Politiker, die anderes behaupten, Mundtot zu machen.
Doppelzüngigkeit und -moral sind tief verankerte Probleme der türkischen Gesellschaft und Politik. Wo es die Möglichkeit gibt, andere Staaten und internationale Akteure für ihr Fehlerverhalten zu rügen, findet die Türkei für die eigenen Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten keine Worte oder Lösungsbereitschaft.


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Tag der kurdischen Sprache – Kurdische Bürgermeister werden verhaftet

Am Freitag, dem 15.05.2020 feierten die Kurden den Tag der kurdischen Sprache, zeitgleich nahm die Türkei diesen Tag zum Anlass, um den Kurden weitere Rechte zu entziehen.

Die türkischen Sicherheitskräfte stürmten die Häuser der Bürgermeister mit äußerster Brutalität
Die Türkei hat seit 2019 51 von 65 gewählten Bürgermeister_innen der HDP des Amtes erhoben und ohne Verfahren eingesperrt
Betroffen sind die Städte Siirt und Igdir und die Distrikte Kurtalan, Baykan und Altinova


In den frühen Morgenstunden des Tages umstellten schwer bewaffnete türkische Sicherheitskräfte die Verwaltungssitze der Bürgermeister_innen und erstürmte diese. Bei der Erstürmung gingen die Sicherheitskräfte mit enormer Gewalt vor und nahmen die Bürgermeister_innen fest.
Die Türkei geht wie in den 45 Fällen davor, ohne richterlichen Beschluss vor und setzt AKP-treue Verwalter an Stelle der demokratisch gewählten Bürgermeister_innen ein.

Seit 2016 geht die Türkei unter der Führung der AKP brutal und autoritär gegen die kurdische Minderheit im Land vor. In sogenannten „Anti-Terror-Maßnahmen“ griff die türkische Armee die Stadtkerne mehrerer kurdischen Großstädte an und zerstörte diese komplett, wobei tausende Kurden ums Leben kamen.
Nach den Wahlen 2019 in der Türkei ging die Türkei politisch gegen die 65 gewonnen Wahlkreise der HDP vor, wovon nun bereits 51 von der AKP übernommen wurden.

Obwohl die HDP und die kurdische Gemeinde die Staatengemeinschaft, die Europäische Union und die Vereinten Nationen mehrmals dazu aufrief, die Türkei zur Wahrung des Rechtsstaates zu animieren, schweigt jede Institution.
Lediglich der Türkei Beobachter/Berichterstatter des Europäischen Parlamentes Nacho Sanchez Armor twitterte an die Türkei mit den Worten „Hört auf Bürgermeister aus ihrem Amt zu erheben, ohne Gerichtsbeschluss“.

Während Millionen von Kurden ihren Menschenrechten beraubt werden und ihnen das Recht auf politische Selbstbestimmung genommen wird, kommt von der Europäischen Union nur ein einziger Tweet.


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Skandal um Huawei und Dalkurd-Sponsoring

Huawei bricht Sponsoring mit dem schwedisch-kurdischen Verein Dalkurd FF ab. Demnach war die Türkei nicht zufrieden mit dem Sponsoring und forderte die sofortige Beendigung.

- Huawei wird kurzzeitig Dalkurd-Sponsor
- Türkei erpresst Huawei
- Huawei beendet das Sponsoring mit sofortiger Wirkung


Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei hatte vor zwei Jahren einen Sponsoring-Vertrag mit dem schwedisch-kurdischen Fußballverein Dalkurd FF abgeschlossen. Laut Ramazan Kızıl, dem Vorsitzenden des Vereins, hatte Huawei dem Verein 40.000 Dollar angeboten. Als Gegenleistung sollten sie den Namen des Unternehmens auf ihre Trikots schreiben. „Vier Monate später riefen sie uns an und sagten: Das Geld gehört Ihnen. Die Türkei hat sich mit uns in Verbindung gesetzt und betont, dass wenn wir weiter Sponsor bleiben, würde man unsere Aktivitäten in der Türkei einstellen“, sagte Kızıl und fügte hinzu: „Die Türkei möchte nicht, dass wir gegen eine der Mannschaften in ihrer Liga antreten“.

Für ihn und seine Mannschaft ist klar, dass diese Tat politisch motiviert ist. Dalkurd FF schaffte nämlich 2017 den Aufstieg in die erste schwedische Liga und deren neues Ziel sei es, bei der Europameisterschaften erfolgreich zu sein. Ramazan Kızıl betonte: „Der türkische Staat will nicht, dass wir an Europapokalspielen teilnehmen, weil wir dort auf türkische Mannschaften treffen könnten. Aus diesem Grund tun sie alles, was sie können, um uns aufzuhalten“.

Der erfolgreichste kurdische Fussballclub

Dalkurd FF wurde 2004 als kleines Projekt in Schweden gegründet. Anfang der 2000er Jahre kämpfte Schweden gegen eine ansteigende Pro-Kopf-Kriminalitätsrate. Vor allem nahm die Jugendkriminalität stark zu. Aufgrund der türkischen Schreckensherrschaft und der Zunahme türkischer Angriffe gegen kurdische Guerilla-Einheiten wanderten viele Kurdinnen und Kurden nach Schweden aus. Die meisten stammen aus der südostanatolischen Provinz Mêrdin. In Schweden bildeten sich mit der Zeit sogenannte Parallelgesellschaften. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschlossen die Eltern jener Kinder, Dalkurd FF zu gründen. Sie wollten nicht tatenlos mitansehen, wie ihre Kinder die Chance auf ein sicheres Leben, tausende Kilometer weit weg von der Heimat, aufs Spiel setzen. Heute ist Dalkurd FF in Schweden allen Fußball-Liebhabern bekannt. Darüber hinaus genießt der Verein weltweit große Beliebtheit bei Kurdinnen und Kurden. Sie sehen in ihm das, was ihnen zuvor niemals gegeben wurde: Souveränität und Einheit.


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Autonome Selbstverwaltung verurteilt Terroranschlag in Efrin

Am Dienstag dem 28.04. wurde ein Marktplatz in Efrin von einer massiven Explosion erschüttert, die mindestens 40 Zivilisten, davon 12 Kinder, tötete und mehr als hundert Zivilisten verletzte.
Unbekannte Terroristen haben einen Tanklaster mit Benzin überladen und auf dem Marktplatz, vor dem Hauptquartier einer von der Türkei geführten syrisch/arabischen Miliz zur Detonation gebracht. Dabei sind mindestens 15 Mitglieder der Miliz getötet worden.


Aufgrund des Umstandes das dieser Angriff scheinbar einer Miliz galt, welche in Efrin unter der Führung der Türkei das Gebiet besetzt, gingen Experten zunächst davon aus, das es sich bei den Tätern um Mitglieder der kurdischen Widerstands Miliz „Wrath of Olives“ oder HRE handelt. Die kurdischen Milizen haben sich allesamt von dieser Tat distanziert und vermuten, dass die türkischen Milizen selbst dahinter stecken, da diese bereits seit Monaten blutige Gefechte gegeneinander führen, in denen es hauptsächlich um Territorium und eroberte Kriegsbeute (der indigenen kurdischen Bevölkerung Efrins) geht.
Auch vermutet man das Bestreben des türkischen Staates hinter diesem terroristischen Akt. In jüngster Zeit drängt die Türkei und ihre Milizen die indigene kurdische Bevölkerung immer mehr dazu, Efrin zu verlassen. Um dieses Ziel zu erreichen werden regelmäßig die in der Stadt verbliebenen Kurden angegriffen, entführt und schikaniert. Besonders oft werden Orte von Sprengsätzen der Türkei geführten Milizen heimgesucht, welche mehrheitlich bzw ausschließlich von Kurden besucht werden.

Der General der Demokratischen Kräfte Syriens Mazlum Abdi bezeichnete diesen Angriff als einen Akt des Terrors und verurteilte diesen zutiefst. Am Mittwoch den 29.04.2020 veröffentlichte der Demokratische Rat Nord- und Ostsyriens ein Statement indem es heißt:
„Wir der Demokratische Rat Syriens verurteilen und denunzieren diesen hinterhältigen und feigen Akt des Terrors, welcher unschuldige Zivilisten angriff und den übriggebliebenen droht, ihre Städte und Dörfer (Gemeint ist kurdische Bevölkerung in Efrin) zu verlassen“.

Die gesamte politische Führung der Autonomen Administation Nord- und Ostsyriens ist zutiefst bestürzt und geschockt über diesen brutalen Angriff, der zahllosen unschuldigen das Leben gefordert hat. Die Autonome Selbstverwaltung ruft die internationale Staatengemeinde auf, die Türkei aufzufordern Efrin zu verlassen, damit der tägliche Terror der türkischen Milizen endlich ihr Ende hat.



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HRE töten 10 Besatzer in Efrîn

In den letzten Tagen kam es im Kanton Efrîn zu schweren Zusammenstößen zwischen kurdischen Kräften der Afrin Liberation Forces (HRE) und türkisch-islamistischen Milizen.

- türkisch-islamistische Milizionäre in Efrîn getötet
- Türkei setzt ihre Angriffe gegen Şehba und Şêrawa fort
- Innerhalb von einem Monat fast hundert Entführungen in Efrîn


Im Kreis Efrîn-Şêrawa haben die kurdischen Kräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) insgesamt fünf Sabotageakte verübt. Dies berichtet das Pressezentrum der HRE. Demnach wurde der erste Angriff am 21. April zwischen den Dörfern Kîmarê und Beradê ausgeführt.
Am 23. April folgten drei weitere Angriffe unweit der Städte Kaniya Dil und Ar-Raʿi. Der letzte Angriff wurde bei Maratê, unweit von Efrîn, ausgeführt. Insgesamt wurden bei den Sabotageakten 10 Milizionäre getötet und weitere 14 verletzt.

Seit der Corona-Pandemie haben sich die türkischen Angriffe gegen die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien vermehrt. Dabei sind vor allem die Regionen Şehba und Şêrawa häufiges Ziel. In den dortigen Dörfern leben aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion in Efrîn fast hauptsächlich Geflüchtete. Gleichzeitig wird die Region seit 2018 regelmäßig attackiert.
Zeynep Xebawî vom dortigen Bildungskomitee berichtete vor etwa zwei Monaten, dass die Selbstverwaltung zahlreiche Schulen gezwungenermaßen schließen musste. Es sei demnach lebensgefährlich, die Schüler trotz anhaltendem Bombardement zur Schule zu schicken. Seither haben sich die Gefechte intensiviert. Die Milizen haben ihre Kräfte an der Demarkationslinie vermehrt mobilisiert.

Innerhalb von einem Monat fast hundert Entführungen in Efrîn

Wie die „Menschenrechtsorganisation von Efrîn“ berichtet, wurden seit März 96 Menschen rund um Efrîn entführt. Darunter auch Frauen. Den meisten wird politisches Engagement zu Zeiten der kurdischen Selbstverwaltung im Kanton Efrîn vorgeworfen. Oftmals werden hohe Lösegelder von den Familien verlangt. Bei einigen Fällen wurden die Opfer leblos aufgefunden.

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Kurdische Bevölkerung in Efrîn geht massiv zurück

Wie eine Menschenrechtsorganisation in Efrîn berichtet, ist die dortige kurdische Bevölkerung seit der türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Demnach sei die dort installierte Schreckensherrschaft der Grund.

• Kurdische Bevölkerung in Efrîn um über 60 Prozent zurückgegangen
• Şehba-Region als Hotspot für Flüchtlinge in Gefahr
• Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt


Wie die Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan Li Efrînê“ berichtet, ist die kurdische Bevölkerung seit der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Bei der „Operation Olivenzweig“ am 20. Januar 2018, hatte das türkische Militär mit türkisch-islamistischen Milizen den Kanton Efrîn angegriffen. Ziel der Militäroperation war es, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von der türkischen Grenze zurückzudrängen. Folglich besetzte das türkische Militär mit ihren Söldnern die Region und konnte damit ihren Geltungsbereich abseits der türkischen Republik erweitern. Seither herrscht dort eine autoritär Despotie, wie unzählige internationale Medien berichten. Zudem ist es unabhängigen Hilfsorganisationen nicht mehr erlaubt, die Region zu betreten. So berichtet zum Beispiel die „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, dass ihnen der Zugang nach Efrîn von den türkisch-islamistischen Milizen untersagt wurde. Durch die türkische Invasion war auch der Kurdische Rote Halbmond „Heyva Sor a Kurdistanê“ gezwungen gewesen, das Gebiet samt all ihren Mitarbeitern zu verlassen. Ehemalige Bewohner der Stadt berichten, dass es bis dato unzählige offene Fälle von Entführungen, Vergewaltigungen, Enteignungen und rassistisch motivierte Folter und Mord gibt.

Die Wüstenregion Şehba liegt unweit von Efrîn und ist seither priorisiertes Ziel der türkischen Besatzungspolitik in Rojava. Durch die völkerrechtswidrige Invasion der Türkei in Efrîn, entwickelte sich die Region zu einem Hotspot für Geflüchtete aus Efrîn. Laut Quellen der Selbstverwaltung leben dort mittlerweile mehr Flüchtlinge als heimische Bewohner. Da die Region nicht an die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien angrenzt, gibt es seither Hungersnöte und Ressourcenarmut. Durch die Sanktionen der syrischen Regierung, verschärft sich die Lage erheblich. In Şehba kommt es fast täglich zu Angriffen. Immer öfter werden dabei auch zivile Orte bombardiert, wie zum Beispiel das Stadtzentrum in Arpêd (Tel Rifat).
Durch die Corona-Pandemie hat sich die dortige Situation zunehmend verschlechtert. Die Test-Möglichkeiten sind stark begrenzt und die syrische Regierung sabotiert mit ihrer Präsenz in Şehba zahlreiche Reglementierungen für Hygiene und Prävention.

Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt

Am 23. März hatte der UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Kurdische Kräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) haben daraufhin alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Das türkische Militär und die türkisch-islamistischen Milizen sind dem Appell jedoch nicht gefolgt und attackieren nach wie vor das Gebiet der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien. So berichtet der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) der Region Ain Issa, Erdal Kobanê, dass die türkische Regierung die Corona-Krise zur Ausweitung ihrer Besatzung und ihrer Angriffe auf die kurdische Selbstverwaltung Rojava ausnutzt und eine erneute türkische Operation bevorstehen könnte. Demnach haben die türkischen Angriffe auf die kurdischen Gebiete stark zugenommen. Zudem kam es zu einer Mobilisierung türkischer Kräfte in den besetzten Gebieten von Rojava.



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Kurdische Guerilla tötet drei türkische Soldaten in Südkurdistan

Kurdische Guerillakämpfer der Volksverteidigungskräfte HPG haben drei türkische Soldaten in den Medya-Verteidigungsgebieten getötet. Zuvor hatte die Türkei zahlreiche Stellungen der kurdischen Guerilla bombardiert.

• Kurdische Guerilla tötet drei türkische Soldaten
• Konflikt bei den Medya-Verteidigungsgebieten verschärft sich
• Türkei mobilisiert Soldaten in Başûr


Die Pressestelle der Volksverteidigungskräfte HPG berichtet, dass am vergangenen Mittwoch drei türkische Soldaten bei einer Guerillasabotage getötet wurden. Demnach fand der Angriff in der südkurdischen Xakurke-Region statt. Diese liegt in den stark umkämpften Medya-Gebieten am Dreiländereck Türkei, Irak und Iran. Laut der HPG hatten die türkischen Soldaten ihre Basis verlassen und sind ins Ermuş-Gebiet aufgebrochen. Dort kam es schließlich zu Gefechten. Kämpfer der HPG kamen dabei nicht zu Schaden.

Die Medya-Gebiete verlaufen entlang der türkisch-irakischen Grenze und sind Hauptschauplatz der Gefechte zwischen den kurdischen Guerillakräften und dem türkischen Militär. Kurdische Volksverteidigungskräfte der HPG unterhalten dort zahlreiche Basen und nutzen die bergige Region als Rückzugsgebiet. Mit dem Versuch der Türkei, die strategisch wichtige Landschaft rund um Xakurke völkerrechtswidrig zu besetzen, verschärfte sich der Konflikt zunehmend. Seither fliegt die türkische Luftwaffe regelmäßig Angriffe gegen kurdische Stellungen innerhalb der Autonomen Region Kurdistan. Zahlreiche Male kamen durch das türkische Bombardement auch Zivilisten und Peschmerga-Kräfte ums Leben.

Türkei mobilisiert Soldaten in Başûr

Die türkische Regierung unterhält seit den 90er Jahren zahlreiche Basen innerhalb der Autonomen Region Kurdistan. Seither nutzt die Türkei die Basen, um ihren Geltungsbereich außerhalb der Türkei zu erweitern und gegen die kurdischen Volksverteidigungskräfte der HPG vorzugehen. Wie zahlreiche Quellen berichten, gibt es seit mittlerweile einer Woche eine auffällige Truppenverlegung in Başûr. Demnach wurden viele weitere türkische Soldaten mobilisiert. Diese Entwicklung deckt sich mit den jüngsten Ereignissen, bei denen das türkische Militär kurdische Gebiete rund um die Medya-Gebiete und Mexmûr bombardiert hat.



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