Der Mord an Ibrahim Demir

In der Dortmunder Innenstadt wurde ein 41-jähriger Kurde zu Tode getreten. Der Täter hatte den kleinwüchsigen Kurden zuvor schikaniert und bedroht gehabt. Ein politisches Motiv ist naheliegend.

- Kleinwüchsiger Kurde in Dortmund zu Tode getreten
- Opfer wurde zuvor öfters schikaniert
- Täter ist ein Anhänger der ultranationalistischen „Grauen Wölfe“


Der 1.42 Meter große Kurde Ibrahim Demir wurde in der Nacht vom 15.05.2020 zum 16.05.2020 von einer zunächst unbekannten Person 300 Meter von seiner Wohnung zu Tode getreten. Wie ein Augenzeuge berichtete, setzte er die Gewalttat auch fort, nachdem das Opfer schon längst auf dem Boden lag. Danach flüchtete er. Das Opfer verstarbt noch am Tatort. Die Familie von Demir hatte in den sozialen Medien eine Kampagne ins Leben gerufen, mit derer Hilfe man Zeugen ermitteln wollte. Kurze Zeit später konnte die Polizei den Täter ermitteln. Asir A. hatte sich dann am 17.05.2020 gestellt.

Die Mutter von Ibrahim Demir, Şaziye Demir, gab der kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika bekannt: „Irgendjemand bedrohte Ibrahim in der letzten Zeit. Ich spürte, dass etwas mit ihm nicht stimmt, aber jedes Mal, wenn ich ihn fragte, wich er mir aus. Zuletzt fragte ich ihn zwei bis drei Tage bevor er ermordet wurde, was ihn bedrückt. Er sagte: Mama, misch dich nicht ein, sonst bringt er dich um“. Darüber hinaus erklärte ein Bruder des Opfers, dass sein Bruder den Täter kannte und dass dieser ihn wegen seiner Kleinwüchsigkeit öfters schikanierte. Er fügte hinzu: „Es ist eine unverständliche Tat. Ibrahim hat niemandem etwas getan. Er war schwach und konnte sich nicht selbst verteidigen. Das Leben hat es ohnehin nicht gut mit ihm gemeint und nun wurde er so grausam getötet.“

Wie Yeni Özgür Politika herausfindet, bewegte sich Asir A. innerhalb türkisch-rechtsextremer Kreise. Seinem Facebook-Profil zufolge war dieser ein Anhänger der ultranationalistischen „Grauen Wölfe“ und sympathisierte mit ihren menschenverachtenden Ansichten. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft gibt jedoch bekannt, dass es bis dato keine (weiteren?) Anzeichen für ein politisches Motiv gibt.

„Die größte rechtsextreme Organisation in Deutschland“

Als Graue Wölfe werden die Anhänger rechtsextremer türkischer Gruppierungen und Parteien bezeichnet. Laut dem Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen trägt die Gruppierung zu einer Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa bei und sei „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung“. Die Bundeszentrale für politische Bildung bezeichnet sie als „die größte rechtsextreme Organisation in Deutschland“. Sie würde sich demnach gegen das im Grundgesetz formulierte Prinzip der Menschenwürde richten. In Deutschland gibt es etwa 18.000 Mitglieder. Diese verüben auch hierzulande Gewalttaten gegen Kurden, Aleviten, oppositionelle Politiker und allgemein Linke.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland kritisierte diesen feigen Mord und fordert ein Verbot der ultranationalistischen Gruppierung. „Der Mord an Ibrahim D. beweist das große Gewaltpotential, das auch in Deutschland von Anhängern der „Grauen Wölfe“ ausgeht. Die Kurdische Gemeinde fordert, dass gen diese mit voller Konsequenz vorgegangen wird. Die „Grauen Wölfe“ und ihre Symbole müssen in Deutschland verboten werden“, sagte Mehmet Tanriverdi, stellvertretende Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland. Er fügte zudem hinzu: „Anlässlich dieser erschütternden Gewalttat ruft die Kurdische Gemeinde die deutschen Behörden dazu auf, menschenverachtende und volksverhetzende Gewalttäter, egal welcher Herkunft, zu bekämpfen. Die „Grauen Wölfe“ sind kein harmloser Heimatverband, sondern eine rechtsradikale Organisation, die überall, wo sie besteht, gezielt ihre vermeintlichen GegnerInnen angreift“.


Editiert von Passar Hariky



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Hanau: Kurdische Shishabar wird zum Ziel von Rechtsterrorismus

In der hessischen Stadt Hanau gab es am Mittwochabend einen Terroranschlag. Aktuellen Medienberichten zufolge wurden dabei elf Menschen getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt. Ziel des Anschlags war eine kurdische Shishabar in der Innenstadt von Hanau und ein Café im Stadtteil Kesselstadt.

Der mutmaßliche Täter Tobias R. hat gemäß Polizeiangaben am Mittwochabend gegen 22:00 Uhr die in der Innenstadt befindende Bar Midnight angegriffen. Berichten zufolge sollen sich die Opfer vor der Bar aufgehalten haben, wo sie anschließend auch ermordet wurden. Fälschlicherweise berichteten zahlreiche Medien von einer Schießerei. Dem ist nicht so, da jegliche Gewalt ausschließen vom Täter ausging. Anschließend griff Tobias R. das Lokal Arena Bar & Café im Stadtteil Kesselstadt an und tötet dort weitere Menschen. Am Donnerstagmorgen wurde Tobias R. leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Neben ihm lag die Leiche seiner Mutter.

Bislang kamen bei dem Anschlag insgesamt elf Menschen ums Leben, weitere wurden verletzt. Darüber hinaus soll es auch einige Schwerverletzte geben. Laut den Sicherheitsbehörden sind unter den Todesopfern viele Menschen mit Migrationshintergrund. Wie die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) berichtet, gehören zu den Opfern vier Mitglieder des lokalen kurdischen Vereins. Unter den Opfern befindet sich der Sohn eines Journalisten der renommierten kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika.

Tobias R. hatte zuvor mehrere verschwörungstheoretische Videos ins Netz gestellt. Außerdem hinterließ er ein 24 Seiten langes Manifest, in dem er die Vernichtung bestimmter Völker predigt, welche nicht aus Deutschland ausgewiesen werden können. Angesicht dieser Aussagen ist zu erwarten, dass die Angriffe nicht willkürlich waren. Vielmehr hat der Täter gezielt versucht, Personen mit Migrationshintergrund zu töten. Ob es sich darüber hinaus auch um einen gezielten anti-kurdischen Angriff handelt, konnte bis dato nicht geklärt werden. Unter den Opfern befinden sich auch nicht-Kurden.

Anlässlich des gestrigen Ereignisses, wurden für heute zahlreiche Demonstrationen in ganz Deutschland angekündigt. In der Hauptstadt beginnt die Demonstration um 18 Uhr am Hermannplatz. An der Demonstration werden auch Politiker teilnehmen. Unter Ihnen auch der Politiker Hakan Tas, welcher zuvor, wie viele andere, über die sozialen Medien sein Mitgefühl bekundet hat.



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