Italienische Hilfsorganisation fordert Ende der Bombardements in Südkurdistan

Eine italienische NGO fordert ein Stopp der türkischen und iranischen Angriffe auf Dörfer und Ortschaften innerhalb der Autonomen Region Kurdistan und bittet dabei die EU und Italien um Hilfe.

- Hilfsorganisation fordert Europa zum Handeln gegen die türkischen und iranischen Angriffe auf
- Türkei ignoriert irakische Souveränität
- NGO sieht Parallelen zu türkischen Offensiven in Rojava


Die italienische Hilfsorganisation „Un Ponte Per“ hat die EU und Italien öffentlich darum gebeten, die Angriffe des Irans und der Türkei auf Gebiete in Südkurdistan zu stoppen. Man solle mit der türkischen und iranischen Regierung zusammenarbeiten, um eine Beendigung des Bombardements zu erreichen. Seit dem 15. Juni fliegt die türkische Luftwaffe wieder regelmäßiger Luftangriffe gegen Positionen kurdischer Kämpfer in der Autonomen Region Kurdistan. Medienwirksam hatte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar die Luftoffensive „Adlerkralle“ und die Bodenoffensive „Tigerkralle“ verkündet, die sich gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak richtet. Unter anderem wurde dabei das UN-Flüchtlingslager Mexmûr und ein Krankenhaus in der Şingal-Region attackiert. Bei dieser bis dato anhaltenden Angriffswelle wurden mindestens fünf Zivilisten durch türkische Bombenangriffe getötet, zahlreiche weitere Zivilisten wurden verletzt. Seither mussten viele Dörfer unweit der Ereignisse evakuiert werden. Die Hauptlast dieser Angriffe trägt die kurdische Zivilbevölkerung, die einige Zeit zuvor noch unter der Schreckensherrschaft des sogenannten Islamischen Staates litten.

Im Zuge der türkischen Angriffe hat der Iran die Gunst der Stunde genutzt und seine Angriffe gegen kurdische Positionen intensiviert. Auch der Iran verstößt damit gegen geltendes Recht. Die irakische Zentralregierung in Bagdad hat die Türkei mehrmals aufgefordert, ihre Angriffe innerhalb der irakischen Staatsgrenzen mit sofortiger Wirkung zu beenden. Türkei muss „ihre militärischen Verletzungen auf irakischem Boden aussetzen“, so der irakische Präsident Barham Salih.

NGO sieht Parallelen zu türkischen Offensiven in Rojava

„Un Ponte Per“ ist eine italienische Hilfsorganisation, die sich seit ihrer Gründung 1991 im Irak in den Bereichen Gesundheit, Wasserversorgung und Bildung engagiert und Menschenrechtsverstöße anprangert. Angesicht der letzten Ereignisse, fordert die Hilfsorganisation die Türkei und Iran auf, ihre Bombardierungen „sofort einzustellen“. Mit Hinblick auf die völkerrechtswidrigen Militäroperationen der Türkei gegen die Autonome Administration von Nord- und Ostsyrien (Rojava) erklärt die NGO: „Die internationale Gemeinschaft kann nicht zulassen, dass heute eine solche Eskalation im irakischen Kurdistan stattfindet“.


Editiert von Passar Hariky



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Iran verurteilt kurdische Lehrerin zu 10 Jahren Haft

Zahra Mohammadi wurde am 23. Mai 2019 vom iranischen Regime in Ostkurdistan (Iran) festgenommen. Ihr wird vorgeworfen Verbindungen zu den beiden kurdischen Parteien - die Demokratischen Partei Kurdistan-Iran und der Komalah - zu pflegen und damit gefährde sie die nationale Sicherheit des Landes.

- Zahra Mohammadi hat im Kulturverein Nojin gearbeitet
- Dort unterrichtete sie als Lehrerin die kurdische Sprache
- Das iranische Regime verurteilt sie jetzt willkürlich zu 10 Jahren Haft.


Das iranische Regime wollte Zahra Mohammadi nach ihrer Verhaftung ohne Rechtsbeistand verurteilen. Doch die Familie von ihr versammelte sich vor dem Gerichtsgebäude und protestierte lautstark dagegen, wodurch die Anhörung verschoben wurde. Erst am 16. September 2019 traf Zahra zum ersten Mal ihren Anwalt, nachdem sie davor monatelang ohne Kontakt zur Außenwelt eingesperrt worden war. Zwischenzeitlich hatte die Familie beim Geheimdienstministerium erwirken können, mit einem der Verhörer zu sprechen. Dieser sagte, dass Zahra den Kontakt zu ihrer eigenen Familie verweigere. Sie solle nur einige Dokumente unterzeichnen und mit dem Geheimdienstministerium kooperieren. Dann könnte sie wieder zurück zu ihrer Familie. Erst im Dezember desselben Jahres wurde Zahra auf Kaution freigelassen. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie unter menschenunwürdigen Bedingungen sechs Monate lang unrechtmäßig festgehalten worden. Die Urteilsverkündung für die junge Kurdin folgte erst ein halbes Jahr später am 14.07.2020 mit dem Strafmaß: 10 Jahre Haft!

Eine willkürliche Strafe

Zahra Mohammadi ist die Leiterin des Kulturvereins Nojin, der unter anderem Unterricht in kurdischer Sprache und Literatur in Ostkurdistan anbietet. Dieser Kulturverein hat vom iranischen Innenministerium für ihre Arbeit auch eine offizielle Lizenz erhalten. Somit ist ihre Arbeit legal, trotzdem sind die Mitglieder des Vereins immer wieder Repressalien durch das iranische Regime ausgesetzt. So kommentierte Zahra ihre eigene Verhaftung mit den Worten:

„Zahra Mohammadi Verbrechen waren: Ihre Muttersprache zu unterrichten, am Tag der Muttersprache Schokolade zu verteilen und den Flutopfern in Luristan zu helfen.“

In der Zeit als Zahra auf Kaution freigekommen war, erzählte sie von ihren Erfahrungen der letzten Monate in Haft. Sie wurde stundenlang verhört und man zwang sie zu gestehen, dass sie mit dem kurdischen Widerstand in Kontakt steht. Sie bestritt jedoch die Anschuldigungen und der Druck erhöhte sich. Immer wieder drohten die Ermittler, dass ihre Familie festgenommen werden würde, wenn sie denn nicht das vorgefertigte Geständnis unterschreibe. Diese Prozedur erstreckte sich über Monate hinweg und hatte auch direkten Einfluss auf ihre Gesundheit. Seit der isolierten Haft leidet sie an einer Magenerkrankung. Einen Transfer in ein Krankenhaus lehnten die Behörden ab, sodass es bei der schlechten Versorgung durch die Gefängnisärzte blieb.

Ein ganzes Volk wird unterdrückt

Der Fall Zahra Mohammadi ist im Iran leider kein Einzelfall. Minderheiten im Land werden von der sogenannten islamischen Republik Iran systematisch unterdrückt. Gerade vor den Kurden fürchtet sich das iranische Regime am meisten. Mehr als 10 Millionen Kurden leben im Iran. Sie kämpfen für mehr kulturelle Rechte und auch für politische Partizipation. Verschiedene kurdische Parteien haben den bewaffneten Kampf gegen das Regime in Teheran aufgenommen und erhoffen sich Zugeständnisse. Doch die Mullahs regieren mit eiserner Hand über das Land und sind an Verhandlungen nicht interessiert. Die Gefängnisse im Westen des Landes sind überfüllt mit kurdischen Gefangenen. Außerdem führt das iranische Regime öffentliche Hinrichtungen durch. Es ist ein Signal an alle anderen, dass andere Ethnien in diesem Land kein Platz haben.


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Wer wir sind
Our Bridge ist eine unpolitische, religiös unabhängige Hilfsorganisation, die sich für den Schutz, die Unterbringung und die Schulbildung von Vollwaisen, Halbwaisen und Kindern mit Behinderungen in den Krisengebieten des Nord-Irak (Südkurdistan) einsetzt.

Das humanitäre Engagement von Our Bridge e.V. ist die Antwort auf den mit unfassbarer Brutalität begangenen Völkermord an der jesidischen Minderheit im August 2014: Aus dem Schatten der Nacht überfielen die Mörder des selbsternannten Islamischen Staats die Region Shingal im Norden des Iraks. Seit Jahrhunderten hat die uralte Religionsgemeinschaft der Jesiden unter der Verfolgung islamischer Fanatiker zu leiden. Es geht um die nackte Existenz. Die Väter und Söhne der Jesiden werden auf Marktplätze und offene Felder getrieben und grausam hingerichtet. Mütter und Töchter werden tief ins Land verschleppt und in dunklen Hinterzimmern versklavt und geschändet. Der schwarze Sturm hinterlässt eine verlorene Generation von traumatisierten Waisenkindern. Ohne Zuhause, ohne Beschützer und ohne Zukunft.

Geboren aus der Not dieser Kinder wird Our Bridge e.V. einige Wochen nach dem Genozid von deutsch-kurdischen Studenten aus Oldenburg gegründet.
Wir wollen den zutiefst traumatisierten Kindern eine Brücke ins Leben, in die Zukunft sein.

Der Gründer von Our Bridge e.V., Paruar Bako, beschreibt die Brücke, die wir bauen: ,,Wir wollen den Überlebenden des Völkermords dabei helfen, den Glauben an sich selbst wiederzufinden und sie ermutigen, selbst die Veränderung zu sein, auf der sich ihre Zukunft erbaut. Mit unserer Brücke errichten wir gemeinsam Strukturen, die den Menschen Hoffnung geben: Dass ihre Träume und Wünsche wahr werden können, wenn sie als Gemeinschaft dafür arbeiten.“

Das Team von Our Bridge besteht in Deutschland aus mittlerweile 10 ehrenamtlichen Helfern, die jeden Tag hart daran arbeiten, den Menschen im Nord-Irak (Südkurdistan) Hoffnung auf einer besseren Zukunft zu schenken. 28 Festangestellte Lehrkräfte betreuen die Kinder in der Einrichtung.

Die Brücke
,,Wir erbauen eine starke, tragfähige Brücke, die Hilfeleistungen aus Deutschland in den Irak trägt und den Horizont öffnet für die Hoffnungen und Träume der Kinder,“ sagt Michael Erk (Vorstandsmitglied von Our Bridge e.V.).

Harman. Das Waisenhaus.
,,Harman“ bedeutet auf Kurdisch ,,Das, was bleibt.“

In den Jahren 2015/2016 war Paruar Bako unzählige Male mit Härtefällen konfrontiert, die ihn spüren ließen, dass einfache, das physische Überleben unterstützende Hilfeleistungen nicht ausreichen. Sehr oft handelt es sich um schwerst traumatisierte Voll- und Halbwaisen, die nach jahrelanger IS-Gefangenschaft entweder vom Sklavenmarkt freigekauft oder von der kurdischen Armee im Häuserkampf befreit wurden. Paruar erinnert sich an eine Mutter, die ihren 11 jährigen Sohn nach der Rückkehr aus der IS-Hölle beschreibt: ,,Er kämpft mit dem Trauma wie mit einem schwarzen Nebel im Kopf. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Ich weiß nicht, was ich tun soll und habe niemanden, der mir hilft.“

Im Herbst 2016 beginnt Our Bridge e.V. mit dem Bau einer Anlaufstelle für die Programmteilnehmer der Hilfsorganisation: Eine sichere Unterkunft für Waisen und Witwen, medizinischen Präventions- und Versorgungsprogrammen und einem Behandlungsraum für traumatisierte Kinder. Ein Zuhause auf einem Grundstück nur wenige hundert Meter entfernt vom UN-Flüchtlingslager in Xhanke/Nord-Irak(Südkurdistan), geschützt auf einem Hügel über dem See von Mossul.
Ein Haus, das bleibt. Hoffnung und Leuchtturm. Wir haben dem Haus den Namen „Harman“ gegeben, erzählt Haitham Hamid (Mitgründer von Our Bridge e.V.) stolz.

Unser Versprechen: Wir lassen Euch nicht alleine. Wir bleiben.
Durch die Unterstützung zahlreicher Spender sowie des namhaften Rappers Xatar, der gemeinsam mit Our Bridge e.V. ein Benefizkonzert in Berlin veranstaltet hat, konnte am 27.08.2017, in Anwesenheit des Bürgermeisters von Dohuk, endlich das „Harman“-Waisenhaus eröffnet werden. Zunächst zogen 24 Kinder im Alter von 4-15 Jahren und fünf Witwen ein.
Hier dürfen die Kinder erfahren, dass sie Freunde haben, die zuverlässig an ihrer Seite stehen, was immer auch geschehen mag.

Kinder wollen lernen. Das Bildungsprogramm
Im Frühling 2018 beschlossen Paruar und sein Team, das Hilfsprogramm für die Kinder auszuweiten. Ein Nebengebäude wurde errichtet, und die acht Schlafräume im Hauptgebäude wurden zu Klassenzimmern umgebaut.
Auf diese Weise wurde allen Kindern im Our Bride-Projekt in Xhanke der Weg zum Schulunterricht geebnet. Zusätzlich zu dem neuen Nebengebäude wurde ein Schulbus angeschafft, der die registrierten Kinder aus dem UN-Camp und den selbst gebauten Camps abholt und abends wieder nach Hause bringt. Heute lernen Tag für Tag mehr als 360 Kinder im Our Bridge Bildungszentrum.
Für die Unterweisung der Kinder in therapeutisch hilfreichen Handwerksarbeiten wurde eine Holz- und Fahrradwerkstatt eingerichtet, und für Nähkurse wurden Nähmaschinen gekauft.

Neue Notwendigkeiten
Die aktuellen Entwicklungen in Nordsyrien erfordern dringend humanitäre Intervention. Der Befund duldet keinen Aufschub. Nach Angaben der UN sind mindestens 190000 Menschen auf der Flucht vor der Militäroffensive in Nord-Syrien(Südkurdistan). 70000 davon sind Kinder. Auf der Suche nach Schutz erreichen jeden Tag Hunderte die irakische Grenze.
Erneut sind die Schwächsten unter uns, die Kinder, am schlimmsten betroffen.
Wir beabsichtigen deshalb, ein zweites Our Bridge Harman-Haus zu errichten. Damit möchte Our Bridge e.V. auf den weiteren schmerzhaften Teil der kurdischen Geschichte antworten. Erneut wurden unschuldige Kinder durch Aggressoren zu Waisen gemacht.

Präambel für die Zukunft
Für die Zukunft von Our Bridge e.V. hat Paruar mit seinem Team drei Vorsätze erarbeitet.

1. Nicht müde werden.
Nach Erfolgen ruhen wir uns nicht aus. Wir stehen in der Verantwortung, den Funken der Hoffnung im Leben der Kinder am Leben zu halten.
Die größte Angst von Kindern ist Stillstand.
Jeder Tag ist ein Geschenk.

2. Bildung beginnt bei uns.
Um die Möglichkeiten für unseren Schulunterricht stets zu verbessern und auszubauen, werden wir unserem jungen Lehrerteam verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten finanzieren und ihre Ausbildung entschieden fördern. Die Lehrer tragen die Neugier und Fantasie der Kinder auf ihren Schultern.

3. Verantwortung teilen.
Zusammenhalt und Zugehörigkeit sind unsere Motivation und der Antrieb der Kinder. Our Bridge e.V. soll sich von den Fesseln des Institutionellen befreien. Unser Projekt soll atmen dürfen. Es soll ein Zuhause in den Herzen der Kinder sein, eine Gemeinschaft, eine Familie, in der die Kinder im eigenen Erwachsenwerden immer mehr Verantwortung übernehmen, sich für das Miteinander einsetzen und ihren Nächsten beschützen.“

Was Sie tun können
Als Sponsor oder Partner kann jeder Teil dieser Brücke werden. Mit dem Kauf eines Grundsteins oder der Übernahme einer Patenschaft kann jeder zu einem Familienmitglied von Our Bridge e.V. werden.

Menschen zu helfen ist uns eine Herzensangelegenheit. Sie macht nicht nur glücklich, sondern die Welt ein kleines Stückchen besser. Deshalb blickt Our Bridge e.V. entschlossen in die Zukunft – bereit, die Brücke auszubauen und tragfähige Projekte weiterzuentwickeln.

Für die Kinder.
Für die Zukunft.
Für uns alle.

Bankdaten:

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