Eine Woche Rojava: Wie sich die Situation weiter verschärft

Innerhalb einer Woche kam es zu zahlreichen Konflikt-Situationen in Rojava. Russland tritt offensiver auf, Anschläge treffen türkische Besatzungszone und Türkei bombardiert Zivilisten.

- SDF hat die zweite Etappe der Anti-IS-Offensive abgeschlossen und dabei zahlreiche IS-Schläferzellen entschärft
- Russland tritt offensiver gegen die Türkei auf und bombardiert Positionen von Dschihadisten
- Türkisch-Islamistische Milizen intensivieren Aggressionen gegen Rojava und verletzten dabei mehrere Zivilisten


Zeitgleich mit der großangelegten Anti-IS-Offensive der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und ihren Partnern der US-geführten Anti-IS-Allianz, kommt es zu einer Intensivierung türkischer Aggressionen gegen die Autonome Administration von Nord- und Ostsyrien (Rojava). Die Anfang Juli eingeleitete Etappen-Offensive im Umland der syrisch-irakischen Grenze (entlang Rojava) richtete sich gegen IS-Schläferzelle. Dabei wurden bis dato insgesamt 141 IS-Terroristen festgenommen. Zudem konnte die SDF zahlreiche Waffen sicherstellen, darunter Waffen wie AK-47, BKC, RPG-Panzergranaten, Landminen und andere Explosionswaffen. Im Zuge der zweiten Etappe hat auch die Spannung entlang der Demarkationslinie zugenommen.

Seit etwa zwei Wochen kommt es immer regelmäßiger zu Konflikt-Situationen unweit der Sheba-Region. Die Sheba-Region liegt südöstlich von Efrîn und wird hauptsächlich von vertriebenen KurdInnen bewohnt. Das türkische Militär und die türkisch-islamistischen Milizen versuchen seit der Beendigung der türkischen Militäroffensive auf Efrîn, das strategisch wichtige Umland einzunehmen. Sheba ist nämlich das letzte östlich liegende Gebiet jenseits von Al-Bab, welches unter Verwaltung der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien steht. Da sich aus diesem Gebiet heraus die HRE (Hêzên Rizgariya Efrînê, Befreiungskräfte Efrîns) koordiniert, geht aus der Wüstenregion eine anhaltende Gefahr für die völkerrechtswidrige Besatzungspolitik der Türkei aus. Sowohl bei den kurdischen Kräften, wie auch bei den in derselben Region positionierten syrischen Kräften wurde innerhalb der letzten Tage stark mobilisiert. Dies geht Hand in Hand mit einer für üblich ungewöhnlichen Situation bei Al-Bab und Azaz. Die russische Luftwaffe tritt in den letzten Tagen immer offensiver gegen türkisch-islamistische Positionen auf. Am 15.07.2020 attackierten russische Kampfjets Stellungen unweit von Al-Bab. In den folgenden Tagen ließ Russland immer wieder ihre Kampfjets über türkisch-islamistisches Territorium fliegen. Am 23.07.2020 kam es erneut zu einem russischen Angriff bei Azaz. Eine Woche zuvor hatte eine Drohne das russische Koordinationszentrum in Dirbêsiyê angegriffen, dabei wurden zwei russische Soldaten verletzt. Zu wem die Drohne gehört, ist nach wie vor unklar. Kurdische Sicherheitskräfte machen aber die Türkei dafür verantwortlich.

Am 19.07.2020 explodierte ein Sprengsatz in Efrîn, dabei wurden mindestens 10 Menschen getötet, unter ihnen mehrere islamistische Milizionäre. Außerdem wurde dabei auch Hossein Bedra getötet, ein Mitglied der islamistischen „Faylaq al-Sham“ und Kommandant der TFSA. Zeitgleich mit dem Abheben der russischen Kampfjets über das besetzte türkische Gebiet in Nordsyrien, explodierte eine Autobombe in Azaz. Dabei wurden mindestens 5 Personen getötet und etwa weitere 30 Personen verletzt. Wiedermal waren unter ihnen mehrheitlich islamistische Kämpfer dabei. Unweit des Tatorts befand sich eine Polizeistation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit das eigentliche Ziel sein sollte. Zwischen dem 13. und dem 20. Juli führte die HRE zwei Aktionen gegen die türkisch-islamistischen Milizen durch, bei denen 4 Islamisten getötet wurden. Drei in Efrîn und einer in Azaz.

Türkisch-Islamistische Milizen intensivieren Aggressionen gegen Rojava

Am 20.07.2020 ist eine Granate in Cirnikê (Qamişlo) explodiert. Die Granate traf eine Garage, in derer sich zu dem Zeitpunkt zahlreiche Zivilisten aufgehalten haben. Bei dem Angriff wurden zwei Personen verletzt. Laut ersten Berichten flog die Granate aus Richtung türkisch-nordsyrischer Grenze. Am 22.07.2020 wurde ein Zivilist auf der Schnellstraße M4 nahe Bozanê von türkisch-islamistischen Milizionären beschossen. Ein 25-jähriger Kurde aus Girê Spî fuhr mit seinem Fahrzeug über die Schnellstraße, als er um 07:30 von türkischer Besatzungszone aus beschossen wurde. Erst vor etwa zwei Wochen (05.07.2020) kam es in der Nähe von Bozanê zu einem skandalösen Angriff der Türkei gegen einen Zivilisten. Das Fahrzeug von Usama El Esaf, dem Zivilisten, wurde von einem türkischen Artilleriebeschuss getroffen. Sein LKW verbrannte vollständig aus, El Esaf konnte knapp von anderen Autofahrern aus dem brennenden Fahrzeug befreit werden. Verletzt wurde er in ein Krankenhaus geliefert.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern Türkei-Sanktionen

In einem Brief fordern 69 Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) sofortige Maßnahmen gegenüber der Türkei. Die Forderung richtet sich an den Hohen Vertreter der Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell. Dieser soll die Angriffe der Türkei gegen Frieden und Demokratie in Kurdistan und an anderen Orten sofort stoppen.

- Brief der MdEP fordert den Stopp der Angriffe der Türkei auf die Kurden
- Es wird eine harte Antwort von europäischer Seite gefordert
- 69 MdEP haben diesen Brief unterschrieben und an den EU-Außenminister versandt.


Die MdEPs möchten auf diese Weise die Aufmerksamkeit des EU-Außenministers auf die Repressionen gegen die demokratische Opposition in der Türkei richten, ganz besonders auf die der kurdischen Partei der HDP. Außerdem auch auf die militärischen Angriffe der Türkei auf das Territorialgebiet der Autonomen Region Kurdistan – Irak und der Autonomen Administration von nord- und Ostsyrien, auch bekannt als „Rojava“.

Inhalt des Briefes:

In den letzten fünf Jahren hat die AKP unter Erdogan mithilfe von ultranationalistische Kräften (MHP) und Notstandgesetzen ein autoritäres System in der Türkei eingerichtet. Mehr als 90.000 Menschen sind mit dem Vorwurf des „Terrorismus“ verhaftet worden, darunter auch Parteivorsitzende, Abgeordnete des Parlaments, gewählte kurdische Bürgermeister, tausende von HDP-Parteimitglieder, Journalisten, Akademiker, Anwälte, Repräsentanten der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsaktivisten und viele mehr. Die türkische Regierung stempelt jeden der kritisch gegenüber deren Politik ist, ganz besonders deren Politik gegenüber Kurden, als „Terroristen“ und „Verräter“ ab.

Die türkische Regierung hat unrechtmäßig HDP-Bürgermeister ihres Amtes enthoben und diese mit Zwangsverwalter ersetzt. Seit der Wahl vom 31.03.2019 sind zudem 46 der 65 HDP-geführten Kommunen von der Regierung übernommen worden. Schon die Venedig-Kommission nannte die Aktionen der Türkei “nicht vereinbar mit Prinzipien der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.”

Auch wolle man die Aufmerksamkeit des EU-Außenministers auf die schockierenden Luftangriffe der türkischen Armee auf die Region Shingal, dem von der UNHCR geführten Makhmour Camp, auf Südkurdistan (Region Kurdistan im Irak) am 14. Juni 2020 und auf Kobani (kurdische Region in Syrien) am 23. Juni 2020 lenken. Bei allen Angriffen sind viele Zivilisten ums Leben gekommen und wurden ernsthaft verletzt.

Seit dem 17. Juni 2020 sind türkische Bodentruppen in die Region Kurdistan eingedrungen, die von Drohnen und Helikoptern begleitet wurden und mehr als 150 Angriffe auf Ziele geflogen sind. Diese militärischen Aktionen destabilisieren die Region, verschärfen die humanitäre Not, sorgen für das Erstarken von terroristischen Gruppen und gefährden den Fortschritt gegen den IS. Außerdem werden mit den Angriffen der Türkei Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, die dann zu Asylsuchenden in den Nachbarländern oder in Europa werden. Die Türkei ist Mitglied der NATO, ein Mitglied im Europarat und ein Kandidat für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die Kommission sollte diese Aktionen nicht tolerieren, die gegen demokratische Normen und internationalem Recht verstoßen. Wir fragen Sie, damit sie gegen das autokratische Erdogan-Regime etwas unternehmen. Wir können nicht passiv bleiben, bei einem so aggressiven Verhalten, auch gegenüber der EU selber.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Autonome Selbstverwaltung verurteilt Terroranschlag in Efrin

Am Dienstag dem 28.04. wurde ein Marktplatz in Efrin von einer massiven Explosion erschüttert, die mindestens 40 Zivilisten, davon 12 Kinder, tötete und mehr als hundert Zivilisten verletzte.
Unbekannte Terroristen haben einen Tanklaster mit Benzin überladen und auf dem Marktplatz, vor dem Hauptquartier einer von der Türkei geführten syrisch/arabischen Miliz zur Detonation gebracht. Dabei sind mindestens 15 Mitglieder der Miliz getötet worden.


Aufgrund des Umstandes das dieser Angriff scheinbar einer Miliz galt, welche in Efrin unter der Führung der Türkei das Gebiet besetzt, gingen Experten zunächst davon aus, das es sich bei den Tätern um Mitglieder der kurdischen Widerstands Miliz „Wrath of Olives“ oder HRE handelt. Die kurdischen Milizen haben sich allesamt von dieser Tat distanziert und vermuten, dass die türkischen Milizen selbst dahinter stecken, da diese bereits seit Monaten blutige Gefechte gegeneinander führen, in denen es hauptsächlich um Territorium und eroberte Kriegsbeute (der indigenen kurdischen Bevölkerung Efrins) geht.
Auch vermutet man das Bestreben des türkischen Staates hinter diesem terroristischen Akt. In jüngster Zeit drängt die Türkei und ihre Milizen die indigene kurdische Bevölkerung immer mehr dazu, Efrin zu verlassen. Um dieses Ziel zu erreichen werden regelmäßig die in der Stadt verbliebenen Kurden angegriffen, entführt und schikaniert. Besonders oft werden Orte von Sprengsätzen der Türkei geführten Milizen heimgesucht, welche mehrheitlich bzw ausschließlich von Kurden besucht werden.

Der General der Demokratischen Kräfte Syriens Mazlum Abdi bezeichnete diesen Angriff als einen Akt des Terrors und verurteilte diesen zutiefst. Am Mittwoch den 29.04.2020 veröffentlichte der Demokratische Rat Nord- und Ostsyriens ein Statement indem es heißt:
„Wir der Demokratische Rat Syriens verurteilen und denunzieren diesen hinterhältigen und feigen Akt des Terrors, welcher unschuldige Zivilisten angriff und den übriggebliebenen droht, ihre Städte und Dörfer (Gemeint ist kurdische Bevölkerung in Efrin) zu verlassen“.

Die gesamte politische Führung der Autonomen Administation Nord- und Ostsyriens ist zutiefst bestürzt und geschockt über diesen brutalen Angriff, der zahllosen unschuldigen das Leben gefordert hat. Die Autonome Selbstverwaltung ruft die internationale Staatengemeinde auf, die Türkei aufzufordern Efrin zu verlassen, damit der tägliche Terror der türkischen Milizen endlich ihr Ende hat.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Kurdische Bevölkerung in Efrîn geht massiv zurück

Wie eine Menschenrechtsorganisation in Efrîn berichtet, ist die dortige kurdische Bevölkerung seit der türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Demnach sei die dort installierte Schreckensherrschaft der Grund.

• Kurdische Bevölkerung in Efrîn um über 60 Prozent zurückgegangen
• Şehba-Region als Hotspot für Flüchtlinge in Gefahr
• Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt


Wie die Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan Li Efrînê“ berichtet, ist die kurdische Bevölkerung seit der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Bei der „Operation Olivenzweig“ am 20. Januar 2018, hatte das türkische Militär mit türkisch-islamistischen Milizen den Kanton Efrîn angegriffen. Ziel der Militäroperation war es, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von der türkischen Grenze zurückzudrängen. Folglich besetzte das türkische Militär mit ihren Söldnern die Region und konnte damit ihren Geltungsbereich abseits der türkischen Republik erweitern. Seither herrscht dort eine autoritär Despotie, wie unzählige internationale Medien berichten. Zudem ist es unabhängigen Hilfsorganisationen nicht mehr erlaubt, die Region zu betreten. So berichtet zum Beispiel die „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, dass ihnen der Zugang nach Efrîn von den türkisch-islamistischen Milizen untersagt wurde. Durch die türkische Invasion war auch der Kurdische Rote Halbmond „Heyva Sor a Kurdistanê“ gezwungen gewesen, das Gebiet samt all ihren Mitarbeitern zu verlassen. Ehemalige Bewohner der Stadt berichten, dass es bis dato unzählige offene Fälle von Entführungen, Vergewaltigungen, Enteignungen und rassistisch motivierte Folter und Mord gibt.

Die Wüstenregion Şehba liegt unweit von Efrîn und ist seither priorisiertes Ziel der türkischen Besatzungspolitik in Rojava. Durch die völkerrechtswidrige Invasion der Türkei in Efrîn, entwickelte sich die Region zu einem Hotspot für Geflüchtete aus Efrîn. Laut Quellen der Selbstverwaltung leben dort mittlerweile mehr Flüchtlinge als heimische Bewohner. Da die Region nicht an die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien angrenzt, gibt es seither Hungersnöte und Ressourcenarmut. Durch die Sanktionen der syrischen Regierung, verschärft sich die Lage erheblich. In Şehba kommt es fast täglich zu Angriffen. Immer öfter werden dabei auch zivile Orte bombardiert, wie zum Beispiel das Stadtzentrum in Arpêd (Tel Rifat).
Durch die Corona-Pandemie hat sich die dortige Situation zunehmend verschlechtert. Die Test-Möglichkeiten sind stark begrenzt und die syrische Regierung sabotiert mit ihrer Präsenz in Şehba zahlreiche Reglementierungen für Hygiene und Prävention.

Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt

Am 23. März hatte der UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Kurdische Kräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) haben daraufhin alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Das türkische Militär und die türkisch-islamistischen Milizen sind dem Appell jedoch nicht gefolgt und attackieren nach wie vor das Gebiet der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien. So berichtet der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) der Region Ain Issa, Erdal Kobanê, dass die türkische Regierung die Corona-Krise zur Ausweitung ihrer Besatzung und ihrer Angriffe auf die kurdische Selbstverwaltung Rojava ausnutzt und eine erneute türkische Operation bevorstehen könnte. Demnach haben die türkischen Angriffe auf die kurdischen Gebiete stark zugenommen. Zudem kam es zu einer Mobilisierung türkischer Kräfte in den besetzten Gebieten von Rojava.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Syrische Regierung provoziert Corona-Fälle in Rojava

Seit Beginn der Corona-Pandemie, versucht die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit neuen Reglementierungen dem Virus entgegenzuwirken. Die Arbeit der Selbstverwaltung von Rojava wird unterdessen von türkischer und syrischer Seite stark blockiert und gezielt unterbunden.

In einer aktuellen Erklärung des Gesundheitskomitees der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien heißt es, dass die syrische Regierung jegliche Präventionsmaßnahmen gegen Covid-19 sabotieren und Rojava trotz der erstarkten Kalamität unnötig belasten. Zudem heißt es vom Gesundheitskomitee, dass die syrische Regierung Rojava vor allem durch den Flughafen in Qamişlo, welcher nicht zum Geltungsbereich der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gehört, gefährdet. Demnach würde man geltende Bestimmung für Hygiene und Kontrolle ignorieren und Personen aus besonders stark betroffenen Regionen ohne weiteres einreisen lassen. Dabei umgeht die dortige syrische Vertretung gezielt die dafür eingerichteten Gesundheitskontrollen unweit des Flughafens, in dem sie die Einreisenden über syrisches Geltungsbereich unkontrolliert in Rojava eintreten lassen. Außerdem verzichten die syrischen Zuständigen des Flughafens vollständig auf Absprache und Kommunikation mit der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien.

Laut dem Ko-Vorsitzende des Gesundheitskomitees von Nord- und Ostsyrien, Dr. Ciwan Mustafa, wurde in der Wüstenregion Şehba ein gesamtes Dorf wegen Corona-Verdacht unter Quarantäne gesetzt. Grund dafür sei ein syrischer Soldat und der schlampige Umgang der syrischen Regierung mit der Corona-Pandemie. Demnach war der Wehrpflichtige der syrischen Armee trotz Corona-Symptomen über mehrere Tage hinweg als Soldat tätig. Dr. Ciwan Mustafa kritisiert dabei vor allem, dass die syrischen Zuständigen den erkrankten Soldaten nicht unter Quarantäne gestellt haben. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde der Erkrankte nach Hause in das Dorf Um al-Hoş geschickt und schließlich in ein Krankenhaus in Aleppo eingeliefert. Derweil ist das Dorf Um al-Hoş vollständig von der Außenwelt abgeschottet.

Die Situation in Şehba ist besonders kompliziert und gefährlich. Aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion gegen das kurdische Kanton Efrîn, entwickelte sich die Wüstenregion zum Hotspot für Geflüchtete. Seither herrscht dort permanenter Ausnahmezustand. Grund dafür ist die besonders strategische Lage von Şehba und der von Şehba ausgehende kurdische Widerstand gegen die türkischen Besatzer und ihre dschihadistischen Milizen. Die Dörfer der Region sind deshalb regelmäßiges Ziel türkischer Angriffe. Der UN-Generalsekretär António Guterres hatte am 23. März zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Die kurdischen Streitkräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und die Kräfte der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sind dem Appell gefolgt und haben alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Die Angriffe der türkisch-islamistischen Milizen gehen dennoch ununterbrochen weiter. So berichtet der SDF-Kommandant Majed Fayyad al-Shibli, dass die türkischen Besatzer den Waffenstillstand und die Corona-Krise ausnutzen, um ihre Besatzungszone auszuweiten. Aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen der Türkei gegen die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien, ist die Region Şehba daher besonders gefährdet für Corona-Fälle. Doch auch das syrische Embargo gegen die Region erschwert die Situationen erheblich. Şehba wird von der syrischen Regierung stark sanktioniert, weshalb es bereits vor der Corona-Pandemie an Essen und Medizin gefehlt hat. Somit erweist sich die jetzige Situation als besonders kritisch, zumal es sowohl kaum medizinisches Personal gibt, geschweige überhaupt einen gültigen Corona-Test. Da Spenden und Dienstleistungen von Hilfsorganisationen durch türkische und syrische Seite vollständig verhindert werden, hat die dortige Verwaltung mit dem Bau einer zusätzlichen Intensivstation für Corona-Fälle begonnen. Diese hat 21 Behandlungszimmer und soll bereits in zehn Tagen einsatzbereit sein.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Rojava verlängert Ausgangssperre gegen Corona-Pandemie

Die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien versucht seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine Ausbreitung zu verhindern. Zu den Maßnahmen gehören Ausgangssperren und neue Reglementierungen für Beruf und Alltag.

In erster Linie hat das syrische Regime den Geltungsbereich der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sanktioniert. Zudem greifen die türkischen Besatzungskräfte weiterhin das Umland von Girê Xurma (Til Temir), Bozanî (Ain Issa) und der Wüstenregion Sheba an. Spenden und humanitäre Dienstleistungen werden darüber hinaus von beiden Seiten blockiert, weshalb es bisher keine Covid-19 Testmöglichkeiten in Rojava gibt. Die Anfrage der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien, genommene Proben in Damaskus testen zu lassen, ignorierten die Zuständigen der syrischen Regierung. Derweil gibt es daher keinen bestätigten Corona-Fall in Rojava.

Nichtsdestotrotz hat die Verwaltung von Rojava eine Ausgangssperre verhängt und den Betrieb von Geschäften auf das mindeste beschränkt. Die Ausgangssperre gilt seit dem 23. März und wurde gestern von der Selbstverwaltung um weitere zwei Wochen verlängert. Die Beschränkungen gelten also voraussichtlich bis zum 21. April, wobei erneute Verlängerungen der Alltagsbeschränkungen zu erwarten sind.

Die schwierige Lage in Rojava nahm vor allem in den letzten Tagen deutlich zu. So berichten Zuständige vor Ort, aber auch unzählige Medien wie zum Beispiel Deutsche Welle und Focus, dass die türkisch-islamistischen Milizen das wichtigste Wasserwerk der gesamten Region abgeschaltet haben. Vor allem war die Stadt und das Umland von Hesîçe (al-Hasaka) mit etwa 1.2 Millionen Menschen betroffen. Dadurch hatte nicht nur die normale Bevölkerung über 16 Tage hinweg keinen regelmäßigen Zugang zu Wasser, sondern auch Gefängnisse, Flüchtlingscamps und auch das Hauptquarantäne-Krankenhaus für Covid-19 in Nordost-Syrien. Die türkisch-islamistischen Milizen stehen unter direktem Befehl der türkischen Republik und leben Seite an Seite mit türkischen Soldaten in den zuvor besetzten Gebieten von Rojava. Erst durch den Druck nicht-kurdischer Akteure, war es Ingenieure der kurdischen Selbstverwaltung erlaubt, nach 16 Tagen die zerstörte Pipeline zu besichtigt und den Durchfluss wiederherzustellen. Daraufhin gab die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien bekannt, dass von nun an Wasser und Strom mit sofortiger Wirkung kostenlos für jeden Haushalt in Rojava ist. Damit soll die Bevölkerung entlastet werden, die durch die Beschränkungen der Geschäfte wegen der Corona-Pandemie in Bredouille ist.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

ENKS will Büros in Rojava wiedereröffnen

Der syrisch-kurdische Nationalrat (ENKS) kündigte am Sonntag offiziell die Wiedereröffnung Ihrer Büros in Rojava an. Die Selbstverwaltung in Rojava sagte in einer Erklärung, dass sie es dem ENKS erlauben würde, Büros in der Region wieder zu eröffnen.

Die Erklärung fügte hinzu, dass die kurdischen Behörden alle Rechtsverfahren gegen ENKS-Mitglieder einstellen und ein Komitee bilden werden, dass die Behauptungen der Opposition untersuchen soll.

Im Jahr 2016 verboten die Behörden der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien (NES) in Rojava die Aktivitäten der ENKS in der Region. Die Verwaltung schloss etwa 40 ihrer Büros und verhaftete Hunderte ENKS-Mitglieder, die teilweise später freigelassen wurden.
Die ENKS, eine von der Türkei unterstützte Organisation die sich gegen die regierende syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union PYD stellte, wurde im Oktober 2011 von Massoud Barzani und seiner KDP von Irakisch-Kurdistan gegründet. Die meisten ENKS-Mitglieder leben in der KRG, in der Türkei und in westlichen Ländern. Die ENKS, das aus 12 kleinen kurdischen Parteien besteht, hat keine wirkliche Autorität vor Ort in Rojava.

Die weltweit respektierte Autonome Verwaltung in Nordsyrien hat eine säkulare, dezentralisierte Selbstverwaltung, in der die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, die direkte Demokratie und die Verantwortung für die Umwelt betont werden.

In der vergangenen Woche forderte Michail Bogdanow, stellvertretender Außenminister der Russischen Föderation und Sonderbeauftragter des Präsidenten für den Nahen Osten, die kurdischen Parteien auf, sich zusammenzuschließen. Insbesondere für den künftigen Dialog mit dem syrischen Regime in Damaskus.
"Wir sagen immer, dass die kurdische Position kohärent, vereint, konstruktiv und realistisch sein muss, um die Grundlage für einen ernsthaften und verantwortungsvollen Dialog mit den anderen Parteien zu bilden.", sagte er gegenüber kurdischen Medien.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Türkische Invasion behindert schulische Bildung in Rojava

In der Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien (Rojava) können seit geraumer Zeit Zehntausende Schülerinnen und Schüler ihren Schulunterricht nicht mehr, beziehungsweise nur noch eingeschränkt, besuchen.

Aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion in Rojava, können entlang der syrisch-türkischen Grenze etwa 86.000 Schülerinnen und Schüler nicht mehr die Schule besuchen. Insgesamt befinden sich 300.000 Menschen in der Region auf der Flucht. Seit dem Angriff mussten 810 Schulen, die sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze befinden, geschlossen werden. Infolge der Invasion wurden bereits 20 Schulen von türkischer Artillerie getroffen. Schulen, die sich in den besetzten Gebieten befinden, wurden geplündert oder zu Stützpunkten der türkischen Besatzer umgebaut.

Mit einem Klick auf den Werbebanner unterstützen Sie Rojava News.

Auch Schulen, die sich außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone befanden, blieben von den Folgen des Angriffskrieges nicht verschont. Die Sprecherin der Schulverwaltung von Hesekê Jinda Ali Ehmê berichtet, dass 159 Schulen in Unterkünfte für Schutzsuchende umgewandelt wurden. Demnach wurden in Hesekê 68 Schulen, in Til Temir 65 und in Dirbêsiyê weitere 26 Schulen für die Unterkunft von Binnenflüchtlingen umgebaut.

Im Verlauf der Gefechte wurde auch die Stadt Til Temir zum neuen Ziel der türkischen Invasion. In der Stadt sind 126 Schulen registriert. Abgesehen von den Schulen, die für Binnenflüchtlingen umgebaut wurden, besuchten teilweise nur 500 Kinder und Jugendliche im gesamten Bezirk die Schule. Grund dafür ist die anhaltende Bedrohung seitens der türkischen Streitkräfte und ihren jihadistischen Milizen. Auch wenn über offizielle Kanäle der Waffenstillstand verkündet wurde, dauern die Gefechte und das Bombardement der Türkei an und fordern nach wie vor unzählige Tote und Verletzte.





Rojava News braucht Ihre Unterstützung. Wenn sie mit unserer Berichterstattung zufrieden sind, würden wir uns sehr über eine Spende von Ihnen freuen. Sie können einmalig spenden oder aber auch eine monatliche Spende einrichten, damit wir planen können. Jeder Euro hilft. Dazu können Sie auf den unteren Button klicken. Wir brauchen jede Unterstützung. Vielen Dank für Ihre Hilfe.
Ihr Rojava News – Team




Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Subscribe to this RSS feed