Türkische Invasion behindert schulische Bildung in Rojava

In der Demokratische Föderation Nord- und Ostsyrien (Rojava) können seit geraumer Zeit Zehntausende Schülerinnen und Schüler ihren Schulunterricht nicht mehr, beziehungsweise nur noch eingeschränkt, besuchen.

Aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion in Rojava, können entlang der syrisch-türkischen Grenze etwa 86.000 Schülerinnen und Schüler nicht mehr die Schule besuchen. Insgesamt befinden sich 300.000 Menschen in der Region auf der Flucht. Seit dem Angriff mussten 810 Schulen, die sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze befinden, geschlossen werden. Infolge der Invasion wurden bereits 20 Schulen von türkischer Artillerie getroffen. Schulen, die sich in den besetzten Gebieten befinden, wurden geplündert oder zu Stützpunkten der türkischen Besatzer umgebaut.

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Auch Schulen, die sich außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone befanden, blieben von den Folgen des Angriffskrieges nicht verschont. Die Sprecherin der Schulverwaltung von Hesekê Jinda Ali Ehmê berichtet, dass 159 Schulen in Unterkünfte für Schutzsuchende umgewandelt wurden. Demnach wurden in Hesekê 68 Schulen, in Til Temir 65 und in Dirbêsiyê weitere 26 Schulen für die Unterkunft von Binnenflüchtlingen umgebaut.

Im Verlauf der Gefechte wurde auch die Stadt Til Temir zum neuen Ziel der türkischen Invasion. In der Stadt sind 126 Schulen registriert. Abgesehen von den Schulen, die für Binnenflüchtlingen umgebaut wurden, besuchten teilweise nur 500 Kinder und Jugendliche im gesamten Bezirk die Schule. Grund dafür ist die anhaltende Bedrohung seitens der türkischen Streitkräfte und ihren jihadistischen Milizen. Auch wenn über offizielle Kanäle der Waffenstillstand verkündet wurde, dauern die Gefechte und das Bombardement der Türkei an und fordern nach wie vor unzählige Tote und Verletzte.





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Prozess gegen inhaftierten Selahattin Demirtas

Seit heute findet ein drei Tage langer Prozess gegen den inhaftierten HDP-Politiker Selahattin Demirtas statt. Demirtas war der ehemalige Ko-Vorsitzende der Demokratischen Partei der Völker und wurde in einer Nachtaktion am 04. November 2016 verhaftet.

Medien berichten das Demirtas zum Obersten Strafgerichtshof in Ankara gebracht wurde, an dem der Prozess stattfinden soll. Der ehemalige HDP-Vorsitzende steht mehreren Anklagen gegenüber. Eine davon sei die Präsidentenbeleidigung gegen Recep Tayyip Erdogan. Die Staatsanwaltschaft forderte wiederholt eine Gefängnisstrafe von 142 Jahre für Demirtas. Der Prozess geht vom 07. Bis zum 09.01 in Ankara. Parteimitglieder, Unterstützer, Freunde und Familie besuchen den Prozess. Ebenfalls Beobachter aus anderen Ländern sind anwesend. Vielen Besuchern wurde der Einlass verboten, wie zum Beispiel Jan Willem Scholten, Diplomat der Niederlande in Ankara.

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Am 04. November wurden Demirtas und 10 weitere HDP-Parlamentarier während einer Polizeirazzia festgenommen. Ihnen wird Terrorismus und Separatismus, basierend auf öffentliche Reden, die sie hielten, vorgeworfen. Ebenfalls wird ihnen eine Verbindung zu der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) vorgeworfen, welche in der Türkei als Terrororganisation gilt. Die HDP bestreitet jegliche Verbindungen zur PKK und beschuldigt die Polizei und die AKP diesen Grund geschaffen zu haben, um eine rechtliche Grundlage zur Inhaftierung der HDP-Parlamentarier zu haben.

Ein anderes Gericht in Ankara hatte zum Gerichtstag hatte einstimmig entschieden, dass Selahattin Demirtas unverzüglich freigelassen werden sollte. Demirtas sei illegal inhaftiert worden.





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Iran-Krise – Kurden die Profiteure?

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich immer weiter zu. Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch die USA und der daraus resultierenden Massenproteste im Iran und dem Irak, scheint ein Krieg zwischen den USA und dem Iran immer wahrscheinlicher.
Genau wie jedes Mal, wenn sich ein Konflikt im Nahen Osten andeutet, fragen sich viele Kurden ob und in wie fern sie von der Situation profitieren können.

Nicht erst seit dem Krieg gegen den IS in Syrien und dem Irak wissen die Amerikaner, dass die Kurden zulässige Bodenkämpfer sind auf die man sich verlassen kann, anders als viele andere Milizen und Militärs auf die sich die Amerikaner in der Vergangenheit verlassen haben.
Auch die Kurden wussten, dass sie mit den Amerikanern einen starken „Partner“ im Rücken haben, der sie im Falle eines Krieges unterstützen würde. Das dachten sowohl die Kurden im Irak, als auch in Nordsyrien.

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Doch spätestens seit dem gescheiterten Referendum in der Autonomen Region Kurdistan (Nordirak) und dem türkischen Einmarsch in Rojava, weiß auch der letzte Kurde, dass die USA seine eigenen Interessen vertritt und keine Rücksicht auf die Belange des kurdischen Volkes nimmt.
Dennoch sollte das kein Grund dafür sein, mögliche Chancen zu ignorieren. Gerade in solch einer brenzligen Situation, brauchen die Amerikaner nun wirklich jeden Verbündeten im Nahen Osten den sie finden können. Ob mit der Türkei, dem Irak oder auch anderen Ländern in der Umgebung, die Amerikaner verlieren immer stärker die Kontrolle über einst so treue Verbündete. Lediglich die Kurden waren es, auf die sich die Amis immer verlassen konnten.
Selbst nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus Nordsyrien haben sich die Kurden in Form des SDF- Generals Mazloum Abdi bei den Amerikanern für die jahrelange Unterstützung bedankt.

Erst gestern hat das irakische Parlament den Abzug aller US-Truppen im Irak als Reaktion auf die Massenproteste gefordert. Doch wollen die Amerikaner den Irak wirklich ohne weiteres verlassen? Das Land, welches strategisch sehr wichtig liegt, das Land welches über enorme Ölvorkommen verfügt, das Land in dem sie Milliarden investiert haben? Daran dürften die Amerikaner kein Interesse haben. Doch was bleibt ihnen anderes übrig als die Truppen abzuziehen, der Irak ist immerhin ein „souveräner“ Staat.

Genau an diesem Punkt kommen die Kurden ins Spiel. Gerade jetzt wäre es ein guter Zeitpunkt dafür Gespräche mit den Amerikanern einzuleiten, um die eigene Unabhängigkeit vom Irak voranzubringen. Was ist den Amerikanern wohl lieber: Ein zentraler irakischer Staat der unter dem Einfluss des Irans steht, oder ein kurdischer Staat der eher dem Westen zugewandt ist und eher „Amerika-Freundlich“ gesinnt ist? Die Antwort ist klar. Wenn nicht jetzt, wann dann?





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Jahresbilanz der kurdischen Widerstandseinheiten

Anfang des Jahres hat die Generalführung der Hezen Parastina Gel (HPG; deutsch: Volksverteidigungskräfte) eine Jahresbilanz für das vergangene Jahr 2019 veröffentlicht.

Der veröffentlichte Bericht zählt die ausgeführten Operationen der HPG und der türkischen Armee auf und zählt die Verluste auf beiden Seiten auf. Ebenfalls hat die Hezen Rizgariya Efrine (HRE; deutsch: Efrin Befreiungskräfte) ihren Jahresbericht veröffentlich und ebenfalls ihre Daten aufgezeigt.

Dem Bericht der HPG nach habe die Volksverteidigungskraft 339 Angriffe auf türkische Armee ausgeführt. Dabei seien 1220 türkische Soldaten, Polizisten und andere Militärbedienstete ausgeschalten worden. Davon seien 20 Ziele hochrangige Amtsinhaber gewesen. 266 weitere Besatzereinheiten wurden verwundet. Zudem sind 34 Militärfahrzeuge zerstört worden (Gepanzerte Fahrzeuge, militärische Fahrzeuge und Kampfpanzer) und 7 Helikopter sind stark beschädigt worden.
121 Operationen wurden ausgeführt, dessen Ausgang konnte aber leider nicht genau festgestellt werden.
Ebenfalls wird berichtet das 456 Guerilla im Kampf gegen die türkische Armee gefallen sind und weitere 6 sind festgenommen worden.

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In Beziehung dazu wurde auch angegeben das die türkische Armee 117 Flug- und Drohnenangriffe geflogen sei. Hinzu kommen 620 Angriffe durch Gunships. Gunship ist die spezielle Bezeichnung von Flugzeugen und Helikoptern, die extra für die Erdkampf- oder Luftnahunterstützung ausgerüstet sind.
Ebenfalls folgen noch 321 Angriffe mit Artillerie, Boden-Boden-Raketen und Kampfpanzern.

Im Vergleich dazu stehen die Zahlen der HRE die ihre Operationen in Efrin, der Shebaregion, in Tel-Rifaat, al-Bab, Azaz und Marae geführt haben. Zusammengefasst seien 252 Operationen ausgeführt worden bei denen 621 Terroristen und türkische Besatzersoldaten eliminiert wurden. Weitere 455 Terroristen und Besatzer sind verletzt worden und 6 HRE-Kämpfer sind im Kampf oder durch Luftschläge gefallen.
In den ausgeführten Operationen sind 55 feindliche Fahrzeuge der türkischen Armee zerstört worden. Darin inkludiert sind gepanzerte und militärische Fahrzeuge, Kampfpanzer und Transporter. Zahlreiche Waffen und Munition wurde sichergestellt durch die HRE.





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Unterstützt Our Bridge e.V.!

Wer wir sind
Our Bridge ist eine unpolitische, religiös unabhängige Hilfsorganisation, die sich für den Schutz, die Unterbringung und die Schulbildung von Vollwaisen, Halbwaisen und Kindern mit Behinderungen in den Krisengebieten des Nord-Irak (Südkurdistan) einsetzt.

Das humanitäre Engagement von Our Bridge e.V. ist die Antwort auf den mit unfassbarer Brutalität begangenen Völkermord an der jesidischen Minderheit im August 2014: Aus dem Schatten der Nacht überfielen die Mörder des selbsternannten Islamischen Staats die Region Shingal im Norden des Iraks. Seit Jahrhunderten hat die uralte Religionsgemeinschaft der Jesiden unter der Verfolgung islamischer Fanatiker zu leiden. Es geht um die nackte Existenz. Die Väter und Söhne der Jesiden werden auf Marktplätze und offene Felder getrieben und grausam hingerichtet. Mütter und Töchter werden tief ins Land verschleppt und in dunklen Hinterzimmern versklavt und geschändet. Der schwarze Sturm hinterlässt eine verlorene Generation von traumatisierten Waisenkindern. Ohne Zuhause, ohne Beschützer und ohne Zukunft.

Geboren aus der Not dieser Kinder wird Our Bridge e.V. einige Wochen nach dem Genozid von deutsch-kurdischen Studenten aus Oldenburg gegründet.
Wir wollen den zutiefst traumatisierten Kindern eine Brücke ins Leben, in die Zukunft sein.

Der Gründer von Our Bridge e.V., Paruar Bako, beschreibt die Brücke, die wir bauen: ,,Wir wollen den Überlebenden des Völkermords dabei helfen, den Glauben an sich selbst wiederzufinden und sie ermutigen, selbst die Veränderung zu sein, auf der sich ihre Zukunft erbaut. Mit unserer Brücke errichten wir gemeinsam Strukturen, die den Menschen Hoffnung geben: Dass ihre Träume und Wünsche wahr werden können, wenn sie als Gemeinschaft dafür arbeiten.“

Das Team von Our Bridge besteht in Deutschland aus mittlerweile 10 ehrenamtlichen Helfern, die jeden Tag hart daran arbeiten, den Menschen im Nord-Irak (Südkurdistan) Hoffnung auf einer besseren Zukunft zu schenken. 28 Festangestellte Lehrkräfte betreuen die Kinder in der Einrichtung.

Die Brücke
,,Wir erbauen eine starke, tragfähige Brücke, die Hilfeleistungen aus Deutschland in den Irak trägt und den Horizont öffnet für die Hoffnungen und Träume der Kinder,“ sagt Michael Erk (Vorstandsmitglied von Our Bridge e.V.).

Harman. Das Waisenhaus.
,,Harman“ bedeutet auf Kurdisch ,,Das, was bleibt.“

In den Jahren 2015/2016 war Paruar Bako unzählige Male mit Härtefällen konfrontiert, die ihn spüren ließen, dass einfache, das physische Überleben unterstützende Hilfeleistungen nicht ausreichen. Sehr oft handelt es sich um schwerst traumatisierte Voll- und Halbwaisen, die nach jahrelanger IS-Gefangenschaft entweder vom Sklavenmarkt freigekauft oder von der kurdischen Armee im Häuserkampf befreit wurden. Paruar erinnert sich an eine Mutter, die ihren 11 jährigen Sohn nach der Rückkehr aus der IS-Hölle beschreibt: ,,Er kämpft mit dem Trauma wie mit einem schwarzen Nebel im Kopf. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Ich weiß nicht, was ich tun soll und habe niemanden, der mir hilft.“

Im Herbst 2016 beginnt Our Bridge e.V. mit dem Bau einer Anlaufstelle für die Programmteilnehmer der Hilfsorganisation: Eine sichere Unterkunft für Waisen und Witwen, medizinischen Präventions- und Versorgungsprogrammen und einem Behandlungsraum für traumatisierte Kinder. Ein Zuhause auf einem Grundstück nur wenige hundert Meter entfernt vom UN-Flüchtlingslager in Xhanke/Nord-Irak(Südkurdistan), geschützt auf einem Hügel über dem See von Mossul.
Ein Haus, das bleibt. Hoffnung und Leuchtturm. Wir haben dem Haus den Namen „Harman“ gegeben, erzählt Haitham Hamid (Mitgründer von Our Bridge e.V.) stolz.

Unser Versprechen: Wir lassen Euch nicht alleine. Wir bleiben.
Durch die Unterstützung zahlreicher Spender sowie des namhaften Rappers Xatar, der gemeinsam mit Our Bridge e.V. ein Benefizkonzert in Berlin veranstaltet hat, konnte am 27.08.2017, in Anwesenheit des Bürgermeisters von Dohuk, endlich das „Harman“-Waisenhaus eröffnet werden. Zunächst zogen 24 Kinder im Alter von 4-15 Jahren und fünf Witwen ein.
Hier dürfen die Kinder erfahren, dass sie Freunde haben, die zuverlässig an ihrer Seite stehen, was immer auch geschehen mag.

Kinder wollen lernen. Das Bildungsprogramm
Im Frühling 2018 beschlossen Paruar und sein Team, das Hilfsprogramm für die Kinder auszuweiten. Ein Nebengebäude wurde errichtet, und die acht Schlafräume im Hauptgebäude wurden zu Klassenzimmern umgebaut.
Auf diese Weise wurde allen Kindern im Our Bride-Projekt in Xhanke der Weg zum Schulunterricht geebnet. Zusätzlich zu dem neuen Nebengebäude wurde ein Schulbus angeschafft, der die registrierten Kinder aus dem UN-Camp und den selbst gebauten Camps abholt und abends wieder nach Hause bringt. Heute lernen Tag für Tag mehr als 360 Kinder im Our Bridge Bildungszentrum.
Für die Unterweisung der Kinder in therapeutisch hilfreichen Handwerksarbeiten wurde eine Holz- und Fahrradwerkstatt eingerichtet, und für Nähkurse wurden Nähmaschinen gekauft.

Neue Notwendigkeiten
Die aktuellen Entwicklungen in Nordsyrien erfordern dringend humanitäre Intervention. Der Befund duldet keinen Aufschub. Nach Angaben der UN sind mindestens 190000 Menschen auf der Flucht vor der Militäroffensive in Nord-Syrien(Südkurdistan). 70000 davon sind Kinder. Auf der Suche nach Schutz erreichen jeden Tag Hunderte die irakische Grenze.
Erneut sind die Schwächsten unter uns, die Kinder, am schlimmsten betroffen.
Wir beabsichtigen deshalb, ein zweites Our Bridge Harman-Haus zu errichten. Damit möchte Our Bridge e.V. auf den weiteren schmerzhaften Teil der kurdischen Geschichte antworten. Erneut wurden unschuldige Kinder durch Aggressoren zu Waisen gemacht.

Präambel für die Zukunft
Für die Zukunft von Our Bridge e.V. hat Paruar mit seinem Team drei Vorsätze erarbeitet.

1. Nicht müde werden.
Nach Erfolgen ruhen wir uns nicht aus. Wir stehen in der Verantwortung, den Funken der Hoffnung im Leben der Kinder am Leben zu halten.
Die größte Angst von Kindern ist Stillstand.
Jeder Tag ist ein Geschenk.

2. Bildung beginnt bei uns.
Um die Möglichkeiten für unseren Schulunterricht stets zu verbessern und auszubauen, werden wir unserem jungen Lehrerteam verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten finanzieren und ihre Ausbildung entschieden fördern. Die Lehrer tragen die Neugier und Fantasie der Kinder auf ihren Schultern.

3. Verantwortung teilen.
Zusammenhalt und Zugehörigkeit sind unsere Motivation und der Antrieb der Kinder. Our Bridge e.V. soll sich von den Fesseln des Institutionellen befreien. Unser Projekt soll atmen dürfen. Es soll ein Zuhause in den Herzen der Kinder sein, eine Gemeinschaft, eine Familie, in der die Kinder im eigenen Erwachsenwerden immer mehr Verantwortung übernehmen, sich für das Miteinander einsetzen und ihren Nächsten beschützen.“

Was Sie tun können
Als Sponsor oder Partner kann jeder Teil dieser Brücke werden. Mit dem Kauf eines Grundsteins oder der Übernahme einer Patenschaft kann jeder zu einem Familienmitglied von Our Bridge e.V. werden.

Menschen zu helfen ist uns eine Herzensangelegenheit. Sie macht nicht nur glücklich, sondern die Welt ein kleines Stückchen besser. Deshalb blickt Our Bridge e.V. entschlossen in die Zukunft – bereit, die Brücke auszubauen und tragfähige Projekte weiterzuentwickeln.

Für die Kinder.
Für die Zukunft.
Für uns alle.

Bankdaten:

IBAN: DE77 28050100 0091247536
BIC: SLZODE22XXX
Bank: LZO


Webpage: www.ourbridge.de

Unterstützt Heyva Sor a Kurdistanê e.V.!

Über die Hilfsorganisation
Heyva Sor a Kurdistanê e.V. wurde im Jahre 1993 in Bochum / Deutschland gegründet. Seitdem ist der Verein mit seinen 190 deutschlandweit tätigen ehrenamtlichen Mitarbeitern Segen und Hoffnung für notleidende Menschen überall rund um Rojava, besonders wo Kriege geführt und Menschen vertrieben werden. Heyva a Sor a Kurdistanê ist eine wohltätige Institution und wird von der kurdischen Bevölkerung unterstützt.

Ihre Vision:
Zu den Grundprinzipien der Heyva a Sor Kurdistanê e.V. gehört unbedingte die Transparenz aller Mitarbeiter u.a. bei der Verteilung des Spendenaufkommens, damit die Hilfe für die Bedürftigen auch ankommt.

Ihre Mission:
Heyva Sor a Kurdistanê handelt nach folgenden Prinzipien:

1 -Linderung des Krieges in den betroffenen Orten.
2 - Hilfe und Aktivitäten in Katastrophengebieten.
3 - Linderung der Armut in vom Krieg gezeichneten Gebieten und weitere Aktivitäten.

Ihre Arbeitsprinzipien:

1 - Hilfsbedürftige unterstützen, Persönlichkeiten aufbauen, enttraumatisieren und Freundschaften pflegen zwischen Notleidenden und Helfern.
2 - Jedem Notleidenden helfen, ohne Ansehen der Person, Herkunft und Ethnie.
3 - Mit Fleiß, Engagement und Beharrlichkeit zum Ziel gelangen, so dass es am Ende allen besser geht.
4 - Darauf hinarbeiten, dass auch die notleidende Bevölkerung selbst Verantwortung an wichtiger Stelle übernehmen kann.
5 - Sensibel mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen umgehen. Schließlich sollen Beziehungen nicht zu Hindernissen und Schwierigkeiten, sondern zu gegenseitiger Achtung, Unterstützung und Hilfe führen.
6 - Hilfsaktionen zum Erfolg führen, sich immer seiner großen Aufgabe bewusst sein und Wege zum gegenseitigen Erfolg finden.
7 - Immer gute Beziehungen pflegen und für unsere Zielgruppe, die notleidende Bevölkerung da sein.
8 - Uneigennützig nach unseren Direktiven und ohne große Erwartungen handeln.
9 - Unser Handeln in unseren Projekten beispielhaft mit unseren Direktiven verbinden.

Falls ihr euch fragt was ihr tun könnt um den Menschen in Rojava bzw Nordsyrien zu helfen, dann habt ihr hier die Möglichkeit einer transparenten Hilfsorganisation zu spenden um ihnen die Arbeit zu ermöglichen, die sie tagtäglich dort leisten.

Bankdaten:
Heyva Sor a Kurdistanê e. V.
Wilhelmstr. 12
53840 Troisdorf, Deutschland

Kreissparkasse Köln

IBAN: DE 49 370 502 99 000 40 10 481
BIC/SWIFT: COKSDE33XXX

Spenden über Paypal

Webpage: www.heyvasor.com

Analyse der geostrategischen Optionen der Kurden in Süd- und Westkurdistan

Experten gehen davon aus, dass bis 2040 aufgrund von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und schlechtem Wassermanagement die zwei großen Flüsse Mesopotamiens, Euphrat und Tigris, komplett ausgetrocknet sein werden. Schon jetzt machen sich die verschwindenden Wasserreserven bemerkbar und sind einer der wichtigsten, wenn auch nicht offensichtlichsten Gründe für die regionalen Konflikte. Es ist aber davon auszugehen, dass sich diese Konflikte massiv verschlimmern werden, wenn der Kampf um die unzureichenden lebensnotwendigen Ressourcen in den Vordergrund tritt.

Für die Kurdischen Kräfte bedeutet dies im Konkreten, dass sie noch etwa zehn bis fünfzehn Jahre Zeit haben, eine stabile Stellung unter den Kräften des Nahen Ostens zu bekommen. Andernfalls könnte dies ein Szenario vergleichbar mit dem Armenischen Völkermord oder schlimmer, bis hin zu totaler Diaspora, die dann aber auch kaum einen Weg nach Europa finden dürfte, bedeuten.

Das Hauptproblem, mit dem die Kurden im Nahen Ostens zu kämpfen haben ist die Aufspaltung in vier Unterdrückerstaaten, von denen zwei – Türkei und Iran – auch noch mit die wichtigsten regionalen Powerbroker sind und des Weiteren die Kurden von direktem Meereszugang abgeschnitten sind. Es hat sich bereits gezeigt, dass diese Staaten im Notfall auch trotz sonstiger Gegnerschaft kooperieren, um die Kurden zu besiegen. Trotzdem mussten bestehende Kurdische Kräfte auch unter anderem auf ökonomischer Ebene zusammenarbeiten, um bestehen zu können; Manche taten dies aus persönlichen Interessen vermutlich auch mehr als nötig.

Ein direkter Meerzugang für die Kurden, würde die Chance bieten eine unabhängige Wirtschaft aufzubauen. Derzeit ist die Autonome Region Kurdistan abhängig vom Irak, Iran und der Türkei. Die offenen Transferlinien der Türkei zur Autonomen Region Kurdistan, ist der Grund für den Großen Einfluss der Türkei auf Südkurdistan. Geschlossene Grenzen der drei angrenzenden Staaten – Irak, Türkei und Iran – würde bedeuten, dass die Autonome Region Kurdistan ausgehungert wird. Es käme einer Belagerung gleich die sich nicht halten könnte. Der Aufbau eines wirtschaftlichen Systems in allen Teilen Kurdistans ist essentiell für die Kurdische Freiheitsbewegung. Die Verfolgung dieses nachhaltigen Gedankens, verfolgte zum Beispiel die PYD/SDF in Syrien, mit dem Plan einen Korridor bis zum Mittelmeer entlang der türkischen Staatsgrenze zu schaffen. Letztendlich wurde die SDF daran gehindert, die Voraussetzungen für einen Post-Bürgerkrieg-Stabilitätsfaktor zu etablieren und damit auch die Voraussetzungen für das erfolgreiche Voranschreiten des Kurdischen Freiheitskampfes. Die Türkei hatte kein Interesse daran die Kurden in Syrien wirtschaftlich unabhängig werden zu lassen. Denn ein Korridor zum Mittelmeer würde den Einfluss der Türkei in irakisch-Kurdistan aufs mindeste Beschränken und Rojava und Bashur (Rojava = Westkurdistan, also der Teil Kurdistans der von Syrien besetzt wird; Bashur = Südkurdistan, der Teil der in Irak seine Autonomie innerhalb des Iraks etabliert hat) durch andere Handels- und Wirtschaftspartner rund um den Globus stärken. Das Resultat dieser unterbindenden Strategie der Türkei zum Schwächen der Kurdischen Bestrebungen ist die Afrin-Invasion und die Idlib-Bestrebungen der Türkei.

Nun ist es auch so, dass alle vier Staaten, wie zum Beispiel Türkei und Iran, wirtschaftlich und militärisch sehr mächtig sind, oder wie die Türkei von der NATO und Syrien von Russland unterstützt werden. Der Iran ist dabei derzeit sogar selbst in der Lage, Syrien und Irak zusätzlich zu unterstützen. Ebenfalls entwickelt sich die iranisch-russische Beziehung stetig weiter. Diese Machtstrukturen führen durch den damit gegebenen technischen Vorteil dazu, dass die Kurdische Befreiungsbewegung auf großer Ebene leider nicht auf internationale Unterstützer verzichten kann.

Derzeit konzentriert sich diese vor Allem auf die Beziehungen zu den USA sowie europäischen Ländern wie Frankreich und Italien. Man sollte sich jedoch im Klaren sein, dass diesem Bündnis aufgrund der NATO-Mitgliedschaft der Türkei, der strategischen Wichtigkeit des Landes, insbesondere durch die Lage am Bosporus sowie der Erpressungsmöglichkeiten auf europäische Staaten durch den Flüchtlings-Deal Grenzen gesetzt sind. Das heißt im Konkreten, dass sich diese Staaten im Zweifel auf die Seite der Türkei schlagen werden, geschehen unter Anderem bei der Invasion Efrîns. Das ein etablierter Staat einer Volksgruppe, die sich nicht mal untereinander Einig ist, vorgezogen wird ist ein logischer Schluss. Immerhin besitzt die Türkei eine Wirtschaftlichkeit und bietet viele Möglichkeiten für Investoren. Während eine Volksgruppe De-Jure keine Gewalt über die von Ihnen bewohnte Fläche hat. Die Nähe zu europäischen Staaten und der Zugang zum Mittelmeer erleichtern den Willen zur Kooperation für europäische Staaten mit der Türkei. Besonders Staaten die sich in einer wirtschaftlichen Krise bzw. Pre-Krise befinden, wie zum Beispiel Großbritannien, dass durch den Brexit aus der EU austritt, versuchen durch den Verlust des Zugangs zum freien europäischen Markt dadurch auszugleichen, dass sie sich alternative Wirtschaftspartner und Investitionsmöglichkeiten suchen.

Zwischen den europäischen Staaten gibt es dabei noch einmal Unterschiede. So versucht Frankreich zunehmend, als internationaler Sicherheitsgarant aufzutreten und ist dabei, seine Beziehungen zu den Kurden auszubauen. Durch seine etwas größere Entfernung zu der Türkei kann es die Drohungen der Türkei, den Flüchtlings-Deal aufzulösen auch eher ignorieren, ähnlich wie Italien oder Spanien. Mit diesen Staaten könnten durch geschickte Verhandlungen zumindest bis zu einem gewissen Grad effektive Allianzen aufgebaut werden. Schwieriger gestaltet es sich mit Staaten wie Deutschland oder Großbritannien, in denen relativ viele türkische Bürger leben und die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Türkei pflegen. Einen Sonderfall bilden Griechenland und Zypern, die eine tiefsitzende historische Feindschaft zur Türkei pflegen. Im Falle der wirtschaftlichen Erholung dieser Staaten sowie einer Beruhigung der Flüchtlingsproblematik könnten hier verlässliche Partner gewonnen werden, auch wenn sie nicht so mächtig sind wie manche andere Länder. Ebenso ist Österreich ein Sonderfall. Ihre merkliche Abneigung gegen die jüngst auftretenden politischen Entwicklungen der Türkei und der Ausbau autoritärer Strukturen, halten die österreichisch-türkischen Beziehungen in Atem. Österreich ist innerhalb der NATO und der EU der größte Gegner der Türkei. Im letzten europäischen Votum über das Vorantreiben der türkischen Eintrittsgespräche in die EU, hatte sich nur Österreich dafür ausgesprochen die Verhandlungen komplett abzubrechen. Einem Statement nach, sei die Türkei durch den Ausbau ihrer autoritären Strukturen, der Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit und der Übertretungen von Menschenrechten, nicht dazu geeignet und berechtigt Teil der Europäischen Union zu sein. Durch den Ausbau von Kurdisch-Österreichischen Beziehungen kann hier ein wichtiger und starker politischer Freund gefunden werden. Ein politischer Unterhändler für die Kurdisch-europäischen Beziehungen der im Gegensatz zu den diktatorischen Bestrebungen der Türkei steht.

Der faktisch wichtigste Partner der Kurden sind die USA auf der anderen Seite des Atlantik. Mit der Irak-Invasion und der daraus resultierenden Freiheit und Eigenständigkeit der Kurden im Irak, haben die US-Amerikaner seit jeher die Sympathie der Kurden für sich gewonnen. Diese Freundschaft zwischen den Kurden und der US-Regierung zeigt sich vor allem durch mehrere Basen der US-Streitkräfte im Kurdischen Autonomiegebiet, gemeinsame Militärübungen und Operationen und der Zusammenarbeit im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Die größte Schwachstelle in dieser Beziehung liegt aber in der geringen Tragweite des Kurdischen Einflusses, ihrer minderen wirtschaftlichen und politischen Stabilität und den großen Erwartungen der USA in ihrer Bestrebung den Nahen Osten durch ihren Einfluss komplett zu kontrollieren. Hauptgegner im Kampf um mehr Einfluss sind Russland und Iran. Für die US-Regierung haben die Kurden zu geringe Macht im Nahen Osten, als das sie ihren Bestrebungen dienlich sein könnten, weshalb eher existierende Staaten weitaus interessantere Partner sind als das Kurdische Autonomiegebiet.

Aber auch durch schlechtes strategisches Denken haben die USA ihren Einfluss im Nahen Osten gemindert. Durch die fehlende dominante US-Diplomatie haben die Vereinigten Staaten die Chance verpasst, Irans und Russlands Einfluss zu brechen. Der Ausschlaggebende Punkt ist die Unterstützung der „Syrian Democratic Forces“ – Kurz SDF – welche eher zurückhaltend betrieben wird. Auch die zum Teil fehlende Unterstützung der Autonomen Region Kurdistan, waren der Kurdischen Freiheitsbewegung nicht dienlich. Dadurch das es den Kurden nicht gelungen ist gute Lobbyarbeit zu betreiben, gelang es der Türkei, durch den Segen der USA, in Syrien einzumarschieren und die vorher schon durch die SDF vom IS befreiten Regionen, zu besetzen und den Kurdischen Einfluss zu stoppen. Als NATO-Mitglied, wird die Türkei also weiterhin stärker bevorzugt werden, als die Kurden. Durch die fehlende politische Stärke der Trump-Administration wird die Sympathie zu den US-Werten und die Freundschaft der Kurden nicht genug gewürdigt, wodurch die USA einen wichtigen Einflussfaktor verlieren und die Kurden keinen verlässlichen Verbündeten bekommen.

Wie also gestalten sich Bündnismöglichkeiten außerhalb der NATO-Staaten? In der arabischen Welt dürfte es schwierig werden, Partner zu finden, da die Staaten meist entweder den Kurden feindlich gegenüberstehen oder wie Ägypten mit inneren Problemen beschäftigt sind. Saudi-Arabien hat bereits zu gewissem Grade eine Bündnisbereitschaft angedeutet, hierbei besteht aber immer auch die Gefahr, dass man sich dadurch zu sehr in die Sunni-Schia-Konfliktlinie ziehen lassen könnte, insbesondere, da Saudi-Arabien teilweise für die Ausbreitung von Salafisten verantwortlich ist und eine fast katastrophale strategische Politik fährt, die trotz massiven Investitionen fast in allen Staaten gegen die Wand fährt. Die innenpolitischen Spannungen des Landes sind zudem ein Faktor, der für eine steigenden Instabilität des Staates spricht. Weshalb Saudi-Arabien zwar ein, zu gewissen Graden, verlässlicher Partner sein kann, diese Partnerschaft jedoch nicht von Dauer sein wird.

Regionale Staaten wie Georgien und Armenien stehen der Kurdischen Befreiungsbewegung zwar eher freundlich gegenüber, geben sich aber gleichzeitig Mühe am Anschluss an Europa zu arbeiten und nicht in die Konflikte des Nahen Ostens hineingezogen zu werden. Insbesondere Armenien ist durch die Bedrohung Aserbaidschans auf Artsakh wohl fast vollständig auf die eigene Verteidigung ausgerichtet. Eine wichtige Möglichkeit könnte die Zusammenarbeit mit Israel darstellen, da Israel keine Verbündeten in der Region hat und praktisch von Feinden umringt ist. Gleichzeitig ist Israel sowohl ein wohlhabender als auch ein militärisch schlagkräftiger Staat. Insgesamt bieten sich in der Zusammenarbeit mit Israel fraglos bedeutende und realistische Chancen. Als einziger Staat hat sich Israel bei dem Referendum um die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan im Irak, für einen Kurdischen Staat ausgesprochen. Die Israel-freundliche Einstellung der Kurden und ähnliche Situation bilden hierbei den Faktor für eine mögliche enge Freundschaft auf politischer und militärischer Ebene. Durch die zunehmende Israel-feindliche Stimmung der Türkei und die iranische Rivalität, ist Israel mehr als nur interessiert an einem Kurdischen Staat und somit einem Stabilitätspuffer im Nahen Osten. Die antagonistische Haltung der Türkei und des Irans zu den Kurden und Israel, bieten deshalb ideale Voraussetzungen für eine dichte politische Zusammenarbeit. Ebenso wie die USA, ist Israel interessiert daran den iranischen Einfluss aus Irak und Syrien zu drängen. Weshalb eine Zusammenarbeit mit den Kurden nötig ist. Die Kurdische Freiheitsbewegung sollte eine Strategie entwerfen, mit der sie Israelisch-Kurdische Beziehungen stärken, sie aber nicht auf kosten des Islams aufbaut, um andere muslimische Staaten nicht zu einer ebenso großen antagonistischen Haltung zu zwingen, wie es die Türkei und der Iran schon sind.

Es bleiben nun noch die Perspektiven bei bedeutenden Weltmächten wie Russland, Indien und China zu besprechen. Russland hat im Syrienkrieg als Verbündeter al-Assads bewiesen, dass es als loyaler, schlagkräftiger und stoischer Verbündeter auftreten kann. Als geopolitischer Gegenspieler der USA müsste man aber für ein theoretisches Bündnis mit Russland von den Amerikanern abrücken. Selbst dann würde sich aber noch die Frage stellen, ob Russland an diesem Bündnis überhaupt interessiert wäre. Indien und China sind als neue geopolitische Aufsteiger bislang noch nicht sonderlich offensiv aufgetreten. Der Konflikt im Chinesischen Meer kann daher als erstes Muskelspiel angesehen werden und könnte das Startsignal für weitere internationale Operationen bedeuten. Auch hier ist aber das Problem, dass sich China eher als Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten betrachtet, im Nahen Osten bislang keine deutlichen geostrategischen Interessen gezeigt hat und wohl tendenziell die Zusammenarbeit mit etablierten Partnern vorziehen wird. Auch Indien hat bislang kaum größere internationale Operationen getätigt. Durch die Feindschaft mit Pakistan, das im weiteren Spektrum zur Achse Erdogans gezählt werden kann, sind hier zumindest tendenziell Sympathien vorhanden. Wenn es Kurdische Autoritäten schaffen, an diesen anzusetzen und schlau verhandeln, könnte hier ein wichtiges Bündnis entstehen. Da Indien auf der geopolitischen Bühne noch unerfahren ist und kaum eine unverantwortliche Arroganz wie die USA an den Tag legen wird, kann davon ausgegangen werden, dass Indien als verlässlicher Verbündeter handeln würde, was zusammen mit der dahinter stehenden militärischen Stärke ein gewaltiger Vorteil für die Kurdische Bewegung wäre. Die Schwierigkeit dürfte hier darin bestehen, Indien von einer aktiven Außenpolitik zu überzeugen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kurdische Befreiungsbewegung trotz mächtiger Gegenspieler wie Türkei und Iran und begrenzt loyaler Verbündeter auf internationaler Ebene trotz alledem Perspektiven hat, die mit intelligent geführten Verhandlungen aktiviert werden könnten. Im Weiteren sind kommende großflächige innere Streitigkeiten in Türkei und Iran nicht auszuschließen, was eine gewaltige Chance entstehen ließe. Ein Ausschluss der Türkei aus der NATO ist eher unwahrscheinlich, würde aber auch bedeutende Möglichkeiten entstehen lassen, die die Etablierung eines Kurdischen Staates ermöglichen könnten. Grundlegend hierfür ist dabei die Einigkeit der verschiedenen Parteien nach außen sowie die Bekämpfung von Korruption und Kollaborateuren. Im Innern kann und wird es natürlich immer Meinungsunterschiede zwischen den Parteien geben; diese sollten sich aber auf eine politische Arena beschränken und nicht die militärische Einigkeit gefährden. Im Endeffekt bleibt die Zukunft natürlich trotz alledem sehr unberechenbar, aber es kann nicht schaden, sich über mögliche Strategien Gedanken zu machen, wenn man längerfristig in den Machtstrukturen des Nahen Ostens überleben möchte.

Ein Beitrag von Passar Hariky und Manuel Kammermüller

16. Mai 1997 - Das Massaker von Hewler

In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1997 ist das türkische Militär mit 200.000 Soldaten und 10.000 „Dorfschützern“ - unterstützt von Kampfflugzeugen und Artillerie - in Südkurdistan (Nordirak) einmarschiert. Das türkische Militär und die damalige türkische Koalitionsregierung von Wohlfahrtspartei (türk. Refah Partisi) und Partei des Rechten Weges (türk. Doğru Yol Partisi) bezeichneten diese Operation als die größte Militäroperation, die in die türkische Geschichte einging. Diese Militäroperation war bis zu diesem Tag gleichzeitig auch der 19. Einmarsch des türkischen Militärs in Südkurdistan.

Bereits im Vorfeld des Einmarsches wurden die Grenzgebiete zum Irak und Iran flächendeckend bombardiert, wobei zahlreiche Dörfer in den Gebieten Haftanin, Sinath, Derkar, Gare u.a. zerstört wurden, sodass tausende BewohnerInnen flüchten mussten.
Vor Beginn des Einmarsches gaben die südkurdischen Parteien, die Patriotische Union Kurdistans (PUK) und die Demokratische Partei Kurdistans (KDP), durch ihre Medien bekannt, dass sie sich bei den Operationen gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nicht auf die Seite des türkischen Staates stellen und sich aus den Gefechten raushalten werden. Sie erklärten, dass sie nie wieder ihre Waffen gegen eine andere kurdische Organisation erheben werden. Das kurdische Volk forderte ein Ende des Brudermordes (Birakûjî) und rief zu einer Einheit auf.

Doch die KDP hielt ihr Wort nicht und beteiligte sich aktiv an der sogenannten „Hammer-Operation“ des türkischen Militärs gegen die PKK. Die Teilnahme der KDP beschränkte sich nicht nur auf die Gefechte, sondern griff über auf die Städte in Südkurdistan. So wurde am zweiten Tag der Invasion, am 16. Mai 1997 ein Krankenhaus des Kurdischen Roten Halbmondes namens „Stiftung für das Leben und den Aufbau Kurdistans“ (kurd. Dezgay Jiyan û Awedan, DJAK) für Verletzte der PKK und viele andere Einrichtungen der PKK-nahen Organisationen, wie z.B. Parteibüros der YNDK (Nationaldemokratische Einheit Kurdistans), der YAJK (Verband der Freiheit der Frauen Kurdistan), das Mesopotamia Kulturzentrum, das Büro der Zeitung Welat (Heimat) und Welatê Roj (Die Heimat der Sonne) in der Stadt Hewler von schwerbewaffneten KDP-Milizen überfallen. Alleine im Krankenhaus für Verletzte der PKK ermordete die KDP 62 verletzte und kranke PKK-KämpferInnen. Insgesamt haben KDP-Milizen 83 PKK-Mitglieder ermordet.

Dieses schwarze Ereignis ging in die kurdische Geschichte als „das Massaker von Hewler“ ein. Das Lied „Hewlêr“ von Hozan Serhad - einer der populärsten Künstler der kurdischen Guerilla-Musik - ist an das Massaker vom 16. Mai 1997 in Hewler gewidmet.

Ein Beitrag von Ismail Zagros
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