IS greift großflächig irakische Kräfte an

In den letzten Tagen griffen Kämpfer des Islamischen Staates mehrere Stellungen der irakischen Armee und der vom Iran angeführten Hashd al-Shaabi an.

- Die angegriffenen Stellungen befinden sich Nahe Tikrit, Balad, Samarra, Al-Dur und weiteren abgelegenen Orten der Salahuddin Provinz.
- Dieser Angriff reiht sich ein in dutzende weitere Angriffe des IS in den vergangenen Monaten.
- Der Angriff offenbart die militärische Stärke, die der Islamische Staat im Irak weiterhin besitzt.


Die irakische Armee hat nach ihren Angaben auf die Angriffe sofort reagiert und sendete Verstärkungen an die angegriffenen Stellungen. Hinzu kam der Einsatz der irakischen Luftwaffe, die unterstützend und aufklärend den Bodeneinheiten assistierte.
Allerdings scheint die Effektivität der irakischen Luftwaffe nicht signifikant gewesen zu sein, da die irakische Armee in ihrer Stellungnahme nur von drei getöteten Kämpfern des Islamischen Staates spricht, obwohl sie diese Zahlen eigentlich immer zum Zwecke der Moral und der Propaganda verdoppeln oder verdreifachen.
Auch die Verstärkungen der irakischen Armee scheinen keine signifikante Hilfe gewesen zu sein, da diese erst mit einer Verspätung von einer Stunde an den Stellungen ankamen und sich teilweise nach kurzer Zeit wieder zurückziehen mussten und einige Stellungen komplett aufgeben mussten. So wurden mehrere Stellungen der irakischen Armee und der Hashd al-Shaabi zerstört oder komplett niedergebrannt.
Im Gegensatz dazu stehen die Opferzahlen der Hashd al Shaabi und der irakischen Armee, die laut dem Statement nur bei 10 liegen. Einer Zahl der man angesichts der Historie von Verschönerungen von Opferzahlen und des offensichtlichen Ausmaßes des Angriffes wenig Glauben schenken kann.

Die Angriffe zeigen deutlich, wie Stark der Islamische Staat im Irak geworden ist und mit welcher militärischen Härte sie angreifen können. Es fällt dabei auf, das der Islamische Staat über die Gegenmaßnahmen der Hashd al-Shaabi und der irakischen Armee sehr gut informiert ist.
So haben sie bei ihren Angriffen IEDs (Improvised explosive devices - Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung) an den Routen platziert, um die Verstärkung der irakischen Armee und der Hashd al-Shaabi abzufangen.

Diese Vorgehensweise zeigt wie der Islamische Staat über die nötigen Informationen verfügt, um große und stärkere militärische Strukturen auszuhebeln und das Ungleichgewicht der Kräfte auszugleichen.
Diese militärische Expertise stellt den Irak erneut vor einer enormen Herausforderung, welche ähnlich wie 2014, dem IS den Freiraum lässt erneut große Teile des Landes zu erobern.

Es ist unklar wie die militärische Führung des Landes auf diese Bedrohung reagieren wird. Vergangene Angriffe des IS, wie kürzlich Ende April auf die Energieinfrastruktur der Provinz Diyala wobei mehr als 1,700 Megawatt vom Stromnetz gegangen sind, zeigen wie überfordert der Irak mit der Bekämpfung der IS-Zellen ist.
Eine Wiederholung des 2014-Szenarios, bei der die irakische Armee komplett kollabierte und dem IS den Weg bahnte große Teile des Landes zu erobern, scheint immer wahrscheinlicher.



Editiert von Passar Hariky



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Kurdische Frau durch irakische Armee vergewaltigt

Am 1.April 2020 wurde eine kurdische Frau mit Behinderung von einer Gruppe Männern in der kurdischen Provinz Kirkuk nahe der Stadt Altun Kupri vergewaltigt. Die Männer sind alle Mitglieder der irakischen Armee, Polizei und der vom Iran geführten Hashd al-Shaabi.

• Die irakische Regierung hat zuallererst versucht die Tat zu vertuschen
• Erst als Journalisten begannen dieses Verbrechen zu veröffentlichen, hat der irakische Regierung die Strafverfolgung aufgenommen
• An der Straftat waren ersten Erkenntnissen nach 8 Männer beteiligt, die irakische Regierung ließ nur zwei verhaften


Die beteiligten Männer haben die gesamte Vergewaltigung mit ihren Handys gefilmt und veröffentlichten anschließend das Video auf mehreren sozialen Netzwerken.

Die Abscheulichkeit dieser Tat motivierte auch den ehemaligen Regionalspräsidenten Massud Barzani dazu, ein Statement zu veröffentlichen, in der er die lückenlose Aufklärung dieses Tat fordert und die Höchststrafe für alle Täter verlangt.
Es heißt „Lass niemanden glauben, dass dieses Verbrechen ohne Bestrafung vergehen oder ignoriert wird. Dieses Verbrechen trübt nicht nur die Würde der Bevölkerung von Kirkuk, sondern die des kurdischen Volkes. Die Täter dieser Verachtungswürdigen Tat, sollten mit der Höchststrafe bestraft werden“.

Die irakischen Sicherheitsbehörden haben allerdings nur zwei Männer festgenommen, wovon einer ein IDP (internally displaced people = Flüchtling innerhalb der eigenen Staatsgrenzen) ist und der andere ein ehemaliger Polizist, welcher gefeuert wurde und seit zwei Wochen wieder im Dienst ist.
Die irakischen Sicherheitsbehörden verneinen vehement jede Mittäterschaft von Mitgliedern der Hashd al-Shaabi.

Es liegt nahe, das die irakischen Behörden ihre eigene Mittäterschaft verschleiern möchten und die Ermittlungen behindern. Da die Täter der Vergewaltigung selber alle Mitglieder der irakischen Sicherheitsbehörden sind, ist es ausgeschlossen das sie gegen sich selber ermitteln.

Das Opfer dieser Vergewaltigung ist eine 40-jährige Frau mit geistiger Behinderung. Sie ist auf Medikamente angewiesen. Ihr Ehemann ist körperlich behindert und kann seine Beine kaum bewegen.
Beide Leben derzeit von Spenden anderer und Leben in einer Wohnung, welche von einer Privatperson zur Verfügung gestellt wird. Obwohl beide Personen einen rechtlichen Anspruch auf Hilfsgelder und einer staatlich finanzierten Wohnung haben, lehnt der irakische Staat alle Anträge grundlos ab.



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Peschmerga sterben bei Überfall durch Islamischen Staat

Am Abend des Donnerstags 07.04.2020 griffen Kämpfer des Islamischen Staates in der Garmiyan Region eine Position der Peschmerga an.
• Zwei Peschmerga sind bei diesem Überraschungsangriff gefallen • Zeitgleich sind mehrere Granaten in den Stadtkern von Kulajo eingeschlagen • Dieser Angriff ist der dritte massive und tödliche Angriff in Folge


In diesem gut vorbereiteten blitzartigen Angriff gegen die Peschmerga, sind zwei Peschmerga gefallen und ein Peschmerga wurde schwer verletzt. Zeitgleich sind mehrere Granaten in der Stadt Kulajo eingeschlagen.
Nach derzeitiger Erkenntnislage, konnten die Kämpfer des Islamischen Staates sich an die Peschmerga heranschleichen, indem sie das Gebiet durchquerten welches von der irakischen Armee kontrolliert wird. Von dort konnten sie ebenfalls ungestört den Stadtkern der Stadt Kulajo bombardieren.
Die Peschmerga konnte nach stundenlangen Gefechten, den Angriff endgültig abwehren.

Die Aktivitäten des Islamischen Staates nahmen in den jüngsten Wochen enorm zu. Allein in dieser Woche kam es zu drei Angriffen auf irakische Sicherheitskräfte. Bemerkenswert bei dieser neuen Angriffswelle ist, wie organisiert und durchdacht der Islamische Staat vorgeht.
So griffen nahe Kirkuk beispielsweise am Montag den 06.04.2020 Kämpfer des Islamischen Staates, einen Checkpoint der Irakischen Sicherheitskräfte an. Die irakischen Sicherheitskräfte forderten sofort Verstärkung an und mehrere Einheiten der irakischen Armee machten sich sofort auf den Weg. Kurz bevor die Verstärkung das Gefechtsgebiet erreichte, gingen drei massive IEDs (Selbstgebaute Sprengsätze) hoch, welche zuvor vom IS entlang der Straße gelegt wurden.

Die Garmiyanregion wird von den Kurden beansprucht, gehört offiziell jedoch nicht zur Autonomen Region Kurdistan und steht unter dem Schutz der irakischen Sicherheitskräfte. Seit der Rückeroberung durch den Irak im Oktober 2017 ist die Region ein nahezu anarchistischer Raum. Die irakischen Sicherheitskräfte sind nicht in der Lage, die Kontrolle über dieses Gebiet zu erlangen und werden regelmäßig durch Kämpfer des Islamischen Staates angegriffen.

Seit längerem fordert die lokale Bevölkerung die Rückkehr der Peschmerga Truppen in dieses Gebiet, um den Islamischen Staat endgültig zu vertreiben. Allerdings erlaubt die irakische Regierung die Rückkehr nicht und setzt der lokalen Bevölkerung lieber der Gefahr durch den Islamischen Staat aus.



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Islamische Staat intensiviert Angriffe im Irak

Der Islamische Staat hat am Donnerstag den 30.01.2020 sieben Zivilisten an einem selbst aufgestellten Checkpoint in der Region Garmiyan entführt.

Schläferzellen des Islamischen Staates haben in der Region Garmiyan, zwischen den kurdischen Städten Qara Tapa und Qaryatkah, Fake-Checkpoints errichtet. Dieser Fake-Checkpoints wurde dann genutzt um Zivilisten aus ihren Autos zu zerren und um auf vorbeifahrende, flüchtende Fahrzeuge das Feuer zu eröffnen.
Derzeit ist unklar, was mit den sieben entführten Geiseln geschehen ist. In der Regel erpressen Kämpfer des Islamischen Staates die Familien der entführten Geiseln um Lösegeld oder Güter zu erhalten. Oftmals werden die Geiseln exekutiert, obwohl die Angehörigen den Forderungen nachgekommen sind.

Am Tag zuvor griffen Schläferzellen des Islamischen Staates einen Außenposten der irakischen Armee an. Der IS hat dort mindestens zwei Soldaten der irakischen Armee getötet und eroberte zahlreiche Waffen und militärische Ausrüstung.

Die vermehrten Angriffe des Islamischen Staates kündigen wohlmöglich eine weitere Welle des Terrors an. Die lokale sunnitisch-arabische Bevölkerung ist zunehmend unzufrieden, mit der vom Iran kontrollierten schiitischen Regierung.
Sicherheitsexperten der Autonomen Region Kurdistan sind sich sicher, dass wenn der Irak nicht bald auf die Forderungen seiner sunnitischen Bevölkerung eingeht, ein neuer Islamischer Staat entstehen wird.

Seit dem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum 2017, die ebenfalls in den umstrittenen kurdischen Gebiete abgehalten wurde die vom irakischen Staat nicht abgetreten werden, herrscht in den umstrittenen Gebieten ein Machtvakuum.

Die Soldaten der Peshmerga kontrollierten zuvor die Provinzen Garmiyan, Shingal und Kirkuk. Alle drei Provinzen verzeichneten eine stabile und sichere Phase. Als die Peshmerga sich nach dem Referendum aufgrund einfallender iranischer Milizen aus den Provinzen zurückziehen musste, erlangte der irakische Staat erneut die Kontrolle über alle drei Provinzen.
Der Irak ist nun in der Pflicht, für Sicherheit und Stabilität in den drei Provinzen zu sorgen. Allerdings ist die irakische Armee mit dieser Aufgabe überfordert und schafft es kaum, die Angriffe des Islamischen Staates zu bekämpfen oder einzudämmen.
Der Irak verweigert gleichzeitig eine Rückkehr der Peshmerga Soldaten in die umstrittenen kurdischen Gebiete.



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