Kurdischer YouTuber wagt Rassismusexperiment

Ein in London lebender Kurde wagt den Selbstversuch und besucht im Internet mit einem Trikot mit der Aufschrift Kurdistan und der kurdischen Nationalflagge einige türkische Chatrooms. Was ihm dabei widerfahren ist, hat er in einem YouTube-Video festgehalten.

- Mit dem Experiment wolle der Content Creator iamhaks sehen und zeigen wie rassistisch die türkische Community gegenüber der kurdischen Bevölkerung ist
- In den türkischen Chatrooms folgten Beleidigungen, rassistische Äußerungen, Morddrohungen und faschistische Zeichen und Befürwortung


„In meinem Leben habe ich sehr viel Hass von Türken erfahren müssen“

Auf seinem Instagram Account nennt sich der Londoner mit kurdischen Wurzeln „iamhaks“. In der kurdischen und englischen Sprache macht er seine 81.000 Follower auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, welches die Kurden widerfährt. Zudem beteiligte er sich auch an die großen Demos gegen die völkerrechtswidrigen Angriffe der Türkei auf die kurdischen Gebiete. Jetzt hat er aber einen weiteren Schritt gewagt. Eingekleidet mit einem Fußballtrikot der kurdischen Nationalmannschaft mit der Aufschrift Kurdistan hat er zuletzt türkische Chatrooms im Internet besucht. Er wollte wissen, wie die Reaktion der Menschen dort sein wird und so zeigen wie Türken reagieren, sobald sie jemanden sehen und kennenlernen der “Stolz darauf sei Kurde zu sein”.

Was in den türkischen Chatrooms passiert ist

In dem Video hat der Creator Haks zu keinem Zeitpunkt in seinem Video die türkischen User auf irgendeine Art und Weise provoziert. Lediglich ausgestattet mit einem Kurdistan-Fussballtrikot nahm er an diverse Chats teil. Mit der Kurdistanflagge und der Aufschrift fühlten sich jedoch nahezu alle beteiligten provoziert. Es folgten Beleidigungen, rassistische Äußerungen, Morddrohungen und faschistische Zeichen und Befürwortung. Viele nutzten diese Gelegenheit, um ihrem Kurdenhass auf individueller Ebene gebrauch zu machen. User zeigten Fotos des Staatsgründer Mustafa Kemal und von türkischen Soldaten. Ebenfalls wurde Haks als Terrorist beschimpft und aufgefordert den diskriminierenden Leitsatz von Mustafa Kemal aufzusagen („Glücklich derjenige, der sich als Türke bezeichnet“).

Das Video findet ihr hier:


Seit Jahren kritisieren Aktivisten und Kurden im Allgemeinen wie in der Öffentlichkeit das Ringen um Anerkennung der kurdischen Identität denunziert wird. Oft wird immer wieder von der türkischen Seite gesagt, dass doch beide Völker „Brüder“ seien. Doch Kritiker erklären, diese “Brüderlichkeit” gelte nur, wenn die Kurden ihre eigene Sprache und Kultur beiseitelegen und sich der Assimilation hingeben. Über Jahrzehnte hinweg wurde die kurdische Sprache und Kultur innerhalb der Türkei verboten. Auch jetzt, nachdem die Verbote abgeschafft wurden, gibt es Repressalien gegen diejenigen die ihre Identität als Kurde ausleben. Regelmäßig gibt es Berichte und Nachrichten von Kurden die ihre Sprache sprechen oder Musik hören und im Zuge des verankerten Rassismus in der türkischen Gesellschaft ermordet werden. So zum Beispiel Sirin Tosun und Baris Cakan. Verbrechen gegen Kurden finden keinen Anklang in der türkischen Justiz. So wurde nur ein Bruchteil der Menschen verurteilt die Verbrechen gegen Kurden verüben. Wie im jüngsten Fall der İpek Er, einer 18-jährigen Kurdin die 20 Tage lang festgehalten und durch einen türkischen Militäroffizier und “Graue Wölfe”-Anhänger vergewaltigt wurde.


Editiert von Passar Hariky



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Mord, weil junger Mann kurdische Musik hört

Der 20-jährige Kurde Baris Cakan wurde am Abend des gestrigen Sonntags gegen 22:30 in Ankara von drei Männern getötet. Baris C. hörte in einem Park kurdische Musik, woraufhin er von drei Männern angegriffen wurde.

- Kurde wegen Musik hören umgebracht
- Türk. Innenminister erklärt Opfer habe provoziert
- Drei Täter wurden festgenommen


Nach dem kürzlichen rassistischen Mord an George Floyd in den Vereinigten Staaten durch Polizisten, sorgt eine weitere Meldung über einen rassistischen Mord in der Türkei für Aufsehen. Am Sonntag, dem 31.05. wird der 20-jährige Baris Cakan in Ankara von drei Männern angegriffen und ermordet. Grund für den Mord sei das Abspielen kurdischer Musik.
Baris C. stammt aus Patnos, einer überwiegend kurdischen Stadt im Südosten des Landes. Seine Familie erklärt, dass sie immer wieder von Türken angegriffen und belästigt wurden, wenn sie im Park im familiären Kreis kurdische Musik anmachten und hörten.

Die drei Männern wurden später von der Polizei festgenommen. Baris C. erlag im Krankenhaus den Messerstichverletzungen.

Abgeordnete bestreiten Problem mit Kurden

Noch am selben Abend veröffentlichte die Verwaltungsregierung des Distrikts von Ankara eine Erklärung zu dem Mord an Baris Cakan. In diesem heisst es, der junge Kurde habe vom Auto aus laut türkische Musik gehört und habe bewusst provoziert und die Menschen in der Umgebung gestört und sie davon abgehalten den Gebetsruf zu hören.

HDP-Parlamentsabgeordnete aus Amed (türk. Diyarbakir) schreibt auf Twitter: “Ihr feindet alles kurdische an. Eure Feindseligkeit wird das sein, weswegen ihr untergeht. Ihr seid Faschisten!”



Innenminister Soylu und sein Berater Burak Gültekin erklärten ebenfalls auf Twitter, dass der junge Mann durch sein eigenes Verschulden umgebracht wurde und bestreiten, dass es einen Konflikt über kurdische Musik gab.
Demnach seien alle die den Mord und den Grund des Mordes an Baris Cakan sprechen Provokateure, welche die Türkisch-Kurdische Bruderschaft zerstören wollen.

Noch vor einigen Tagen drückte der türkische Präsident Erdogan seinen Bestürztheit über den Mord an George Floyd aus und sprach von “trauriger Ungerechtigkeit auf der Welt”.



Zeitgleich werden Kurden in der Türkei für das simple hören von kurdischer Musik umgebracht und staatliche Akteure stützen dieses Verhalten und versuchen Kurden und Politiker, die anderes behaupten, Mundtot zu machen.
Doppelzüngigkeit und -moral sind tief verankerte Probleme der türkischen Gesellschaft und Politik. Wo es die Möglichkeit gibt, andere Staaten und internationale Akteure für ihr Fehlerverhalten zu rügen, findet die Türkei für die eigenen Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten keine Worte oder Lösungsbereitschaft.


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Der Mord an Ibrahim Demir

In der Dortmunder Innenstadt wurde ein 41-jähriger Kurde zu Tode getreten. Der Täter hatte den kleinwüchsigen Kurden zuvor schikaniert und bedroht gehabt. Ein politisches Motiv ist naheliegend.

- Kleinwüchsiger Kurde in Dortmund zu Tode getreten
- Opfer wurde zuvor öfters schikaniert
- Täter ist ein Anhänger der ultranationalistischen „Grauen Wölfe“


Der 1.42 Meter große Kurde Ibrahim Demir wurde in der Nacht vom 15.05.2020 zum 16.05.2020 von einer zunächst unbekannten Person 300 Meter von seiner Wohnung zu Tode getreten. Wie ein Augenzeuge berichtete, setzte er die Gewalttat auch fort, nachdem das Opfer schon längst auf dem Boden lag. Danach flüchtete er. Das Opfer verstarbt noch am Tatort. Die Familie von Demir hatte in den sozialen Medien eine Kampagne ins Leben gerufen, mit derer Hilfe man Zeugen ermitteln wollte. Kurze Zeit später konnte die Polizei den Täter ermitteln. Asir A. hatte sich dann am 17.05.2020 gestellt.

Die Mutter von Ibrahim Demir, Şaziye Demir, gab der kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika bekannt: „Irgendjemand bedrohte Ibrahim in der letzten Zeit. Ich spürte, dass etwas mit ihm nicht stimmt, aber jedes Mal, wenn ich ihn fragte, wich er mir aus. Zuletzt fragte ich ihn zwei bis drei Tage bevor er ermordet wurde, was ihn bedrückt. Er sagte: Mama, misch dich nicht ein, sonst bringt er dich um“. Darüber hinaus erklärte ein Bruder des Opfers, dass sein Bruder den Täter kannte und dass dieser ihn wegen seiner Kleinwüchsigkeit öfters schikanierte. Er fügte hinzu: „Es ist eine unverständliche Tat. Ibrahim hat niemandem etwas getan. Er war schwach und konnte sich nicht selbst verteidigen. Das Leben hat es ohnehin nicht gut mit ihm gemeint und nun wurde er so grausam getötet.“

Wie Yeni Özgür Politika herausfindet, bewegte sich Asir A. innerhalb türkisch-rechtsextremer Kreise. Seinem Facebook-Profil zufolge war dieser ein Anhänger der ultranationalistischen „Grauen Wölfe“ und sympathisierte mit ihren menschenverachtenden Ansichten. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft gibt jedoch bekannt, dass es bis dato keine (weiteren?) Anzeichen für ein politisches Motiv gibt.

„Die größte rechtsextreme Organisation in Deutschland“

Als Graue Wölfe werden die Anhänger rechtsextremer türkischer Gruppierungen und Parteien bezeichnet. Laut dem Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen trägt die Gruppierung zu einer Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa bei und sei „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung“. Die Bundeszentrale für politische Bildung bezeichnet sie als „die größte rechtsextreme Organisation in Deutschland“. Sie würde sich demnach gegen das im Grundgesetz formulierte Prinzip der Menschenwürde richten. In Deutschland gibt es etwa 18.000 Mitglieder. Diese verüben auch hierzulande Gewalttaten gegen Kurden, Aleviten, oppositionelle Politiker und allgemein Linke.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland kritisierte diesen feigen Mord und fordert ein Verbot der ultranationalistischen Gruppierung. „Der Mord an Ibrahim D. beweist das große Gewaltpotential, das auch in Deutschland von Anhängern der „Grauen Wölfe“ ausgeht. Die Kurdische Gemeinde fordert, dass gen diese mit voller Konsequenz vorgegangen wird. Die „Grauen Wölfe“ und ihre Symbole müssen in Deutschland verboten werden“, sagte Mehmet Tanriverdi, stellvertretende Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland. Er fügte zudem hinzu: „Anlässlich dieser erschütternden Gewalttat ruft die Kurdische Gemeinde die deutschen Behörden dazu auf, menschenverachtende und volksverhetzende Gewalttäter, egal welcher Herkunft, zu bekämpfen. Die „Grauen Wölfe“ sind kein harmloser Heimatverband, sondern eine rechtsradikale Organisation, die überall, wo sie besteht, gezielt ihre vermeintlichen GegnerInnen angreift“.


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