Corona in den Zeiten von Diaspora und Heimat

Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass ich einmal in meiner Heimat, der Kurdistan Region im Irak (KRI) sitzen werde und mir Sorgen um meine Eltern in Deutschland machen muss. So ist es nun aber gerade.

Vor ungefähr zwei Wochen kam ich in die Heimat um mir einen Monat Auszeit zu nehmen, mit der Familie zu sein und etwas Ruhe zu haben. Ruhe vor all den grausamen Nachrichten, wie etwa dem Terroranschlag von Hanau, der jetzt ja in Vergessenheit geraten ist. Zu meiner Ankunft Anfang März habe ich meine Vorkehrungen getroffen, Desinfektionsmittel und -Tücher eingepackt (standesgemäß einiges davon um auch genug an die Verwandten zu verteilen) und habe mich auf den Weg gemacht. Während ich am Frankfurter Flughafen panische Gesichter sah, die sich hinter Gesichtsmasken versteckten und mit diesen sogar in Raucherabteile gingen, wurde ich am Flughafen in Erbil ganz nüchtern mit einem Fiebermessgerät empfangen und stieß überall, ob auf Werbeleinwänden, im Fernsehen oder im Radio auf ganz ruhige Beschreibungen dessen, was grad los ist und was man tun kann.

Jetzt bin ich seit zwei Wochen hier und befinde mich den dritten Tag in der Ausgangssperre. Das ganze ist wesentlich undramatischer, als es sich anhört. Man darf zwischen den Regionen nicht reisen, darf in der Stadt selbst nicht mit dem Auto unterwegs sein und alle Restaurants und Bars sowie Gebetsräume und Schulen sind geschlossen. Die Arbeit wurde komplett abgesagt und alle befinden sich im bezahlten Urlaub. Was noch offen hat: Supermärkte, Apotheken, Krankenhäuser sowie mobile Verkäufer, die auf ihren Pick-Ups Obst und Gemüse oder Gaskanister zum nachfüllen anbieten. Einkaufen war ich gestern erst und musste schmunzeln. Alle Regale sind voll, niemand geht in Panik einkaufen, man holt sich das was man braucht und wenn man mehr braucht, dann geht man eben nochmal in den Supermarkt.

Währenddessen erreichen mich die wildesten Nachrichten in Deutschland. Sprachnachrichten von irgendwelchen dubiosen Menschen werden weitergeleitet, die in einem süffisanten Raunen mahnen, dass bald alles dicht ist, dass man seine Einkäufe machen soll, dass er Verbindungen zur Regierung hat und weiß, dass bald alles dicht ist. Was „dicht sein“ heißt, erklärt uns der gute Mann nicht. Dass seine Sprachnachricht viele in Panik stürzt interessiert ihn wohl auch nicht. Videos sind im Umlauf von Menschen, die sich so derartig für Klopapier das Gesicht wegschlagen, dass man sich wünschen könnte, diese körperliche Tatkraft wäre auch im Kampf gegen Neonazis Gang und Gäbe. Es wird weiter geraunt, ja das habe ja alles System, das wäre ja fabriziert, wer hat diesen Virus wohl „zusammengemixt“. Ich stehe unweigerlich vor der einzigartigen Lage, dass eines der reichsten und entwickeltesten Länder dieser Welt gerade absolut nicht weiß, was es tun soll. Die Regierung ändert im Stundentakt die Meinung und hat viel zu spät und viel zu zaghaft zu Schließungen von öffentlichen Orten aufgerufen.

Klar, die Kurdistan Region ist ein präsidentielles System mit einem öffentlichen Sektor, der gigantisch ist. Politisch ist es wesentlich einfacher direkt einmal zu sagen, dass dies oder jenes getan werden soll, und dann wird das getan. Was jedoch auch in der schnellen Durchsetzung von Maßnahmen in Kurdistan ein ausschlaggebender Faktor war, ist der grausame Präzedenzfall des Iran, wo ein zwei Wochen verzögertes Eingestehen dieser Gesundheitskrise deutlich gemacht hat, dass politisches Versagen schwerer wiegen kann, als medizinisches Versagen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene denke ich jedoch, dass trotz aller systemischen Unterschiede eines deutlich ist: In Kurdistan würdest du niemandem die Nase einhauen um Klopapier abzugreifen. In aller Systemlosigkeit haben Menschen hier ein Grundverständnis von Solidarität, das es erlaubt, dass Leute eben nicht bunkern, weil nur diejenigen bunkern, die anderen eben nichts abgeben würden. In einer Gesellschaft, wo teilen selbstverständlich ist, ist bunkern sinnlos. Der einzelne Hamsterkäufer ist ja nur Spiegelbild der Atomisierung der spätkapitalistischen Gesellschaft. Was Informationspolitik angeht, ist es jedoch genauso: Einige religiöse Prediger haben sich den Moscheeschließungen widersetzt. Nur wenige Tage später wurde ein bekannter Prediger selbst krank, verstarb und infizierte zudem seine Frau und Kinder. Daraufhin war Ruhe an der letzten Querfront, die die Krankheitswelle runterreden wollte.

Allen war absolut klar: Informationspolitik ist nicht nur das, was ich als einzelne Person teile oder like. Informationspolitik beeinflusst Ansteckungsraten, Leben und Überleben. Selbst meine Großmutter, die nicht lesen und schreiben kann, kann mir ganz nüchtern sagen woher dieser Virus kommt, wie er sich verbreitet, und was man dagegen tun kann. Liegt diese anständige individuelle Informationspolitik daran, dass man hier intelligenter ist? Nein. Aber man weiß, dass Wissen Handeln bedeutet und, dass Handeln eben nicht nur dich selbst sondern alle was angeht. Wenn du aber dein Dasein in einem kapitalistischen System fristest, in dem es nicht darum geht mit Wissen dafür zu sorgen, dass möglichst viele sicher über diese Zeit hinwegkommen, dann kann es dir absolut egal sein, was deine Tweets besagen und woher sie kommen. Denn es geht ja nur um dich, darum, wie du dich präsentierst, darum, wie du dich inszenierst, ob als Leon Lovelock auf Youtube, der von einer Verschwörung schwadroniert, oder als vermeintlicher Chef-Whatsapp-Virologe, der abstrusen Unsinn verbreitet.

Was ich also gerade vor allem lerne: Nicht nur Konsum, sondern auch Wissen ist etwas, was kollektive Verantwortung mit sich bringt und das Maß dessen, wie wir uns kollektiv wahrnehmen beeinflusst wie wir individuell konsumieren und verbreiten, egal ob es Klopapier oder Gerüchte sind. Hier in Kurdistan weiß man, dass man sich beides nicht individualistisch leisten kann. Nicht mal jemand wie der genannte Prediger, der sich seiner Worte so sicher war und munter weiter gepredigt hat, war vor den Konsequenzen seiner Verantwortungslosigkeit sicher. In Deutschland braucht es wohl noch lange, bis man versteht, dass das auch nicht geht. Das hat nicht mit Wissen oder Reichtum zu tun, das hat damit zu tun, wie Gesellschaften sozialisiert sind und inwiefern sie ein Gefühl für Aktio und Reaktio ihres Handelns haben. Ich hoffe, wir gehen endlich klüger aus dieser Krise. Ich hoffe wir verstehen, wie allgegenwärtig die Krise der kapitalistischen Gesellschaftsform ist.

Bis dahin grüße ich euch aus Kurdistan, passt auf eure Liebsten auch und auch auf die Fremden in eurem Umfeld. Sie sind auch jemandes Liebste.

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Autorinfo: Dastan Jasim hat Politikwissenschaften und Assyriologie im Master an der Uni Heidelberg studiert und hat zu verschiedenen Bereichen der kurdischen Innenpolitik, des transnationalen Aktivismus, der Sicherheitspolitik und der Konfliktlage in den verschiedenen Teilen Kurdistans geforscht.



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Coronavirus erreicht Kurdistan

Der Coronavirus hat die Autonome Region Kurdistan erreicht. Die Sicherheitsbehörden melden, dass eine Vierköpfige Familie in der kurdischen Stadt Kirkuk infiziert wurde. Zuvor meldete die Zentralregierung im Irak, dass mehrere Menschen mit dem Coronavirus infiziert wurden.

Die Regierung der Autonomen Region Kurdistan hat, um den Ausbruch der Seuche zu bekämpfen, seit Mittwoch 27.02. alle schulischen Institutionen bis zum 10. März 2020 schließen lassen. Ab dem 10. März beginnen gleichzeitig die Ferien zum kurdischen Neujahrsfest Newroz. Das bedeutet, dass alle schulischen Institutionen bis zum 23. März 2020 geschlossen bleiben.

Als weitere Maßnahme hat die Regierung der Autonomen Region Kurdistan beschlossen, ein allgemeines Reiseverbot innerhalb der autonomen Region zu verhängen. Das bedeutet, dass alle privaten Reisen ohne dringenden Grund verboten werden. Allerdings ist unklar wie die autonome Region dieses Verbot durchzusetzen und kontrollieren wird.
Darüber hinaus hat die Autonome Region seine Grenzen geschlossen. Touristen oder Reisende die trotz dessen einreisen möchten, müssen sich vorher auf den Erregerstamm des Coronaviruses testen lassen.

Die Verwaltungen der kurdischen Bezirke treffen darüber hinaus ebenfalls individuelle Maßnahmen. So baut die Provinz Slemani ein provisorisches Krankenhaus, in der alle Verdachtsfälle auf das Coronavirus und erkrankte Personen in Quarantäne gesteckt werden und dort behandelt werden. Das Gebäude soll innerhalb von 15 Tagen fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.

Die Bevölkerung ist über die jüngsten Ereignisse enorm besorgt. Zeitweise waren Geschäfte komplett ausverkauft. Waren wurden in sogenannten Hamsterkäufen gekauft, um sich auf mögliche Ausnahmezustände vorzubereiten.
Von den Hamsterkäufen waren besonders medizinische Güter betroffen. Schutzmasken, Desinfektionsmittel und weitere Waren dieser Art waren in der gesamten Stadt ausverkauft. Einige Menschen und Händler nutzten diese Situation opportunistisch aus und verkauften Waren wie Schutzmasken auf dem Schwarzmarkt, zu einem zigmal höheren Preis.
Die Regierung der Autonomen Region Kurdistan versuchte dies zu unterbinden und droht mit heftigen Sanktionen, falls ein Händler seine Preise für Waren ohne triftigen Grund erhöht oder unangemessen hohe Preise verlangt. Man wolle nun auch jede Form des Schwarzmarktes stärker kontrollieren.
Die Regierung garantiert auch, dass es keine Engpässe an allen Gütern geben wird. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, keine Unruhen zu stiften und mit der Regierung zu koordinieren.



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Bodyguards der KDP vergewaltigen 7-jähriges Mädchen

Im April 2019 entführten und vergewaltigten drei Männer eines namenhaften KDP-Politikers ein 7-jähriges Mädchen. Die drei Männer sind nach ersten Erkenntnissen Bodyguards, welche den Rang eines Polizisten, Colonel Polizist und einen Colonel tragen.
Nach Aussagen des Vaters handelt es sich dabei um die Bodyguards von Dr. Pirot Ahmad. Welcher von weiteren KDP-Politikern gestützt wird.


Der Fall des 7-jährigen Mädchens sorgte bereits im Juni 2019 für massive Empörungen in der Autonomen Region Kurdistan, als der Vater des Mädchens sich an die Öffentlichkeit wandte, nachdem ein Gericht in Erbil die Verdächtigten freisprach.
Zuvor belästigten Sicherheitskräfte der KDP mehrmals die Familie des Mädchens zuhause und versuchten sie mehrmals zu entführen. Das Mädchen berichtete ebenfalls immer wieder von Fahrzeugen, die ihr von ihrem Schulweg bis zu ihrer Haustür folgten. Diese Aussagen werden von anonymen Klassenkameradinnen des Mädchens gestützt.

Der Vater wurde bereits im Juni 2019 von mehreren, nicht namentlich genannten KDP-Politikern und Funktionären ermahnt, die Anklage fallen zu lassen. Die KDP-Politiker boten dem Vater ebenfalls hohe Geldsummen an um die Klage fallen zulassen.
Familienmitglieder des vergewaltigten Mädchens versuchten ebenfalls das kleine Mädchen zum Schweigen zu bringen. Die Stiefmutter hat nach Aussage des Vaters und des Mädchens, ein glühend heißes Objekt auf das Bein des Mädchens gepresst und ihr verboten von der Vergewaltigung zu sprechen. Der Stiefmutter wird nachgesagt entfernt verwandt mit den Tätern zu sein, allerdings wurde dies nicht bestätigt.

Aus Angst vor einer Entführung und Hinrichtung durch jene involvierten KDP-Politiker und der eigenen Familie flüchtete der Vater mit seiner Tochter an einen unbekannten Ort.
Der Vater wendet sich nun erneut an die Öffentlichkeit, da das Gericht in Erbil seine Anklage bereits seit 10 Monaten ignoriert. Zuvor erklärten ihm KDP-Politiker „Ob du klagst oder nicht, es wird nichts passieren. Die (Vergewaltiger) werden für ein paar Monate eingesperrt und dann (von uns) wieder freigesetzt.“

Der Vater wendete sich in der Stadt Slemani an mehrere Nachrichtenorganisationen, um erstmals ein ausführliches Interview zu geben. Besonders brisant an diesem Video ist, dass der Vater erstmals die Namen der Politiker und Polizisten, die für diese Tat verantwortlich sind, explizit nannte.
Ein solches Interview ist in der Autonomen Region Kurdistan eigentlich undenkbar, da namenhafte Politiker über eigene Söldner verfügen, die Menschen die gegen sie Aussagen entführen und ermorden. Wie bereits mehrere Fälle in der Vergangenheit beweisen.

Nachdem das Interview des Vaters veröffentlicht wurde, entfachte sich auf den sozialen Netzwerken eine Welle von Empörung, Entsetzen und Wut. Auf den sozialen Netzwerken schworen mehrere Gruppierungen ihre Rache an den KDP-Politkern und den Polizisten, welche das Mädchen vergewaltigten. Nicht zuletzt sorgte dieser massive Aufschrei und die Medienpräsenz dafür, dass der Vater mit seiner Tochter noch am Leben sind.

Das Gericht in Erbil erklärte gestern Abend, dass zwei der Täter (Welche zuvor von jenem Gericht freigesprochen wurden) wieder festgenommen wurden. Auch der kurdische Premierminister hat sich in diesem Fall eingeschaltet und überwacht nun alle Ermittlungen und Prozesse persönlich.

Im Irak steht auf Vergewaltigungen dieser Brutalität die Todesstrafe.

Dieser Fall wirft Licht auf geschätzte hundert weitere Fälle von Vergewaltigungen von Frauen und Minderjährigen, die von hochrangigen Politikern unter den Teppich gekehrt wurden. Die Machtlosigkeit die Vergewaltigungs-Opfer und Angehörigen gegenüber den Instanzen verspüren und der Willkür mancher Politiker und Funktionäre, ist der Grund dafür das viele Vergewaltigungen juristisch nicht verfolgt werden.
Die Angst vor Rache Aktionen durch Politiker und das lebenslange „Brandmarken“ des Kindes durch den Staat, sind Gründe dafür, dass Familien diese Verbrechen lieber todschweigen und ignorieren.

Das Problem wurzelt ebenfalls in der Abhängigkeit verschiedener Nachrichtenorganisationen in der Autonomen Region Kurdistan von ihren Geldgebern und Clanführern, welche wiederum alle hochrangige Politiker sind.
Namenhafte kurdische Nachrichtenorganisationen wie beispielsweise Kurdistan24 oder Rudaw verschweigen diesen Fall komplett. Beiden Nachrichtenorganisationen sagt man den Besitz durch hochrangige KDP-Politiker und die Finanzielle Abhängigkeit durch die KDP nach. Auch namenhafte kurdische Social-Media Aktivisten schweigen zu diesem Vorfall. Ihnen sagt man ebenfalls eine Abhängigkeit durch die KDP nach.

Das vergewaltigte Mädchen leidet unterdessen unter panischen Angstzuständen jederzeit entführt und getötet zu werden. Neben dem enormen psychischen Schaden durch die Vergewaltigung, trägt sie ebenfalls physische Narben davon.
Die Strafe für die Vergewaltiger wird ihren psychischen Schaden nicht ungeschehen machen, aber er trägt dazu bei, dass andere Mädchen nicht dasselbe Schicksal erfahren müssen.



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Sicherheitskräfte verhaften Drogenschmuggler in Dohuk

Die Sicherheitskräfte der Region Kurdistan gaben am Samstag die Verhaftung von fünf Personen bekannt die des Drogenhandels verdächtigt werden, nachdem 30 Kilogramm Heroin in der Provinz Duhok beschlagnahmt worden waren.

Abdul Wahab Mohammed, Leiter des Grenzübergangs Ibrahim Khalil an der türkischen Grenze, sagte: "Am Donnerstagabend haben wir nach Erhalt von Informationen und weiteren Ermittlungen erfolgreich 30 Kilogramm Heroin in der Innenstadt von Duhok beschlagnahmt.
"Nachdem wir den Haftbefehl von der Bezirksgerichtsbarkeit in Zakho erhalten hatten, konnten wir in Abstimmung mit den Sicherheitskräften der Stadt Duhok alle fünf Verdächtigen festnehmen.", erklärt Mohammed.

Ergänzend sagt Mohammed, sein Büro habe drei Teams eingesetzt, um die Verdächtigen festzunehmen, nachdem er erfahren habe das "die Händler die Droge an einem Ort aushändigten, das Geld an einem anderen Ort erhielten und die Droge an einem dritten Ort testeten und Proben verteilten".
Der Beamte erklärte auch, dass drei der Verdächtigen, Einwohner der Provinz Duhok sind, während die beiden anderen im Vertriebenenlager Makhmour leben.

Der Leiter erklärt ebenfalls, dass die meisten Drogenhändler, die in dem Gebiet verhaftet werden, nicht ursprünglich aus der Region Kurdistan stammen. Der Grund, warum Duhok ein hohes Maß an Handelsaktivitäten aufweist lägt darin, dass die Provinz strategisch günstig gelegen ist, da sie nahe an den internationalen Grenzen der Türkei und Syrien liegt.

Der Verkauf und der Konsum von Betäubungsmitteln sind in der Region Kurdistan und im Irak strengstens verboten.
Die kurdischen und irakischen Behörden fangen oft Drogenlieferungen ab, die den Irak und die Region Kurdistan passieren, vor allem in den Provinzen Basra, Diyala, Erbil und Sulaimani, insbesondere in den Städten und Dörfern, die das Land mit dem Iran und der Türkei verbinden.
Die meisten illegalen Drogen werden über die Grenze zum Iran in die Region geschmuggelt, auf ihrem Weg in die Türkei, nach Syrien und schließlich nach Europa und Nordamerika.



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Masrour Barzani empfängt französischen Berater

Der Premierminister der Region Kurdistan Masrour Barzani hat am Donnerstag den französischen Botschafter im Irak Bruno Aubert empfangen, Im Gespräch wurden die bilateralen Beziehungen und die Entwicklungen in der Region erörtert.

Während des Treffens im Büro des Premierministers in Erbil "beleuchteten beide Seiten die jüngsten Entwicklungen bezüglich der Situation im Irak und der Region im Allgemeinen".
Tatsächlich gehörte Frankreich zu einer der 16 ausländischen Botschaften im Irak, die den Einsatz extremer Gewalt durch irakische Sicherheitskräfte gegen Demonstranten im Land verurteilt haben. Über 600 Tote und Zehntausende Verletzte sind bisher zu verzeichnen.
Premierminister Barzani seinerseits "betonte die Notwendigkeit, die Situationen zu beruhigen und die Sicherheit im Irak herzustellen".

Bei der Ernennung von Mohammed Tawfiq Allawi zum neuen irakischen Premierminister als Nachfolger des scheidenden Premierministers Adil Abdul Mahdi sagte Barzani, die KRG unterstütze "eine Regierung, die sich der Umsetzung der Verfassung verpflichtet" und "die Vereinbarungen respektiert".

Beide Seiten diskutierten auch Möglichkeiten, "die Beziehungen zwischen der Region Kurdistan und Frankreich zu stärken", da Botschafter Aubert "die Bereitschaft seines Landes zum Ausbau der Beziehungen zum Irak und zur Region Kurdistan zum Ausdruck brachte".

Zu diesen Beziehungen gehört "die Unterstützung der irakischen Armee und der Peshmerga-Kräfte bei der Bekämpfung des Terrorismus, insbesondere der Bedrohung durch den ISIS", so Aubert.

In einem Interview mit France 24 am Dienstag warnte Premierminister Barzani davor, dass sich der so genannte islamische Staat neu gruppiert und forderte die internationale Gemeinschaft auf, Maßnahmen zu ergreifen um ein substanzielles Comeback der Gruppe zu verhindern.
Desweiteren traf sich Massoud Barzani mit Aubert, um seinen Dank auszurichten.



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Nechirvan Barzani über Rojava, SDF und Syrien

Nechirvan Barzani erklärte in einem exklusiv Interview mit der Monitoring Website Al-Monitor, dass die syrischen Kurden ihre Beziehungen mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK beenden müssen.

Präsident Barzani erklärt „Prinzipiell glauben wir, dass die Frage nach den Kurden in Syrien innerhalb der syrischen Grenze gelöst werden muss. Natürlich glaube ich, dass Regime in Syrien muss den syrischen Kurden mehr entgegenkommen, als sie es jetzt bereits tun. Die Kurden in Syrien sind ein Teil Syriens.“
„Unsere Empfehlung in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ist es, dass die syrischen Kurden einen Weg finden, einen Deal mit der syrischen Regierung einzugehen.“ Barzani fügte dem hinzu „Die Baath-Mentalität des syrischen Regimes ist dabei die größte Hürde.“

Die syrischen Kurden befinden sich seit der Invasion der Türkei in Rojava, innerhalb Syriens in einer sehr schwachen Position. Grund dafür ist der Verrat der USA an der Autonomen Selbstverwaltung in Syrien (Rojava). Die USA hat innerhalb kürzester Zeit seinen Abzug aus Nordsyrien angekündigt und durchgeführt, und hat der Türkei das grüne Licht gegeben die syrischen Kurden anzugreifen und einen Teil Nordsyriens zu besetzen.
Die SDF musste das syrische Regime und seinen Partner Russland nach Nordsyrien einladen, um weitere Angriffe der türkischen Armee zu stoppen.

Die syrische Regierung hat diese Situation genutzt und hat gleichzeitig seine Forderungen an die Autonome Selbstverwaltung in Nordsyrien massiv gestärkt. Die syrische Regierung fordert, bei den von Russland geleiteten Gesprächen, die Wiedereingliederung Nordsyriens in das syrische System. Dabei soll alles auf den Vorkriegszustand 2012 gebracht werden.
Nechirvan Barzani erklärt dazu „Es muss eine Sicherung der Rechte der Kurden in der Verfassung existieren. Sie müssen freie Bürger sein, die frei darin sind Kurden zu sein.“

Obwohl Nechirvan Barzani der PYD und den anderen Fraktionen in Nordsyrien kritisch gegenüber steht, lobte der oberste Kommandeur der SDF Mazlum Abdi Kobane, den kurdischen Premierminister für seine Bemühungen den Konflikt zu schlichten.
Barzani habe der Autonomen Selbstverwaltung in Nordsyrien direkt gesagt, dass sie alle Beziehungen zur kurdischen Arbeiterpartei PKK kappen sollen. Er habe der Selbstverwaltung gesagt, dass sie alles unternehmen um die Türkei zu provozieren, wie beispielsweise das aufstellen von riesigen Portraits von Abdullah Öcalan (Gründer der PKK) oder das Aufhängen der Flagge der PKK.

Die Autonome Selbstverwaltung in Nordsyrien dementiert seine Beziehungen zur PKK. Nechirvan Barzani erklärt, man habe der Regierung dort bereits seit Jahren nahe gelegt, die türkischen Sorgen zu verstehen und ihnen Zusprüche zu machen. Als die SDF begann der Türkei Zusprüche zu machen, war es „wohl einfach zu spät.“



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Türkei intensiviert Krieg gegen Kurden

Die türkische Luftwaffe hat die Intensität seiner Luftschläge gegen die kurdischen Guerilla-Einheiten der HPG im Norden der Autonomen Region Kurdistan (Südkurdistan/Başur) gesteigert. Unterdessen kommt es seitens der HPG zu weiteren Operationen gegen türkische Kräfte.

Wie kurdische Nachrichtenagenturen berichtet, hat die türkische Luftwaffe am Dienstag und Donnerstag Kräfte der HPG an der türkisch-irakischen Grenze angegriffen. Die Ziele richteten sich gegen die von der HPG kontrollierten „Medya-Verteidigungsgebiete“, die sich in der gebirgigen Region zwischen dem Irak und der Türkei befindet. Die HPG berichtet jedoch, dass es innerhalb ihrer Reihen keine Verluste gibt.

Die Luftschläge am Dienstagabend richteten sich gegen die Umgebung des Dorfes Segire, welche sich in dem Verwaltungsbezirk Dohuk befindet. Am Donnerstag kam es seitens der türkischen Luftwaffe zu zwei weiteren Angriffswellen. Die erste konzentrierte sich im Norden des Distriktes Soran und die zweite gegen das Heftanin-Gebiet bei Dohuk. Im Norden von Soran, im Dreiländereck Türkei, Iran und Irak, befindet sich das Gebiet Xakurke. Das Gebiet ist von strategischer Bedeutung, weshalb es dort vermehrt zu Kampfhandlungen kommt.

Die kurdische Guerilla erklärte am 23. August 2019 die Cenga-Heftanin-Offensive für begonnen, dessen Ziel es ist, die Bewegungsfreiheit der türkischen Kräfte in der Region massiv einzuschränken. Laut der HPG, wurden letzte Woche mehrere türkische Militärstützpunkte angegriffen, bei denen mindestens fünf türkische Soldaten ausgeschalten wurden. Dabei konnte die Guerilla Waffen und Munition erbeuten.



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Türkische Produkte finanzieren Krieg gegen Kurden

Die Autonome Administration Nord- und Ostsyrien gibt den lokalen Geschäften Zeit ihre Produkte, die aus dem Import aus der Türkei kommen, zu verkaufen. Danach werden keine weiteren türkischen Produkte importiert.

Nachdem die Türkei im Oktober 2019 die Invasion auf Rojava startete und hunderte Menschen getötet wurden und weitere Hunderttausende vor den Invasoren fliehen mussten, startete eine Boykott-Kampagne gegen türkische Produkte. „Es startete in Bashur-Kurdistan schon vor der Invasion und wurde während des türkischen Angriffs immer stärker und größer. Auch hier in Rojava startete es letztendlich als eine Form des Protests, nach dem Beginn der Invasion auf Sere Kaniye und Gire Spi.“, erklärt Massoud Mohammad, Professor an der Rojava Universität und einer der Organisatoren des Boykotts in Rojava. Der Professor fügt hinzu „Wir haben tatsächlich etwas bewegendes und machtvolles in der kurzen Zeit geschaffen, dass der türkischen Wirtschaft einen Schlag versetzt.“
Viele seiner Studenten helfen Massoud Mohammad bei der lokalen Ausbreitung.

Nach seinen Untersuchungen exportiert die Türkei jährlich Güter im Wert von knapp 25 Milliarden US-Dollar in die kurdischen Regionen. „Ungefähr 60% davon sind nun verloren gegangen aufgrund des Boykotts.“ erklärt Mohammed und fügt hinzu „ Der Prozess findet nach wie vor statt. Immer mehr Menschen steigen mit ein. In Bashur-Kurdistan ist der Boykott stärker als in Rojava, weil sie Alternativen zum Import haben. Wir besitzen nicht viele Möglichkeiten um an bestimmte Güter und Waren zu kommen.“

Am Semalka-Grenzübergang zwischen Bashur und Rojava (Irak und Syrien) kommen die meisten Waren die gebraucht werden nach Rojava. Als Teil der Boykott-Initiative haben Mohammad und andere Organisatoren daran gearbeitet, die Administration in Rojava davon zu überzeugen die Wareneinfuhr aus der Türkei einzuschränken. Als Strategie ihrer Kampagne haben sie ebenfalls an Werbetafeln und Wänden Plakate angebracht die zeigen, wie türkische Produkte die Form von Waffen und Munition annehmen.

Mohsen Ali, Vorsitzender der Händlerunion Rojava und ein weiterer Organisator erzählt, dass „rund 70% der Waren in Geschäften aus der Türkei stammten. Lokale Geschäftsinhaber seien größtenteils Unterstützer der Boykott-Initiative. Ein weitere Schritt sei die Etablierung von Handelswegen nach Rojava aus Damaskus, Aleppo, Bashur-Kurdistan und Iran. Der Boykott hat uns eine Stimme gegeben.“ erklärt er. „Wir haben ein Stück Kontrolle erlangt.“



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