Unterstützt Our Bridge e.V.!

Wer wir sind
Our Bridge ist eine unpolitische, religiös unabhängige Hilfsorganisation, die sich für den Schutz, die Unterbringung und die Schulbildung von Vollwaisen, Halbwaisen und Kindern mit Behinderungen in den Krisengebieten des Nord-Irak (Südkurdistan) einsetzt.

Das humanitäre Engagement von Our Bridge e.V. ist die Antwort auf den mit unfassbarer Brutalität begangenen Völkermord an der jesidischen Minderheit im August 2014: Aus dem Schatten der Nacht überfielen die Mörder des selbsternannten Islamischen Staats die Region Shingal im Norden des Iraks. Seit Jahrhunderten hat die uralte Religionsgemeinschaft der Jesiden unter der Verfolgung islamischer Fanatiker zu leiden. Es geht um die nackte Existenz. Die Väter und Söhne der Jesiden werden auf Marktplätze und offene Felder getrieben und grausam hingerichtet. Mütter und Töchter werden tief ins Land verschleppt und in dunklen Hinterzimmern versklavt und geschändet. Der schwarze Sturm hinterlässt eine verlorene Generation von traumatisierten Waisenkindern. Ohne Zuhause, ohne Beschützer und ohne Zukunft.

Geboren aus der Not dieser Kinder wird Our Bridge e.V. einige Wochen nach dem Genozid von deutsch-kurdischen Studenten aus Oldenburg gegründet.
Wir wollen den zutiefst traumatisierten Kindern eine Brücke ins Leben, in die Zukunft sein.

Der Gründer von Our Bridge e.V., Paruar Bako, beschreibt die Brücke, die wir bauen: ,,Wir wollen den Überlebenden des Völkermords dabei helfen, den Glauben an sich selbst wiederzufinden und sie ermutigen, selbst die Veränderung zu sein, auf der sich ihre Zukunft erbaut. Mit unserer Brücke errichten wir gemeinsam Strukturen, die den Menschen Hoffnung geben: Dass ihre Träume und Wünsche wahr werden können, wenn sie als Gemeinschaft dafür arbeiten.“

Das Team von Our Bridge besteht in Deutschland aus mittlerweile 10 ehrenamtlichen Helfern, die jeden Tag hart daran arbeiten, den Menschen im Nord-Irak (Südkurdistan) Hoffnung auf einer besseren Zukunft zu schenken. 28 Festangestellte Lehrkräfte betreuen die Kinder in der Einrichtung.

Die Brücke
,,Wir erbauen eine starke, tragfähige Brücke, die Hilfeleistungen aus Deutschland in den Irak trägt und den Horizont öffnet für die Hoffnungen und Träume der Kinder,“ sagt Michael Erk (Vorstandsmitglied von Our Bridge e.V.).

Harman. Das Waisenhaus.
,,Harman“ bedeutet auf Kurdisch ,,Das, was bleibt.“

In den Jahren 2015/2016 war Paruar Bako unzählige Male mit Härtefällen konfrontiert, die ihn spüren ließen, dass einfache, das physische Überleben unterstützende Hilfeleistungen nicht ausreichen. Sehr oft handelt es sich um schwerst traumatisierte Voll- und Halbwaisen, die nach jahrelanger IS-Gefangenschaft entweder vom Sklavenmarkt freigekauft oder von der kurdischen Armee im Häuserkampf befreit wurden. Paruar erinnert sich an eine Mutter, die ihren 11 jährigen Sohn nach der Rückkehr aus der IS-Hölle beschreibt: ,,Er kämpft mit dem Trauma wie mit einem schwarzen Nebel im Kopf. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Ich weiß nicht, was ich tun soll und habe niemanden, der mir hilft.“

Im Herbst 2016 beginnt Our Bridge e.V. mit dem Bau einer Anlaufstelle für die Programmteilnehmer der Hilfsorganisation: Eine sichere Unterkunft für Waisen und Witwen, medizinischen Präventions- und Versorgungsprogrammen und einem Behandlungsraum für traumatisierte Kinder. Ein Zuhause auf einem Grundstück nur wenige hundert Meter entfernt vom UN-Flüchtlingslager in Xhanke/Nord-Irak(Südkurdistan), geschützt auf einem Hügel über dem See von Mossul.
Ein Haus, das bleibt. Hoffnung und Leuchtturm. Wir haben dem Haus den Namen „Harman“ gegeben, erzählt Haitham Hamid (Mitgründer von Our Bridge e.V.) stolz.

Unser Versprechen: Wir lassen Euch nicht alleine. Wir bleiben.
Durch die Unterstützung zahlreicher Spender sowie des namhaften Rappers Xatar, der gemeinsam mit Our Bridge e.V. ein Benefizkonzert in Berlin veranstaltet hat, konnte am 27.08.2017, in Anwesenheit des Bürgermeisters von Dohuk, endlich das „Harman“-Waisenhaus eröffnet werden. Zunächst zogen 24 Kinder im Alter von 4-15 Jahren und fünf Witwen ein.
Hier dürfen die Kinder erfahren, dass sie Freunde haben, die zuverlässig an ihrer Seite stehen, was immer auch geschehen mag.

Kinder wollen lernen. Das Bildungsprogramm
Im Frühling 2018 beschlossen Paruar und sein Team, das Hilfsprogramm für die Kinder auszuweiten. Ein Nebengebäude wurde errichtet, und die acht Schlafräume im Hauptgebäude wurden zu Klassenzimmern umgebaut.
Auf diese Weise wurde allen Kindern im Our Bride-Projekt in Xhanke der Weg zum Schulunterricht geebnet. Zusätzlich zu dem neuen Nebengebäude wurde ein Schulbus angeschafft, der die registrierten Kinder aus dem UN-Camp und den selbst gebauten Camps abholt und abends wieder nach Hause bringt. Heute lernen Tag für Tag mehr als 360 Kinder im Our Bridge Bildungszentrum.
Für die Unterweisung der Kinder in therapeutisch hilfreichen Handwerksarbeiten wurde eine Holz- und Fahrradwerkstatt eingerichtet, und für Nähkurse wurden Nähmaschinen gekauft.

Neue Notwendigkeiten
Die aktuellen Entwicklungen in Nordsyrien erfordern dringend humanitäre Intervention. Der Befund duldet keinen Aufschub. Nach Angaben der UN sind mindestens 190000 Menschen auf der Flucht vor der Militäroffensive in Nord-Syrien(Südkurdistan). 70000 davon sind Kinder. Auf der Suche nach Schutz erreichen jeden Tag Hunderte die irakische Grenze.
Erneut sind die Schwächsten unter uns, die Kinder, am schlimmsten betroffen.
Wir beabsichtigen deshalb, ein zweites Our Bridge Harman-Haus zu errichten. Damit möchte Our Bridge e.V. auf den weiteren schmerzhaften Teil der kurdischen Geschichte antworten. Erneut wurden unschuldige Kinder durch Aggressoren zu Waisen gemacht.

Präambel für die Zukunft
Für die Zukunft von Our Bridge e.V. hat Paruar mit seinem Team drei Vorsätze erarbeitet.

1. Nicht müde werden.
Nach Erfolgen ruhen wir uns nicht aus. Wir stehen in der Verantwortung, den Funken der Hoffnung im Leben der Kinder am Leben zu halten.
Die größte Angst von Kindern ist Stillstand.
Jeder Tag ist ein Geschenk.

2. Bildung beginnt bei uns.
Um die Möglichkeiten für unseren Schulunterricht stets zu verbessern und auszubauen, werden wir unserem jungen Lehrerteam verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten finanzieren und ihre Ausbildung entschieden fördern. Die Lehrer tragen die Neugier und Fantasie der Kinder auf ihren Schultern.

3. Verantwortung teilen.
Zusammenhalt und Zugehörigkeit sind unsere Motivation und der Antrieb der Kinder. Our Bridge e.V. soll sich von den Fesseln des Institutionellen befreien. Unser Projekt soll atmen dürfen. Es soll ein Zuhause in den Herzen der Kinder sein, eine Gemeinschaft, eine Familie, in der die Kinder im eigenen Erwachsenwerden immer mehr Verantwortung übernehmen, sich für das Miteinander einsetzen und ihren Nächsten beschützen.“

Was Sie tun können
Als Sponsor oder Partner kann jeder Teil dieser Brücke werden. Mit dem Kauf eines Grundsteins oder der Übernahme einer Patenschaft kann jeder zu einem Familienmitglied von Our Bridge e.V. werden.

Menschen zu helfen ist uns eine Herzensangelegenheit. Sie macht nicht nur glücklich, sondern die Welt ein kleines Stückchen besser. Deshalb blickt Our Bridge e.V. entschlossen in die Zukunft – bereit, die Brücke auszubauen und tragfähige Projekte weiterzuentwickeln.

Für die Kinder.
Für die Zukunft.
Für uns alle.

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Webpage: www.ourbridge.de

Spannungen im Iran steigen – Ost-Kurdistan Einheiten melden Märtyrer aus Kämpfen

Nach Gefechten mit dem iranischen Regime geben die Ost-Kurdistan Einheiten ihre Märtyrer bekannt. Der Iran versucht weiterhin seine Verluste zu verschleiern. Die Spannungen zwischen den beiden Parteien steigen wieder.

Die kurdische Widerstandsbewegung „Ost-Kurdistan Einheiten“ (Militärischer Arm der PJAK) melden den Märtyrertod von vier ihrer Soldaten, die Mitte Juli in Gefechten mit dem iranischen Regime gefallen sind. Die Gefechte hielten in der kurdischen Provinz Kermanshah für drei Tage an und resultierten in schweren Verlusten auf beiden Seiten.
Der iranische Staat gab über lokale staatliche Medien bekannt, dass nur ein iranischer Soldat bei den dreitägigen Gefechten ums Leben gekommen sei. Diese Zahl ist laut Aktivisten nicht korrekt und dramatisch heruntergespielt.

In der Nacht zum 9. Juli 2019 sind die Gefechte aus unbekannten Gründen ausgebrochen. Die anfangs sporadischen Schusswechsel mündeten nach wenigen Stunden in schwere Gefechte. Sowohl die Ost-Kurdistan Einheiten als auch die iranische Armee haben nach der Bekanntgabe der Gefechte sofort weitere Soldaten in das betroffene Gebiet entsendet. Die Gefechte hielten drei Tage an und sind immer weiter eskaliert. Am dritten Tag sind die Gefechte langsam abgekühlt und beide Seiten entschieden sich dazu, sich zurückziehen. Die iranische Armee hat sich dann dazu entschieden, einen Berg und umliegende Täler zu bombardieren von denen der Iran dachte, das die Ost Kurdistan Einheiten sich dorthin zurückgezogen haben. Bei diesen Bombardierungen ist eine Vielzahl von Zivilisten verletzt worden.

Die Ost-Kurdistan Einheiten haben nach einer zweiwöchigen Ruhe am 2. Juli, als Antwort auf eine zweitägige Militäroperation des Irans, bei der Parteizentralen und Zivilisten in der Autonomen Region Kurdistan durch den Iran angegriffen wurden, iranische Stellungen angegriffen. Zahlen über Verluste auf iranischer Seite sind weiterhin unbekannt.

Die Ost-Kurdistan Einheiten stellen den bewaffneten Flügel der Ost-kurdischen Partei PJAK (Partei für ein freies Leben Kurdistan). Die PJAK basiert im Kern auf derselben Ideologie wie die PKK und wird oft als ihre Schwesterpartei angesehen. Die PJAK ist aber nach eigener Aussage eine komplett eigenständige Partei, die in keinem direkten Kontakt mit der PKK steht.

Die Parteiführung soll sich laut Aktivisten und Al-Monitor bald mit hochrangigen Iranischen offiziellen Treffen um ein Abkühlen der Spannungen in Ost-Kurdistan (Rojhelat) zu bewirken.

Attentat auf Mitarbeiter von türkischen Konsulat in Erbil

In Hewler (Erbil), der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, ist übereinstimmenden Berichten zufolge, ein Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulats getötet worden. Das bestätigte das türkische Außenministerium. Weitere Details nannte es nicht.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, ereignete sich der Angriff in einem Restaurant nahe des Konsulats. Demnach soll der Besitzer des Restaurants von einem gezielten Angriff auf die Diplomaten gesprochen haben.
Der Täter habe das Feuer gezielt auf die Konsulatsmitarbeiter eröffnet, nachdem diese das Lokal betreten hatten, berichtet der Restaurantbesitzer laut diversen Medienberichten zufolge. Er soll Zivilkleidung getragen und zwei Waffen bei sich gehabt haben.

Ein türkischer Diplomat starb dem Bericht zufolge noch vor Ort. Zwei weitere Menschen wurden während des Attentats verletzt. Zunächst war die Rede von mehreren Toten. Alle Straßen im Umfeld seien gesperrt.
Wer für den Angriff verantwortlich ist, ist derzeit nicht bekannt. Türkischen Medien nach, soll es sich bei dem Angreifer um einen PKK-Kämpfer handeln.
Beobachter vermuten, dass auch der türkische Geheimdienst hinter diesen Angriffen stecken könnte, um die Legitimation für weitere Angriffe auf das kurdische Kandil Gebirge und das weitere vorrücken im Nordirak (KRG) zu erhalten.

Fakt ist, derzeit ist unklar wer hinter den Angriffen steckt.

In der Vergangenheit hatte es wiederholt Zusammenstöße zwischen türkischen Soldaten und der PKK auf kurdisch-irakischem Boden gegeben. Die Türkei unterhält mehrere Militärbasen in der Region und wird von der kurdischen Regionalregierung mit Sitz in Erbil geduldet.

Peshmergaministerium warnt neugegründete bewaffnete Einheit

Das Peshmergaministerium reagiert besorgt auf die Mitteilung einer neugegründeten bewaffneten Gruppe, die gegen die Türkei vorgehen will. Das Ministerium warnte vor einem gravierenden Fehler, welches schwerwiegende Folgen für die Stabilität des Landes haben würde.

An diesem Donnerstag wurde eine Ankündigung auf mehreren verschiedenen Medienunternehmen der PKK veröffentlicht. Es wurde angekündigt, eine neue Gruppierung in Südkurdistan zu errichten, die sich hauptsächlich in der Autonomen Region Kurdistan aufhält. Ihr Ziel ist es, die Türkei zu bekämpfen, da die Armee der Kurden nichts dagegen unternimmt. Die Gruppierung heißt „Core Protection Forces“. Lokalen Quellen zufolge, sind viele Peshmerga der neuen Einheit beigetreten.

Als Reaktion auf die Berichte, erklärte der hochrangige Beamte des Peshmergaministeriums Babakir Faqe, dass die Regionalregierung von Kurdistan und die Streitkräfte das Recht haben, das Land zu verteidigen. Jede andere bewaffnete Gruppierung würde nur Probleme mit sich bringen.
"Wir werden jedoch mit Sicherheit keinen bewaffneten Konflikt auslösen", fügte er hinzu.

In Bezug auf die neue bewaffnete Einheit in Kurdistan glaubt Faqe, dass es einen ausländischen Akteur gibt, der die Bildung der Gruppe unterstützt und versucht, die Sicherheit und Stabilität der Region Kurdistan zu gefährden.
Er wies auch darauf hin, dass die von den USA geführte Koalition auch eine stabile Region Kurdistans befürworte und sich gegen jeden Schritt wehren werde, der die Erfolge in der Region untergräbt.

Ob die neue Einheit wirklich etwas mit der PKK zu tun hat, oder sie sich eigenständig gegründet und gegen die türkische Besatzung agiert, bleibt unbeantwortet. Es liegt nahe, dass viele Derin Peshmerga diese neue Einheit unterstützen, wie Rojava News berichtete. Viele Menschen sind enttäuscht über die Regionalregierung und ihrem Stand zur türkischen Besatzung. In einem Regelmäßigen Abstand sterben kurdische Zivilisten durch türkische Angriffe auf angebliche PKK-Ziele weit im inneren des Landes. Erst von wenigen Tagen wurde ein Fahrzeug durch die türkischen Jets getroffen. Ein Familienvater und seine zwei Töchter sind dabei getötet worden.
Große Teile der Bevölkerung in Südkurdistan werfen der Regionalregierung Verrat an den Kurden vor.

Archäologen entdecken Palast des Mittanischen Reiches in Südkurdistan

Östlich des Tigris-Flusses hat ein kurdisch-deutsches Archäologenteam Überreste einer Palastanlage gefunden, die 3400 Jahre alt sein soll. Diese aus der Bronzezeit stammende Palastanlage, wird dem Mittanischen Reich (auch Ḫanilgabat genannt) zugeordnet.

Die Universität Tübingen in Deutschland hat diesen Fund gemeldet und ein kurdisches Mitglied des Archäologen Teams bezeichnete den Fund als „wichtigste archäologische Entdeckung in der Region seit Jahrzehnten und ein Beweis für den Erfolg der kurdisch-deutschen Freundschaft“.

Das Mittanische Reich umfasste ein Gebiet das sich von der syrischen Küste bis in das Zagros Gebirge des Iraks erstreckte. Schriftstücke des Akkadischen Reiches zeigen, dass die Herrscher des Mittanischen Reiches den Pharaonen und den Herrschern Babyloniens gleichgestellt waren. Den Aufzeichnungen nach, soll der mittanische König seine Tochter zur Heirat mit dem ägyptischen Pharao Amenophis III vergeben haben.

Die Fundstätte wurde bereits im Jahre 2010 entdeckt, allerdings war die Fundstelle in den letzten Jahren durchgängig überflutet. Das Gebiet wurde seit dem Bau des Mosul Dammes im Jahre 1985 großräumig geflutet. Die Schlammmassen und der hohe Wasserpegel die das Hochwasser mit sich brachten machten alle Forschungsarbeiten unmöglich. Erst die Dürre im Herbst 2018 machte es möglich, die Fundstelle zu untersuchen. Die Dürre sorgte sogar dafür, dass einige Teile der Anlage ganz ohne Ausgrabungen freigelegt wurden.

Der freiliegenden Teile der Anlage und die guten Wetterkonditionen, waren Anlass für eine spontane Ausgrabung. Die Universität Tübingen und die kurdische Organisation für Archäologie haben eine gemeinsame Forschungsinitiative gestartet, um gemeinsam die Anlage frei zu graben und ihren Ursprung zu erforschen. Das Team wurde von Dr. Hasan Ahmed Qasim aus Südkurdistan und Dr. Ivana Puljiz aus Tübingen geleitet.

Dr. Ivana Puljiz hielt fest, dass die Wände innerhalb der Palastanlage teilweise bis zu zwei Meter dick waren und einige Wände mehr als zwei Meter hoch waren. Auch Überreste von verputzten Wänden und Wandmalereien wurden gefunden. In Stein gemeißelte Schriften, die momentan in Heidelberg übersetzt bzw. untersucht werden, lassen vermuten, dass es sich bei der Palastanlage um die Stadt Zakikhu handelt, die bereits im Jahre 1800 vor Christus erwähnt wurde. Falls dieser Verdacht sich als wahr erweist, muss die Stadt bereits 400 Jahre zuvor existiert haben.

Bisher ist nur wenig über das Mittanische Reich bekannt. Spuren von Palästen des Königreiches konnten bisher nur in Tal Brak (Syrien) und den Städten Nuzi und Alakh (Irak) gefunden werden.

Die Signifikanz dieser Entdeckung wird besonders davon hervorgehoben, dadurch das die Hauptstadt des Mittanischen Reiches bisher nicht zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Die Entdeckung dieser Palastanlage könnte diese Frage beantworten und noch mehr Informationen zu der Geschichte dieses Königreichs liefern.

In Südkurdistan werden Selbstverteidigungseinheiten gegründet

In einer Militärzeremonie wurden am Donnerstag den 27.06. die Selbstverteidigungseinheiten gegründet. Die Zeremonie wurde in den Bergen Südkurdistans in der Jenakok Region abgehalten. Der militärische Kommandeur der Einheit bekundet in seiner Rede „Die Invasoren in Südkurdistan werden unsere Primärziele sein.“

Der Kommandeur führt die Rede fort mit den Worten „Plündereien, Entführungen, Arabisierung und Morde haben in der Jenakok Region begonnen! Die Neo-Osmanischen Führer drohen damit, Kurdistan zu erobern. Besonders die Regionen Bradost, Kirkuk und die Badinan Region sind davon betroffen. Tragischerweise, sind einige Kräfte in Südkurdistan Partner dieser Invasion. Sie setzen sich der kulturellen, künstlerischen, wirtschaftlichen und geografischen Beraubung nicht klar entgegen.“
Der Kommandeur erklärt, dass die Selbstverteidigungseinheiten gegründet werden mussten, weil die kurdische Regionalregierung in Südkurdistan die Invasion der türkischen Armee im Norden ignoriert hat.

Die türkischen Soldaten sind das klare Ziel der Selbstverteidigungseinheiten, aber auch weitere Invasive Truppen bzw Elemente in Südkurdistan werden mögliche Ziele sein. Die Selbstverteidigungseinheiten operieren unabhängig von anderen Widerstand-leistenden Gruppen wie der HPG. Sie werden weder von der HPG, noch einer anderen Fraktion befehligt und tragen auch nicht deren Insignien oder Flagge.

Der Gründung der Selbstverteidigungseinheiten geht aus eine Protestaktion einiger Derin Peshmerga hervor. Derin Peshmerga ist die Bezeichnung für Peshmerga, die vor dem großen Aufstand 1991 bereits Peshmerga waren. Sie genießen in Südkurdistan enorm viel Anerkennung und Respekt. Zuvor gab es am 21.06. Proteste in voller Ausrüstung im Qandil Gebirge gegen die türkische Invasion. Beteiligt waren vor allem Derin Peshmerga und weitere Veteranen und Familienangehörige, aber auch junge Menschen, die enttäuscht sind von der Regionalregierung der Autonomen Region Kurdistan.
Die Peshmerga-Gruppe hat die Regierung der Autonomen Region Kurdistan aufs schärfste kritisiert und dazu aufgefordert, Maßnahmen gegen die Invasion einzuleiten. Ebenfalls hat sie der Guerilla ihre volle Unterstützung zugesagt und hat die Gegenmaßnahmen der Guerilla gelobt.

Es ist unklar, ob die Gründung der Selbstverteidigungseinheiten im Zusammenhang mit den Derin Peshmerga steht, die zuvor Protestiert haben. Es ist naheliegend, dass die Kämpfer der neu gegründeten Selbstverteidigungseinheiten, Lokale Bewohner sind, die Freunde und Familie durch Angriffe der türkischen Armee auf Zivilisten verloren haben. Allerdings brauchen Widerstandskämpfer Unterstützung von den lokalen Bewohnern und Einnahmequellen um den Kampf gegen die Invasoren zu finanzieren. Die Derin Peshmerga könnten für diese notwendige Unterstützung sorgen.

Die Selbstverteidigungseinheiten rufen alle Kurden dazu auf, ihnen beizutreten und rufen die Peshmerga dazu auf, gemeinsam mit den Selbstverteidigungseinheiten gegen die türkische Invasion vorzugehen.

Türkei weitet Militäraktionen in Südkurdistan aus - Drei Peshmerga unter Beschuss

Am Morgen des Mittwoches des 05.06.2019 (05.30 Uhr lokale Zeit) flogen türkische Flugzeuge Luftangriffe auf Dörfer nördlich der Hauptstadt Hewlêr (Erbil) der Autonomen Region Kurdistan.

Die türkischen Flugzeuge nahmen eine Hütte und weitere Infrastruktur einer Farm unter Beschuss, die den dort stationierten Peshmerga gehörte. Das daraus resultierende Feuer, begann die gesamte Plantage zu zerstören und breitete sich in kurzer Zeit auf das Gebäude aus, indem die gesamte Ernte gelagert war.
Die drei Peshmerga vor Ort haben sofort mit den Löscharbeiten begonnen, um die Ernte zu retten. Nur wenige Minuten später, als die Löscharbeiten noch im vollen Gange waren, flogen die türkischen Flugzeuge wieder an und nahmen die drei Peshmerga unter Beschus. Es schlugen weitere Bomben ein und die drei Peshmerga wurden schwer verletzt. Experten gehen davon aus, dass die türkischen Flugzeuge bzw. der Leiter dieser Operation, diesen Angriff genauestens geplant und bewusst im ersten Schritt Brände entfachen lassen hat, um im zweiten Schritt gezielt die lokalen Einwohner anzugreifen, die versuchen den Brand zu löschen.
Bei den dort stationierten Peshmerga handelt es sich um zwei Brüder und deren Cousin. Die genauen Verletzungen der Peshmerga sind momentan noch unklar, es wurde aber bestätigt, dass ein Peshmerga sein Bein verloren hat.

Die erneute türkische Aggression ist Teil der Operation „Kralle“ die am 27.05.2019 von der türkischen Armee gestartet wurde. Ziel dieser Operation ist es, einige Gebiete in der Region Xakurke von den Kämpfern der PKK zu „Befreien“.

Die Operation Kralle hat in den sozialen Medien, nur wenige Stunden nach der Ankündigung, enormen Spott geerntet, als die türkische Armee über die staatlichen Medienorgane, Videos der Operation veröffentlichte. Die veröffentlichten Aufnahmen zeigen keine türkischen Truppen oder ihre Ausrüstung, stattdessen hat die Türkei Aufnahmen aus dem Videospiel „Arma 3“ und „Medal of Honor“ als reale Aufnahmen der türkischen Armee verwendet.
Dieser Schwindel flog nur wenige Minuten nach der Veröffentlichung auf.

Die türkische Armee hat diesem Debakel kurz danach noch einmal drauf gesetzt als sie die Details der Operation veröffentlichten. Die von den türkischen Aktivisten angepriesene Operation Kralle, welche nach ihnen in einer groß angelegten „Luft-Lande Operation von Kommando Spezialeinheiten im gesamten Gebirge von Südkurdistan“ das ende des Widerstandes einläuten sollte, entpuppte sich als reine Propaganda. Tatsächlich hat die Türkei nur eine Handvoll Teams per Helikopter an Gebirgsspitzen ausgeladen und das in Gebieten in denen die PKK nicht aktiv ist.

Analyse der geostrategischen Optionen der Kurden in Süd- und Westkurdistan

Experten gehen davon aus, dass bis 2040 aufgrund von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und schlechtem Wassermanagement die zwei großen Flüsse Mesopotamiens, Euphrat und Tigris, komplett ausgetrocknet sein werden. Schon jetzt machen sich die verschwindenden Wasserreserven bemerkbar und sind einer der wichtigsten, wenn auch nicht offensichtlichsten Gründe für die regionalen Konflikte. Es ist aber davon auszugehen, dass sich diese Konflikte massiv verschlimmern werden, wenn der Kampf um die unzureichenden lebensnotwendigen Ressourcen in den Vordergrund tritt.

Für die Kurdischen Kräfte bedeutet dies im Konkreten, dass sie noch etwa zehn bis fünfzehn Jahre Zeit haben, eine stabile Stellung unter den Kräften des Nahen Ostens zu bekommen. Andernfalls könnte dies ein Szenario vergleichbar mit dem Armenischen Völkermord oder schlimmer, bis hin zu totaler Diaspora, die dann aber auch kaum einen Weg nach Europa finden dürfte, bedeuten.

Das Hauptproblem, mit dem die Kurden im Nahen Ostens zu kämpfen haben ist die Aufspaltung in vier Unterdrückerstaaten, von denen zwei – Türkei und Iran – auch noch mit die wichtigsten regionalen Powerbroker sind und des Weiteren die Kurden von direktem Meereszugang abgeschnitten sind. Es hat sich bereits gezeigt, dass diese Staaten im Notfall auch trotz sonstiger Gegnerschaft kooperieren, um die Kurden zu besiegen. Trotzdem mussten bestehende Kurdische Kräfte auch unter anderem auf ökonomischer Ebene zusammenarbeiten, um bestehen zu können; Manche taten dies aus persönlichen Interessen vermutlich auch mehr als nötig.

Ein direkter Meerzugang für die Kurden, würde die Chance bieten eine unabhängige Wirtschaft aufzubauen. Derzeit ist die Autonome Region Kurdistan abhängig vom Irak, Iran und der Türkei. Die offenen Transferlinien der Türkei zur Autonomen Region Kurdistan, ist der Grund für den Großen Einfluss der Türkei auf Südkurdistan. Geschlossene Grenzen der drei angrenzenden Staaten – Irak, Türkei und Iran – würde bedeuten, dass die Autonome Region Kurdistan ausgehungert wird. Es käme einer Belagerung gleich die sich nicht halten könnte. Der Aufbau eines wirtschaftlichen Systems in allen Teilen Kurdistans ist essentiell für die Kurdische Freiheitsbewegung. Die Verfolgung dieses nachhaltigen Gedankens, verfolgte zum Beispiel die PYD/SDF in Syrien, mit dem Plan einen Korridor bis zum Mittelmeer entlang der türkischen Staatsgrenze zu schaffen. Letztendlich wurde die SDF daran gehindert, die Voraussetzungen für einen Post-Bürgerkrieg-Stabilitätsfaktor zu etablieren und damit auch die Voraussetzungen für das erfolgreiche Voranschreiten des Kurdischen Freiheitskampfes. Die Türkei hatte kein Interesse daran die Kurden in Syrien wirtschaftlich unabhängig werden zu lassen. Denn ein Korridor zum Mittelmeer würde den Einfluss der Türkei in irakisch-Kurdistan aufs mindeste Beschränken und Rojava und Bashur (Rojava = Westkurdistan, also der Teil Kurdistans der von Syrien besetzt wird; Bashur = Südkurdistan, der Teil der in Irak seine Autonomie innerhalb des Iraks etabliert hat) durch andere Handels- und Wirtschaftspartner rund um den Globus stärken. Das Resultat dieser unterbindenden Strategie der Türkei zum Schwächen der Kurdischen Bestrebungen ist die Afrin-Invasion und die Idlib-Bestrebungen der Türkei.

Nun ist es auch so, dass alle vier Staaten, wie zum Beispiel Türkei und Iran, wirtschaftlich und militärisch sehr mächtig sind, oder wie die Türkei von der NATO und Syrien von Russland unterstützt werden. Der Iran ist dabei derzeit sogar selbst in der Lage, Syrien und Irak zusätzlich zu unterstützen. Ebenfalls entwickelt sich die iranisch-russische Beziehung stetig weiter. Diese Machtstrukturen führen durch den damit gegebenen technischen Vorteil dazu, dass die Kurdische Befreiungsbewegung auf großer Ebene leider nicht auf internationale Unterstützer verzichten kann.

Derzeit konzentriert sich diese vor Allem auf die Beziehungen zu den USA sowie europäischen Ländern wie Frankreich und Italien. Man sollte sich jedoch im Klaren sein, dass diesem Bündnis aufgrund der NATO-Mitgliedschaft der Türkei, der strategischen Wichtigkeit des Landes, insbesondere durch die Lage am Bosporus sowie der Erpressungsmöglichkeiten auf europäische Staaten durch den Flüchtlings-Deal Grenzen gesetzt sind. Das heißt im Konkreten, dass sich diese Staaten im Zweifel auf die Seite der Türkei schlagen werden, geschehen unter Anderem bei der Invasion Efrîns. Das ein etablierter Staat einer Volksgruppe, die sich nicht mal untereinander Einig ist, vorgezogen wird ist ein logischer Schluss. Immerhin besitzt die Türkei eine Wirtschaftlichkeit und bietet viele Möglichkeiten für Investoren. Während eine Volksgruppe De-Jure keine Gewalt über die von Ihnen bewohnte Fläche hat. Die Nähe zu europäischen Staaten und der Zugang zum Mittelmeer erleichtern den Willen zur Kooperation für europäische Staaten mit der Türkei. Besonders Staaten die sich in einer wirtschaftlichen Krise bzw. Pre-Krise befinden, wie zum Beispiel Großbritannien, dass durch den Brexit aus der EU austritt, versuchen durch den Verlust des Zugangs zum freien europäischen Markt dadurch auszugleichen, dass sie sich alternative Wirtschaftspartner und Investitionsmöglichkeiten suchen.

Zwischen den europäischen Staaten gibt es dabei noch einmal Unterschiede. So versucht Frankreich zunehmend, als internationaler Sicherheitsgarant aufzutreten und ist dabei, seine Beziehungen zu den Kurden auszubauen. Durch seine etwas größere Entfernung zu der Türkei kann es die Drohungen der Türkei, den Flüchtlings-Deal aufzulösen auch eher ignorieren, ähnlich wie Italien oder Spanien. Mit diesen Staaten könnten durch geschickte Verhandlungen zumindest bis zu einem gewissen Grad effektive Allianzen aufgebaut werden. Schwieriger gestaltet es sich mit Staaten wie Deutschland oder Großbritannien, in denen relativ viele türkische Bürger leben und die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Türkei pflegen. Einen Sonderfall bilden Griechenland und Zypern, die eine tiefsitzende historische Feindschaft zur Türkei pflegen. Im Falle der wirtschaftlichen Erholung dieser Staaten sowie einer Beruhigung der Flüchtlingsproblematik könnten hier verlässliche Partner gewonnen werden, auch wenn sie nicht so mächtig sind wie manche andere Länder. Ebenso ist Österreich ein Sonderfall. Ihre merkliche Abneigung gegen die jüngst auftretenden politischen Entwicklungen der Türkei und der Ausbau autoritärer Strukturen, halten die österreichisch-türkischen Beziehungen in Atem. Österreich ist innerhalb der NATO und der EU der größte Gegner der Türkei. Im letzten europäischen Votum über das Vorantreiben der türkischen Eintrittsgespräche in die EU, hatte sich nur Österreich dafür ausgesprochen die Verhandlungen komplett abzubrechen. Einem Statement nach, sei die Türkei durch den Ausbau ihrer autoritären Strukturen, der Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit und der Übertretungen von Menschenrechten, nicht dazu geeignet und berechtigt Teil der Europäischen Union zu sein. Durch den Ausbau von Kurdisch-Österreichischen Beziehungen kann hier ein wichtiger und starker politischer Freund gefunden werden. Ein politischer Unterhändler für die Kurdisch-europäischen Beziehungen der im Gegensatz zu den diktatorischen Bestrebungen der Türkei steht.

Der faktisch wichtigste Partner der Kurden sind die USA auf der anderen Seite des Atlantik. Mit der Irak-Invasion und der daraus resultierenden Freiheit und Eigenständigkeit der Kurden im Irak, haben die US-Amerikaner seit jeher die Sympathie der Kurden für sich gewonnen. Diese Freundschaft zwischen den Kurden und der US-Regierung zeigt sich vor allem durch mehrere Basen der US-Streitkräfte im Kurdischen Autonomiegebiet, gemeinsame Militärübungen und Operationen und der Zusammenarbeit im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Die größte Schwachstelle in dieser Beziehung liegt aber in der geringen Tragweite des Kurdischen Einflusses, ihrer minderen wirtschaftlichen und politischen Stabilität und den großen Erwartungen der USA in ihrer Bestrebung den Nahen Osten durch ihren Einfluss komplett zu kontrollieren. Hauptgegner im Kampf um mehr Einfluss sind Russland und Iran. Für die US-Regierung haben die Kurden zu geringe Macht im Nahen Osten, als das sie ihren Bestrebungen dienlich sein könnten, weshalb eher existierende Staaten weitaus interessantere Partner sind als das Kurdische Autonomiegebiet.

Aber auch durch schlechtes strategisches Denken haben die USA ihren Einfluss im Nahen Osten gemindert. Durch die fehlende dominante US-Diplomatie haben die Vereinigten Staaten die Chance verpasst, Irans und Russlands Einfluss zu brechen. Der Ausschlaggebende Punkt ist die Unterstützung der „Syrian Democratic Forces“ – Kurz SDF – welche eher zurückhaltend betrieben wird. Auch die zum Teil fehlende Unterstützung der Autonomen Region Kurdistan, waren der Kurdischen Freiheitsbewegung nicht dienlich. Dadurch das es den Kurden nicht gelungen ist gute Lobbyarbeit zu betreiben, gelang es der Türkei, durch den Segen der USA, in Syrien einzumarschieren und die vorher schon durch die SDF vom IS befreiten Regionen, zu besetzen und den Kurdischen Einfluss zu stoppen. Als NATO-Mitglied, wird die Türkei also weiterhin stärker bevorzugt werden, als die Kurden. Durch die fehlende politische Stärke der Trump-Administration wird die Sympathie zu den US-Werten und die Freundschaft der Kurden nicht genug gewürdigt, wodurch die USA einen wichtigen Einflussfaktor verlieren und die Kurden keinen verlässlichen Verbündeten bekommen.

Wie also gestalten sich Bündnismöglichkeiten außerhalb der NATO-Staaten? In der arabischen Welt dürfte es schwierig werden, Partner zu finden, da die Staaten meist entweder den Kurden feindlich gegenüberstehen oder wie Ägypten mit inneren Problemen beschäftigt sind. Saudi-Arabien hat bereits zu gewissem Grade eine Bündnisbereitschaft angedeutet, hierbei besteht aber immer auch die Gefahr, dass man sich dadurch zu sehr in die Sunni-Schia-Konfliktlinie ziehen lassen könnte, insbesondere, da Saudi-Arabien teilweise für die Ausbreitung von Salafisten verantwortlich ist und eine fast katastrophale strategische Politik fährt, die trotz massiven Investitionen fast in allen Staaten gegen die Wand fährt. Die innenpolitischen Spannungen des Landes sind zudem ein Faktor, der für eine steigenden Instabilität des Staates spricht. Weshalb Saudi-Arabien zwar ein, zu gewissen Graden, verlässlicher Partner sein kann, diese Partnerschaft jedoch nicht von Dauer sein wird.

Regionale Staaten wie Georgien und Armenien stehen der Kurdischen Befreiungsbewegung zwar eher freundlich gegenüber, geben sich aber gleichzeitig Mühe am Anschluss an Europa zu arbeiten und nicht in die Konflikte des Nahen Ostens hineingezogen zu werden. Insbesondere Armenien ist durch die Bedrohung Aserbaidschans auf Artsakh wohl fast vollständig auf die eigene Verteidigung ausgerichtet. Eine wichtige Möglichkeit könnte die Zusammenarbeit mit Israel darstellen, da Israel keine Verbündeten in der Region hat und praktisch von Feinden umringt ist. Gleichzeitig ist Israel sowohl ein wohlhabender als auch ein militärisch schlagkräftiger Staat. Insgesamt bieten sich in der Zusammenarbeit mit Israel fraglos bedeutende und realistische Chancen. Als einziger Staat hat sich Israel bei dem Referendum um die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan im Irak, für einen Kurdischen Staat ausgesprochen. Die Israel-freundliche Einstellung der Kurden und ähnliche Situation bilden hierbei den Faktor für eine mögliche enge Freundschaft auf politischer und militärischer Ebene. Durch die zunehmende Israel-feindliche Stimmung der Türkei und die iranische Rivalität, ist Israel mehr als nur interessiert an einem Kurdischen Staat und somit einem Stabilitätspuffer im Nahen Osten. Die antagonistische Haltung der Türkei und des Irans zu den Kurden und Israel, bieten deshalb ideale Voraussetzungen für eine dichte politische Zusammenarbeit. Ebenso wie die USA, ist Israel interessiert daran den iranischen Einfluss aus Irak und Syrien zu drängen. Weshalb eine Zusammenarbeit mit den Kurden nötig ist. Die Kurdische Freiheitsbewegung sollte eine Strategie entwerfen, mit der sie Israelisch-Kurdische Beziehungen stärken, sie aber nicht auf kosten des Islams aufbaut, um andere muslimische Staaten nicht zu einer ebenso großen antagonistischen Haltung zu zwingen, wie es die Türkei und der Iran schon sind.

Es bleiben nun noch die Perspektiven bei bedeutenden Weltmächten wie Russland, Indien und China zu besprechen. Russland hat im Syrienkrieg als Verbündeter al-Assads bewiesen, dass es als loyaler, schlagkräftiger und stoischer Verbündeter auftreten kann. Als geopolitischer Gegenspieler der USA müsste man aber für ein theoretisches Bündnis mit Russland von den Amerikanern abrücken. Selbst dann würde sich aber noch die Frage stellen, ob Russland an diesem Bündnis überhaupt interessiert wäre. Indien und China sind als neue geopolitische Aufsteiger bislang noch nicht sonderlich offensiv aufgetreten. Der Konflikt im Chinesischen Meer kann daher als erstes Muskelspiel angesehen werden und könnte das Startsignal für weitere internationale Operationen bedeuten. Auch hier ist aber das Problem, dass sich China eher als Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten betrachtet, im Nahen Osten bislang keine deutlichen geostrategischen Interessen gezeigt hat und wohl tendenziell die Zusammenarbeit mit etablierten Partnern vorziehen wird. Auch Indien hat bislang kaum größere internationale Operationen getätigt. Durch die Feindschaft mit Pakistan, das im weiteren Spektrum zur Achse Erdogans gezählt werden kann, sind hier zumindest tendenziell Sympathien vorhanden. Wenn es Kurdische Autoritäten schaffen, an diesen anzusetzen und schlau verhandeln, könnte hier ein wichtiges Bündnis entstehen. Da Indien auf der geopolitischen Bühne noch unerfahren ist und kaum eine unverantwortliche Arroganz wie die USA an den Tag legen wird, kann davon ausgegangen werden, dass Indien als verlässlicher Verbündeter handeln würde, was zusammen mit der dahinter stehenden militärischen Stärke ein gewaltiger Vorteil für die Kurdische Bewegung wäre. Die Schwierigkeit dürfte hier darin bestehen, Indien von einer aktiven Außenpolitik zu überzeugen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kurdische Befreiungsbewegung trotz mächtiger Gegenspieler wie Türkei und Iran und begrenzt loyaler Verbündeter auf internationaler Ebene trotz alledem Perspektiven hat, die mit intelligent geführten Verhandlungen aktiviert werden könnten. Im Weiteren sind kommende großflächige innere Streitigkeiten in Türkei und Iran nicht auszuschließen, was eine gewaltige Chance entstehen ließe. Ein Ausschluss der Türkei aus der NATO ist eher unwahrscheinlich, würde aber auch bedeutende Möglichkeiten entstehen lassen, die die Etablierung eines Kurdischen Staates ermöglichen könnten. Grundlegend hierfür ist dabei die Einigkeit der verschiedenen Parteien nach außen sowie die Bekämpfung von Korruption und Kollaborateuren. Im Innern kann und wird es natürlich immer Meinungsunterschiede zwischen den Parteien geben; diese sollten sich aber auf eine politische Arena beschränken und nicht die militärische Einigkeit gefährden. Im Endeffekt bleibt die Zukunft natürlich trotz alledem sehr unberechenbar, aber es kann nicht schaden, sich über mögliche Strategien Gedanken zu machen, wenn man längerfristig in den Machtstrukturen des Nahen Ostens überleben möchte.

Ein Beitrag von Passar Hariky und Manuel Kammermüller
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