Rückkehr zur Realität - das HORI-Zentrum

Der Islamische Staat (IS) hat mit der Übernahme von Städten im Nahen Osten und ihrer Terrorherrschaft Angst und Schrecken auf der Welt verbreitet. Erst durch die Zusammenarbeit von kurdischen Truppen wie der Peschmerga, YPG und der globalen Koalition konnte der IS besiegt werden. Doch bis es zum endgültigen Sieg braucht es noch einige Jahre.

- Viele gefangene Jugendliche sind vom IS radikalisiert worden
- Mit dem HORI-Zentrum versucht die kurdische Selbstverwaltung diese wieder in die Gesellschaft zu integrieren
- So soll verhindert werden, dass diese von den IS Zellen in Zukunft rekrutiert werden


In den Jahren Ihrer Herrschaft wurden Kinder, Jugendliche und Frauen indoktriniert. Die IS-Kämpfer lehrten die Kinder im Umgang mit Waffen und befahlen sie einigen andere Menschen zu köpfen. Ein grausamer Akt und ein Trauma für die Betroffenen. Mit diesem Problem hat die kurdische Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien zu kämpfen. Jahrelang wurde gefordert, dass die ausländischen IS-Frauen von den Staaten, aus denen sie kommen zurückgeholt werden. Doch bisher hat sich nicht viel getan. Stattdessen sind die Camps überfüllt und es ist eine immense Aufgabe für die kurdische Selbstverwaltung die Sicherheit dort zu gewährleisten.

Eine zweite Chance

Die autonome Verwaltung von Nord- und Ostsyrien bemüht sich nicht nur um die Rücknahme der ausländischen IS Frauen und Kinder, sondern hat auch einen Plan für die dort lebenden Menschen entwickelt, die auch vom IS radikalisiert wurden. Viele Kinder und Jugendliche wurden vom IS mit ihrer Ideologie indoktriniert. Sie stellen daher eine Gefahr für die multiethnische Gesellschaft dar und müssen behandelt werden. Anstatt diese ein lebenslang einzusperren, entschied die Verwaltung der jungen Generation eine zweite Chance zu geben. In sogenannten Rehabilitationszentren – auch HORI-Zentrum genannt – soll ein modernes Weltbild vermittelt werden. Es wird der Versuch unternommen, diese jungen Menschen in die Gesellschaft zu integrieren. Denn eine dauerhafte Verhaftung bringt keinem was. Die jungen Menschen würden sich weiter radikalisieren und die Kosten der Internierung müsse die kurdische Administration selber tragen.
“Mit dem HORI-Zentrum können die betroffenen Personen aber beweisen, dass die Ideologie des IS nicht fest in ihren Köpfen eingebrannt ist. So können durch die Teilnahme an dieser Maßnahme die Haftzeiten für die Betroffenen erheblich verringern und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie bald in die Freiheit entlassen werden.”, erklärt die offizielle Vertretung der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Deutschland.

Was macht das HORI-Zentrum?

Frauen, die im HORI-Zentrum arbeiten berichten, dass die meisten Jugendlichen sie weder begrüßen noch den Kopf heben, um sie überhaupt anzuschauen. So haben sie es vom IS gelernt und das galt es zu bekämpfen. Doch sei die Ideologie trotzdem nicht fest bei den Kindern und Jugendlichen verankert, so eine der Betreuerin. Denn vielen von den Betroffenen wurden vom IS beauftragt sich in die Luft zu sprengen, wenn sie kurz vor der Verhaftung stünden. Einige hätten dies nicht getan und haben sich den kurdischen Kämpfern gestellt. Die Hoffnung besteht, dass den jungen Menschen geholfen werden kann.

Die Kinder und Jugendliche werden in Klassen unterrichtet und haben Unterrichtsfächer wie Geschichte, Erdkunde, Kurdisch und Arabisch. Dazu gibt es noch Fächer wie Moral und anderes, in denen Werte und Ideen vermittelt werden sollen. Außerdem findet im HORI-Zentrum ein geregelter Tagesablauf statt. Es fängt an mit Hygiene, Ordnung und anschließend Sport. Außerdem werden denen unterschiedliche handwerkliche Tätigkeiten beigebracht, damit sie später auch in der Lage sein sollen sich in der Arbeitswelt vor Ort zurechtzufinden. Das alles soll verhindern, dass sie sich eines Tages doch wieder dem IS anschließen. Denn der IS ist immer noch in vielen Gebieten aktiv und rekrutiert weiterhin vor Ort und auch im Internet für ihren schrecklichen Kampf Kinder und Jugendliche.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern Türkei-Sanktionen

In einem Brief fordern 69 Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) sofortige Maßnahmen gegenüber der Türkei. Die Forderung richtet sich an den Hohen Vertreter der Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell. Dieser soll die Angriffe der Türkei gegen Frieden und Demokratie in Kurdistan und an anderen Orten sofort stoppen.

- Brief der MdEP fordert den Stopp der Angriffe der Türkei auf die Kurden
- Es wird eine harte Antwort von europäischer Seite gefordert
- 69 MdEP haben diesen Brief unterschrieben und an den EU-Außenminister versandt.


Die MdEPs möchten auf diese Weise die Aufmerksamkeit des EU-Außenministers auf die Repressionen gegen die demokratische Opposition in der Türkei richten, ganz besonders auf die der kurdischen Partei der HDP. Außerdem auch auf die militärischen Angriffe der Türkei auf das Territorialgebiet der Autonomen Region Kurdistan – Irak und der Autonomen Administration von nord- und Ostsyrien, auch bekannt als „Rojava“.

Inhalt des Briefes:

In den letzten fünf Jahren hat die AKP unter Erdogan mithilfe von ultranationalistische Kräften (MHP) und Notstandgesetzen ein autoritäres System in der Türkei eingerichtet. Mehr als 90.000 Menschen sind mit dem Vorwurf des „Terrorismus“ verhaftet worden, darunter auch Parteivorsitzende, Abgeordnete des Parlaments, gewählte kurdische Bürgermeister, tausende von HDP-Parteimitglieder, Journalisten, Akademiker, Anwälte, Repräsentanten der Zivilgesellschaft, Menschenrechtsaktivisten und viele mehr. Die türkische Regierung stempelt jeden der kritisch gegenüber deren Politik ist, ganz besonders deren Politik gegenüber Kurden, als „Terroristen“ und „Verräter“ ab.

Die türkische Regierung hat unrechtmäßig HDP-Bürgermeister ihres Amtes enthoben und diese mit Zwangsverwalter ersetzt. Seit der Wahl vom 31.03.2019 sind zudem 46 der 65 HDP-geführten Kommunen von der Regierung übernommen worden. Schon die Venedig-Kommission nannte die Aktionen der Türkei “nicht vereinbar mit Prinzipien der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.”

Auch wolle man die Aufmerksamkeit des EU-Außenministers auf die schockierenden Luftangriffe der türkischen Armee auf die Region Shingal, dem von der UNHCR geführten Makhmour Camp, auf Südkurdistan (Region Kurdistan im Irak) am 14. Juni 2020 und auf Kobani (kurdische Region in Syrien) am 23. Juni 2020 lenken. Bei allen Angriffen sind viele Zivilisten ums Leben gekommen und wurden ernsthaft verletzt.

Seit dem 17. Juni 2020 sind türkische Bodentruppen in die Region Kurdistan eingedrungen, die von Drohnen und Helikoptern begleitet wurden und mehr als 150 Angriffe auf Ziele geflogen sind. Diese militärischen Aktionen destabilisieren die Region, verschärfen die humanitäre Not, sorgen für das Erstarken von terroristischen Gruppen und gefährden den Fortschritt gegen den IS. Außerdem werden mit den Angriffen der Türkei Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, die dann zu Asylsuchenden in den Nachbarländern oder in Europa werden. Die Türkei ist Mitglied der NATO, ein Mitglied im Europarat und ein Kandidat für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die Kommission sollte diese Aktionen nicht tolerieren, die gegen demokratische Normen und internationalem Recht verstoßen. Wir fragen Sie, damit sie gegen das autokratische Erdogan-Regime etwas unternehmen. Wir können nicht passiv bleiben, bei einem so aggressiven Verhalten, auch gegenüber der EU selber.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Drohnenangriff der Türkei ermordet 4 Frauen in Kobane

Am Dienstagabend dem 23.04.2020 bombardierte eine türkische Drohne die kurdische Grenzstadt Kobane.

- Bei dem Angriff wurden 4 Frauen ermordet
- Eine der Frauen war eine Politikerin und Feministen des Frauenverbandes Kongra Star
- Laut offiziellen Verträgen zwischen den USA, Russland und der Türkei darf die Türkei Kobane nicht bombardieren


Dieser Drohnenangriff markiert eine neue Eskalationsstufe der türkischen Aggressionen gegen die Autonome Selbstverwaltung in Nord-Ost-Syrien. Hinter diesem Angriff wird steckt wahrscheinlich ein Spiel der Türkei, um mögliche Reaktionen der internationalen Gemeinschaft zu testen. Die Stadt Kobane gilt für viele als Symbolstadt des Sieges über den Islamischen Staat, ist der Türkei aber ein Dorn im Auge.

Die Türkei droht seit langem damit, die kurdische Stadt Kobane zu erobern. Obwohl die Türkei, nach dem Angriffskrieg gegen Serekaniye und Gire Spi zwei Abkommen mit den USA und Russland unterzeichnet haben, Kobane nicht anzugreifen.
Die Autonome Selbstverwaltung ruft alle beteiligten Staaten dazu auf, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen und die Türkei für den Vertragsbruch zu bestrafen. Auch müsse Russland, sein Versprechen gegenüber dem kurdischen Volk einhalten und den syrischen Luftraum für die Türkei sperren.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Frankreich repatriiert 10 Kinder aus syrischen Lagern

Die Regierung in Frankreich hat zehn Kinder französischer Staatsangehörigkeit aus Lagern im Nordosten Syriens repatriiert, teilte das Außenministerium in Paris heute mit.

Die Kinder, die in den Camps unter der Kontrolle der kurdischen Sicherheitskräfte im Norden und Nordosten Syriens gehalten werden, stammen aus Familien, die mit der Terrorgruppe Daesh in Verbindung stehen. Im vergangenen November wurde bekannt, dass bis zu 750 Kinder europäischer Staatsbürger in diesen Lagern festsitzen.

Laut dem Ko-Vorsitzenden der Kommission für Außenbeziehungen der Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens, Abdulkarim Omar, wurden die Kinder als "verwaiste und humanitäre Fälle" eingestuft. Sie wurden einer französischen Delegation in der Stadt Qamischli übergeben. Das französische Außenministerium teilte mit, dass die Jugendlichen "nun einer besonderen medizinischen Nachsorge unterliegen und sich in der Obhut von Sozialdiensten befinden".

Die Entscheidung Frankreichs zur Rückführung seiner Bürger erfolgt nach jahrelangen Debatten innerhalb der europäischen Nationen darüber, ob ihre Staatsangehörigen, die nach Syrien geflüchtet sind um sich dem Daesh anzuschließen, zurückkehren dürfen.
Einigen wurde die Staatsbürgerschaft aberkannt, wie der ehemaligen britischen Staatsbürgerin Shamima Begum. In vielen Fällen wurde sogar Entwicklungshelfern und Journalisten die Staatsbürgerschaft entzogen, die sich weder Daesh noch einer militanten Gruppe angeschlossen hatten.

Die meisten Länder in Europa haben sich geweigert, ihre Bürger die Rückkehr zu gewähren, weil sie befürchten, dass sie eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnten. Rechtsgruppen haben aus humanitären Gründen eine Änderung dieser Haltung gefordert, zumal die betroffenen Personen und Familien während der andauernden Coronavirus-Pandemie in Lagern festsitzen.

Während die überlebenden Ehemänner und Väter, die mit Daesh gekämpft haben, in von den kurdischen Milizen kontrollierten Gefängnissen inhaftiert sind, wurden ihre Frauen und Kinder in den Lagern in der Schwebe gehalten, wobei eine begrenzte Anzahl von Kindern europäischer Staatsangehöriger in die Heimat zurückgeführt wurde.
Großbritannien hat zum Beispiel im vergangenen November den Rückführungsprozess für die Waisenkinder verstorbener britischer Daesh-Kämpfer eingeleitet und einer britischen Mutter im Januar dieses Jahres mitgeteilt, dass ihre vier Kinder in das Land zurückkehren könnten, wenn sie in Syrien bleibt.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Autonome Selbstverwaltung verurteilt Terroranschlag in Efrin

Am Dienstag dem 28.04. wurde ein Marktplatz in Efrin von einer massiven Explosion erschüttert, die mindestens 40 Zivilisten, davon 12 Kinder, tötete und mehr als hundert Zivilisten verletzte.
Unbekannte Terroristen haben einen Tanklaster mit Benzin überladen und auf dem Marktplatz, vor dem Hauptquartier einer von der Türkei geführten syrisch/arabischen Miliz zur Detonation gebracht. Dabei sind mindestens 15 Mitglieder der Miliz getötet worden.


Aufgrund des Umstandes das dieser Angriff scheinbar einer Miliz galt, welche in Efrin unter der Führung der Türkei das Gebiet besetzt, gingen Experten zunächst davon aus, das es sich bei den Tätern um Mitglieder der kurdischen Widerstands Miliz „Wrath of Olives“ oder HRE handelt. Die kurdischen Milizen haben sich allesamt von dieser Tat distanziert und vermuten, dass die türkischen Milizen selbst dahinter stecken, da diese bereits seit Monaten blutige Gefechte gegeneinander führen, in denen es hauptsächlich um Territorium und eroberte Kriegsbeute (der indigenen kurdischen Bevölkerung Efrins) geht.
Auch vermutet man das Bestreben des türkischen Staates hinter diesem terroristischen Akt. In jüngster Zeit drängt die Türkei und ihre Milizen die indigene kurdische Bevölkerung immer mehr dazu, Efrin zu verlassen. Um dieses Ziel zu erreichen werden regelmäßig die in der Stadt verbliebenen Kurden angegriffen, entführt und schikaniert. Besonders oft werden Orte von Sprengsätzen der Türkei geführten Milizen heimgesucht, welche mehrheitlich bzw ausschließlich von Kurden besucht werden.

Der General der Demokratischen Kräfte Syriens Mazlum Abdi bezeichnete diesen Angriff als einen Akt des Terrors und verurteilte diesen zutiefst. Am Mittwoch den 29.04.2020 veröffentlichte der Demokratische Rat Nord- und Ostsyriens ein Statement indem es heißt:
„Wir der Demokratische Rat Syriens verurteilen und denunzieren diesen hinterhältigen und feigen Akt des Terrors, welcher unschuldige Zivilisten angriff und den übriggebliebenen droht, ihre Städte und Dörfer (Gemeint ist kurdische Bevölkerung in Efrin) zu verlassen“.

Die gesamte politische Führung der Autonomen Administation Nord- und Ostsyriens ist zutiefst bestürzt und geschockt über diesen brutalen Angriff, der zahllosen unschuldigen das Leben gefordert hat. Die Autonome Selbstverwaltung ruft die internationale Staatengemeinde auf, die Türkei aufzufordern Efrin zu verlassen, damit der tägliche Terror der türkischen Milizen endlich ihr Ende hat.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Kurdische Bevölkerung in Efrîn geht massiv zurück

Wie eine Menschenrechtsorganisation in Efrîn berichtet, ist die dortige kurdische Bevölkerung seit der türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Demnach sei die dort installierte Schreckensherrschaft der Grund.

• Kurdische Bevölkerung in Efrîn um über 60 Prozent zurückgegangen
• Şehba-Region als Hotspot für Flüchtlinge in Gefahr
• Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt


Wie die Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan Li Efrînê“ berichtet, ist die kurdische Bevölkerung seit der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Bei der „Operation Olivenzweig“ am 20. Januar 2018, hatte das türkische Militär mit türkisch-islamistischen Milizen den Kanton Efrîn angegriffen. Ziel der Militäroperation war es, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von der türkischen Grenze zurückzudrängen. Folglich besetzte das türkische Militär mit ihren Söldnern die Region und konnte damit ihren Geltungsbereich abseits der türkischen Republik erweitern. Seither herrscht dort eine autoritär Despotie, wie unzählige internationale Medien berichten. Zudem ist es unabhängigen Hilfsorganisationen nicht mehr erlaubt, die Region zu betreten. So berichtet zum Beispiel die „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, dass ihnen der Zugang nach Efrîn von den türkisch-islamistischen Milizen untersagt wurde. Durch die türkische Invasion war auch der Kurdische Rote Halbmond „Heyva Sor a Kurdistanê“ gezwungen gewesen, das Gebiet samt all ihren Mitarbeitern zu verlassen. Ehemalige Bewohner der Stadt berichten, dass es bis dato unzählige offene Fälle von Entführungen, Vergewaltigungen, Enteignungen und rassistisch motivierte Folter und Mord gibt.

Die Wüstenregion Şehba liegt unweit von Efrîn und ist seither priorisiertes Ziel der türkischen Besatzungspolitik in Rojava. Durch die völkerrechtswidrige Invasion der Türkei in Efrîn, entwickelte sich die Region zu einem Hotspot für Geflüchtete aus Efrîn. Laut Quellen der Selbstverwaltung leben dort mittlerweile mehr Flüchtlinge als heimische Bewohner. Da die Region nicht an die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien angrenzt, gibt es seither Hungersnöte und Ressourcenarmut. Durch die Sanktionen der syrischen Regierung, verschärft sich die Lage erheblich. In Şehba kommt es fast täglich zu Angriffen. Immer öfter werden dabei auch zivile Orte bombardiert, wie zum Beispiel das Stadtzentrum in Arpêd (Tel Rifat).
Durch die Corona-Pandemie hat sich die dortige Situation zunehmend verschlechtert. Die Test-Möglichkeiten sind stark begrenzt und die syrische Regierung sabotiert mit ihrer Präsenz in Şehba zahlreiche Reglementierungen für Hygiene und Prävention.

Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt

Am 23. März hatte der UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Kurdische Kräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) haben daraufhin alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Das türkische Militär und die türkisch-islamistischen Milizen sind dem Appell jedoch nicht gefolgt und attackieren nach wie vor das Gebiet der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien. So berichtet der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) der Region Ain Issa, Erdal Kobanê, dass die türkische Regierung die Corona-Krise zur Ausweitung ihrer Besatzung und ihrer Angriffe auf die kurdische Selbstverwaltung Rojava ausnutzt und eine erneute türkische Operation bevorstehen könnte. Demnach haben die türkischen Angriffe auf die kurdischen Gebiete stark zugenommen. Zudem kam es zu einer Mobilisierung türkischer Kräfte in den besetzten Gebieten von Rojava.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Syrische Regierung provoziert Corona-Fälle in Rojava

Seit Beginn der Corona-Pandemie, versucht die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit neuen Reglementierungen dem Virus entgegenzuwirken. Die Arbeit der Selbstverwaltung von Rojava wird unterdessen von türkischer und syrischer Seite stark blockiert und gezielt unterbunden.

In einer aktuellen Erklärung des Gesundheitskomitees der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien heißt es, dass die syrische Regierung jegliche Präventionsmaßnahmen gegen Covid-19 sabotieren und Rojava trotz der erstarkten Kalamität unnötig belasten. Zudem heißt es vom Gesundheitskomitee, dass die syrische Regierung Rojava vor allem durch den Flughafen in Qamişlo, welcher nicht zum Geltungsbereich der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gehört, gefährdet. Demnach würde man geltende Bestimmung für Hygiene und Kontrolle ignorieren und Personen aus besonders stark betroffenen Regionen ohne weiteres einreisen lassen. Dabei umgeht die dortige syrische Vertretung gezielt die dafür eingerichteten Gesundheitskontrollen unweit des Flughafens, in dem sie die Einreisenden über syrisches Geltungsbereich unkontrolliert in Rojava eintreten lassen. Außerdem verzichten die syrischen Zuständigen des Flughafens vollständig auf Absprache und Kommunikation mit der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien.

Laut dem Ko-Vorsitzende des Gesundheitskomitees von Nord- und Ostsyrien, Dr. Ciwan Mustafa, wurde in der Wüstenregion Şehba ein gesamtes Dorf wegen Corona-Verdacht unter Quarantäne gesetzt. Grund dafür sei ein syrischer Soldat und der schlampige Umgang der syrischen Regierung mit der Corona-Pandemie. Demnach war der Wehrpflichtige der syrischen Armee trotz Corona-Symptomen über mehrere Tage hinweg als Soldat tätig. Dr. Ciwan Mustafa kritisiert dabei vor allem, dass die syrischen Zuständigen den erkrankten Soldaten nicht unter Quarantäne gestellt haben. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde der Erkrankte nach Hause in das Dorf Um al-Hoş geschickt und schließlich in ein Krankenhaus in Aleppo eingeliefert. Derweil ist das Dorf Um al-Hoş vollständig von der Außenwelt abgeschottet.

Die Situation in Şehba ist besonders kompliziert und gefährlich. Aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion gegen das kurdische Kanton Efrîn, entwickelte sich die Wüstenregion zum Hotspot für Geflüchtete. Seither herrscht dort permanenter Ausnahmezustand. Grund dafür ist die besonders strategische Lage von Şehba und der von Şehba ausgehende kurdische Widerstand gegen die türkischen Besatzer und ihre dschihadistischen Milizen. Die Dörfer der Region sind deshalb regelmäßiges Ziel türkischer Angriffe. Der UN-Generalsekretär António Guterres hatte am 23. März zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Die kurdischen Streitkräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und die Kräfte der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sind dem Appell gefolgt und haben alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Die Angriffe der türkisch-islamistischen Milizen gehen dennoch ununterbrochen weiter. So berichtet der SDF-Kommandant Majed Fayyad al-Shibli, dass die türkischen Besatzer den Waffenstillstand und die Corona-Krise ausnutzen, um ihre Besatzungszone auszuweiten. Aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen der Türkei gegen die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien, ist die Region Şehba daher besonders gefährdet für Corona-Fälle. Doch auch das syrische Embargo gegen die Region erschwert die Situationen erheblich. Şehba wird von der syrischen Regierung stark sanktioniert, weshalb es bereits vor der Corona-Pandemie an Essen und Medizin gefehlt hat. Somit erweist sich die jetzige Situation als besonders kritisch, zumal es sowohl kaum medizinisches Personal gibt, geschweige überhaupt einen gültigen Corona-Test. Da Spenden und Dienstleistungen von Hilfsorganisationen durch türkische und syrische Seite vollständig verhindert werden, hat die dortige Verwaltung mit dem Bau einer zusätzlichen Intensivstation für Corona-Fälle begonnen. Diese hat 21 Behandlungszimmer und soll bereits in zehn Tagen einsatzbereit sein.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.

Rojava verlängert Ausgangssperre gegen Corona-Pandemie

Die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien versucht seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine Ausbreitung zu verhindern. Zu den Maßnahmen gehören Ausgangssperren und neue Reglementierungen für Beruf und Alltag.

In erster Linie hat das syrische Regime den Geltungsbereich der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sanktioniert. Zudem greifen die türkischen Besatzungskräfte weiterhin das Umland von Girê Xurma (Til Temir), Bozanî (Ain Issa) und der Wüstenregion Sheba an. Spenden und humanitäre Dienstleistungen werden darüber hinaus von beiden Seiten blockiert, weshalb es bisher keine Covid-19 Testmöglichkeiten in Rojava gibt. Die Anfrage der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien, genommene Proben in Damaskus testen zu lassen, ignorierten die Zuständigen der syrischen Regierung. Derweil gibt es daher keinen bestätigten Corona-Fall in Rojava.

Nichtsdestotrotz hat die Verwaltung von Rojava eine Ausgangssperre verhängt und den Betrieb von Geschäften auf das mindeste beschränkt. Die Ausgangssperre gilt seit dem 23. März und wurde gestern von der Selbstverwaltung um weitere zwei Wochen verlängert. Die Beschränkungen gelten also voraussichtlich bis zum 21. April, wobei erneute Verlängerungen der Alltagsbeschränkungen zu erwarten sind.

Die schwierige Lage in Rojava nahm vor allem in den letzten Tagen deutlich zu. So berichten Zuständige vor Ort, aber auch unzählige Medien wie zum Beispiel Deutsche Welle und Focus, dass die türkisch-islamistischen Milizen das wichtigste Wasserwerk der gesamten Region abgeschaltet haben. Vor allem war die Stadt und das Umland von Hesîçe (al-Hasaka) mit etwa 1.2 Millionen Menschen betroffen. Dadurch hatte nicht nur die normale Bevölkerung über 16 Tage hinweg keinen regelmäßigen Zugang zu Wasser, sondern auch Gefängnisse, Flüchtlingscamps und auch das Hauptquarantäne-Krankenhaus für Covid-19 in Nordost-Syrien. Die türkisch-islamistischen Milizen stehen unter direktem Befehl der türkischen Republik und leben Seite an Seite mit türkischen Soldaten in den zuvor besetzten Gebieten von Rojava. Erst durch den Druck nicht-kurdischer Akteure, war es Ingenieure der kurdischen Selbstverwaltung erlaubt, nach 16 Tagen die zerstörte Pipeline zu besichtigt und den Durchfluss wiederherzustellen. Daraufhin gab die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien bekannt, dass von nun an Wasser und Strom mit sofortiger Wirkung kostenlos für jeden Haushalt in Rojava ist. Damit soll die Bevölkerung entlastet werden, die durch die Beschränkungen der Geschäfte wegen der Corona-Pandemie in Bredouille ist.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.
Subscribe to this RSS feed