Corona-App: Diskriminierung der kurdischen Sprache

  • Written by Didar
  • Published in Weltweit
Corona-App: Diskriminierung der kurdischen Sprache Urheber: KGD
Die Bundesregierung hat mit der Entwicklung einer Warnapp einen weiteren Schritt gegen die COVID-19-Pandemie gestartet. Am 16. Juni 2020 wurde die App veröffentlicht und stand zum Herunterladen bereit. Damit versprach sich das Krisenmanagement eine verbesserte Kontrolle über die Verbreitung des Virus. Nach Angaben des Robert Koch Instituts haben ca. 18 Millionen Menschen die Corona-App auf ihre Smartphones heruntergeladen.

Gerade in Krisenzeiten ist es sehr wichtig für die Bundesregierung, dass genug Informationen bereitstehen. So soll die Bevölkerung beruhigt und auf den aktuellsten Stand gebracht werden. “Um jedem Zugang zu den Informationen zu gewähren, muss aber mehr getan werden, als nur die App auf der deutschen Sprache bereitzustellen. Es gibt Barrieren, die Menschen daran hindern, die Informationen zu verstehen. Daher ist es von enormer Bedeutung, dass auf der Seite der Bundesregierung alles rund um die Pandemie auch in Fremdsprache erhältlich ist.”, erklärt ein Sprecher des Vereins Yekbun.

Im Zentrum der Debatte auf den sozialen Kanälen war ein Posting vom Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir. Dieser hatte auf Bitten der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD) eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. In der Anfrage ging es um die Frage, ob geplant sei die Corona-App auch auf der kurdischen Sprache anzubieten. „Eine Übersetzung ins Kurdische ist aktuell nicht beabsichtigt“, so das Antwortschreiben der Bundesregierung. Begründet wird diese Entscheidung nicht. Nur wird auch auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten erwähnt, dass eine kurdische Version der App voraussichtlich 250.000 € würde.
Zur Erstveröffentlichung war die Corona-App nicht nur auf Deutsch und Englisch verfügbar, sondern auch auf Türkisch. Im August wurde dann bekannt gegeben, dass für die Zukunft geplant sei die Corona-App auch auf Arabisch, Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch und Russisch anzubieten. Das Ziel sei, mehr Menschen mit der App zu erreichen, die die deutsche Sprache nicht sprechen können. Doch wurde einer der größten Migrantengruppe in dieser Angelegenheit ignoriert. Während in Deutschland zum Beispiel ca. 750.000 Rumänen und ca. 360.000 Bulgaren leben, beziffert sich die Zahl der Kurden auf geschätzte 1,2 Millionen. Daher ist es verwunderlich, dass die Corona-App nicht in der kurdischen Sprache angeboten wird, wenn sie doch zu einer der größten Migrantengruppen in Deutschland gehören.

Die KGD kritisiert dieses Vorgehen als Verleugnung, der über eine Million Kurden die in Deutschland leben. „Die Begründung, dass Kurd*innen auch der arabischen, türkischen und persischen Sprache mächtig seien, empfinden wir als diskriminierend und herabwürdigend. Eine Vielzahl von Kurd*innen kann sich mit den genannten Sprachen weder identifizieren, noch ist sie ihrer mächtig“, so Cahit Basar, Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland. Über ein Gutachten hat die KGD diese Verleumdung der Kurden und der kurdischen Sprache juristisch Prüfen lassen. In dem Gutachten wird erklärt, dass aus der Tatsache, dass es in den Herkunftsgebieten der Kurden offiziell andere Amtssprachen gibt, könne „nicht gefolgert werden, dass alle Menschen kurdischer Volkszugehörigkeit diese Sprachen auch beherrschen“. Die kurdische Sprache im Vergleich zu anderen nicht zu berücksichtigen, dürfte „wegen Verstoßes gegen den Gleichheitssatz des Art.3.I und III GG rechtswidrig sein“, so Prof. Dr. Christian F. Majer weiter.

Ob in Zukunft die Bundesregierung doch einlenken wird, ist nicht gewiss. Aber es ist klar, dass die kurdische Diaspora weiterhin um ihre Anerkennung kämpfen muss, da sie in vielen Fällen einfach ignoriert werden.


Editiert von Passar Hariky



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.