Mord, weil junger Mann kurdische Musik hört

Der 20-jährige Kurde Baris Cakan wurde am Abend des gestrigen Sonntags gegen 22:30 in Ankara von drei Männern getötet. Baris C. hörte in einem Park kurdische Musik, woraufhin er von drei Männern angegriffen wurde.

- Kurde wegen Musik hören umgebracht
- Türk. Innenminister erklärt Opfer habe provoziert
- Drei Täter wurden festgenommen


Nach dem kürzlichen rassistischen Mord an George Floyd in den Vereinigten Staaten durch Polizisten, sorgt eine weitere Meldung über einen rassistischen Mord in der Türkei für Aufsehen. Am Sonntag, dem 31.05. wird der 20-jährige Baris Cakan in Ankara von drei Männern angegriffen und ermordet. Grund für den Mord sei das Abspielen kurdischer Musik.
Baris C. stammt aus Patnos, einer überwiegend kurdischen Stadt im Südosten des Landes. Seine Familie erklärt, dass sie immer wieder von Türken angegriffen und belästigt wurden, wenn sie im Park im familiären Kreis kurdische Musik anmachten und hörten.

Die drei Männern wurden später von der Polizei festgenommen. Baris C. erlag im Krankenhaus den Messerstichverletzungen.

Abgeordnete bestreiten Problem mit Kurden

Noch am selben Abend veröffentlichte die Verwaltungsregierung des Distrikts von Ankara eine Erklärung zu dem Mord an Baris Cakan. In diesem heisst es, der junge Kurde habe vom Auto aus laut türkische Musik gehört und habe bewusst provoziert und die Menschen in der Umgebung gestört und sie davon abgehalten den Gebetsruf zu hören.

HDP-Parlamentsabgeordnete aus Amed (türk. Diyarbakir) schreibt auf Twitter: “Ihr feindet alles kurdische an. Eure Feindseligkeit wird das sein, weswegen ihr untergeht. Ihr seid Faschisten!”



Innenminister Soylu und sein Berater Burak Gültekin erklärten ebenfalls auf Twitter, dass der junge Mann durch sein eigenes Verschulden umgebracht wurde und bestreiten, dass es einen Konflikt über kurdische Musik gab.
Demnach seien alle die den Mord und den Grund des Mordes an Baris Cakan sprechen Provokateure, welche die Türkisch-Kurdische Bruderschaft zerstören wollen.

Noch vor einigen Tagen drückte der türkische Präsident Erdogan seinen Bestürztheit über den Mord an George Floyd aus und sprach von “trauriger Ungerechtigkeit auf der Welt”.



Zeitgleich werden Kurden in der Türkei für das simple hören von kurdischer Musik umgebracht und staatliche Akteure stützen dieses Verhalten und versuchen Kurden und Politiker, die anderes behaupten, Mundtot zu machen.
Doppelzüngigkeit und -moral sind tief verankerte Probleme der türkischen Gesellschaft und Politik. Wo es die Möglichkeit gibt, andere Staaten und internationale Akteure für ihr Fehlerverhalten zu rügen, findet die Türkei für die eigenen Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten keine Worte oder Lösungsbereitschaft.


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Last modified onMontag, 01 Juni 2020 17:22