Umgesiedelte Araber drohen mit Landübernahme von Kurden

  • Written by Teyre Baz
  • Published in Kurdistan
In der Provinz Kerkûk fürchten kurdische Landwirte eine Landübernahme durch umgesiedelte arabische Einwohner. Gleichzeitig intensiviert der IS seine Angriffe in der Region.

- Kurdische Bauern fürchten Landübernahme in der Provinz Kerkûk
- Kurdische Politiker verhindern Einmischung lokaler Streitkräfte
- IS reorganisiert sich in Kerkûk


Durch den Einmarsch der irakischen Streitkräfte und der iranisch-schiitischen Volksmobilmachungskräfte (Hashd al-Shaabi) 2017 in Kerkûk, steht die Provinz mit der gleichnamigen Stadt nicht mehr unter Schutz der Autonomen Region Kurdistan und der Peshmerga. Seither kritisieren lokale Menschenrechtsaktivisten und Juristen, dass die Kurdinnen und Kurden wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Dies habe sich auch auf die Verwaltungsangelegenheiten ausgedehnt. So befürchten viele kurdischstämmige Landwirte die arabische Übernahme von Haus und Ackerland. Es kursieren derzeit Videoaufnahmen im Netz, auf denen Araber die Ernte kurdischer Ackerländer vernichten und mit der Beschlagnahme des Landes drohen. „Er [ein umgesiedelter Araber] schickte mir eine Nachricht, in der er mir mitteilte, dass ich ihm mein Haus und das Ackerland überlassen müsse. Er sagte, dass die [irakische] Regierung ihm das Land gegeben habe. Ich weiß nicht, welches Gericht ihm das Eigentum an meinem Land zugesprochen hat“, sagte der Landbesitzer Arshad Salih gegenüber dem kurdischen Fernsehsender Rûdaw.

Nachdem sich die Landwirte an die kurdische Presse gerichtet haben, geriet das zuvor von der irakischen Politik ignorierte Thema immer mehr an die Öffentlichkeit. Kurdische Abgeordnete und Mitglieder des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des irakischen Parlaments haben diese Missstände öffentlich angeprangert. Sie erhielten vom irakischen Einsatzkommando die Garantie, dass sich die lokalen Streitkräfte in den Provinzen Kerkûk, Diyala und Saladin nicht in Verwaltungsangelegenheiten einmischen werden.

IS reorganisiert sich in Kerkûk

Die Landesbesitzer in Kerkûk werden immer wieder Opfer von Attacken durch den IS. Trotz der Zerschlagung seiner Territorialherrschaft, ist der IS nach wie vor aktiv und brennt in den umstrittenen Gebieten immer wieder Ackerländer nieder. Sie platzieren Sprengfallen und greifen Landwirte während ihrer Arbeit an. Auch die Zusammenstöße zwischen irakischen Streitkräften und dem IS haben stark zugenommen. So hat der IS zuletzt vor einer Woche vier schiitische Milizionäre der Volksmobilmachungskräfte (Hashd al-Shaabi) und einen irakischen Soldaten getötet. Sechs weitere wurden verletzt. Solche Angriffe geschehen mittlerweile immer öfter. Die Dschihadistenmiliz hatte vor zwei Monaten in einem Leitartikel berichtet, dass die derzeitige Corona-Pandemie als eine von Gott verursachte „schmerzhafte Qual“ für die „Kreuzfahrernationen“ sei. Dass der IS die Situation für seine Zwecke ausnutzt, wird daran deutlich, dass sich zeitgleich auch die IS-Angriffe intensivierten.


Editiert von Passar Hariky



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Last modified onMittwoch, 27 Mai 2020 12:08