Kurdische Bevölkerung in Efrîn geht massiv zurück

  • Written by Teyre Baz
  • Published in Kurdistan
Wie eine Menschenrechtsorganisation in Efrîn berichtet, ist die dortige kurdische Bevölkerung seit der türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Demnach sei die dort installierte Schreckensherrschaft der Grund.

• Kurdische Bevölkerung in Efrîn um über 60 Prozent zurückgegangen
• Şehba-Region als Hotspot für Flüchtlinge in Gefahr
• Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt


Wie die Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan Li Efrînê“ berichtet, ist die kurdische Bevölkerung seit der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion um über 60 Prozent zurückgegangen. Bei der „Operation Olivenzweig“ am 20. Januar 2018, hatte das türkische Militär mit türkisch-islamistischen Milizen den Kanton Efrîn angegriffen. Ziel der Militäroperation war es, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) von der türkischen Grenze zurückzudrängen. Folglich besetzte das türkische Militär mit ihren Söldnern die Region und konnte damit ihren Geltungsbereich abseits der türkischen Republik erweitern. Seither herrscht dort eine autoritär Despotie, wie unzählige internationale Medien berichten. Zudem ist es unabhängigen Hilfsorganisationen nicht mehr erlaubt, die Region zu betreten. So berichtet zum Beispiel die „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, dass ihnen der Zugang nach Efrîn von den türkisch-islamistischen Milizen untersagt wurde. Durch die türkische Invasion war auch der Kurdische Rote Halbmond „Heyva Sor a Kurdistanê“ gezwungen gewesen, das Gebiet samt all ihren Mitarbeitern zu verlassen. Ehemalige Bewohner der Stadt berichten, dass es bis dato unzählige offene Fälle von Entführungen, Vergewaltigungen, Enteignungen und rassistisch motivierte Folter und Mord gibt.

Die Wüstenregion Şehba liegt unweit von Efrîn und ist seither priorisiertes Ziel der türkischen Besatzungspolitik in Rojava. Durch die völkerrechtswidrige Invasion der Türkei in Efrîn, entwickelte sich die Region zu einem Hotspot für Geflüchtete aus Efrîn. Laut Quellen der Selbstverwaltung leben dort mittlerweile mehr Flüchtlinge als heimische Bewohner. Da die Region nicht an die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien angrenzt, gibt es seither Hungersnöte und Ressourcenarmut. Durch die Sanktionen der syrischen Regierung, verschärft sich die Lage erheblich. In Şehba kommt es fast täglich zu Angriffen. Immer öfter werden dabei auch zivile Orte bombardiert, wie zum Beispiel das Stadtzentrum in Arpêd (Tel Rifat).
Durch die Corona-Pandemie hat sich die dortige Situation zunehmend verschlechtert. Die Test-Möglichkeiten sind stark begrenzt und die syrische Regierung sabotiert mit ihrer Präsenz in Şehba zahlreiche Reglementierungen für Hygiene und Prävention.

Gefahr vor einer bevorstehenden türkischen Operation steigt

Am 23. März hatte der UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Kurdische Kräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) haben daraufhin alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Das türkische Militär und die türkisch-islamistischen Milizen sind dem Appell jedoch nicht gefolgt und attackieren nach wie vor das Gebiet der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien. So berichtet der Kommandant der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) der Region Ain Issa, Erdal Kobanê, dass die türkische Regierung die Corona-Krise zur Ausweitung ihrer Besatzung und ihrer Angriffe auf die kurdische Selbstverwaltung Rojava ausnutzt und eine erneute türkische Operation bevorstehen könnte. Demnach haben die türkischen Angriffe auf die kurdischen Gebiete stark zugenommen. Zudem kam es zu einer Mobilisierung türkischer Kräfte in den besetzten Gebieten von Rojava.



Wir sind für Sie da! Auch in diesen schweren Zeiten recherchieren und schreiben wir für Sie. Aber nur durch ihr Mitwirken können wir sicherstellen, dass es RojavaNews auch weiterhin in dieser Form geben wird: Nämlich als eigenständiges, unabhängiges und neutrales Medium. Wir bedanken uns bei jedem einzelnen Spender. Mit einer monatlichen Spende von 5€ unterstützten Sie dauerhaft unsere journalistische Arbeit. Vielen Dank! Ihr Rojava News – Team



Weitere Informationen zum Spendenaufruf finden Sie hier.