Syrische Regierung provoziert Corona-Fälle in Rojava

  • Written by Teyre Baz
  • Published in Kurdistan
Seit Beginn der Corona-Pandemie, versucht die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien mit neuen Reglementierungen dem Virus entgegenzuwirken. Die Arbeit der Selbstverwaltung von Rojava wird unterdessen von türkischer und syrischer Seite stark blockiert und gezielt unterbunden.

In einer aktuellen Erklärung des Gesundheitskomitees der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien heißt es, dass die syrische Regierung jegliche Präventionsmaßnahmen gegen Covid-19 sabotieren und Rojava trotz der erstarkten Kalamität unnötig belasten. Zudem heißt es vom Gesundheitskomitee, dass die syrische Regierung Rojava vor allem durch den Flughafen in Qamişlo, welcher nicht zum Geltungsbereich der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gehört, gefährdet. Demnach würde man geltende Bestimmung für Hygiene und Kontrolle ignorieren und Personen aus besonders stark betroffenen Regionen ohne weiteres einreisen lassen. Dabei umgeht die dortige syrische Vertretung gezielt die dafür eingerichteten Gesundheitskontrollen unweit des Flughafens, in dem sie die Einreisenden über syrisches Geltungsbereich unkontrolliert in Rojava eintreten lassen. Außerdem verzichten die syrischen Zuständigen des Flughafens vollständig auf Absprache und Kommunikation mit der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien.

Laut dem Ko-Vorsitzende des Gesundheitskomitees von Nord- und Ostsyrien, Dr. Ciwan Mustafa, wurde in der Wüstenregion Şehba ein gesamtes Dorf wegen Corona-Verdacht unter Quarantäne gesetzt. Grund dafür sei ein syrischer Soldat und der schlampige Umgang der syrischen Regierung mit der Corona-Pandemie. Demnach war der Wehrpflichtige der syrischen Armee trotz Corona-Symptomen über mehrere Tage hinweg als Soldat tätig. Dr. Ciwan Mustafa kritisiert dabei vor allem, dass die syrischen Zuständigen den erkrankten Soldaten nicht unter Quarantäne gestellt haben. Nach Ableistung seines Militärdienstes wurde der Erkrankte nach Hause in das Dorf Um al-Hoş geschickt und schließlich in ein Krankenhaus in Aleppo eingeliefert. Derweil ist das Dorf Um al-Hoş vollständig von der Außenwelt abgeschottet.

Die Situation in Şehba ist besonders kompliziert und gefährlich. Aufgrund der völkerrechtswidrigen türkischen Invasion gegen das kurdische Kanton Efrîn, entwickelte sich die Wüstenregion zum Hotspot für Geflüchtete. Seither herrscht dort permanenter Ausnahmezustand. Grund dafür ist die besonders strategische Lage von Şehba und der von Şehba ausgehende kurdische Widerstand gegen die türkischen Besatzer und ihre dschihadistischen Milizen. Die Dörfer der Region sind deshalb regelmäßiges Ziel türkischer Angriffe. Der UN-Generalsekretär António Guterres hatte am 23. März zu einem globalen Waffenstillstand aufgerufen. Die kurdischen Streitkräfte der Afrin Liberation Forces (HRE) und die Kräfte der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sind dem Appell gefolgt und haben alle Kampfhandlungen mit sofortiger Wirkung pausiert. Die Angriffe der türkisch-islamistischen Milizen gehen dennoch ununterbrochen weiter. So berichtet der SDF-Kommandant Majed Fayyad al-Shibli, dass die türkischen Besatzer den Waffenstillstand und die Corona-Krise ausnutzen, um ihre Besatzungszone auszuweiten. Aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen der Türkei gegen die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien, ist die Region Şehba daher besonders gefährdet für Corona-Fälle. Doch auch das syrische Embargo gegen die Region erschwert die Situationen erheblich. Şehba wird von der syrischen Regierung stark sanktioniert, weshalb es bereits vor der Corona-Pandemie an Essen und Medizin gefehlt hat. Somit erweist sich die jetzige Situation als besonders kritisch, zumal es sowohl kaum medizinisches Personal gibt, geschweige überhaupt einen gültigen Corona-Test. Da Spenden und Dienstleistungen von Hilfsorganisationen durch türkische und syrische Seite vollständig verhindert werden, hat die dortige Verwaltung mit dem Bau einer zusätzlichen Intensivstation für Corona-Fälle begonnen. Diese hat 21 Behandlungszimmer und soll bereits in zehn Tagen einsatzbereit sein.



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