Erdbeben in Nordkurdistan erschüttert Bevölkerung

  • Written by Heval
  • Published in Kurdistan
Stadt Elazig nach dem Erdbeben Bildquelle: Barzani Charity Foundation Stadt Elazig nach dem Erdbeben
Am Freitag den 24.01.2020 wurde die in der Türkei liegende Nordkurdische Provinz Elazig von einem Erdbeben der Stärke 6.8 erschüttert und 10 darauffolgenden Nachbeben.

Das Erdbeben konnte bis nach Nordsyrien, Irak, Libanon und dem Iran gespürt werden, wo es vereinzelt auch zu Schäden kam. Die Nordkurdische Provinz Elazig war das Epizentrum dieses Bebens und wurde am verheerendsten getroffen. Eine Vielzahl an Gebäuden sind kollabiert und große Teile der Infrastruktur wurden beschädigt.
Nach Angaben der türkischen Regierung sind bisher 22 Menschen ums Leben gekommen und über 1000 Menschen sind verletzt. Suchtrupps suchen derzeit in den Schuttbergen der kollabierten Gebäuden nach Überlebenden. Immer wieder finden die Suchmannschaften verschüttete Menschen, die durch das Geröll ums Leben kamen oder in der Nacht erfrierten.
Der türkische Staat hat dieses Erdbeben als ein Beben der Stufe 3 deklariert. Diese Deklarierung basiert auf einer Skala die der türkische Staat selbst definiert hat und bedeutet für die Einwohner Elazigs, dass ihnen nur nationale Hilfe zukommen wird.
Internationale Hilfsgüter der Vereinten Nationen werden die Opfer somit nicht erreichen.
Eine Vielzahl der Einwohner Elazgis und weiterer Städte sind derzeit obdachlos weil ihr Haus entweder komplett zerstört wurde, oder weil die Struktur ihrer Häuser so stark beschädigt wurde, dass es ein Risiko wäre dort weiterhin zu leben.
Um die nun obdachlosen Menschen vor den nachts einbrechenden Minusgraden zu schützen, haben die lokalen Behörden Zelte und Decken verteilt. Allerdings ging eine Vielzahl an Menschen dabei leer aus. Bis in die Nacht hinein sah man Bilder von Familien die zwischen Geröll Schutz vor der Kälte suchten und auf weitere Hilfsgüter warteten.

Die türkischen Autoritäten haben kaum und nur sehr langsam reagiert und so trafen nur wenige nationale Hilfsgüter ein. Abhilfe auf diese Katastrophale Lage konnte erst geschaffen werden, als sich spontan Gruppen gebildet haben, die eigenständig aus umliegenden und unversehrten Städten Hilfsgüter wie Decken und Zelte bis spät in die Nacht organisiert haben.

Die Nordkurdischen Provinzen in der Türkei erleben nach jedem Beben erneut, wie der türkische Staat beim Katastrophenschutz versagt. Dabei ist vor allem auffällig, dass nur die kurdischen Provinzen im Osten der Türkei, einen solch inkompetenten Katastrophenschutz erfahren. Der Staat hat sich kaum bemüht, Hilfsgüter rechtzeitig in die Provinz zu bringen und spielt mit Absicht, immer wieder das Ausmaß dieser Katastrophe herunter.


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Last modified onSamstag, 25 Januar 2020 17:50