Kurdistan: 150 kurdische IS-Kämpfer inhaftiert

In der autonomen Region Kurdistan konnten 150 IS-Kämpfer inhaftiert werden. Das teilte das Ministerium für religiöse Angelegenheiten der Region Kurdistan am Donnerstag mit.

Wie das Ministerium für religiöse Angelegenheiten der Region Kurdistan am Donnerstag erklärt, haben sich 150 kurdische IS-Kämpfer den Behörden ergeben und konnten erfolgreich inhaftiert werden. Laut Mariwan Naqshbandi, einem Vertreter des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten der Region Kurdistan, haben sich seit 2014 fast 500 Kurden aus der Region Kurdistan dem Islamischen Staat angeschlossen.

Viele der kurdischen IS-Kämpfer wurden in den Gefechten, sowohl im Irak wie auch in Syrien, getötet. Die übrigen haben sich für üblich den kurdischen Behörden gestellt. „Nach zwei Jahren verschwand die Rekrutierung von Kurden langsam, da aus den Daten hervorgeht, dass 350 von ihnen getötet wurden", erklärt Naqshbandi. Er fügt zudem hinzu: „Die übrigen 150 kurdischen Radikalen, die nicht getötet wurden, haben sich den Sicherheitsbehörden der Region Kurdistan ergeben und werden gemäß dem Gesetz behandelt."

Als der Islamische Staat in Baghouz und im restlichen Teil Syriens eine militärische Niederlage erlitt, konnten die kurdischen Behörden etwa 900 IS-Kämpfer festnehmen. „Unter diesen Kämpfern waren aber keine Kurden“, so Naqshbandi. Demnach sind nur noch 20 kurdische IS-Kämpfer als vermisst gemeldet. Nach Aussagen der Gefangenen hätten die Vermissten den Islamischen Staat verlassen, um sich der Nusra-Front in Syrien anzuschließen.

Nach der Entstehung des Islamischen Staates schuf die Regionalregierung Kurdistans (KRG) in Abstimmung mit der irakischen Bundesregierung ein Anti-Terror-Komitee, dem Naqshbandi angehörte. Das Komitee in der Region Kurdistan legte 2017 seinen Abschlussbericht vor, da es keine neuen Fälle von Kurden in den Reihen des Islamischen Staates gab.

SDF: 20 IS-Jihadisten bei Operation festgenommen

Bei einer Operation der Demokratischen Kräfte Syriens (Syrian Democratic Forces - SDF) wurden in der Kleinstadt Al-Shheell 20 IS-Jihadisten festgenommen. Die Pressestelle der SDF hat am Mittwoch eine Stellungnahme veröffentlicht, die die Operation gegen eine IS-Schläferzellengruppe erklärt.

Die Operation am Mittwoch in den Morgenstunden in der Kleinstadt Al-Shheell (Al-Shuhayl) im Rahmen von Aufräumarbeiten in den ehemals vom IS genutzten Örtlichkeiten statt. Dabei stießen SDF-Einheiten in dem Gebiet auf Waffenlagern und zwei vom IS angelegte Tunnel die noch genutzt wurden. Bei der Operation wurden 20 Jihadisten festgenommen und zahlreiche Waffen mitsamt Munition sichergestellt.

Al-Shheell liegt im Osten der Region Deir ez-Zor. Die gleichnamige Stadt wurde am 5. September 2017 durch kurdische Kräfte vom IS befreit und ist die sechstgrößte Stadt Syriens. Die Mehrheit sind sunnitische Araber, ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung sind Kurden.

Seit dem territorialen SIeg gegen die IS mit der Eroberung der letzten Stadt Baghouz am 23.03.2019, bekämpfen die SDF die noch verbliebenen IS-Anhänger in den befreiten Gebieten. Noch immer verstecken sich zahlreiche IS-Schläferzellen, die bereit sind Anschläge auf die Demokratischen Kräfte Syriens zu verüben als Teil einer Racheaktion für die Niederlage des Islamischen Staates.
Der Kampf der SDF gilt der noch verbliebenen Ideologie des IS. Gemeinsam mit der Anti-IS-Koalition, wird dieser Kampf bewältigt.

Die in der Operation festgenommenen Jihadisten werden in die Gefängnisse der SDF eingewiesen und ihre Identität wird dort überprüft.

IS-Angehörige auf den Weg in ihre Heimatländer

Nach Angaben der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (Auch Rojava genannt), haben die Demokratischen Kräfte Syriens (Eng.: Syrian Democratic Forces = kurz SDF) bereits mehr als 100 IS-Frauen und Kinder an die Regierungen ihrer Heimatländer übergeben.

Die autonome Verwaltung gab am Mittwoch den 08.05.2019 bekannt das die Staaten Kasachstan und Schweden sich dazu bereit erklärt haben, Mitglieder des IS mit ihrer staatsangehörigkeit zurückzunehmen. Nach den Angaben der SDF zufolge hat Kasachstan 70 Kinder und 32 Frauen in Gewahrsam genommen. Schweden hat sieben Kinder in Gewahrsam genommen. Die Eltern der Kinder sind bereits im Kampf gestorben.

Auch Irland habe sich dazu bereit erklärt ihre Staatsbürger zurückzunehmen. In Irland existieren momentan keine Gesetzesgrundlagen die es ermöglichen würden, IS-Rückkehrer einzusperren. So wird Lisa Smith eine IS-Kämpferin aus Irland ohne Probleme nach Irland einreisen können und hat in Irland keine Gefängnisstrafe zu befürchten.
In Norwegen berät sich die Regierung momentan allen norwegischen IS-Mitgliedern (IS Frauen und Kinder) die norwegische Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Die SDF hat momentan mehr als 1.200 IS-Kämpfer aus über 50 verschieden Staaten in Gewahrsam. Hinzu kommen mehr als 8.000 IS-Angehörige und eine unbekannte Anzahl lokaler IS Kämpfer, deren Zugehörigkeit ungeklärt ist.

Abdulkarim Omar der Ko-Vorsitzende für Auslandsbeziehungen der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien erklärt „Unsere Region ist instabil. Größere Aufstände und Konflikte könnten diesen gefährlichen Menschen eine Gelegenheit liefern, aus dem Gefängnis auszubrechen und vom neuen eine Gefahr für die Welt zu sein.“
Die Autonome Administration in Rojava und die USA drängen die europäischen Staaten dazu, die IS-Kämpfer und angehörige mit der jeweiligen Staatsangehörigkeit zurückzunehmen.

Europäische Staaten wie Frankreich haben einen großen Anteil an IS-Kämpfern in Syrien. Nach Angaben der Autonomen Administration haben französische Repräsentanten bisher auf die Anfragen nicht reagiert. Aus französischen Regierungskreisen heißt es, Frankreich sei am diskutieren mehr Waisenkinder mir zurückzunehmen. Frankreichs Verteidigungsminister Florence Parly sagte „Frankreich bemühe sich die Waisenkinder zurückzunehmen. Wir müssen aber erstmal feststellen, ob sie wirklich Waisen sind.“
Das französische Auslandsministerium gibt bekannt das französische Repräsentanten nach Rojava geschickt wurden um weitere Rückführungsmaßnahmen zu besprechen.

Ezidische Gemeinde im Dilemma über IS-Kinder

Am 10. April 2019 veröffentlichte der Ezidisch-Geistliche-Rat in Shingal ein Statement indem es heißt, dass die ezidische Gemeinde in Shingal alle Kinder die aus IS Zwangsehen stammen, in die ezidische Gemeinde integrieren werde.
Im ezidischen Glauben ist es streng vorgeschrieben, dass Mitglieder der ezidischen Gemeinde nur mit Eziden heiraten und Kinder zeugen dürfen. Mitglieder der ezidischen Gemeinde die dies nicht befolgen werden von der ezidischen Gemeinde ausgeschlossen.


Nach der Vertreibung und dem Völkermord in Shingal an den Kurden ezidischen Glaubens, wurden Zehntausende Eziden vom IS gefangen genommen. Die in Gefangenschaft gehaltenen Eziden wurden entweder systematisch getötet oder vom IS als Sklavinnen gehandelt.
Die Eziden wurden vom IS in weibliche und männliche Camps unterteilt und dann gezwungen zum Islam zu konvertieren. Die Männer wurden wenn sie bereits im wehrfähigen Alter waren exekutiert, die Kinder wurden in Umerziehungslagern zu Kindersoldaten ausgebildet und die Frauen wurden als Sex-Sklavinnen vom IS gehalten. Die Kinder die durch die zahllosen Vergewaltigungen auf die Welt kamen, waren jahrelang Streitpunkt in der ezidischen Gemeinde.
Zuvor mussten sich die Opfer der Vergewaltigungen entscheiden, ob sie mit ihren Kindern im Exil leben oder sich von den Kindern trennen und zurück in die ezidische Gemeinde heimkehren.

Das Statement des Ezidisch-Geistlichen-Rates war für die Opfer eine erlösende Nachricht. Indem Statement heißt es die ezidische Glaubensgemeinde wird eine Ausnahme von dieser Regelung machen und alle im Exil lebenden Eziden und ihre Kinder in die ezidische Gemeinde aufnehmen und integrieren. Der geistliche Rat begründet diese Entscheidung mit den beispiellosen Verbrechen denen die Eziden zum Opfer gefallenen sind, welche außerhalb der Kontrolle der Eziden lag.

Am Samstag den 27. April 2019 veröffentlicht der Ezidisch-Geistliche-Rat dann ein zweites Statement welches das erste Statement ersetzt und nichtig macht.
In diesem Statement wird explizit erklärt das die Kinder aus IS Zwangsehen/Vergewaltigungen nicht in die ezidische Gemeinde aufgenommen werden. Die Frauen, welche vom IS verschleppt und vergewaltigt wurden, sind weiterhin in der ezidischen Gemeinde willkommen. Der geistliche Rat stellt klar, hat es aber nicht genau genug ausgedrückt, das im ersten Statement nur die weiblichen Mitglieder der ezidischen Gemeinde gemeint waren.
Die verschleppten ezidischen Frauen stehen nun vor der Wahl ihre ungewollten Kinder aus IS Zwangsehen zu verlassen und in die ezidische Gemeinde zurückzukehren oder die ezidische Gemeinde zu verlassen.

Was auch immer die Ezidische Gemeinde entscheidet, Gewinner gibt es dabei nicht.

Abu Bakr al Bagdadi im neuen IS Propaganda Video

Das IS Propaganda Studio Al-Furqan hat heute nach jahrelanger Stille ein Video veröffentlicht. In dem 18-minütigen Video wird der Kalif des Islamischen Staates Abu Bakr al Bagdadi gezeigt.

Das Video lässt keinerlei Rückschlüsse über seinen Aufenthaltsort zu, es ist aber zu erkennen das Bagdadi gesund und gut ernährt ist. Die Koalition vermutet er befindet sich in der syrischen Wüste. Die irakischen Behörden glauben, er befindet sich in der Wüste des Iraks und Russland glaubt sie hätten ihn bereits bei Luftschlägen getötet.

Im Video spricht Bagdadi über Sri Lanka, lobt die Terroristen dort für das beitreten in den Islamischen Staat und erklärt diese Angriffe seien direkte Vergeltungsaktionen für den physischen Niedergang des IS in Baghuz. Er lobt auch den Widerstand in Baghuz und gibt erstmalig an, der IS habe mehr als 3000 Soldaten dort verloren.

Abu Bakr al Bagdadi fordert in dem Video seine Gefolgschaft explizit dazu auf, französische Truppen in den afrikanischen Einsatzgebieten wie Mali und Somalia anzugreifen.
Es ist unklar warum er nur dazu auffordert französische Truppen anzugreifen. Viele Aktivisten spekulieren, dass die türkisch-französischen Spannungen dafür verantwortlich sein könnten.

Im Video ist zu sehen wie Bagdadi durch verschiedene Ordner blättert, mit Informationen über alle Einsatzgebiete des IS. Die Ordner tragen als Titel alle Länder wo der IS Strukturen aufgebaut hat. Dazu zählen Soldaten des IS, als auch eine Kommandostruktur und einen Emir der das Einsatzgebiet leitet. Die Titel bzw Einsatzgebiete die im Video gezeigt wurden umfassen Libyen, die Sinai-Halbinsel, Irak, Syrien, Somalia, Yemen, das Kaukasusgebiet, Tunesien, Zentral Afrika und West Afrika. Brisant ist das ein Ordner den Titel „Wilayat Turkiye“ trägt (Staat Türkei). Das ist ein klarer Beweis für die Existenz des IS in der Türkei mit Soldaten und einem Emir.

Neben Bagdadi liegt sein persönliches Gewehr eine AKS-74U mit einem Magazin eines RPK-74. Die Waffe und das Magazin sind ein bekannter Anblick, denn auch Osama Bin Laden trug stets denselben Waffentyp mit dem selben Magazin mit sich herum.
In jihadistischen Kreisen gilt dieses Gewehr als Symbol für den Sieg gegen den Imperialismus, da die Taliban in Afghanistan diese Waffen von den invasiven sowjetischen Truppen erobert haben. Eine Symbol das zugleich auch eine neue Ära einleitet. Eine Ära mit einem neuen meistgesuchten Mann der Welt und einer neuen Symbolfigur des Terrorismus.

Rojava: Gefängnisse werden saniert und aufgebaut

Derzeit befinden sich schätzungsweise 10.000 Straftäter in Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (NES). Dabei handelt es sich vor allem um Kämpfer des Islamischen Staates (IS). Aber auch diverse Mitglieder der von der Türkei unterstützten Freien Syrischen Armee (FSA), des Syrischen Heeres (Syrian Arab Army = SAA) oder aber lokale und nationale, wie auch internationale Straftäter. Dabei sind die Ressourcen dazu begrenzt.

Die USA und die Koalition zur Bekämpfung des IS bestätigt nun, dass die NES (Autonomous Administration of North and East Syria) die Ressourcen bekommt, um die Gefängnisse wieder instand zu setzen und neu aufzubauen. Die renovierten Gefängnisse sollen dann die Kapazität haben um mindestens 7000 Insassen zu inhaftieren.

„Die Koalition assistiert bei der Reparatur und Instandsetzung einiger Gefängnisse. Dies ist ein internationales Problem und braucht internationale Lösungen.“, so Kommandeur Sean Robertson, Sprecher des Pentagon.

Nach eigenen Angaben hat die SDF (Syrian Democratic Forces), die Sicherheitskräfte der Autonomen Administration, allein nach der Schlacht um Baghuz mehr als 5.000 IS-Mitglieder gefangen genommen, obwohl bereits vor Beginn der Endphase, auch vor der Massenkapitulation des IS, Experten im Pentagon die Koalition davor warnten das die Kapazitäten der SDF bereits am Limit stehen.

Währenddessen lobt die Koalition die Improvisations Künste der SDF: „Sie haben fantastische Arbeit gemacht. Sie bauen improvisierte Gefängnisse aus dem Nichts. Sie nehmen beispielsweise eine Schule oder eine Fabrik und bauen es in ein Gefangenencamp um. Es ist keine Dauerlösung, aber es reicht für den Moment.“, so ein Sprecher der Koalition.

Die Koalition schätzt, dass ungefähr 3.000 der Gefangenen IS-Kämpfer aus dem Irak stammen, obwohl der Irak bereits ihre Bereitschaft zur Rücknahme signalisiert hat, gibt es noch keine Gespräche zwischen dem Irak und der NES.

Das Schicksal der ungefähr 1.000 ausländischen IS-Kämpfern bleibt ebenfalls weiterhin unklar.

Ein Pressesprecher der Koalition sagt dazu „Die Rückführung der IS Kämpfer in ihre Heimat/Ursprungsländer ist weiterhin die beste Option um die Gefangenen IS-Kämpfer daran zu hindern wieder zu kämpfen“.

Besonders die SDF warnt vor möglichen Überfällen von IS-Schläferzellen auf Gefängnisse. Die SDF hat der Koalition bereits mitgeteilt, dass die SDF und die NES nun eine andere Form der Unterstützung brauchen. Luftschläge sind nur minimal wirksam gegen IS-Schläferzellen.
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