SDF: 20 IS-Jihadisten bei Operation festgenommen

Bei einer Operation der Demokratischen Kräfte Syriens (Syrian Democratic Forces - SDF) wurden in der Kleinstadt Al-Shheell 20 IS-Jihadisten festgenommen. Die Pressestelle der SDF hat am Mittwoch eine Stellungnahme veröffentlicht, die die Operation gegen eine IS-Schläferzellengruppe erklärt.

Die Operation am Mittwoch in den Morgenstunden in der Kleinstadt Al-Shheell (Al-Shuhayl) im Rahmen von Aufräumarbeiten in den ehemals vom IS genutzten Örtlichkeiten statt. Dabei stießen SDF-Einheiten in dem Gebiet auf Waffenlagern und zwei vom IS angelegte Tunnel die noch genutzt wurden. Bei der Operation wurden 20 Jihadisten festgenommen und zahlreiche Waffen mitsamt Munition sichergestellt.

Al-Shheell liegt im Osten der Region Deir ez-Zor. Die gleichnamige Stadt wurde am 5. September 2017 durch kurdische Kräfte vom IS befreit und ist die sechstgrößte Stadt Syriens. Die Mehrheit sind sunnitische Araber, ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung sind Kurden.

Seit dem territorialen SIeg gegen die IS mit der Eroberung der letzten Stadt Baghouz am 23.03.2019, bekämpfen die SDF die noch verbliebenen IS-Anhänger in den befreiten Gebieten. Noch immer verstecken sich zahlreiche IS-Schläferzellen, die bereit sind Anschläge auf die Demokratischen Kräfte Syriens zu verüben als Teil einer Racheaktion für die Niederlage des Islamischen Staates.
Der Kampf der SDF gilt der noch verbliebenen Ideologie des IS. Gemeinsam mit der Anti-IS-Koalition, wird dieser Kampf bewältigt.

Die in der Operation festgenommenen Jihadisten werden in die Gefängnisse der SDF eingewiesen und ihre Identität wird dort überprüft.

Johannes De Jong (ECPM) im Interview: Bündnis C sagt PK* muss raus aus der Terrorliste

Am vergangenen Freitag hat Rojava News die Möglichkeit gehabt mit dem einflussreichen Direktor der European Christian Political Movement (ECPM) nahen Sallux-Stiftung ein Interview zu führen. Dabei ging es überwiegend um die anstehenden Europawahl und den Syrien-Krieg.

Johannes De Jong ist bereits seit Jahren für die ECPM und andere Organisationen im Krisengebiet gewesen und kann die Situation in Syrien daher sehr gut einschätzen. Durch seine Kontakte zum weißen Haus und andere hochrangige Politikern, ist es ihm über die Jahre hinweg gelungen immer wieder massiv Einfluss auf die US-Politik in Bezug auf Syrien und Rojava zu nehmen. Für ihn steht eines fest: Ohne den Kurden und den anderen Minderheiten in Rojava, kann es keinen Frieden in Syrien geben.

Im vergangenen Jahr hat De Jong mehrmals die Stadt Qamislo besucht, um den Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) die Strukturen und Organisationen innerhalb der EU zu erklären. Dabei trafen sich mehrmals ECPM-Politiker mit kurdischen Politikern und der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien.

Bündnis C fordert die Streichung der PK* aus der Terrorliste.

Im Europawahlkampf unterstützt seine Stiftung die Kleinpartei Bündnis C. Bündnis C ist eine Mitgliedspartei im Dachverband der ECPM. Diese ist für die ECPM in Deutschland wählbar.
Auch die PK* ist für BündnisC ein wichtiges Thema. Das die PK* weiterhin auf der Terrorliste der USA und der EU steht, ist für BündnisC ein Skandal. „BündnisC wird nicht aufhören die Streichung der PK* aus der Terrorliste im EU-Parlament zu fordern.“, erklärt er im Interview.

De Jong: „Wir brauchen lediglich 0,6% um einen wichtigen Platz im EU-Parlament zu bekommen. Ohne einen Sitz dort, können wir aus finanziellen Gründen unsere Arbeit in Rojava leider nicht weiterführen.“

Im weiteren Gespräch äußert sich De Jong auch zum Umgang mit festgenommenen IS-Kämpfern, der YPG, dem geplanten US-Rückzug und viele weiteren spannenden Fragen. Das komplette Interview bald auf www.rojavanews.net

Russland wirft Kurden Spaltung Syriens vor

Das russische Außenministerium hat auf ein Treffen der arabischen Stämme am Freitag in Ain Issa, das der Demokratische Rat Syriens (SDC = Syrian Democratic Council) organisiert hatte, stark reagiert und beschuldigt, den Friedensprozess in Syrien zu gefährden.

Laut einer Erklärung des russischen Ministeriums war das Treffen ein Schritt der Vereinigten Staaten und ihrer kurdischen Alliierten, um sicherzustellen, dass Washington "seine langfristige Präsenz in Syrien aufrechterhält", berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass. Die Erklärung beschuldigte die USA, die Kurden "dazu benutzt zu haben, einen Quasi-Staat am östlichen Ufer des Euphrat zu errichten." Das Ministerium behauptete, das Treffen sei ein offensichtlicher Versuch, das Land zu spalten, und fügte hinzu, es “verstoße offensichtlich die erklärten UN-Prinzipien zum Erhalts von territorialer Integrität und staatlicher Souveränität."

Über 5.000 Anführer und Würdenträger aus 67 Stämmen im Nordosten waren zu dem Treffen eingeladen, was sowohl Damaskus als auch Moskau verärgerte. Russlands bestrebungen liegen darin, die Stämme dazu zu bringen die syrische Regierung unterstützen. Seit langer Zeit versuchen Russland und das syrische Regime die Stammesführer mit individuellen Versprechungen dazu zu bringen, die kurdischen Kräfte zu verlassen und Assad zu unterstützen.
Einige Experten und Analysten vermuten, dass das von der SDC organisierte Stammesforum eine Reaktion auf das syrischen Regime ist, Instabilität im Nordosten des Landes zu schaffen. Nicholas A. Heras ist der Ansicht, dass Russland versucht, eine Strategie umzusetzen, "um die SDF und damit die Vereinigten Staaten zu untergraben", indem sie arabische Stämme ermutigen, sich dem syrischen Präsidenten Bashar zur Seite zu stellen.
"Die Russen hoffen, dass die arabisch-kurdischen Spannungen genutzt werden können, um den Zusammenhalt der SDF zu zerstören.", sagte Heras gegenüber der Presse. Er sagte jedoch, dass die Amerikaner und die SDF "das Spiel Russlands verstehen", und fügten hinzu, "dass sie darauf konzentriert sind, die Struktur der ethnischen Beziehungen innerhalb der SDF für die Bemühungen von Moskau und Damaskus unempfindlich zu machen."

In einer Erklärung vom Sonntag betonte der Demokratische Rat Syriens, Damaskus habe kein Recht das Stammestreffen zu kritisieren, während es der Türkei weiterhin erlaube Efrin, Azaz, Jarabulus, al-Bab und Idlib zu besetzen.
"[Das syrische Regime und Russland] haben kein Recht, über die Einheit des syrischen Bodens und die Souveränität des syrischen Staates zu sprechen.", heißt es in der SDC-Erklärung.
"Wir können nicht der Spaltung oder des Separatismus bezichtigt werden, weil Nord- und Ostsyriens unter dem Dach der lokalen Verwaltung und des Demokratische Rat Syriens die einzigen Mächte waren, die Nord- und Ostsyrien verteidigt haben."

Türkei bedroht Camps von 300.000 Geflüchteten in Tall Rifa’at

Die türkische Auxiliarmiliz Quwwat ath-Thalit hat eine Offensive gegen die verbleibenden Ortschaften unter der Kontrolle der SDF in der Region Şehba nordwestlich von Aleppo gestartet. Es wurde bereits bestätigt, dass sie das Dorf Mar’anaz erobert haben, welches nördlich von Tall Rifa’at, dem zentralen Ort der SDF-Enklave zwischen dem von der SAA kontrollierten Aleppo und den türkisch besetzten Gebieten liegt. Zudem soll die kleine Nachbarortschaft al-Malikiyah an die Milizen gefallen sein, welche nun angeben die weiter westlich gelegene Ortschaft Shawaghirat al-Araz anzugreifen. Von ‚Azaz aus hat sich zudem ein großer Konvoi der türkischen Armee, der von Hubschraubern begleitet wird, in Richtung der angegriffenen Gebiete in Bewegung gesetzt.

Der Angriff fällt zusammen mit einer massiven Eskalation zwischen SAA und der islamistischen HTS entlang der Frontlinien südlich von Idlib. Gestern wurde dabei der türkische Überwachungsposten beim Berg Shahshabu bombardiert, woraufhin türkische Hubschrauber verwundete abholten. Es ist allerdings noch unklar, ob dabei auch türkische Soldaten zu Tode gekommen sind.



Des Weiteren finden seit Tagen weitreichende Bombardements der Städte und Dörfer südlich von Idlib durch die syrische Armee statt. Die Ortschaften befinden sich vor allem unter Kontrolle des al-Qa’ida-Ablegers Hayyat Tahrir ash-Sham (HTS). Die südlichen Städte wie al-Lataminah werden allerdings von der ebenfalls radikalislamischen Miliz Jaysh al-Izza gehalten. Bei den Angriffen, bei denen auch Fassbomben verwendet wurden, kamen auch Zivilisten sowie ein Mitglied der sogenannten Weißhelme zu Tode. Als Reaktion kam es zu Vergeltungsschlägen der Milizen.

Bei den Angriffen auf die Dörfer durch die türkischen Auxiliarmilizen, kam es zu keinem nennenswerten Widerstand. Es ist sogar möglich, dass SDF und SAA die Dörfer im Vorfeld verlassen hatten. Insbesondere die Präsenz der syrischen Armee konnte durch nennenswerte Quellen nicht bestätigt werden, weshalb die Aktion, Experte nach, eher als eine PR-Aktion zu kategorisieren wäre. Manche Konfliktebeobachter vermuten, dass die zwei Vorfälle miteinander zu tun haben könnten und sagen, dass dies ein weiterer Deal zwischen Russland und der Türkei sein könnte, bei dem der Süden Idlibs (vielleicht sogar die ganze Provinz) gegen eine Operation auf die SDF-Enklave von Tall Rifa’at getauscht wird. Andere behaupten jedoch, dass sich die SDF nur aus einigen strategisch vernachlässigbaren Dörfern zurückgezogen habe und die Syrische Armee keine Anstalten mache, sich aus Tall Rifa’at zurückzuziehen. Eine weitere (pro-türkische) Quelle behauptete, es habe sich um einen Überraschungsangriff gehandelt und die SDF reagiere nun mit einem Gegenangriff.

Unter der Zivilbevölkerung haben die Gerüchte über eine Offensive und eines Deals zwischen Russland und der Türkei, Wut und Verunsicherung ausgelöst. Viele gehen davon aus, dass sie wieder einmal von der Türkei verraten wurden. Etliche haben bereits ihre Heimatorte verlassen und sind in die türkisch besetzten Gebiete, vor Allem Efrîn geflohen. Die Wut auf die türkische Politik geht inzwischen so weit, dass Menschen die sich vor einigen Monaten noch über die Ankunft der türkischen Truppen bei den Beobachtungsposten freuten, nun die Verluste der türkischen Armee gegen die Widerstandseinheiten von Efrîn begrüßen.

Um die Gegend von Tall Rifa’at und nördlich von Aleppo, befinden sich zudem die Camps der Geflüchteten Menschen aus der Sheba-Region und aus Efrin. Nachdem die Türkei internationales Recht verletzte und letztes Jahr in Efrin intervenierte, mussten viele Menschen aufgrund von Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen aus der Region fliehen und im Schutz der SDF und der Koalition in Camps eine Notunterkunft beziehen. Schätzungsweise leben in den Camps mehr als 300.000 Menschen die ihre Heimat verlassen mussten und die Zahl steigt weiterhin. Die Türkei und ihre Milizen verfolgen eine systematische Repressionspolitik gegen Kurden die sich dadurch zeigt, dass kurdisch weder als Sprache noch als Kultur in ihren besetzen Regionen erlaubt wird.

Die Situation ist derzeit sehr chaotisch. Allerdings findet eindeutig eine massive Eskalation der Gewalt statt und es ist damit zu rechnen, dass es in den folgenden Tagen und Wochen wieder zu weitreichenden Kriegshandlungen in Syrien kommen könnte.

Erste armenische Militärfraktion in Syrien

Zum 24.04. soll die erste armenische Militärfraktion in der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (NES), oder auch Rojava genannt, gegründet werden. Damit soll die gegründete Fraktion an den Jahrestag des armenischen Genozids erinnern.

Seit dem Anfang des Bürgerkriegs in Syrien, kämpfen ebenfalls viele armenische Syrer im im Kampf gegen die Terroristen wie der IS oder der FSA. Als Teil vieler anderer Brigarden, sind sie Teil der SDF und kämpften an vielen Fronten an Seite von Kurden, Araber, Turkmenen und Assyrer für demokratische Werte. Nun soll eine rein armenische Brigarde bzw Fraktion gegründet werden.
Die Fraktion wird nach Nubar Ozanyan benannt, einem Ranghohen TIKKO Kommandeur, der sein Leben im Kampf gegen die IS verloren hat.

Seit einiger Zeit laufen nun die Vorbereitungen für die armenische Militärfraktion. Als Datum der Gründung wurde der 24.04. ausgewählt. Das ist der 104. Jahrestag des armenischen Genozids, begangen durch die Türken bzw das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs. Seit jeher erkennt die Türkei den Völkermord nicht an, akzeptiert die Grundlage nicht oder verneint diesen komplett.
Der Wände des Stützpunktes der armenischen Militärfraktion ist mit vielen Vergissmeinnicht Blumen geschmückt. Die Vergissmeinnicht Blume ist das Symbol des armenischen Genozids.

Die gegründete Militärfraktion wird auch weiterhin Teil der Syrian-Democratic-Forces (SDF) sein und Teil des Kampfes gegen die Terror des IS und der Türkei, welcher Besatzer von mehreren kurdischen Städten in Syrien ist.

YPG: Syrisches Regime kann Kurden nicht angreifen

Ein Pressesprecher der YPG erklärt, warum Damaskus keinen Angriff auf die Autonome Administration Nord- und Ostsyrien (NES) tätigen kann und wie das Verhältnis zu Russland ist.

"Wir glauben nicht, dass das Regime die Reife hat uns zu bekämpfen, aber sie bestehen darauf, solche Drohungen ständig weiterzuführen", sagte Nuri Mahmoud, Sprecher der Volksschutzgruppen (YPG). Die YPG/YPJ, die militärische Kraft der Kurden in Nord- und Ostsyrien, sind die führende Kraft der von den USA unterstützten SDF, einem militärischen Bündnis von lokalen Milizen die gegen die IS gekämpft hat und immer noch kämpft. Mahmoud fügte hinzu, dass sie keinen Konflikt mit einer anderen Fraktion in Syrien suchen. "Wir suchen ein Land, in dem sich alle Seiten, Gruppen und Fraktionen treffen können und eine Lösung für Syrien finden", sagte er.

Mahmoud kritisierte auch die Rolle von Russland in Syrien. Russland habe keinen Einfluss mehr. „Die russische Politik hat sich als sehr oberflächlich erwiesen. In Bezug auf Syrien wurden immer wieder kurzfristige Ziele festgelegt. Diese Ziele wurden mit der Türkei vereinbart. Damit ist die Syrienkrise in ein Geschäft umgewandelt worden.“, sagte er.
„Wir sehen Russland nicht als Bedrohung an, da sie keinen Einfluss haben. Sie besitzen nur kleine Stellungen in Syrien und Bedrohungen ihrerseits gab es kaum.“

Er wies auch darauf hin, wie er Russland als "stille Akzeptanz" der von der Türkei unterstützten oppositionellen Kräfte bezeichnete, die Teile Nordsyriens eroberten. „Das russische Militär ist in Syrien präsent, hat aber keinen Einfluss auf Damaskus. Die Kontrolle von Damaskus ist allerdings nicht so bedeutend: In Idlib gibt es Al-Qaida und im Nordwesten auch die türkische Besatzung.“, fügte er hinzu.
"Obwohl Russland ein Garantenstaat ist und behauptet, offiziell vom syrischen Regime eingeladen worden zu sein, hat das Regime gegenüber der Besetzung in Idlib, Afrin, al-Bab, Jarabulus und Azaz geschwiegen."

Die kurdische Autonome Administration hat ihre Bemühungen um ein Abkommens mit Damaskus Anfang des Jahres wieder aufgenommen, nachdem die US-Regierung beschlossen hatte, ihre Truppen aus ihren Gebieten abzuziehen. Die Landschaft hat sich seitdem jedoch dramatisch verändert. Washington entschied, einige Truppen in Syrien zu behalten, und die syrische Regierung richtete neue Drohungen gegen die SDF, wenn sie sich nicht ihrer Herrschaft unterwerfen.

Im Gegensatz zu den aufständischen Gruppen, die gegen Präsident Bashar al-Assad in weiten Teilen Syriens gekämpft haben, stehen die wichtigsten kurdischen Gruppen Damaskus nicht feindlich gegenüber und bekräftigen, dass ihr Ziel darin besteht, die Autonomie innerhalb des syrischen Staates zu wahren.
Damaskus hat die Autonomie der Selbstverwaltung abgelehnt. Der syrische Verteidigungsminister erklärte letzten Monat, der Staat würde die von den Kurden gehaltenen Regionen mit Gewalt zurücknehmen, wenn sich die SDF nicht der staatlichen Autorität unterwerfen würden.
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