Türkische Jets zerstören Straßen und Tankstellen in der Region Kurdistan

Die Türkei hat wieder angefangen, massive Angriffe gegen Ziele der Arbeiterpartei (PK*) vorzunehmen. Mit der neuen Operation „Die Kralle“ wollen die türkischen Truppen noch weiter in das Gebiet eindringen, um die PK* auszulöschen. Die Ziele der Luftschläge am Donnerstag lagen zwischen Duhok und Amedi. Durch die Luftschläge sind mehrere Straßen, darunter auch wichtige Hauptstraßen zu Schaden gekommen. Berichten nach wurden einige Stellen der Hauptstraße komplett zerstört.

Auch wurde eine Tankstelle, sowie eine Pipeline eines Wasserprojekt von den Kampfjets der türkischen Armee getroffen. Die Folgen der Luftschläge sind allerdings sehr gering ausgefallen. Es gab laut Berichten nur einen leichtverletzten Zivilisten.
Die Bewohner der Gebiete in denen die Türkei ihre Operationen durchführt erklären, dass sie unter diesen Bedingungen nicht Leben können. "Wir können so nicht weiterleben, weil wir ständig Angst haben, von den Raketenschlägen oder den bewaffneten Konflikten getroffen zu werden.", fügte ein Bewohner und Zeuge des letzten Angriffs auf die Tankstelle hinzu. "Wenn diese Angriffe weitergehen, werden wir gezwungen sein, unser Dorf im Amedi-Distrikt zu räumen.", erklärt er weiter.

Die Bewohner der Grenzdörfer forderten die zuständigen Behörden auf, einzugreifen und die Nutzung ihrer Gebiete als Schlachtfeld für den anhaltenden Konflikt zwischen der PK* und der Türkei einzustellen.
In den 1980ern gründete sich die Freiheitsbewegung PK*, um für die Rechte kurdischer Bürger zu kämpfen, die zu der Zeit der Willkür der türkischen Regierung ausgeliefert war. Rund 40.000 Menschen sind seit dem Konflikt ums Leben gekommen. Nach der Verhaftung des Führers der Arbeiterpartei, kam es zu einem Waffenstillstand, der 2015 einseitig durch die türkische Regierung (Erdogan und der AKP) aufgebrochen wurde. Seitdem gibt es wieder Gefechte zwischen der PK* und der Türkei.

Die Türkei hat kürzlich die militärischen Aktionen gegen PK*-Kämpfer in der Region Kurdistan verstärkt. Es wird berichtet, dass vermehrt Außen- und Kontrollposten von den Türken in der Region Kurdistan gebaut werden. In einigen Gebieten sind türkische Truppen bis zu 20 Kilometer tief in die Region vorgedrungen, um kurdische PK*-Kämpfer anzugreifen. Darüber hinaus führt der Beschuss von türkischen Jets gelegentlich zum Tod von Zivilisten, die nicht mit der PK* verbunden sind.

USA beteuert Kurden sollen bei allen Gesprächen repräsentiert werden

Am Mittwoch den 12.06.2019 hat die Regierungssprecherin der USA Morgan Ortagus noch einmal beteuert, das die Kurden der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (Rojava) in allen Gesprächen über die Zukunft Syriens repräsentiert werden müssen.

Auf eine Frage eines Journalisten gibt Morgan Ortagus bekannt, dass die USA bei ihrer Syrien-Politik weiterhin den Kurs des US-Außenminister Pompeo beibehalten. Morgan Ortagus führt weiter fort „Wie der Minister (Pompeo) es schon öfter gesagt hat, wir wollen eine breit aufgestellte Repräsentation aller syrischen Parteien bei den Gesprächen.“
Pompeo hatte im Oktober 2018 die SDF als „Großartige Partner“ bezeichnet und versprach, dass die Autonome Administration bei allen Gesprächen repräsentiert sein wird.

Die USA fordern in ihrer Syrien-Politik weiterhin die Implantation der UN-Resolution 2254. Die UN-Resolution 2254 fordert eine Übergangsregierung, die dann von fairen und freien Wahlen abgesetzt wird. Als Teil dessen fordert die USA alle Parteien auf, an Friedensgesprächen teilzunehmen die von der UN geleitet werden.

Der “Syrien und Anti-IS-”Beauftragte der USA James Jeffrey erklärte in einer kurzen Stellungnahme, dass die USA weiterhin an der Idee einer „Safe Zone“ (Sicherheitszone) festhält. Diese „Safe Zone“ würde der USA zufolge, sowohl die Ängste der Türkei lösen als auch die Ängste der Kurden in der Autonomen Administration in Rojava. Details zu den konkreten Plänen sind weiterhin unklar. Die Pläne scheinen jedoch noch in Arbeit zu sein. Der Beauftragte James Jeffrey traf sich vergangene Woche in Kairo mit Repräsentanten der arabischen Liga und der syrischen Opposition.
Die „Safe Zone“ würde im Norden vom Euphrat beginnen und bis zu der Grenze des Iraks reichen. Der USA zufolge würde dies ein Rückzug der YPG aus dem Grenzgebiet bedeuten. Es wurde aber nicht weiter erläutert, ob externe Truppen anderer Staaten dieses Vakuum dann füllen oder ob eventuell arabische Elemente der SDF die Befugnis bekommen, die Grenze zu kontrollieren.
Jeffrey James fügt hinzu „Wir verstehen die Sorgen der Bevölkerung im Norden Syriens.“

Weiter heißt es, dass die USA und die Türkei die „Safe Zone“ überwachen werden und das laut James Jeffrey „alle Parteien einverstanden sind“.

Nechirvan Barzani als neuer Staatspräsident vereidigt

Am Montag den 10.06.2019 wurde Nechirvan Barzani als neuer Staatspräsident vereidigt. Die Zeremonie wurde aufgrund der hohen Zahl an Gästen in der Saad Abduallah Konferenz Halle in Erbil abgehalten.

In seiner Amtsansprache rief er alle Parteien in Kurdistan zur Einheit auf und versprach, dass die Gesetze der Verfassung in ihrer vollen Kraft durchgesetzt werden, um Tragödien wie dem Aufstieg des Islamischen Staates und den Völkermord an den Eziden in Shingal zu verhindern. Nechirvan Barzani dankte zuvor auch allen Parlamentariern die für ihn stimmten und bedankte sich auch bei allen die gegen ihn stimmten, da sie damit ihren „demokratischen Rechten und Pflichten“ ausübten.
Massud Barzani hielt vor Nechirvan Barzani auch eine kurze Rede, in der er seine Unterstützung für den neuen Staatspräsidenten zum Ausdruck brachte.

Nechirvan Barzani nimmt es sich vor die Beziehungen zwischen Erbil und Bagdad zu reparieren und die Peshmerga zu stärken. Er möchte auch die Probleme der fehlenden Zahlungen an die Autonome Region Kurdistan durch den Irak beheben, indem er mit der irakischen Regierung gemeinsam Pläne entwickelt.

Die Gäste der Zeremonie bestanden aus einer Vielzahl hochrangiger Persönlichkeiten. Darunter Barham Salih der Staatspräsident des Iraks, Diplomaten aus befreundeten europäischen Staaten wie Frankreich und den USA und der türkische Außenminister Mevlet Cavusoglu.

Der neue Staatspräsident wurde am 28.05. mit einer knappen Mehrheit vom kurdischen Parlament gewählt. Von den 111 Parlamentariern stimmten 68 für Nechirvan Barzani, die anderen 43 Parlamentarier enthielten sich, da die PUK die Wahl boykottierte und somit keine Kandidaten aufgestellt haben. Zuvor hat der ehemalige Staatspräsident Massud Barzani dem Parlament die Macht gegeben, den Staatspräsidenten zu wählen. Bisher hat das Volk der Autonomen Region Kurdistan den Staatspräsidenten per Direktwahl gewählt.

Nechirvan Barzani wird nun innerhalb der nächsten 30 Tage sein Kabinett zusammenstellen. Da er zuvor Premierminister der Autonomen Region war, wird das Parlament nun einen neuen Premierminister wählen.
Es wird erwartet das Nechirvan Barzani seinen Cousin Masrour Barzani als Kandidaten für das Amt des Premierministers nominiert.

Verwaltung in Mosul bittet Peshmerga um Hilfe und Schutz

Die Verwaltung in Ninive hat am Sonntag offiziell um die Rückkehr der Peschmerga zum Schutz der Provinz in Abstimmung mit den irakischen Sicherheitskräften (ISF) gebeten.

Die Sicherheitslage in Ninive und anderen umstrittenen Regionen zwischen der Regionalregierung Kurdistans (KRG) und der irakischen Regierung, hat sich seit dem Abzug der kurdischen Streitkräfte erheblich verschlechtert. Als Reaktion auf das historische Unabhängigkeitsreferendum der Autonomen Region Kurdistan im September 2017, rückten die irakischen Streitkräfte und die vom Iran unterstützten Hashd al-Shaabi-Milizen mit Panzern und schwerer militärischer Ausrüstung vor, um die Kontrolle über die umstrittenen Gebiete zurückzufordern. Jahrelang wurden die Gebiete durch die Regionalregierung Kurdistans und den Peshmerga vor dem Terror des Islamischen Staates geschützt und verteidigt worden.

Sirwan Rozhbayani, der stellvertretende Gouverneur in Mosul, erklärte den lokalen Medien, dass die Verwaltung keine Wiederaufbauprojekte durchführen könne, solange die Sicherheitslage in Mosul und Ninive im Allgemeinen instabil sei. "Die IS-Aktivitäten in Ninive haben aufgrund mangelnder Sicherheit exponentiell zugenommen. Angefangen innerhalb der Stadt und der umliegenden Bezirke bis nach Shingal und an die syrischen Grenzen", erklärte Rozhbayani. Laut dem stellvertretenden Gouverneur umfasst der an Bagdad gerichtete Antrag einen Appell, welcher die örtliche Polizei darum anhält die innere Sicherheit der Stadt zu verwalten, während die Peschmerga und die Iraqi Secruity Forces (ISF; deutsch: Irakische Sicherheitskräfte) gemeinsam die Bezirke und Unterbezirke schützen.
“Das Sicherheitsprofil der kurdischen Gebiete, die außerhalb der Verwaltung der KRG liegen, sollte von den Streitkräften der Peschmerga geregelt werden”, fügte Rozhbayani hinzu.

Die Peshmerga wurden als eine der effektivsten Einheiten bei den Einsätzen gegen den Islamischen Staat im Irak weltweit bekannt und erhalten große Anerkennung durch die Koalition und andere Staaten.
Nach Angaben des Ministeriums der Peschmerga sind seit 2014 rund 2.000 von ihnen im Kampf gegen die Terrorgruppe den Märtyrertod gestorben, weitere 12.000 wurden verletzt.

Türkischer Staudamm zerstört kulturelles Erbe und bringt Millionen von Menschen in Gefahr

Der Ilisu-Staudamm, etwa 30 km nördlich der türkischen Grenze zu Syrien, ist Teil eines geplanten Netzes von 22 Staudämmen an den Flüssen Euphrat und Tigris, das Ankara entwickelt hat, um Energie zu erzeugen und Wasser für die Bewässerung in der kurdischen Region der Türkei zu liefern. Die Endphase des Projekts ist erreicht und löst Kontroversen in Europa, dem Irak und der Autonomen Region Kurdistan aus.

Der 1.200-Megawatt-Staudamm Ilisu, etwa 30 km nördlich der türkischen Grenze zu Syrien, ist ein Prestigeprojekt für die türkische Regierung, dass seit mehr als 20 Jahren in Arbeit ist. Seit den Anfängen des Projekts steht es in heftiger Kritik. Vor allem die europäische Staaten, die vor zehn Jahren die Kreditgarantien für die beteiligten Unternehmen ausgeteilten hatten, werfen nun der nicht genug für den Schutz von Kulturstätten im Tigristal zu tun und die Rechte von Zehntausenden von Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, zu ignorieren. Aktivisten warnen, dass das Projekt Chaos in der Region anrichten wird. Auch der Irak, der auf das Wasser des Tigris angewiesen ist, äußerte sich besorgt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist jedoch entschlossen, den Damm fertigzustellen. Er kündigte im März an, dass der Prozess zum Sammeln von Wasser hinter dem Damm am 10. Juni beginnen werde. Der Ilisu-Damm werde der Volkswirtschaft jedes Jahr 260 Millionen US-Dollar hinzufügen, verkündete Erdogan bei einer Kundgebung in der südöstlichen Provinzhauptstadt Mardin. Er fügte hinzu, dass der Damm rund 1,5 Milliarden Dollar kosten würde.
Der Damm wird 135 Meter hoch und 1,8 Kilometer breit sein. Der Stausee wird nach Planung mehr als 300 km² groß sein und sich mit mehr als 10 Milliarden Kubikmeter Wasser befüllt sein. Menschen aus fast 200 Dörfern und Städten müssen neue Häuser beziehen, wenn der See voll ist.

Ein großer Streitpunkt ist hierbei die Ruinen und Ausgrabungen in Hasankeyf. Hier befindet sich eine 12.000 Jahre alte Stadt 30 km stromaufwärts vom Damm. Hasankeyf wurde als Kulturstätte von großer Bedeutung gelobt. Nicht nur wurden historisch wichtige Wandmalereien aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte gefunden, sondern befindet sich die Stadt an einem Zentralen Ort der Menschlichen Zivilisation und hat durch wechselnde Herrschaft in der Antike durch Römer, Assyrer und Seldschuken viel erlebt und noch viel zu erzählen. Die Ausgrabungen in der Stadt sind noch lange nicht abgeschlossen, erklärten Historiker und Archäologen. Durch die Fertigstellung des Damms und der anschließenden befüllung des Beckens droht der Ruinenstätte die Zerstörung.

"Es könnte schon im nächsten April passieren", warnt Ercan Ayboga, ein Aktivist der Initiative zur Erhaltung des Lebens von Hasankeyf (HYG). Die HYG ist eine Gruppe aus Aktivisten und betroffenen Bürgern, die sich gegen den Damm aussprechen und einsetzen. In einer Erklärung erklärt die HYG, dass das Projekt "Zerstörung, Ausbeutung und Konflikte" auslösen würde.
Ankara weist den Vorwurf zurück und argumentiert, dass besondere Sorgfalt darauf verwendet wird, wichtige Gebäude zu retten. Einige alte Gebäude wurden in eine nahe gelegene Gegend verlegt. Die Regierung betonte auch, dass die neuen Siedlungen, die für die Menschen in der Region gebaut wurden, einen höheren Lebensstandard bieten als die alten Häuser.

Ayboga erklärte, Protestkundgebungen in der Türkei, in Westeuropa, im Irak, sowie in der Autonomen Region Kurdistan und der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien würden die Aufmerksamkeit auf die Probleme lenken die der Damm mit sich bringt.
"Unser unmittelbares Ziel ist es, das Projekt zu stoppen", sagte Ayboga und fügt hinz, “Sobald die Arbeit eingestellt würde, könnten Gespräche zwischen der Regierung und anderen Interessengruppen stattfinden, die gemeinsam nach Wegen suchen, um einen Konsens über die sozioökonomische Entwicklung in der Region zu erzielen.”

"Wir wollen eine Debatte beginnen, und in diesem Fall könnte die Türkei das Projekt verzögern", sagte Ayboga.

ENKS in der Krise

Im syrisch-kurdischen Parteienbündnis ENKS (Kurdischer Nationalrat in Syrien) machen sich derzeit Auflösungstendenzen breit. Die prominentesten Parteien in dem Bündnis sind die PYK-S (Kurdische Einheitspartei in Syrien), auch bekannt als Yekitî-Partei und PDK-S, die Schwesterpartei der KDP in Başûr. Die PYK-S, die die zentrale Partei in der Struktur des ENKS ist, hat sich aufgrund innerer Streitigkeiten in zwei Parteien gespalten.

Drei der Parteiführer, namentlich Hêsen Salih, Ebdilbeqi Yusîf und Ebdilsamad Bîro haben ihren Parteiaustritt verkündet und die namentlich fast identische Einheitspartei Kurdistans (PYK) gegründet. Ihren Austritt begründeten sie mit innerparteilichen Entlassungen von Personen in Deutschland und der Autonomen Region Kurdistan durch die Parteispitze, die sich gegen das innerparteiliche Prinzip von Demokratie bei der Vergabe von Positionen richten würde. Salih veröffentlichte des weiteren ein Video seiner Rede, in der er die Positionierung des ENKS zur Besatzung von Efrîn durch das türkische Regime und seiner verbündeten Milizen kritisierte. Dabei betonte er, dass die Parteimedien des PYK-S, trotz der Entscheidung des Parteikongresses, die Türkei als Besatzer Kurdistans - insbesondere in Efrîn - zu bezeichnen, nicht umsetzen würden, was zu enormen innerparteilichen Streit geführt hätte. In dem Videostatement rief Salih die kurdischen Parteien in Syrien außerdem dazu auf sich, trotz der Vielzahl von Parteien und ihrer unterschiedlicher Positionen, zu vereinen, um die Rechte der Kurden besser vertreten zu können.

Der größtenteils abgetrennt von der Parteibasis handelnde, in der Türkei sitzende Führungskader der Partei unter Ibrahîm Bîro, Fuad Elîko und Ebdilbasset Hemo, der eng mit den türkischen Besatzern kollaboriert, wies die Anschuldigungen zurück. Bîro sagte in einem Interview, dass es keine internen Dispute in der PYK-S gäbe, die Gründer der neuen Partei aus der Partei ausgeschlossen worden waren und die neue Partei nicht in den ENKS mit aufgenommen werden würde. Desweiteren beschuldigte Bîro die PKK, hinter diesem internen Streit zu stecken, da sie die Partei unterwandern würde und versuche, sich Sitze im Parteirat zu sichern.

Seit längerer Zeit gibt es Kritik an der ENKS. Experten sehen in ihr ein instrumentalisiertes mediales Werkzeug, für den von der Türkei unterstützten Führungskader zur Legitimierung der türkischen Besatzung in Efrîn.

Der ENKS, der sich als Gegengewicht zum von der PYD dominierten, aus insgesamt 27 Parteien bestehenden kurdischen Block im Regierungsbündnis TEV-DEM sieht, hat zuletzt aufgrund seiner Kollaboration mit der türkischen Besatzung in Efrîn sowie der Befürwortung der Invasion der Gebiete östlich des Euphrats, enorm an Mitgliedern verloren und Unterstützung aus der Bevölkerung eingebüßt. So verließen 2016 vier Parteien den ENKS und schlossen sich zur Kurdischen Nationalallianz (HNKS) zusammen, die im Jahr darauf bei den Wahlen in der Demokratischen Föderation Nordsyrien (Rojava) antrat. Eine weitere Austrittswelle kam mit dem Schweigen zu den zahllosen Verbrechen der türkischen Auxiliarmilizen, in deren Kontext zuletzt im Februar 38 Mitglieder der PDK-S die Partei verließen, da sie das Schweigen der Partei nicht länger mit sich vereinen konnten.

Viele ehemalige Mitglieder haben sich hingegen einer der vielen neuen Parteien angeschlossen, die mittlerweile in den Gebieten der Föderation gegründet worden sind. Das konservative Spektrum in der demokratischen Föderation wird inzwischen von der Kurdischen Nationalallianz (HNKS) dominiert, einem Bündnis aus Parteien, die den ENKS 2016 verlassen hatten und die nun in den Regionalparlamenten der Föderation vertreten sind.

Kurdistan: Türkische Soldaten töten jungen Eziden

Ein ezidischer Kurde wird in Zaxo von türkischen Soldaten erschossen. Einen Anlass dafür gab es nach Augenzeugen nicht. Der Şengal-Rat fordert nun Aufklärung von der Zentralregierung in Bagdad.

Am Dienstag den 04.06. wurde der 22-Jährige ezidische Kurde Emin Saleh in der südkurdischen Stadt Zaxo von türkischen Soldaten erschossen. Das Opfer war zu dem Zeitpunkt auf einer Ackerfläche seiner Familie am Ufer des Euphrats, welches sich in der der Nähe des Flüchtlingslagers Çem Mişko befindet. Grundlos eröffneten die türkischen Streitkräfte das Feuer. Saleh starb noch vor Ort. Seine Beisetzung wurde am Donnerstag Nachmittag getätigt.

Der Vater von Emin Saleh, Emre Saleh, forderte bei der Beisetzung seines Sohnes eine klare Haltung von Bagdad und der UN: „Vor fünf Jahren mussten wir unsere Heimat verlassen. Um unseren Unterhalt zu bestreiten, betreiben wir seitdem in der Nähe des Camps Landwirtschaft. Während der Arbeit auf dem Feld, wurde mein Sohn von türkischen Soldaten erschossen. Solange es keine klare Haltung gegen Angriffe wie diese gibt, wird mein Sohn nicht das letzte Opfer sein. Bagdad und die UN müssen endlich handeln.“

Noch am Tag der Beisetzung verurteilte der Şengal-Rat den Mord an Emin Saleh auf das Schärfste. Sie kritisieren zudem das Schweigen der PDK und verlangen die Aufklärung des Falles. Demnach sei dies ein direkter Angriff gegen alle Eziden.
„Obwohl sich der Vorfall in der Autonomen Region ereignet hat, zeigt die PDK keine Reaktion. Diese Haltung kommt einer Billigung des Mordes gleich und das akzeptieren wir nicht. Nach Ansicht des Demokratischen Şengal-Rats richtete sich dieser Angriff nicht gegen einen einzelnen Eziden, sondern gegen den gesamten Ezidischen Glauben. Wir fordern sowohl die Kurdische Regionalregierung, als auch die Zentralregierung in Bagdad auf, die genauen Umstände dieses Vorfalls aufzuklären.“, so der Şengal-Rat in ihrer schriftlichen Stellungnahme.

Das ist nicht das erste Mal, dass türkische Soldaten wahllos kurdische Bürger in der Autonomen Region Kurdistan töten. Immer wieder kommt es zum Mord an Kurden und Kurdinnen durch stationierte türkische Soldaten. Vor einigen Monaten berichteten wir von Rojava News die Stürmung einer türkischen Basis durch Kurden aus der Kleinstadt Sheladize, die die türkischen Soldaten und ihr missachten von Menschenrechten satt hatten.

Türkei weitet Militäraktionen in Südkurdistan aus - Drei Peshmerga unter Beschuss

Am Morgen des Mittwoches des 05.06.2019 (05.30 Uhr lokale Zeit) flogen türkische Flugzeuge Luftangriffe auf Dörfer nördlich der Hauptstadt Hewlêr (Erbil) der Autonomen Region Kurdistan.

Die türkischen Flugzeuge nahmen eine Hütte und weitere Infrastruktur einer Farm unter Beschuss, die den dort stationierten Peshmerga gehörte. Das daraus resultierende Feuer, begann die gesamte Plantage zu zerstören und breitete sich in kurzer Zeit auf das Gebäude aus, indem die gesamte Ernte gelagert war.
Die drei Peshmerga vor Ort haben sofort mit den Löscharbeiten begonnen, um die Ernte zu retten. Nur wenige Minuten später, als die Löscharbeiten noch im vollen Gange waren, flogen die türkischen Flugzeuge wieder an und nahmen die drei Peshmerga unter Beschus. Es schlugen weitere Bomben ein und die drei Peshmerga wurden schwer verletzt. Experten gehen davon aus, dass die türkischen Flugzeuge bzw. der Leiter dieser Operation, diesen Angriff genauestens geplant und bewusst im ersten Schritt Brände entfachen lassen hat, um im zweiten Schritt gezielt die lokalen Einwohner anzugreifen, die versuchen den Brand zu löschen.
Bei den dort stationierten Peshmerga handelt es sich um zwei Brüder und deren Cousin. Die genauen Verletzungen der Peshmerga sind momentan noch unklar, es wurde aber bestätigt, dass ein Peshmerga sein Bein verloren hat.

Die erneute türkische Aggression ist Teil der Operation „Kralle“ die am 27.05.2019 von der türkischen Armee gestartet wurde. Ziel dieser Operation ist es, einige Gebiete in der Region Xakurke von den Kämpfern der PKK zu „Befreien“.

Die Operation Kralle hat in den sozialen Medien, nur wenige Stunden nach der Ankündigung, enormen Spott geerntet, als die türkische Armee über die staatlichen Medienorgane, Videos der Operation veröffentlichte. Die veröffentlichten Aufnahmen zeigen keine türkischen Truppen oder ihre Ausrüstung, stattdessen hat die Türkei Aufnahmen aus dem Videospiel „Arma 3“ und „Medal of Honor“ als reale Aufnahmen der türkischen Armee verwendet.
Dieser Schwindel flog nur wenige Minuten nach der Veröffentlichung auf.

Die türkische Armee hat diesem Debakel kurz danach noch einmal drauf gesetzt als sie die Details der Operation veröffentlichten. Die von den türkischen Aktivisten angepriesene Operation Kralle, welche nach ihnen in einer groß angelegten „Luft-Lande Operation von Kommando Spezialeinheiten im gesamten Gebirge von Südkurdistan“ das ende des Widerstandes einläuten sollte, entpuppte sich als reine Propaganda. Tatsächlich hat die Türkei nur eine Handvoll Teams per Helikopter an Gebirgsspitzen ausgeladen und das in Gebieten in denen die PKK nicht aktiv ist.
Subscribe to this RSS feed