Demonstranten durchbrechen Grenzübergang – Türkei schießt auf sie

Türkisch/syrischer Grenzübergang Bab al Hawa nach der Erstürmung durch die Demonstranten. Bildquelle: AFP/Getty Images Türkisch/syrischer Grenzübergang Bab al Hawa nach der Erstürmung durch die Demonstranten.
Während die türkische Bevölkerung auf den sozialen Netzwerken gegen syrische Geflüchtete hetzt und sie verspottet, lässt die türkische Regierung an der Grenze auf sie schießen.

Am Freitag den 30.08.2019 versammelten sich rund 2000 Menschen um für die Öffnung des Grenzübergangs Bab Al-Hawa zu demonstrieren. Die Menschen versammelten sich direkt vor dem Grenzübergang zwischen der Türkei und Syrien. Die Demonstration diente nach Aussage eines Teilnehmenden dazu, gegen das „internationale Verbrechen“ zu demonstrieren, dass in Idlib gerade vor sich geht. Andere Demonstranten erklären „Wir wollen kein Chaos verursachen. Wir wollen nur auf unsere Situation aufmerksam machen.“

Die anfangs friedliche Demonstration eskalierte gegen Mittag, als türkische Grenzsoldaten Warnschüsse abfeuerten, um die Menschenmasse aufzulösen. Die Demonstranten reagierten aggressiv auf die Warnschüsse und begannen damit, Steine und andere Gegenstände nach den türkischen Soldaten zu werfen. Die Gewalt spitzte sich immer weiter zu und die Grenzsoldaten verloren die Kontrolle über die Situation. Die Demonstranten nutzten die Gelegenheit aus und stürmten daraufhin den Grenzübergang. Hunderte Flüchtlinge rissen das Grenztor nieder und begaben sich daraufhin in die Türkei. Die türkische Armee hat als Reaktion darauf, mit scharfer Munition das Feuer eröffnet. Parallel zu den Schüssen wurde Tränengas eingesetzt. Die Schüsse der türkischen Soldaten flogen zunächst über den Köpfen der Demonstranten hinweg. Dies löste eine Massenpanik aus, wodurch die Menschenmasse sich in alle Richtungen auflöste. Die Schüsse der türkischen Grenzsoldaten richteten sich dann in die Menschenmenge selbst wodurch es zu einer unbekannten Zahl an verletzten kam.
Journalisten die die Demonstration begleitet haben, wurden explizit von den türkischen Soldaten unter Beschuss genommen.

Die türkische Regierung hat sich offiziell zu diesem Vorfall nicht geäußert und tut alles, um diesen Vorfall zu verschleiern. Die türkische Bevölkerung jedoch äußerte sich auf den sozialen Netzwerken zu diesem Vorfall. Unter dem Hashtag “# WirwollenkeineSyrer” hetzen Zehntausende Türken gegen die syrischen Geflüchteten und verspotteten sie.

Das Assad-Regime hat gemeinsam mit Russland beschlossen die letzte Hochburg der Islamisten in Idlib anzugreifen. Seit Wochen gibt es starke militärische Tätigkeiten um Idlib herum. Als Schirmherr der Islamisten in Syrien, hatte Erdogan sich mit Assad und Russland um einen Waffenstillstand und eine demilitarisierte Pufferzone zwischen den Gebieten um Idlib und dem Rest vom syrischen Regime kontrollierten Gebiet verständigt. Ebenso, sollte die Türkei das extremistisch-islamistische Milizenbündnis Haiʾat Tahrir asch-Scham (Kurz: HTS) in Idlib entmachten. Während der kurz anhaltenden Periode des Waffenstillstandes konnte die HTS ihre Position in Idlib durch die Türkei weiter stärken blieb die stärkste Kraft in der Region. Assad und Putin sehen das als Vertragsbruch und hebten einseitig den Waffenstillstand auf. Regimetreue Truppen marschieren Richtung Idlib und verursachen eine Massenpanik.

Last modified onSamstag, 31 August 2019 09:46