Iran-Öl-Embargo – ein Todesurteil für die türkische Lira

Chart zur türkischen Lira im Verhältnis zum Dollar. Quelle: finanzen100 Chart zur türkischen Lira im Verhältnis zum Dollar.
Die Ankündigung der USA ab dem 01.05.2019 die Sanktionen gegen den Iran auszuweiten treten in wenigen Tagen in Kraft. Die neuen Richtlinien betrifft vor allem China, Indien und die Türkei, da sie bisher den Öl- und Gasimport aus dem Iran weiter betrieben haben. Ab den 01.05. drohen diesen Staaten nun empfindliche Strafen, sollten diese dem Öl-Embargo nicht folgen.

Die Türkei bezieht zwölf Prozent seiner Erdöl- und 20 Prozent seiner Erdgasimporte aus dem Iran. Ab dem 01. Mai werden diese Importe abrupt wegfallen und müssen ersetzt werden. Bereits die Ankündigung der Trump-Administration das Embargo weiter zu verschärfen und Staaten zu betrafen die dem nicht folgen, hat die Erdöl und Erdgaspreise in die Höhe schießen lassen. Eine Entwicklung die, angesichts der steigenden Inflation in der Türkei, vielen Bürgern Ängste bereitet.

Die türkische Lira verliert weiterhin täglich an Wert. Zeitweise konnten einige Maßnahmen der türkischen Zentralbank, wie der Verkauf von Staatsanleihen und Gold/Währungsreserven, die Lira auffangen. Doch der Zentralbank ist klar, dass das keine Langzeitlösung ist, sondern nur das unvermeidliche hinausgezögert hat. In den vergangen 12 Monaten hat die türkische Lira mehr als 40 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Diese Entwicklung hat viele Menschen in die Armut und Unternehmen in den Bankrott getrieben.

Die Verschärfung des Iran-Öl-Embargos wird die türkische Lira noch weiter talabwärts treiben. Die Türkei kämpft momentan mit einer Inflationsrate von über 20 Prozent und durch den Verlust des iranischen Öls und der daraus resultierenden steigenden Ölpreise, wird die Inflation im Land weiter zuwachsen.
Investoren und Privatanleger werden aufgrund der hohen Inflation die türkischen Märkte meiden und ihre existierende Anleihen verkaufen. Es wird befürchtet, dass eine massive Kapitalflucht aus der Türkei bevorsteht.

Laut dem Handelsblatt sehen die von der Türkei unterzeichneten Erdöl- und Erdgasimport Verträge mit dem Iran vor, dass die Türkei trotz der Sanktionen weiterhin das Geld an den Iran senden muss. Dementsprechend müsste der Staat Zahlungen erbringen ohne die Ware zu erhalten. Die Türkei müsste also Doppelt zahlen: Geld für die Ersatzimporte und Geld für die Importe aus dem Iran.
Erschwerend kommt hinzu, dass durch die aggressive Außenpolitik der Türkei, es noch unklar ist wie die Türkei den Verlust des iranischen Öl auskompensieren soll. Durch die Feindschaft auf Nachbarstaaten wie Armenien und Griechenland und die Autonome Administration Nord- und Ostsyrien (Rojava), wird es der Türkei schwer fallen, die ausfallende Menge an Öl durch einen anderen Staat zu ersetzen. Die Bedingungen für einen unbeschadeten Weg, sind für die Türkei sehr gering.

Die Verschärfung des Iran-Öl-Embargos für die Türkei und die darauffolgende Talfahrt der türkischen Lira, werden den Unmut in der Bevölkerung bekräftigen. Die AKP befindet sich nach den verlorenen Kommunalwahlen bereits in einer schwachen Position. Eine verschärfte Wirtschaftskrise wird die Unzufriedenheit mit der AKP weiter beflügeln und die Regierung in Bedrängnis bringen.
Last modified onSamstag, 27 April 2019 17:45

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