Spannungen im Iran steigen – Ost-Kurdistan Einheiten melden Märtyrer aus Kämpfen

Nach Gefechten mit dem iranischen Regime geben die Ost-Kurdistan Einheiten ihre Märtyrer bekannt. Der Iran versucht weiterhin seine Verluste zu verschleiern. Die Spannungen zwischen den beiden Parteien steigen wieder.

Die kurdische Widerstandsbewegung „Ost-Kurdistan Einheiten“ (Militärischer Arm der PJAK) melden den Märtyrertod von vier ihrer Soldaten, die Mitte Juli in Gefechten mit dem iranischen Regime gefallen sind. Die Gefechte hielten in der kurdischen Provinz Kermanshah für drei Tage an und resultierten in schweren Verlusten auf beiden Seiten.
Der iranische Staat gab über lokale staatliche Medien bekannt, dass nur ein iranischer Soldat bei den dreitägigen Gefechten ums Leben gekommen sei. Diese Zahl ist laut Aktivisten nicht korrekt und dramatisch heruntergespielt.

In der Nacht zum 9. Juli 2019 sind die Gefechte aus unbekannten Gründen ausgebrochen. Die anfangs sporadischen Schusswechsel mündeten nach wenigen Stunden in schwere Gefechte. Sowohl die Ost-Kurdistan Einheiten als auch die iranische Armee haben nach der Bekanntgabe der Gefechte sofort weitere Soldaten in das betroffene Gebiet entsendet. Die Gefechte hielten drei Tage an und sind immer weiter eskaliert. Am dritten Tag sind die Gefechte langsam abgekühlt und beide Seiten entschieden sich dazu, sich zurückziehen. Die iranische Armee hat sich dann dazu entschieden, einen Berg und umliegende Täler zu bombardieren von denen der Iran dachte, das die Ost Kurdistan Einheiten sich dorthin zurückgezogen haben. Bei diesen Bombardierungen ist eine Vielzahl von Zivilisten verletzt worden.

Die Ost-Kurdistan Einheiten haben nach einer zweiwöchigen Ruhe am 2. Juli, als Antwort auf eine zweitägige Militäroperation des Irans, bei der Parteizentralen und Zivilisten in der Autonomen Region Kurdistan durch den Iran angegriffen wurden, iranische Stellungen angegriffen. Zahlen über Verluste auf iranischer Seite sind weiterhin unbekannt.

Die Ost-Kurdistan Einheiten stellen den bewaffneten Flügel der Ost-kurdischen Partei PJAK (Partei für ein freies Leben Kurdistan). Die PJAK basiert im Kern auf derselben Ideologie wie die PKK und wird oft als ihre Schwesterpartei angesehen. Die PJAK ist aber nach eigener Aussage eine komplett eigenständige Partei, die in keinem direkten Kontakt mit der PKK steht.

Die Parteiführung soll sich laut Aktivisten und Al-Monitor bald mit hochrangigen Iranischen offiziellen Treffen um ein Abkühlen der Spannungen in Ost-Kurdistan (Rojhelat) zu bewirken.

Iranischer Geheimdienst nimmt drei Mitglieder der NGO Nojin fest

Am 23.5.2019 hat der iranische Geheimdienst drei Mitglieder der Nicht-Regierungs-Organisation Nojin in der Stadt Sine (Iran: Sanandadsch) in der Provinz Kordestan (Ost-Kurdistan, Rojhelat) festnehmen lassen.

Die vom Iran festgenommenen Aktivisten konnten identifiziert werden. Ihre Namen lauten wie Zehra Mohamadi (Vorsitz der NGO Nojin), Idris Menberi (Aktivist) und Rebuar Menberi (Aktivist).
Die NGO Nojin ist eine kurdische NGO die hauptsächlich in Rojhelat (Ost-Kurdistan) in der Provinz Kordestan aktiv ist. Die NGO setzt sich für die zivilen, kulturellen und menschlichen Rechte der kurdischen Bevölkerung in Ost-Kurdistan ein. Außerdem unterrichtet die NGO die kurdische Bevölkerung ehrenamtlich in der kurdischen Sprache und der kurdischen Kultur.

Die NGO wurde von mehreren kurdischen Aktivisten im Jahre 2013 gegründet. Die Organisation wird von Zehra Mohamadi geleitet. Sie unterrichtet seit zehn Jahren ehrenamtlich kurdisch und kämpft zugleich für die Rechte der Kurden in Rojhelat (Ost-Kurdistan).
Bei dem verheerenden Erdbeben im Jahre 2017 und den massiven und zerstörerischen Fluten im Frühjahr 2019, erlangte die NGO Nojin ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und wurde in der gesamten Region bekannt. Die NGO versammelte sofort nach den Naturkatastrophen alle Mitglieder und Schüler und ließ sie von Tür zu Tür laufen, um nach Hilfsgütern zu fragen. Die gesammelten Hilfsgüter wie Wasser, Nahrungsmittel, Klamotten und Materialien für temporäre Unterkünfte wurden dann auf dem Rücken der Mitglieder zu den Betroffenen Dörfern gebracht.In einigen Fällen sind die Mitglieder durch Kilometer lange Bergpässen und Bergketten gegangen um Dörfer zu erreichen die von der Außenwelt abgeschlossen waren und von der iranischen Regierung ignoriert worden waren. All das mit dutzenden Kilos an Hilfsgütern auf dem Rücken.

Die Aktivisten wurden ohne Anklage oder einem konkreten Verdacht, der die Festnahme begründet, vom iranischen Geheimdienst festgenommen. In Rojhelat haben sich nach der Verhaftung am 27.5.2019, Menschen vor dem Gerichtsgebäude in Sine (Iran: Sanandadsch) versammelt um für die Freilassung der Aktivisten zu protestieren.
Die beiden Aktivisten Rebuar Menberi und Idris Menberi, wurden nach einer vier-tägigen Isolationshaft am 28.5.2019 gegen eine Kaution freigelassen.
Am 29.5.2019 durfte die Familie der Aktivistin und Vorsitzende der NGO Nojin Zehra Mohamadi sie, nach acht tägiger Isolationshaft, im Gefängnis besuchen. Der Familie wurden allerdings nur 30 Minuten Besuchszeit gewährt, um sich von dem Gesundheitszustand von Zehra Mohamadi zu überzeugen.

Es gibt keinerlei Neuigkeiten über den Zustand von Zehra Mohamadi. Es ist unklar, wo sie sich befindet, ob sie gesund ist oder was ihr vorgeworfen wird. In der iranischen Verfassung, ist das Lehren und Sprechen der Sprache kurdisch legal, der iranische Staat kann sie also nicht auf Grundlage ihrer Arbeit mit der NGO verhaften bzw anklagen. Zehra Mohamadi ist kein Mitglied in einer politischen Partei und bewegte sich mit ihren politischen Äußerungen stets im Rahmen der iranischen Verfassung.

In Ost-Kurdistan machen Aktivisten weiterhin für die Freilassung von Zehra Mohamadi mobil und organisieren Proteste für die Freilassung.
Große Organisationen wie Amnesty-international und Human Rights Watch schweigen weiterhin zu der Verhaftung der Aktivistin und ignorieren alle Aufrufe an die Organisationen aktiv zu werden.
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