ECPM und Bündnis C - Im Interview mit Johannes De Jong

Die Europawahlen stehen an, können sie kurz erklären wer oder was die ECPM ist, wofür sie steht und welchen Bezug sie auf den Nahen Osten hat?

Wir sind die Europäische Christliche Politische Bewegung (engl.: European Christian Political Movement; also kurz ECPM), ein Dachverband von gleichgesinnten christlichen politischen Parteien aus ganz Europa. Viele unsere Parteien nehmen ebenfalls an der Europawahl teil. Hier in Deutschland steht unsere Mitgliedspartei Bündnis C zur Wahl. Wir haben die ECPM gegründet, weil wir glauben das es nötig ist eine klare christliche Alternative zu haben, zu den anderen Parteien, wie die in Deutschland vorhandene CDU/CSU oder der auf europäischer Ebene vorhandenen EPP, die ganz offensichtlich über den christlichen Werten hinaus agiert und Politik treibt. Daneben haben wir eine andere ökonomische Idee und Sichtweise als die EPP. Interessanterweise werden wir als konservativ bezeichnet oder gesehen, jedoch können unsere ökonomischen Sichtweisen und Ideen nicht in ein konservatives Spektrum kategorisiert werden.
Unsere ökonomischen Ideen gehen stark einher mit dem Prinzip der „Relational economy“. Demnach soll das Geld und somit auch die Macht, nicht an die 1% der obersten Schicht gehen, sondern das Geld soll gleich verteilt und ausgegeben werden. Wir glauben das wir als aufrichtige christliche Partei keine Vertreter für die Großkonzerne sein wollen, sondern wir wollen Vertreter von Moralen und Werten sein.



Wofür steht die ECPM im Bezug auf den Nahen Osten ?

Als 2014 der Daesh Shengal und die Ninive-Ebene angegriffen hat, gab es von uns nur eine mögliche Antwort auf diese Verbrechen: „Wir müssen hin! Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen etwas unternehmen.“ Also haben wir angefangen den Kurden, Jesiden, Suryoye und (am Anfang auch) den Turkmenen eine Stimme auf europäischer Ebene zu geben. Aber nicht mit dem Prinzip das wir für die Kurden, Jesiden und Suryoye sprechen und Vertreter sind, sondern sie sollen ihre eigene Stimme haben und sich selbst vertreten auf eine Art und Weise, die es dem Europäer erlaubt zu sehen und zu verstehen was gerade im Irak und Syrien passiert. Es ist seither unsere Rolle gewesen, gemeinsam mit den fantastischen Leuten vor Ort, die Informationen und die Lage, den westlichen Medien, Politikern und Menschen mit Einfluss zu erklären, dass sie auch verstehen was dort gerade passiert und wie unsere Politik hier dort aufsetzen kann. Besonders was das Vermitteln von Informationen angeht haben wir einen Vorteil als kleine christliche Organisation, die uns immer und immer wieder Türen und Möglichkeiten öffnet. Wir haben stets dort Eingang und Gehör, wo keine linke Organisation oder Partei, welche finden würde. Zum Beispiel würde die Trump-Administration niemals auf eine linke Organisation oder Partei in Europa hören. Aber auf eine christliche Partei werden die Organisationen in den USA hören. Christliche und Konservative Organisationen und Vereinigungen werden viel mehr auf das hören, was andere christlich-konservative Parteien zu sagen haben. Sie werden auf uns hören, weil wir aus derselben Ecke sind. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Wir haben uns immer wieder dafür eingesetzt, dass die Kurden, Jesiden und Suryoye Teil der Lösung sein müssen. Also keine Entscheidungen treffen, ohne auch sie mit einzubeziehen. Wir haben auch immer wieder zu den Menschen vor Ort gesagt, dass sie sich nicht als Menschen mit einem Problem präsentieren sollen, sondern sich als Menschen zeigen sollen, die eine Lösung haben. Eine Lösung und eine Idee für die Probleme der Gegenwart, um eine bessere Zukunft für sich selbst zu schaffen. Und das ist auch was die Europäer und die Amerikaner verstehen können. Es gibt viele Menschen auf der Welt, die ein Problem haben und Hilfe benötigen, aber es gibt zu wenige die auch eine Lösung für ihre eigenen Probleme haben und eine Idee verfolgen. Anstatt zu sagen „Wir werden vom Daesh angegriffen und brauchen Hilfe.“, sollte eine andere Herangehensweise eingenommen werden, die uns unmissverständlich sagt, dass der Daesh für uns alle, also auch uns Europäer und den Amerikanern, ein Problem darstellt das einer Lösung bedarf, die unser alle Zusammenarbeit fordert. Das ist eine ganz andere Art von Lösungsansatz, den wir immer und immer wieder vorantreiben und anstreben.
Wir haben auch immer und immer wieder die Propaganda gegen Kurden durch das syrische Regime unter Assad und das türkische Regime unter Erdogan widerlegt und erklärt was daran falsch war und warum. Wir glauben das ist sehr wichtig gewesen, weil sonst sie Sympathie nicht vorhanden gewesen wäre. Und das wäre sehr desaströs für den Kampf vor Ort gewesen.



Was hat ihre Partei bislang konkret für die Kurden, Jesiden und andere Minderheiten in Syrien oder im Nahen Osten erreicht ?

Einige Punkte habe ich schon genannt. Das haben wir immer und immer wieder wiederholt. Was wir auch versucht haben war, das Problem auf allen möglichen Plattform zu benenn um die Menschen darauf Aufmerksam zu machen. Unsere Arbeit bestand darin Menschen selbst eine Stimme zu geben. Also den Kurden, Jesiden, Suryoye etc.... Mit Politikern und Delegationen aus Irak, Rojava, KRG, Europa etc. haben wir versucht zusammen in ein Gespräch zu kommen und Entscheidungen mit direkter Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen zu fällen. So konnten die Menschen selbst erklären, was die derzeitige Lage vor Ort ist und wir konnten so die Propaganda aus der Türkei oder Syrien für die Behörden gut neutralisieren. Durch diese Methoden haben wir Einfluss ausgeübt und auch konkrete Resultate erzielt.
Wir erinnern uns an die angespannte Lage im Dezember/Januar als die USA angekündigt hat ihre Truppen aus Syrien zurück zu ziehen. Das war natürlich eine desaströse Entscheidung für alle Betroffenen und Partner in Syrien. Da wir schon seit 5 Jahren dabei sind und aktiv Politik machen, haben wir Partner und Beziehungen in den USA, die für unsere Lobbyarbeit wichtig sind. Nach der Entscheidung haben wir innerhalb von wenigen Stunden unsere Lobbyarbeit reaktiviert und versucht mit der Trump-Administration Gespräche zu führen, um eine Änderung des Truppenabzugs aus Syrien zu erreichen. Was wir von der ECPM machen ist, die Informationen so weiterzugeben und zu erklären, dass unsere Leute in den USA unsere Unterstützung und unsere Intentionen verstehen und weil wir seit 5 Jahren zusammenarbeiten, haben wir eine gegenseitige Vertrauensbasis geschaffen und nehmen an was wir sagen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass das was wir vermitteln stimmt. Das ist sehr wichtig. Dadurch konnten wir die christliche Ecke beeinflussen, wir konnten die großen Evangelischen Fraktionen überzeugen sich laut gegen den Rückzug der US-Truppen aus Syrien auszusprechen. Natürlich haben sich viele auch dagegen ausgesprochen, ohne von uns beeinflusst worden zu sein. Aber wir haben die nötige Lobby in den USA aufgezogen, um selber gegen diese Entscheidung zu arbeiten und wichtige Menschen mit Macht und Entscheidungsgewalt davon zu überzeugen, die Kurden nicht im Stich zu lassen.



Wie genau hat ihre Lobby in den USA dabei geholfen Rojava die Unterstützung zu sichern ?

Unsere Kontakte im Evangelischen Spektrum in den USA war wichtig. Wir hatten zum Beispiel guten Kontakt mit dem Journalisten Chris Mitchell von CBN News. CBN ist ein bekannter christlicher Sender in den USA. Er hatte die Efrin-Invasion irgendwie kurz mitbekommen und Bilder und Videos im Netz gesehen und hatte dann beschlossen selber nach Nordsyrien zu gehen. Wir haben alles gut organisiert , sodass er nach Rojava kommen und darüber direkt berichten kann als US-Journalist. Er hat all die Schrecken und Verbrechen gesehen und mitbekommen und ist dann zurückgegangen in die USA und war selber fassungslos und überzeugt davon gewesen, dass das nicht passieren muss. Sein Vorgesetzter bei CBN wurde ebenfalls von den Berichten und dem Bildmaterial von Mitchell und geprägt. CBN hatte sich also klar positioniert und auf Sendung (TV) gesagt, dass es eine christliche Sünde ist sich aus Rojava zurückzuziehen, nachdem sie gesehen haben was dort passiert und wer alles dort in Stich gelassen wird. Also sehen wir, dass es eine sehr starke christliche Lobby gewesen, die wir geschaffen haben. Diese starke Lobby hat dann den Einfluss gehabt, den Beschluss zumindest teilweise zurückzuziehen. Wenn Daesh besiegt ist und es nicht notwendig ist mit einigen 1000 Truppen dort zu bleiben, dann bleiben nur einige hunderte. Als Abschreckung für die Türkei und die restlichen Daesh. Die SDF hat auch gesagt das einige hundert Truppen als Abschreckung für die Türkei eine relevante Idee ist. Vor allem was Trump angeht ist unsere Arbeit wichtig. Präsident Trump und die gesamte Trump-Administration würden niemals auf Linke Politiker hören. Trump würde sich keineswegs die Mühe machen sich die Punkte eines linksliberalen Politikers anzuhören. Aber dadurch das wir christlich-konservativ einzustufen sind, wird die Regierung auch auch Trump selbst, sehr überzeugbar sein und sich unsere Forderungen bzw. unsere Unterstützungsgesuche anhören und williger sein diese auch durchzusetzen.
Wir sind schon seit ganz am Anfang, seit Kobane, dabei Lobby zu betreiben für die Kurden in Rojava. Wir haben immer versucht durch direkte Informationen, die USA dazu zu bringen bestimmte Orte zu bombardieren um den Menschen vor Ort zu helfen vor Daesh zu fliehen oder dabei zu helfen das die YPG gegen den Daesh kämpfen kann. Vieles davon haben wir nicht öffentlich bekannt gegeben. Unsere Priorität lag darin, den Leuten vor Ort zu helfen.

Immer wenn Shingal durch die Türkei attackiert wurde oder wenn die Hash-al-Shabi die YBS bedroht hat, haben wir diese Informationen an das Außenministerium der Vereinigten Staaten weitergeleitet. Dies hatte auch einen klaren Einfluss auf die Situation vor Ort, denn wir haben gemeinsam mit zahlreichen anderen ehrenamtlichen aus erster Hand über die Lage berichtet. Ich betone dabei, dass wir nur ein Teil davon waren. Wir nennen uns keinesfalls die großen Helden, sondern versuchen lediglich so viel zu helfen wie nur möglich. Auch bei der Schlacht um Kobane haben wir versucht zu helfen. Während viele Menschen vor dem europäischen Parlamentsgebäude demonstriert haben, haben wir innerhalb des europäischen Parlament gearbeitet. Wir haben vielen Politiker versucht zu erklären, was gerade in Kobane und Rojava passiert. Viele Politiker wussten nicht genau, wie die Situation im Detail aussieht. Auch in den USA hat unsere Lobby immer wieder klar gesagt, dass die Kurden zum eigenen Schutz Waffen brauchen um sich vor dem IS zu verteidigen. Dies haben wir mit der Unterstützung dortiger Christen und dem Fakt, dass wir eine christlich konservative Bewegung sind, aufgestellt. Und obwohl die Türkei immer wieder Druck ausgeübt hat, haben wir sowohl in Amerika wie auch in Europa klar und deutlich vermittelt, dass wenn man den IS besiegen will, man die dortigen Kurden bewaffnen und unterstützen muss. Ich erinnere mich noch ganz gut, als Trump noch nicht lange Präsident war und Erdogan massiv gedroht hatte, Rojava anzugreifen. Unser christliches Netz in Amerika war sofort alarmiert und ein großer evangelischer Pastor ist dann in Folge tatsächlich zu Trump gegangen und hat ihm erklärt, warum wir das nicht akzeptieren können. Er muss etwas dagegen machen oder Trump würde seine Unterstützung verlieren. In der folgenden Nacht haben sich dann amerikanische Soldaten zwischen der türkischen Grenze und den kurdischen Gebieten positioniert. Das war ein klares Signal der Amerikaner gegenüber der Türkei. Im Prinzip reicht unser Arm oftmals sogar bei Notwendigkeit bis hin zum Weißen Haus. Wir versuchen auf die Politik in Europa und in der USA Einfluss auszuüben, um die Freiheit der Völker zu gewährleisten. Deshalb finde ich es auch so wunderbar, dass Araber, Kurden, Suryoye, Turkmenen, Armenier, Christen, Eziden, Moslems und auch Aramäer usw. gemeinsamer Teil der SDF sind. Sie arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig, um Freiheit für alle zu ermöglichen.



Welche Rolle spielen ihrer Meinung nach die Kurden für den Nahen Osten?

Die Kurden sind eine Schlüsselrolle im Nahen Osten und das ist nicht nur meine Wahrnehmung. Viele sind da derselben Meinung und das auch zurecht. Jedoch sind die Kurden nicht die einzigen, die eine bedeutende Rolle für den Nahen Osten haben. Die Kurden verstehen auch immer mehr, dass der altertümliche kurdische Nationalismus kein Weg nach vorne ist. Die Kurden können die Freiheit für sich selbst, aber auch für alle anderen Minderheiten in der Region möglich machen. Wie man bereits in Nordsyrien sehen kann, ist genau das die Schlüsselrolle. Ein kleines Beispiel: Als die Operation zur Befreiung von Deir ez-Zor begonnen hat, hatten die Kurden noch um Rakka gekämpft. Wir waren zeitgleich im Süden Rojavas und sind in Richtung Irak gefahren. Auf dem Weg konnten wir genau sehen, wie großes und schweres Material, also Fahrzeuge und Waffen, in Richtung Syrien transportiert wurde. Deir ez-Zor konnte einige Zeit später vom Daesh befreit werden. Sicherlich gibt es dort auch heute noch einige Probleme, da die Ideologie von Daesh nach wie vor von einigen vertreten wird. Doch die Kurden haben gezeigt, zu was sie in der Lage sind. Die Kurden haben in Deir ez-Zor ein Frauenhaus aufgebaut und dort können Frauen hingehen und lernen, was Freiheit und Feminismus bedeutet. Hauptsächlich wird dieses Frauenhaus von arabischen Frauen besucht. Genau so schaffen es die Kurden, Freiheit für sich und allen anderen Menschen dort zu ermöglichen. Ohne eine Mentalitätsänderung im Sinne von Freiheit von Frauen, Minderheiten usw., wird sich im Nahen Osten nichts ändern können.



Was ist Ihre persönliche Meinung zur PKK und wie sieht ihre Partei die ganze Situation?

Bündnis C hat sehr klar erklärt, dass die PKK von der Terrorliste weg muss. Auch die höchsten europäischen Gerichte haben zugegeben, dass die PKK nicht auf der Terrorliste stehen sollte. Die PKK ist aber nach wie vor wegen dem politischen Druck dort eingetragen. Fakt ist jedoch, dass sie dort nicht hingehört. Ich glaube, man weiß eigentlich genau, wieso die PKK auf der Terrorliste ist. Sie ist nicht auf der Terrorliste, wie auch das belgische Revisionsgericht klar erklärt hat, weil von ihr eine Terrorgefahr für Europa ausgeht, sondern nur wegen dem politischen Druck der Türkei. Die Risikofaktoren müssten nun für alle europäischen Mitgliedsstaaten klar sein. Deshalb bin ich auch einverstanden mit der Position von Bündnis C. Denn sie positioniert sich ganz klar gegen die Auflistung der PKK auf der Terrorliste. Die kriminalisierung steht der Konfliktlösung in der Türkei im Weg und ist zudem auch ein Hindernis für die Lage in Shingal und Nordost-Syrien. Die YPG besteht aus so vielen verschiedenen Gruppen, wodurch das PKK-Argument für Nordost-Syrien wirklich Unsinn ist, denn alle wissen, dass die PKK nicht mehr dort ist. Das ist lediglich Propaganda aus der Türkei.



Welche konkreten Vorstellungen haben Sie und Ihre Partei für den Wiederaufbau in Syrien und was soll man mit den gefangenen IS-Kämpfern machen?

Erstens: Es ist wichtig, dass Europa und die USA klarstellen, dass alle Gebiete die unter der Kontrolle der SDF sind, nicht vom Syrien-Embargo betroffen sind. Das ist sehr wichtig, denn die SDF-Gebiete werden nicht von Assad kontrolliert und schließlich ist Assad Grund für das Syrien-Embargo. Das Embargo wird nämlich immer noch von hohen altertümlich-denkenden Politikern ausgenutzt, um ein Wiederaufbau von Nordost-Syrien zu blockieren. Es ist natürlich Unsinn zu behaupten, dass man mit dem unterstützen der SDF gleichzeitig auch Assad unterstützt.

Zu den gefangenen IS-Kämpfern: Mir war schon länger klar, dass dies Probleme mit sich bringen wird. Denn was sollte man mit den ganzen gefangenen IS-Kämpfern machen? Wir haben vorgeschlagen, dass es ein internationales Tribunal geben sollte, dass sich genau diesen IS-Kämpfern widmet. Bei einem internationalen Tribunal wären die europäischen Staaten auf vielen Wegen involviert, unter anderem auch amtlich, wodurch eine weitere Hilfe der SDF ermöglicht wird. So macht es wenig Sinn, ein internationales Tribunal zu haben, aber dennoch bleibt das alles unter Embargo. Das ist so nicht mehr nachvollziehbar. Das Embargo stellt ein Problem für den Wiederaufbau, aber auch für die Nothilfe dar. Eine Vertreterin von “Ärzte ohne Grenzen” hatte mir von der Lage in Tabqa erzählt. Die Situation war dort sehr schlimm. Zumal die Operation zur Befreiung von Rakka noch stattfand. Sie sagte mir, dass außer “Ärzte ohne Grenzen” keine weiteren Hilfsorganisationen dort waren. Solche Umstände müssen wir verändern. Sicherlich braucht alles seine Zeit, aber ich denke, dass dies auf jeden Fall möglich ist. Man muss sich diese Sachen immer vor Augen halten. Wir dürfen nicht vergessen, wie das alles angefangen hat; die Schlacht um Kobane und die Sehids dort. Wir sind von einer sehr dunklen Ecke sehr weit gekommen und das nur dank den Sehids. Ich wiederhole gerne noch: Alles was wir nur machen, ist zu unterstützen, was ihr in Nordost-Syrien macht.



Was können wir Kurden aus Deutschland und Europa tun, um ihre Partei zu unterstützen?

Bündnis C wählen. Die Kurden müssen sich für diese Europawahl folgende Frage stellen: “Was ist das effektivste, dass wir Kurden bei der Europawahl machen können, um wirklich etwas für unsere Hevals in Syrien, Irak, Iran oder der Türkei zu bewegen?”



Bekanntermaßen sind die meisten Kurden eher links orientiert und viele wählen Die Linke, wohingegen Bündnis C mittig einzustufen ist. Das schneidet sich im Prinzip. Was sagen Sie dazu?

Ich respektiere die Arbeit der Linksfraktion. Zum Beispiel, als sie vor dem deutschen Bundestag protestiert haben, weil die YPG-Fahne illegal ist. Die Frage ist aber, was haben sie konkret erreichen können? Welche konkreten Resultate kann Die Linke verzeichnen? Linke Parteien haben ein Problem, wenn es um internationale Politik geht. Zum Beispiel würden amerikanische Politiker die mitte-rechts orientiert sind, niemals auf einen linken Politiker bzw. einer linken Partei hören. Auch evangelische Leiter würden nicht auf linke Politiker hören. Die Frage ist nun, welche konkreten Resultate man mit seiner Politik erreichen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es mehr Sinn macht, bei einer Nationalwahl oder bei Landtagswahlen Die Linke zu wählen, weil dann auch eine 5% Hürde gilt. Aber bei dieser europäischen Wahl, wo Bündnis C mit 0.6% einen Sitz im europäischen Parlament bekommen würde, könnten die Kurden eine Ausnahme machen. Man muss sich folgende Frage stellen: “Was ist jetzt am effektivsten?”.

Eine Wahl für Bündnis C hat drei konkrete folgen: 1. - Weitere Unterstützung von der ECPM, um die Projekte, die wir machen, fortsetzen zu können. Für unsere Projekte bekommen wir regelmäßig positives Feedback.
2. - Bündnis C hat sich in den Themen PKK, Efrin usw. klar zugunsten der Kurden positioniert und das nicht nur für diese Wahl. Bereits 2016 hat zum Beispiel Arne Gericke (Mitglied des Europäischen Parlaments seit 2014) klar gesagt, dass die PKK aus der Terrorliste gestrichen werden muss. Bündnis C hat sich auch für Efrin eingesetzt und klare Stellung eingenommen.
3. - Im Gegensatz zur Linksfraktion wird Bündnis C ernst genommen, unter anderem auch von anderen mitte-rechts Parteien.



Möchten Sie noch etwas sagen? (Schlusswort)

Die Kurden sollten schauen, was das effektivste ist was sie tun können. Es führt zu nichts, wenn sie sich immer wiederholt emotional ausdrücken wollen und deshalb jedes Mal dieselben Politiker wählen. Ich verstehe das Gefühl, wenn man sich dann gehört und verstanden fühlt. Aber die Frage ist: “Was ist damit gelöst?” Wichtig für die Kurden in der Diaspora sollte sein, wie man die Lage tatsächlich lösen kann. Es bringt nichts, nur Anerkennung anzustreben. Die Lösungen sollten angestrebt werden und es sollte genau das gemacht werden, welches die Lösungen realisieren lässt. Arne Gericke (Mitglied des Europäischen Parlaments seit 2014) ist zu den Hungerstreikenden nach Straßburg gegangen und hat klar gesagt, dass er dafür ist, dass Abdullah Öcalan freikommen sollte. Denn die Unterdrückung und der Terror geht von Erdogan aus. Das konnte man auch in den Nachrichten lesen. Die Kurden wollen genau das gerne hören. Sie möchten eine emotionale Anerkennung. Es ist aber auch wichtig, voraus zu blicken und die Strategien so auszulegen, dass mit der Kommunikation ein Problem gelöst werden kann. Die Kurdische Bewegung und die Christen sollten in Deutschland und in Europa zusammenarbeiten. Wir haben die selben Ideen für den Nahen Osten. Wir sind alle gegen Unterdrückung und sind für die Menschenwürde. Wir haben eine große Gesamtidee von dem, was wie und wann geändert werden muss. Das schließt keinesfalls eine Zusammenarbeit mit anderen, zum Beispiel mit den Linken, aus. Im Großen und Ganzen sollte man darüber nachdenken, wie wie man gemeinsam mit den westlichen Christen, Deutschland und Europa eine Brücke bauen kann. Es gibt nämlich viel, was uns verbindet. Das ist jedenfalls meine Erfahrung der letzten fünf Jahre. So empfindet das auch sicherlich die kurdische Seite. So erreichen die Kurden, Suryoye, Eziden usw., auch mehrere Leute und können eine größere Unterstützung bekommen. Ich glaube, so kann man vieles ins positive ändern.

Johannes De Jong (ECPM) im Interview: Bündnis C sagt PK* muss raus aus der Terrorliste

Am vergangenen Freitag hat Rojava News die Möglichkeit gehabt mit dem einflussreichen Direktor der European Christian Political Movement (ECPM) nahen Sallux-Stiftung ein Interview zu führen. Dabei ging es überwiegend um die anstehenden Europawahl und den Syrien-Krieg.

Johannes De Jong ist bereits seit Jahren für die ECPM und andere Organisationen im Krisengebiet gewesen und kann die Situation in Syrien daher sehr gut einschätzen. Durch seine Kontakte zum weißen Haus und andere hochrangige Politikern, ist es ihm über die Jahre hinweg gelungen immer wieder massiv Einfluss auf die US-Politik in Bezug auf Syrien und Rojava zu nehmen. Für ihn steht eines fest: Ohne den Kurden und den anderen Minderheiten in Rojava, kann es keinen Frieden in Syrien geben.

Im vergangenen Jahr hat De Jong mehrmals die Stadt Qamislo besucht, um den Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) die Strukturen und Organisationen innerhalb der EU zu erklären. Dabei trafen sich mehrmals ECPM-Politiker mit kurdischen Politikern und der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien.

Bündnis C fordert die Streichung der PK* aus der Terrorliste.

Im Europawahlkampf unterstützt seine Stiftung die Kleinpartei Bündnis C. Bündnis C ist eine Mitgliedspartei im Dachverband der ECPM. Diese ist für die ECPM in Deutschland wählbar.
Auch die PK* ist für BündnisC ein wichtiges Thema. Das die PK* weiterhin auf der Terrorliste der USA und der EU steht, ist für BündnisC ein Skandal. „BündnisC wird nicht aufhören die Streichung der PK* aus der Terrorliste im EU-Parlament zu fordern.“, erklärt er im Interview.

De Jong: „Wir brauchen lediglich 0,6% um einen wichtigen Platz im EU-Parlament zu bekommen. Ohne einen Sitz dort, können wir aus finanziellen Gründen unsere Arbeit in Rojava leider nicht weiterführen.“

Im weiteren Gespräch äußert sich De Jong auch zum Umgang mit festgenommenen IS-Kämpfern, der YPG, dem geplanten US-Rückzug und viele weiteren spannenden Fragen. Das komplette Interview bald auf www.rojavanews.net

IS-Angehörige auf den Weg in ihre Heimatländer

Nach Angaben der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (Auch Rojava genannt), haben die Demokratischen Kräfte Syriens (Eng.: Syrian Democratic Forces = kurz SDF) bereits mehr als 100 IS-Frauen und Kinder an die Regierungen ihrer Heimatländer übergeben.

Die autonome Verwaltung gab am Mittwoch den 08.05.2019 bekannt das die Staaten Kasachstan und Schweden sich dazu bereit erklärt haben, Mitglieder des IS mit ihrer staatsangehörigkeit zurückzunehmen. Nach den Angaben der SDF zufolge hat Kasachstan 70 Kinder und 32 Frauen in Gewahrsam genommen. Schweden hat sieben Kinder in Gewahrsam genommen. Die Eltern der Kinder sind bereits im Kampf gestorben.

Auch Irland habe sich dazu bereit erklärt ihre Staatsbürger zurückzunehmen. In Irland existieren momentan keine Gesetzesgrundlagen die es ermöglichen würden, IS-Rückkehrer einzusperren. So wird Lisa Smith eine IS-Kämpferin aus Irland ohne Probleme nach Irland einreisen können und hat in Irland keine Gefängnisstrafe zu befürchten.
In Norwegen berät sich die Regierung momentan allen norwegischen IS-Mitgliedern (IS Frauen und Kinder) die norwegische Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Die SDF hat momentan mehr als 1.200 IS-Kämpfer aus über 50 verschieden Staaten in Gewahrsam. Hinzu kommen mehr als 8.000 IS-Angehörige und eine unbekannte Anzahl lokaler IS Kämpfer, deren Zugehörigkeit ungeklärt ist.

Abdulkarim Omar der Ko-Vorsitzende für Auslandsbeziehungen der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien erklärt „Unsere Region ist instabil. Größere Aufstände und Konflikte könnten diesen gefährlichen Menschen eine Gelegenheit liefern, aus dem Gefängnis auszubrechen und vom neuen eine Gefahr für die Welt zu sein.“
Die Autonome Administration in Rojava und die USA drängen die europäischen Staaten dazu, die IS-Kämpfer und angehörige mit der jeweiligen Staatsangehörigkeit zurückzunehmen.

Europäische Staaten wie Frankreich haben einen großen Anteil an IS-Kämpfern in Syrien. Nach Angaben der Autonomen Administration haben französische Repräsentanten bisher auf die Anfragen nicht reagiert. Aus französischen Regierungskreisen heißt es, Frankreich sei am diskutieren mehr Waisenkinder mir zurückzunehmen. Frankreichs Verteidigungsminister Florence Parly sagte „Frankreich bemühe sich die Waisenkinder zurückzunehmen. Wir müssen aber erstmal feststellen, ob sie wirklich Waisen sind.“
Das französische Auslandsministerium gibt bekannt das französische Repräsentanten nach Rojava geschickt wurden um weitere Rückführungsmaßnahmen zu besprechen.

Russland wirft Kurden Spaltung Syriens vor

Das russische Außenministerium hat auf ein Treffen der arabischen Stämme am Freitag in Ain Issa, das der Demokratische Rat Syriens (SDC = Syrian Democratic Council) organisiert hatte, stark reagiert und beschuldigt, den Friedensprozess in Syrien zu gefährden.

Laut einer Erklärung des russischen Ministeriums war das Treffen ein Schritt der Vereinigten Staaten und ihrer kurdischen Alliierten, um sicherzustellen, dass Washington "seine langfristige Präsenz in Syrien aufrechterhält", berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass. Die Erklärung beschuldigte die USA, die Kurden "dazu benutzt zu haben, einen Quasi-Staat am östlichen Ufer des Euphrat zu errichten." Das Ministerium behauptete, das Treffen sei ein offensichtlicher Versuch, das Land zu spalten, und fügte hinzu, es “verstoße offensichtlich die erklärten UN-Prinzipien zum Erhalts von territorialer Integrität und staatlicher Souveränität."

Über 5.000 Anführer und Würdenträger aus 67 Stämmen im Nordosten waren zu dem Treffen eingeladen, was sowohl Damaskus als auch Moskau verärgerte. Russlands bestrebungen liegen darin, die Stämme dazu zu bringen die syrische Regierung unterstützen. Seit langer Zeit versuchen Russland und das syrische Regime die Stammesführer mit individuellen Versprechungen dazu zu bringen, die kurdischen Kräfte zu verlassen und Assad zu unterstützen.
Einige Experten und Analysten vermuten, dass das von der SDC organisierte Stammesforum eine Reaktion auf das syrischen Regime ist, Instabilität im Nordosten des Landes zu schaffen. Nicholas A. Heras ist der Ansicht, dass Russland versucht, eine Strategie umzusetzen, "um die SDF und damit die Vereinigten Staaten zu untergraben", indem sie arabische Stämme ermutigen, sich dem syrischen Präsidenten Bashar zur Seite zu stellen.
"Die Russen hoffen, dass die arabisch-kurdischen Spannungen genutzt werden können, um den Zusammenhalt der SDF zu zerstören.", sagte Heras gegenüber der Presse. Er sagte jedoch, dass die Amerikaner und die SDF "das Spiel Russlands verstehen", und fügten hinzu, "dass sie darauf konzentriert sind, die Struktur der ethnischen Beziehungen innerhalb der SDF für die Bemühungen von Moskau und Damaskus unempfindlich zu machen."

In einer Erklärung vom Sonntag betonte der Demokratische Rat Syriens, Damaskus habe kein Recht das Stammestreffen zu kritisieren, während es der Türkei weiterhin erlaube Efrin, Azaz, Jarabulus, al-Bab und Idlib zu besetzen.
"[Das syrische Regime und Russland] haben kein Recht, über die Einheit des syrischen Bodens und die Souveränität des syrischen Staates zu sprechen.", heißt es in der SDC-Erklärung.
"Wir können nicht der Spaltung oder des Separatismus bezichtigt werden, weil Nord- und Ostsyriens unter dem Dach der lokalen Verwaltung und des Demokratische Rat Syriens die einzigen Mächte waren, die Nord- und Ostsyrien verteidigt haben."

Erste armenische Militärfraktion in Syrien

Zum 24.04. soll die erste armenische Militärfraktion in der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien (NES), oder auch Rojava genannt, gegründet werden. Damit soll die gegründete Fraktion an den Jahrestag des armenischen Genozids erinnern.

Seit dem Anfang des Bürgerkriegs in Syrien, kämpfen ebenfalls viele armenische Syrer im im Kampf gegen die Terroristen wie der IS oder der FSA. Als Teil vieler anderer Brigarden, sind sie Teil der SDF und kämpften an vielen Fronten an Seite von Kurden, Araber, Turkmenen und Assyrer für demokratische Werte. Nun soll eine rein armenische Brigarde bzw Fraktion gegründet werden.
Die Fraktion wird nach Nubar Ozanyan benannt, einem Ranghohen TIKKO Kommandeur, der sein Leben im Kampf gegen die IS verloren hat.

Seit einiger Zeit laufen nun die Vorbereitungen für die armenische Militärfraktion. Als Datum der Gründung wurde der 24.04. ausgewählt. Das ist der 104. Jahrestag des armenischen Genozids, begangen durch die Türken bzw das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs. Seit jeher erkennt die Türkei den Völkermord nicht an, akzeptiert die Grundlage nicht oder verneint diesen komplett.
Der Wände des Stützpunktes der armenischen Militärfraktion ist mit vielen Vergissmeinnicht Blumen geschmückt. Die Vergissmeinnicht Blume ist das Symbol des armenischen Genozids.

Die gegründete Militärfraktion wird auch weiterhin Teil der Syrian-Democratic-Forces (SDF) sein und Teil des Kampfes gegen die Terror des IS und der Türkei, welcher Besatzer von mehreren kurdischen Städten in Syrien ist.

YPG: Syrisches Regime kann Kurden nicht angreifen

Ein Pressesprecher der YPG erklärt, warum Damaskus keinen Angriff auf die Autonome Administration Nord- und Ostsyrien (NES) tätigen kann und wie das Verhältnis zu Russland ist.

"Wir glauben nicht, dass das Regime die Reife hat uns zu bekämpfen, aber sie bestehen darauf, solche Drohungen ständig weiterzuführen", sagte Nuri Mahmoud, Sprecher der Volksschutzgruppen (YPG). Die YPG/YPJ, die militärische Kraft der Kurden in Nord- und Ostsyrien, sind die führende Kraft der von den USA unterstützten SDF, einem militärischen Bündnis von lokalen Milizen die gegen die IS gekämpft hat und immer noch kämpft. Mahmoud fügte hinzu, dass sie keinen Konflikt mit einer anderen Fraktion in Syrien suchen. "Wir suchen ein Land, in dem sich alle Seiten, Gruppen und Fraktionen treffen können und eine Lösung für Syrien finden", sagte er.

Mahmoud kritisierte auch die Rolle von Russland in Syrien. Russland habe keinen Einfluss mehr. „Die russische Politik hat sich als sehr oberflächlich erwiesen. In Bezug auf Syrien wurden immer wieder kurzfristige Ziele festgelegt. Diese Ziele wurden mit der Türkei vereinbart. Damit ist die Syrienkrise in ein Geschäft umgewandelt worden.“, sagte er.
„Wir sehen Russland nicht als Bedrohung an, da sie keinen Einfluss haben. Sie besitzen nur kleine Stellungen in Syrien und Bedrohungen ihrerseits gab es kaum.“

Er wies auch darauf hin, wie er Russland als "stille Akzeptanz" der von der Türkei unterstützten oppositionellen Kräfte bezeichnete, die Teile Nordsyriens eroberten. „Das russische Militär ist in Syrien präsent, hat aber keinen Einfluss auf Damaskus. Die Kontrolle von Damaskus ist allerdings nicht so bedeutend: In Idlib gibt es Al-Qaida und im Nordwesten auch die türkische Besatzung.“, fügte er hinzu.
"Obwohl Russland ein Garantenstaat ist und behauptet, offiziell vom syrischen Regime eingeladen worden zu sein, hat das Regime gegenüber der Besetzung in Idlib, Afrin, al-Bab, Jarabulus und Azaz geschwiegen."

Die kurdische Autonome Administration hat ihre Bemühungen um ein Abkommens mit Damaskus Anfang des Jahres wieder aufgenommen, nachdem die US-Regierung beschlossen hatte, ihre Truppen aus ihren Gebieten abzuziehen. Die Landschaft hat sich seitdem jedoch dramatisch verändert. Washington entschied, einige Truppen in Syrien zu behalten, und die syrische Regierung richtete neue Drohungen gegen die SDF, wenn sie sich nicht ihrer Herrschaft unterwerfen.

Im Gegensatz zu den aufständischen Gruppen, die gegen Präsident Bashar al-Assad in weiten Teilen Syriens gekämpft haben, stehen die wichtigsten kurdischen Gruppen Damaskus nicht feindlich gegenüber und bekräftigen, dass ihr Ziel darin besteht, die Autonomie innerhalb des syrischen Staates zu wahren.
Damaskus hat die Autonomie der Selbstverwaltung abgelehnt. Der syrische Verteidigungsminister erklärte letzten Monat, der Staat würde die von den Kurden gehaltenen Regionen mit Gewalt zurücknehmen, wenn sich die SDF nicht der staatlichen Autorität unterwerfen würden.

USA drängt Rojava dazu türkische Truppen zu stationieren

Laut einer „gut informierten“ Quelle des Nachrichtenportals Al Monitor, übt die USA enormen Druck auf die NES (Autonomous Administration North and East Syria = Autonome Administration Nord und Ostsyrien aus, um sie dazu zu drängen, die Stationierung von türkischen Truppen in Rojava zu erlauben.

Die türkischen Truppen würden eine kleine Sicherheitszone entlang der türkisch-syrischen Grenze errichten, die von Kobane nach Shingal reicht. Es ist unklar, ob es sich dabei nur um türkische Truppen handelt oder um Truppen der Koalition. Ein namentlich nicht genannter Repräsentant der SDF sagte Al Monitor „Dieser Vorschlag wurde uns bereits vorgeschlagen und wir betrachten die Stationierung türkischer Truppen auf syrisch-kurdischem Boden als extrem problematisch. Wir haben der Koalition unsere Position deutlich gemacht“.

Der von Donald Trump neue US-Syrien Beauftragter Jim Jeffrey, wird in den kommenden Tagen erneut nach Rojava fliegen und die Forderungen erneuern. Jim Jeffrey hat bei einer alljährlichen Konferenz der türkischen Lobby in den USA gesagt, die USA würde weiterhin versuchen mit der Türkei eine gemeinsame Lösung zu finden. Jeffrey zufolge, haben die USA und die Türkei noch keinen Plan entwickelt der beide Seiten zufrieden stellt. Sie würden aber weiterhin daran arbeiten. Diese und weitere Aussagen Jeffreys auf der Konferenz, wie dem bezeichnen der YPG als „Lokale“, wurden im türkischen Fernsehen bereits als Sieg gefeiert.

Offiziell bestätigt die SDF nur, dass es einen Plan gäbe die arabischen Elemente der SDF in arabisch bewohnte Gebiete zu stationieren und die kurdischen Elemente in kurdische bewohnte Gebiete. Dieser Plan ist von bilateraler Natur, sowohl die Verwaltung Rojavas als auch die USA stehen hinter diesem Plan.

Die Redaktion von Rojavanews.net möchte betonen das es sich hierbei um Informationen handelt die von einer einzigen anonymen Quelle kommen. Die Quelle auf die sich Al monitor bezieht könnte demnach Falschinformationen verbreiten.
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