Verbrechen der Besatzer in Efrîn (10.3.-14.3.)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens sowie im umliegenden Kurmêncgebirge wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 10. Und 14. März mehrere Menschenrechtsverstöße durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Am 10. März wurde der 28-Jährige Ehmed Mistêfa aus Çekela nahe Şîyê entführt, als er gerade in seiner Schreinerei arbeitete. Sein Verbleib ist unklar. Zwei weitere kurdische Zivilisten aus dem Distrikt Şîyê, die von der Süleyman Shah-Brigade entführt wurden sind Ehmed Silêman Bilal und Rabêya Sêcam.

Die nationalistische, turkmenische Süleyman Shah-Brigade hat außerdem eine gewaltige Summe von Schutzgeld auf die kurdischen Familien im Dorf Xelîlê verhängt, die noch im Dorf geblieben sind, umgerechnet fast 1.000 Euro auf vier kurdische Familien. Andernfalls müssten sie mit weiteren Entführungen oder der Vertreibung mit Gewalt rechnen.

Ein Tag später wurde der Zivilist Mîhemed Hamo Xelîl ermordet vor seiner Apotheke im Stadtviertel Eşrefiyê in Efrîn aufgefunden. Nach kurzer Zeit kam heraus, dass er von Milizionären der türkischen Auxiliarmiliz Jabhat ash-Shamiyah ermordet worden war.

Im Stadtzentrum von Efrîn wurden erneut Olivenbäume durch die Milizen der Besatzung gefällt. Die Bäume befanden sich auf dem Land der kurdischen Babelit-Familie. Seit dem Beginn der Besatzung wurden in Efrîn mehrere tausend Olivenbäume gefällt und das Land läuft Gefahr, zu erodieren und zur Ödnis zu verkommen.

Türkische Auxiliarkämpfer stahlen zudem ein wichtiges medizinisches Gerät aus dem Farzenda-Militärkrankenhaus in Xalnerê, das zur Sterilisierung von Operationswerkzeug verwendet wurde und etwa 5 Millionen syrische Pfund wert ist.  Das Gerät wurde in die Türkei gebracht und dort weiterverkauft.

In der Umgebung von Şera nördlich von Efrîn hat sich unterdessen eine Gruppe radikalislamischer Prediger aus anderen Teilen Syriens niedergelassen und versucht, die Bevölkerung der Dörfer zu radikalisieren. Die Gruppe hat sich in der Moschee des Dorfes Iskê einquartiert hält Predigten und fordert die Bevölkerung dazu auf, für ihre Arbeit Geld zu spenden.

Seit einiger Zeit ist die Gruppe in den Gebieten unter Kontrolle der islamistischen Miliz Faylaq ash-Sham unterwegs und war zuvor bereits in den Dörfern Şadirî und Xezewiyê aufgetaucht. Bei der türkischen Besatzung und ihren radikalen Auxiliarkräften hat es zu Unzufriedenheit geführt, dass die Efrînîs traditionell eine Gesellschaft von Toleranz und religiösem Pluralismus ist und versucht dies nun mit der Ansiedlung von Familien mit extremistischem Hintergrund und radikalen Predigern zu verändern.

Unter den islamistischen und turkmenischen Siedlern in Efrîn wurde nun auch ein eigener Zweig der Partei des türkischen Regimes, der AKP, gegründet worden, welcher kürzlich sein Gründungstreffen gehalten hat. An diesem nahmen 25 Mitglieder teil, laut Berichten wurde die Struktur der Partei besprochen und ein Antrag auf Zustimmung des neuen Zweiges an die Parteiführung gesandt.

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen teils auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen, die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt und an ihrer statt islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, die den Kampf gegen Assad verloren haben, samt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.
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