ENKS in der Krise

Im syrisch-kurdischen Parteienbündnis ENKS (Kurdischer Nationalrat in Syrien) machen sich derzeit Auflösungstendenzen breit. Die prominentesten Parteien in dem Bündnis sind die PYK-S (Kurdische Einheitspartei in Syrien), auch bekannt als Yekitî-Partei und PDK-S, die Schwesterpartei der KDP in Başûr. Die PYK-S, die die zentrale Partei in der Struktur des ENKS ist, hat sich aufgrund innerer Streitigkeiten in zwei Parteien gespalten.

Drei der Parteiführer, namentlich Hêsen Salih, Ebdilbeqi Yusîf und Ebdilsamad Bîro haben ihren Parteiaustritt verkündet und die namentlich fast identische Einheitspartei Kurdistans (PYK) gegründet. Ihren Austritt begründeten sie mit innerparteilichen Entlassungen von Personen in Deutschland und der Autonomen Region Kurdistan durch die Parteispitze, die sich gegen das innerparteiliche Prinzip von Demokratie bei der Vergabe von Positionen richten würde. Salih veröffentlichte des weiteren ein Video seiner Rede, in der er die Positionierung des ENKS zur Besatzung von Efrîn durch das türkische Regime und seiner verbündeten Milizen kritisierte. Dabei betonte er, dass die Parteimedien des PYK-S, trotz der Entscheidung des Parteikongresses, die Türkei als Besatzer Kurdistans - insbesondere in Efrîn - zu bezeichnen, nicht umsetzen würden, was zu enormen innerparteilichen Streit geführt hätte. In dem Videostatement rief Salih die kurdischen Parteien in Syrien außerdem dazu auf sich, trotz der Vielzahl von Parteien und ihrer unterschiedlicher Positionen, zu vereinen, um die Rechte der Kurden besser vertreten zu können.

Der größtenteils abgetrennt von der Parteibasis handelnde, in der Türkei sitzende Führungskader der Partei unter Ibrahîm Bîro, Fuad Elîko und Ebdilbasset Hemo, der eng mit den türkischen Besatzern kollaboriert, wies die Anschuldigungen zurück. Bîro sagte in einem Interview, dass es keine internen Dispute in der PYK-S gäbe, die Gründer der neuen Partei aus der Partei ausgeschlossen worden waren und die neue Partei nicht in den ENKS mit aufgenommen werden würde. Desweiteren beschuldigte Bîro die PKK, hinter diesem internen Streit zu stecken, da sie die Partei unterwandern würde und versuche, sich Sitze im Parteirat zu sichern.

Seit längerer Zeit gibt es Kritik an der ENKS. Experten sehen in ihr ein instrumentalisiertes mediales Werkzeug, für den von der Türkei unterstützten Führungskader zur Legitimierung der türkischen Besatzung in Efrîn.

Der ENKS, der sich als Gegengewicht zum von der PYD dominierten, aus insgesamt 27 Parteien bestehenden kurdischen Block im Regierungsbündnis TEV-DEM sieht, hat zuletzt aufgrund seiner Kollaboration mit der türkischen Besatzung in Efrîn sowie der Befürwortung der Invasion der Gebiete östlich des Euphrats, enorm an Mitgliedern verloren und Unterstützung aus der Bevölkerung eingebüßt. So verließen 2016 vier Parteien den ENKS und schlossen sich zur Kurdischen Nationalallianz (HNKS) zusammen, die im Jahr darauf bei den Wahlen in der Demokratischen Föderation Nordsyrien (Rojava) antrat. Eine weitere Austrittswelle kam mit dem Schweigen zu den zahllosen Verbrechen der türkischen Auxiliarmilizen, in deren Kontext zuletzt im Februar 38 Mitglieder der PDK-S die Partei verließen, da sie das Schweigen der Partei nicht länger mit sich vereinen konnten.

Viele ehemalige Mitglieder haben sich hingegen einer der vielen neuen Parteien angeschlossen, die mittlerweile in den Gebieten der Föderation gegründet worden sind. Das konservative Spektrum in der demokratischen Föderation wird inzwischen von der Kurdischen Nationalallianz (HNKS) dominiert, einem Bündnis aus Parteien, die den ENKS 2016 verlassen hatten und die nun in den Regionalparlamenten der Föderation vertreten sind.

Verbrechen der Besatzer in Efrin (01. - 04. April)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie der umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 1. und dem 4. April eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

1. April:

Am 1. April kam es zu Kämpfen zwischen nicht näher bekannten Auxiliarfraktionen der türkischen Besatzung.

In Şîyê wurde am selben Tag der 61-jährige Mistêfa Akeş durch die rechtsextreme Turkmenenmiliz, bekannt unter dem Namen „Sultan Süleyman Shah-Brigade“, entführt und in das Bezirksgefängnis gebracht, ohne genauerer Angabe von Gründen für die Festnahme. Sein Verbleib ist unklar. Zudem ist es, aufgrund bekannter Praktiken der Miliz, wahrscheinlich, dass Akeş brutaler Folter ausgesetzt ist.

2. April:

Am 2. April entführte die Auxiliarfraktion “Muntasir Billah-Brigade” die beiden Bürger Mîhemed und Nece Ekîd aus dem Dorf Habbo (nahe Mobeta, westlich von Efrîn) und brachte sie an einen unbekannten Ort. Später wurden die Entführten gegen ein Lösegeld freigelassen.

In der Stadt Cindirêsê wurde Mîhemed Ebdi Rehman, der Vorsitzende des Arya-Instituts für kurdische Kultur und Musik, bei welchem er auch als Musiklehrer und Schauspieler tätig ist, zum wiederholten Male von einer türkischen Auxiliarmiliz entführt. Die Miliz behauptete, sie habe Bilder von Rehman in Militärkleidung erhalten. Wenige Tage zuvor war außerdem sein Vater von den Milizionären entführt und gefoltert worden, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Unterdessen setzen die Milizen in Efrîn außerdem die Enteignungkampagne fort. So besetzt die turkmenisch-nationalistische Miliz Mohammed al-Fateh-Brigade die Häuser in der gesamten Wohngegend in der Umgebung des Mobeta-Kreisverkehrs im Westen der Stadt Efrîn. Laut lokalen Quellen plant die Miliz, an dieser Stelle eine große Militärbasis einzurichten. Die Enteignungen wurden gerechtfertigt mit dem angeblichen Fehlen offizieller Dokumente, sowie der Mitgliedschaft der (Ex-)Eigentümer in der Demokratischen Unionspartei (PYD). ren gefolgt von einer Plünderung der Milizionäre, die nach Wertgegenständen in den Häusern suchten.

3. April:

In der Umgebung der Kleinstadt Mobeta wurden etliche Felder aus dem Besitz vertriebener Kurden durch die Besatzer konfisziert. Die Auxiliarmiliz Jaysh an-Nukhbah übergab beispielsweise den Besitz mehrerer Olivenhaine nahe dem Dorf Amarê an islamistische Siedlerfamilien aus der syrischen Steppe. Die Siedlerfamilien lassen nun ihre Ziegen- und Schafherden auf dem Gelände grasen, was bereits zu ernsthaften Schäden an den Olivenbäumen führte. Auf Beschwerden der lokalen Bevölkerung reagierten die Siedler in der Vergangenheit damit, dass sie ihnen Gewalt durch die Milizen androhten.

Nach dem Streik dutzender Lehrkräfte vor dem Schulzentrum der Stadt Efrîn, der sich gegen die Entführung einer Gruppe von zehn kurdischen Lehrern durch die Milizen der Besatzung richtete, wurden diese von den Besatzern freigelassen. Die Lehrkräfte drohten damit, ihre Arbeit in den Ausbildungseinrichtungen an den Nagel zu hängen, sollten derartige Entführungen weiter fortgesetzt werden.

In der Stadt Efrîn wurde außerdem der 86-jährige Mîhemed Elî Reza, ein Mitglied der PDK-S, von der „Militärpolizei“, einer gegründeten Miliz der Besatzer die als Polizei fungieren soll, entführt. Einige Stunden nach seiner Verhaftung wurde Reza wieder freigelassen. Die PDK-S ist die syrische Schwesterpartei der KDP in der Autonomen Region Kurdistan (KRG) und ist Mitglied im ENKS, einer konservativ-kurdischen Parteienvereinigung, die der PYD kritisch gegenübersteht. Die PDKS ist allerdings wiederholt durch pro-türkische Rhetorik durch einige ihrer Mitglieder aufgefallen ist.

Nahe Şera beschossen türkische Auxiliarkämpfer die Dörfer Soxanekê und Eqibê mit Granaten. Mindestens ein Haus eines Zivilisten wurde zerstört.

4. April:

Am 4. April berichtete eine lokale Quelle, dass aufgrund von Misswirtschaft in der durch die türkischen Autoritäten neu besetzte Wasserverwaltung der Stadt Efrîn, der Stadt seit über einem Monat kein Trinkwasser mehr in den Leitungen zur Verfügung steht. Als Vorsitzender der Wasserverwaltung wurde ein islamistischer Siedler namens Abd al-Qadir al-Hafiz eingesetzt, der den übriggebliebenen kurdischen Angestellten, von denen viele jahrzehntelange Erfahrung aufweisen können, das Leben schwer macht um sie zur Kündigung zu bewegen. Der Halt der Trinkwasserversorgung ist laut lokaler Quelle darauf zurückzuführen, dass sich die neue Verwaltung nicht um die Erneuerung des Vertrags mit der Bhar-Assoziation kümmerte, die zuvor den Treibstoff lieferte, den die Wasserverwaltung für die Pumpen benötigt. Skurrilerweise beauftragte der Vorsitzende die Angestellten, trotzdem die monatlichen Kosten von den Einwohnern einzutreiben. Allerdings sollten lediglich die kurdischen Bürger und nicht die Siedlerfamilien belangt werden und die Gebühren zahlen. Im vorigen Monat waren bereits mehrere Mitarbeiter der Wasserverwaltung von Milizionären entführt worden. Ehmed Oso, einer dieser Entführten, wurde von dem Vorsitzenden der Wasserverwaltung in seiner Zelle besucht, da er auf seine Fachkunde angewiesen war. Seine Kooperation führte dennoch nicht zu seiner Freilassung.

Kämpfer der al-Qaida-nahen Miliz Jaysh ash-Sharqiyah stürmten das Haus von Essa Fêyo nahe des Dêrsim-Krankenhauses in Efrîn. Die Räuber konfiszierten Wohnung und Geschäft unter der Begründung, dass sie auf seinen Vater Adnan und nicht ihn selbst angemeldet seien.

Widerstand:

Kurdische Partisanen ließen diese Aggressionen der Besatzungsmacht derweil nicht unbeantwortet. Bei einem Angriff der Widerstandseinheiten von Efrîn (HRE) am 2. April in Marea (östlich von Efrîn) wurde ein Kämpfer der islamistischen Jabhat ash-Shamiyah getötet und ein weiterer verletzt. Ein weiterer Kämpfer der Jabhat ash-Shamiyah wurde am selben Tag in Kefêrxeşar tödlich verwundet.

Am 3. April wurden drei Kämpfer der Brigade 55 in Kafr Kulbin bei einem Angriff der Partisanen verwundet.

Weiteres:

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Efrîn: Türkische Auxiliarkräfte stürmen kurdisches Dorf

Wie einige Quellen berichten, stürmten am Mittwoch Mittag türkische Auxiliarkräfte die kurdischen Dörfer Ober- und Unterkokan im Kreis Mabeta im besetzten Kanton Efrîn.

Die Auxiliarkräfte hatten versucht, die Dorfbewohner mit Gewalt aus ihren Häusern zu holen. Diejenigen, die sich den Befehlen der Dschihadisten widersetzen, wurden laut Augenzeugen beschossen. Durch die Schüsse wurden zehn Personen, unter ihnen auch Frauen und Kinder, verletzt. Zwei Personen erlitten schwere Verletzungen. Die Verletzten können im Krankenhaus nicht behandelt werden, denn seit vorgestern blockieren die Auxiliarkräfte die Ein- und Ausgänge zu dem Gebiet. Wer sich der Ausgangssperre widersetzte, wurde mit dem Tod bedroht.

Verhängte Ausgangssperren kommen in den Gebieten der türkischen Auxiliarkräfte immer vermehrter vor. Seit beginn der Besatzung, befinden sich unzählige Dörfer in temporären Ausgangssperren. Diese Dörfer werden unter anderem meistens hauptsächlich von Kurden bewohnt. Offiziell heißt es Seitens der Milizen, dass man mit solchen Aktionen Schläferzellen der ehemaligen lokalen Verteidigungseinheiten und der SDF auffindbar machen möchte.

Die mehrheitlich kurdische Bevölkerung in Efrîn ist, seit der Besatzung der türkischen Streitkräfte und ihren Milizen am 18. März 2018, starken Repressionen ausgesetzt. Durch das Vorgehen der Besatzung gegen die kurdischen Kultur, Sprache und Zugehörigkeit, sind viele dieser Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Dies berichten kurdische, wie aber auch unabhängige Medien und Hilfsorganisationen. So berichtet unter anderem die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV): "Mit Ankara verbündete islamistische Milizen entführen willkürlich Menschen, erpressen Lösegeld und foltern Gefangene brutal."

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (29. - 31. März)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 26. und dem 28. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

29. März:

Am 29. März entführte eine der türkischen Auxiliarfraktionen eine Gruppe von zehn Lehrern aus der Innenstadt von Efrîn. Unter den Entführten, die an einen unbekannten Ort gebracht wurden, befanden sich die Lehrer Reşîd Bêram, Behzad Xelîl, Ronahî Şêx Sîdî und Sedîqa Xelîl. Des Weiteren war eine der Lehrerinnen schwanger. Der Großteil der Lehrer unterrichtet die kurdische Sprache an den Schulen Efrîns, was inzwischen nur noch in wenigen Schulen Efrîns der Fall ist. Der Grund für diesen Umstand ist, dass die Schulen nur dann Kurdisch unterrichten, wenn der Rektor dies anordnet. Da inzwischen aber viele der Schulverwaltungen in die Hände der islamistischen Siedler aus Ghutah gefallen sind und viele kurdische Schulen sich vor den Folgen von solch einer Anfrage fürchten, kommt es oft nicht zu dem Angebot eines Kurdisch-Unterrichts.

Zunehmend ist in Efrîn außerdem die Zwangsverheiratung kurdischer Mädchen mit Milizionären der türkischen Besatzung zu beobachten. Am 29. März wandte sich ein Anwohner des Dorfes Xezênê nahe Mobeta im Westen von Efrîn an internationale Organisationen, sich für seine siebzehnjährige Tochter Xedîçe Bekir einzusetzen, die ein Milizionär unter der Androhung von Waffengewalt geheiratet hat. Der Milizionär hatte laut lokalen Quellen außerdem bereits vor der Zwangsheirat zwei Frauen, die ihm aber anscheinend nicht ausgereicht hatten.

Auch andersartige Übergriffe haben zugenommen. So belästigten zwei Milizionäre auf einem Motorrad Mädchen im Stadtviertel Eşrefiyê, die daraufhin verzweifelt nach Hilfe schrien, bis die Militärpolizei in dem Gebiet eintraf.

Laut Insiderberichten trafen sich am 29. März mehrere arabische Milizen zu einem geheimen Treffen, bei der sie darüber berieten, ob sie Sabotageaktionen und Hinterhalte gegen die turkmenischen Milizen und die türkische Armee durchführen sollten. Grund für ein solches Unterfangen war die beschlossene Lohnkürzungen durch die Erdogan-Regierung für einige arabische Fraktionen, während die der Turkmenen unverändert blieben.

In der Stadt Jarabulus, im Osten der türkischen Besatzungszone, baut der IS inzwischen wieder zunehmend seinen Einfluss aus. So fanden sich am 29. mehrere IS-Graffitis in Teilen der Stadt. Jarabulus war die erste Stadt in Syrien, die von der türkischen Armee in ihrer Invasion betreten wurde. Die Übergabe des IS an die Armee fand damals kampflos statt und ermöglichte es dem IS, Netzwerke in der Stadt aufrecht zu erhalten, sowie teilweise zu den türkischen Auxiliarfraktionen überzulaufen.

In dem Zeitraum vom 29. bis 31. März fanden in Efrîn mehrere Enteignungen durch die Besatzer statt. So übernahm die Miliz „Brigade 55“ die Kontrolle über das Haus des in Efrin bekannten Fotografen Yusif, das in der Altstadt Efrîns gelegen ist und richteten dort ihr Hauptquartier ein. Ein Siedler aus Ghutah übernahm das Studio21 in der Innenstadt und eröffnete dort einen Kamelmarkt. In der Altstadt von Efrîn wurde außerdem das Haus des Anwohners Heci Xelef durch Milizionäre des ´Umayrat-Stammes aus Ghutah beschlagnahmt und zum Büro des sogenannten Stammesrates von Damaskus umgewidmet.

30. März:

Am 30. März wurde der 25-Jährige Silêman Nasan von islamistischen Auxiliarkämpfern der türkischen Besatzung entführt und brutal gefoltert. Nachdem die Entführer ihm mehrfach auf den Kopf geschlagen hatten, wurde er bewusstlos und nachdem sich sein Zustand immer weiter verschlechterte, sahen sich die Entführer gezwungen, ihn freizulassen und in das Krankenhaus einzuliefern. Später in der Nacht kehrten sie zurück und versuchten, Nasans Auto zu stehlen, was ihnen jedoch nicht gelang.

31. März:

Einer der Führer des ENKS in Efrîn, Hisên Îbiş, wurde am 31. März in der Stadt Şera nördlich von Efrîn von pro-türkischen Milizen entführt. Der Verbleib des Politikers ist unklar. Die ENKS ist der sogenannte Kurdische Nationalrat, der trotz Repression mehrfach mit den türkischen Besatzern kooperiert hat und die derzeitige Regierung der PYD in der Autonomen Administration lautstärker kritisiert, als die Zustände in Efrîn.

Nachdem zuvor eigene Ausweise für die türkische Besatzungszone ausgefertigt worden waren, folgte am 31. ein einheitliches Neudesign von Führerscheinen. Der neue Führerschein erschien in türkischer und arabischer Sprache, sowie dem Symbol der Turkmenen, ein zweiköpfiger Adler, im Hintergrund des Dokuments.

Reaktionen:

Unbekannte Partisanen attackierten am 29. März einen Checkpoint der türkischen Auxiliarfraktion Firqat al-Hamzah in dem Dorf Çûqê. Bei der Explosion wurden drei Kämpfer getötet und ein weiterer verletzt.

Am 31. März attackierten die Widerstandskämpfer der HRE die türkische Armee im Dorf Maryamayn bei Şera. Die Widerstandskämpfer, bewaffnet mit einem leichten Geschütz, konnten dabei drei Soldaten der türkischen Armee töten.

Weiteres:

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Efrin: Besatzer prügeln Vater tot

Diversen berichten nach, wurde der 50-jährige Mihemed Ibrahim im Bezirk Bilbile in Efrin zu Tode geprügelt. Die von der Türkei unterstützten Dschihadisten haben ihn demnach am 14. Mai auf seinem Feld im Dorf Xelilaka attackiert. Später erlag Ibrahim seinen Verletzungen.

Solche Vorfälle haben sich in letzter Zeit erheblich intensiviert und dauern mittlerweile schon seit dem 18. März 2018 an. Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar 2018 eine Militäroffensive auf Efrin gestartet. Um die zivile Bevölkerung vor einem langen Krieg gegen die türkische Invasion und ihren Dschihadisten zu schützen, haben sich die lokalen Verteidigungskräfte wie auch die kurdische SDF zurückgezogen. Seither hat sich die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung erheblich verschlechtert und zurückkehrende Bewohner können wegen Enteignungen nicht in ihre Häuser. Nach Einschätzung zahlreicher Juristen, ist der türkische Angriff als völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu werten.

Die türkischen Auxiliarkräfte begehen seit der Invasion schwere Menschenrechtsverletzungen. Vom Verbot der kurdischen Sprache und Kultur bis hin zur Zwangsenteignung und Lösegeldforderung, treten verschiedene Verbrechen in Efrin und Umgebung zu tage. Unterdessen sind die verschiedenen Splittergruppen der türkischen Auxiliarkräfte untereinander verfeindet und bekämpfen sich regelmäßig.

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (26. - 28. März)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 26. und dem 28. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Am 26. wurde der Dorfbewohner Silêman Mîhemed Nasan aus Xalnerê von türkischen Auxiliarkräften entführt. Na’san, der nach seiner Entführung aus seinem eigenen Haus an einen unbekannten Ort gebracht wurde, ist alleinerziehender Vater von zwei Söhnen.

In Kefêrcenê, nördlich der Stadt Efrîn, kam es zu Kampfhandlungen zwischen zwei türkischen Milizen, die Gründe dafür sind unklar. Meist gehen derartige Kämpfe aber um die Verteilung von Diebesgut, die Kontrolle über Schmuggelrouten oder lediglich um Stammesfehden.

Am 27. März plünderte die islamistische Miliz Liwa‘ ash-Shuhadah mehrere Häuser von Anwohnern der Mahmudiyê-Nachbarschaft in Efrîn.

Im Dorf Jokê, in den westlichen Kurmêncbergen, attackierten unbekannte einen Checkpoint der Miliz Firqat al-Hamzah, die für ihre Übergriffe auf die Kurden berüchtigt ist. Bei der Explosion starben vier Milizionäre, weitere wurden verletzt.

Die islamistische Miliz Faylaq al-Majd führte Zerstörungsarbeiten mit einem Bulldozer an einem Schrein namens Xerabî Alo, nahe dem Dorf Cobanê im Distrikt Raco, durch, in Hoffnung, dabei auf Schätze zu stoßen. Bei den Grabräuberarbeiten nahe des alten römischen Brunnens wurden dabei außerdem zehn alte Olivenbäume im Besitz des Anwohners Maami Belikî gefällt.

Schon zuvor hatten die türkischen Besatzer Teams von Spezialisten an Stellen wie diese gebracht, um mit Suchtgeräten zu überprüfen, ob es dort Artefakte geben könnte.

Als sich am 27. März zwei türkische Auxiliarmilizen, die beide zur Jabhat ash-Shamiyah gehören, einen Feuerwechsel im industriellen Viertel Efrîns lieferten, wurde dabei ein 13 Jahre alter kurdischer Junge in den Rücken geschossen. Der Junge arbeitete zu diesem Zeitpunkt in einem Möbelgeschäft in dem Viertel. Glücklicherweise konnte sein Leben im Ferzendê-Krankenhaus gerettet werden.

Bei einem Plünderungszug der Jabhat ash-Shamiyah in der Eshrefiyê-Nachbarschaft, wurde das Wohnhaus des Bürgers „Abu Hanif“ aus Amrê zum zweiten Mal in kurzer Zeit ausgeplündert, wobei Motorradausrüstung und weitere elektronische Ausrüstung gestohlen wurden.

Ein Milizionär namens Abu Jum’ah, aus einer als Spezialeinheit bezeichneten Miliz, bedrohte eine Familie aus dem Dorf Coyqê und beschuldigte den Familienvater, Teil der YPG gewesen zu sein, obwohl sich dieser mehrere Jahre in Deutschland aufgehalten hatte. Das Ziel des Milizionärs war es, ihm das Haus abzunehmen und selbst dort einziehen zu können.

In der Racostraße von Efrîn, weigerte sich der kurdische Bürger Heftaru eine Teekanne an einen Islamisten zu übergeben, weil er bereits ein Schuldenproblem habe. Der Milizionär schoss daraufhin in die Luft, doch wurde letztendlich durch den vereinigten Widerstand der Anwohner ohne Beute vertrieben. Dies mag nur ein kleiner Sieg sein, dennoch  zeigt es, dass sich der Widerstand in allen Teilen der Gesellschaft fortsetzt.

Am 26. kam es zu Kämpfen zwischen islamistischen Auxiliarmilizen des türkischen Staats, namentlich die Liwa‘ Khalid ibn al-Walid und die Faylaq ash-Sham, nahe Meydan Ekbis im äußersten Nordwesten von Efrîn. Bei den Kämpfen, die sich um das Besitztum über ohnehin gestohlenes Land drehten, wurde ein Milizionär verletzt.

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls, wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, werden durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht, islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee Niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien anzusiedeln. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Türkische Besatzung fordert 100.000 US-Dollar und exekutiert Geisel in Efrin

In Efrin hat die Freie Syrische Armee zwei Männer und ein Kind entführt, als diese in der Stadt Izzaz waren im Norden von Aleppo. Die entführten Männer heißen Sharaf al-Din Siddo und Rashid Hamid Khalil, der Name des Kindes ist unbekannt. Über das Kind ist nur bekannt, dass er unter einer geistigen Behinderung leidet.

Ein Screenshot zeigt die Konversation zwischen der türkischen Besatzung und der Familie der entführten. Laut der türkischen Besatzung sei Sharaf al-Din Siddo ein Mitglied der Arbeiterpartei Kurdistans, dass für die türkische Besatzung die Legitimation für die Entführung zweier Männer und eines Kindes mit geistiger Behinderung darstellt.

Die türkische Besatzung verlangt von der Familie eine Summe von 100.000 US Dollar für die Freilassung der Geiseln. Diese Summe ist für den Großteil der Bevölkerung in Efrin nicht realisierbar. Die Türkei hat in ihrem Angriffskrieg gegen Efrin die Häuser der Bevölkerung geplündert und viele Grundstücke/Äcker wurden Zwangsenteignet.

Als die Familie der Entführten klarstellte, dass sie nicht in der Lage sind das Geld aufzutreiben, wurde ihnen ein Video zugespielt welches zeigt wie Sharaf al-Din Siddo gefoltert wird. In dem Video ist zu sehen wie er unter enormen Schmerzen seine Familie anbettelt, alles an Eigentum und Grundstücken zu verkaufen um das Geld aufzutreiben.

Einige Tage später, nachdem die Familie nicht weiter mit den Entführern kooperierte, wurde die Leiche des zweiten Mannes, Rashid Hamid Khalil, an einer Straße gefunden. Sein Körper ist laut Aussage der Familie übersät mit Spuren der Folter.

Die Situation der beiden anderen Geiseln ist ungewiss.

Türkei baut Mauer um Efrin

Die Türkei hat begonnen eine Grenzmauer aus Beton um die Provinz Efrin herum zu bauen. Die Baumaßnahmen beginnen im Nordwesten von Efrin und werden voraussichtlich die gesamte Provinz umfassen. Die von der Türkei verwendeten Betoneinheiten sind drei Meter hoch.

Als Teil der Baumaßnahmen werden Dörfer an den Grenzgebieten der Provinz geräumt. Lokale Bewohner berichten, sie wurden ohne Vorwarnung aus ihren Dörfern vertrieben und dürfen nicht mehr zurückkehren.
Ein Journalisten-Team hat eine lokale Bewohnerin dazu interviewt: „Wir wurden aus unserem Dorf Jilibire vertrieben und dürfen nicht mehr zurück. Wir können nur noch von hieraus zusehen“.

Der Syrisch-Demokratische Rat hat die Türkei bereits mehrfach beschuldigt, die Provinz Efrin systematisch zu isolieren um die Provinz zu annektieren.
Sinam Mohamed, die Repräsentantin des Syrisch-Demokratischen Rates in den USA, vergleicht die Situation mit der Annektierung der syrischen Provinz Hatay durch die Türkei 1938. Die Türkei hat damals ebenfalls Besitzansprüche an die syrische Provinz gestellt und hat die Provinz demographisch massiv türkisiert und dann systematisch isoliert und annektiert.

Nach Sinam Mohamad schweigt das syrische Regime zu den Maßnahmen der Türkei für eine Annektierung, aufgrund von Abmachungen zwischen Russland und der Türkei.
Sinam Mohamad erklärt „Die Türkei nutzt das internationale Schweigen und das Schweigen der syrischen Regierung aus.“. Sie erklärt ebenfalls, dass in der türkischen Efrin-Politik klare Brüche der Menschenrechte und des Internationalen Rechtes zu beobachten seien.

In Kobane und anderen Städten der Autonomen Administration Nord- und Ostsyrien kam es vermehrt zu Demonstrationen gegen den Mauerbau durch die Türkei. Mit Slogans und Parolen wird die Solidarität und der Widerstand gegen den Mauerbau bekundet.
Aisha Afandi ein Mitglied des PYD-Rates verkündet in seiner Rede „Der Plan schreitet voran in Efrin, das unter der Besatzung der Türkei und den Änderungen der Demographie leidet. Wir werden unseren Kampf und den Widerstand festigen bis Efrin befreit ist.“.
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