Verbrechen der Besatzer in Efrin (01. - 04. April)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie der umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 1. und dem 4. April eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

1. April:

Am 1. April kam es zu Kämpfen zwischen nicht näher bekannten Auxiliarfraktionen der türkischen Besatzung.

In Şîyê wurde am selben Tag der 61-jährige Mistêfa Akeş durch die rechtsextreme Turkmenenmiliz, bekannt unter dem Namen „Sultan Süleyman Shah-Brigade“, entführt und in das Bezirksgefängnis gebracht, ohne genauerer Angabe von Gründen für die Festnahme. Sein Verbleib ist unklar. Zudem ist es, aufgrund bekannter Praktiken der Miliz, wahrscheinlich, dass Akeş brutaler Folter ausgesetzt ist.

2. April:

Am 2. April entführte die Auxiliarfraktion “Muntasir Billah-Brigade” die beiden Bürger Mîhemed und Nece Ekîd aus dem Dorf Habbo (nahe Mobeta, westlich von Efrîn) und brachte sie an einen unbekannten Ort. Später wurden die Entführten gegen ein Lösegeld freigelassen.

In der Stadt Cindirêsê wurde Mîhemed Ebdi Rehman, der Vorsitzende des Arya-Instituts für kurdische Kultur und Musik, bei welchem er auch als Musiklehrer und Schauspieler tätig ist, zum wiederholten Male von einer türkischen Auxiliarmiliz entführt. Die Miliz behauptete, sie habe Bilder von Rehman in Militärkleidung erhalten. Wenige Tage zuvor war außerdem sein Vater von den Milizionären entführt und gefoltert worden, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Unterdessen setzen die Milizen in Efrîn außerdem die Enteignungkampagne fort. So besetzt die turkmenisch-nationalistische Miliz Mohammed al-Fateh-Brigade die Häuser in der gesamten Wohngegend in der Umgebung des Mobeta-Kreisverkehrs im Westen der Stadt Efrîn. Laut lokalen Quellen plant die Miliz, an dieser Stelle eine große Militärbasis einzurichten. Die Enteignungen wurden gerechtfertigt mit dem angeblichen Fehlen offizieller Dokumente, sowie der Mitgliedschaft der (Ex-)Eigentümer in der Demokratischen Unionspartei (PYD). ren gefolgt von einer Plünderung der Milizionäre, die nach Wertgegenständen in den Häusern suchten.

3. April:

In der Umgebung der Kleinstadt Mobeta wurden etliche Felder aus dem Besitz vertriebener Kurden durch die Besatzer konfisziert. Die Auxiliarmiliz Jaysh an-Nukhbah übergab beispielsweise den Besitz mehrerer Olivenhaine nahe dem Dorf Amarê an islamistische Siedlerfamilien aus der syrischen Steppe. Die Siedlerfamilien lassen nun ihre Ziegen- und Schafherden auf dem Gelände grasen, was bereits zu ernsthaften Schäden an den Olivenbäumen führte. Auf Beschwerden der lokalen Bevölkerung reagierten die Siedler in der Vergangenheit damit, dass sie ihnen Gewalt durch die Milizen androhten.

Nach dem Streik dutzender Lehrkräfte vor dem Schulzentrum der Stadt Efrîn, der sich gegen die Entführung einer Gruppe von zehn kurdischen Lehrern durch die Milizen der Besatzung richtete, wurden diese von den Besatzern freigelassen. Die Lehrkräfte drohten damit, ihre Arbeit in den Ausbildungseinrichtungen an den Nagel zu hängen, sollten derartige Entführungen weiter fortgesetzt werden.

In der Stadt Efrîn wurde außerdem der 86-jährige Mîhemed Elî Reza, ein Mitglied der PDK-S, von der „Militärpolizei“, einer gegründeten Miliz der Besatzer die als Polizei fungieren soll, entführt. Einige Stunden nach seiner Verhaftung wurde Reza wieder freigelassen. Die PDK-S ist die syrische Schwesterpartei der KDP in der Autonomen Region Kurdistan (KRG) und ist Mitglied im ENKS, einer konservativ-kurdischen Parteienvereinigung, die der PYD kritisch gegenübersteht. Die PDKS ist allerdings wiederholt durch pro-türkische Rhetorik durch einige ihrer Mitglieder aufgefallen ist.

Nahe Şera beschossen türkische Auxiliarkämpfer die Dörfer Soxanekê und Eqibê mit Granaten. Mindestens ein Haus eines Zivilisten wurde zerstört.

4. April:

Am 4. April berichtete eine lokale Quelle, dass aufgrund von Misswirtschaft in der durch die türkischen Autoritäten neu besetzte Wasserverwaltung der Stadt Efrîn, der Stadt seit über einem Monat kein Trinkwasser mehr in den Leitungen zur Verfügung steht. Als Vorsitzender der Wasserverwaltung wurde ein islamistischer Siedler namens Abd al-Qadir al-Hafiz eingesetzt, der den übriggebliebenen kurdischen Angestellten, von denen viele jahrzehntelange Erfahrung aufweisen können, das Leben schwer macht um sie zur Kündigung zu bewegen. Der Halt der Trinkwasserversorgung ist laut lokaler Quelle darauf zurückzuführen, dass sich die neue Verwaltung nicht um die Erneuerung des Vertrags mit der Bhar-Assoziation kümmerte, die zuvor den Treibstoff lieferte, den die Wasserverwaltung für die Pumpen benötigt. Skurrilerweise beauftragte der Vorsitzende die Angestellten, trotzdem die monatlichen Kosten von den Einwohnern einzutreiben. Allerdings sollten lediglich die kurdischen Bürger und nicht die Siedlerfamilien belangt werden und die Gebühren zahlen. Im vorigen Monat waren bereits mehrere Mitarbeiter der Wasserverwaltung von Milizionären entführt worden. Ehmed Oso, einer dieser Entführten, wurde von dem Vorsitzenden der Wasserverwaltung in seiner Zelle besucht, da er auf seine Fachkunde angewiesen war. Seine Kooperation führte dennoch nicht zu seiner Freilassung.

Kämpfer der al-Qaida-nahen Miliz Jaysh ash-Sharqiyah stürmten das Haus von Essa Fêyo nahe des Dêrsim-Krankenhauses in Efrîn. Die Räuber konfiszierten Wohnung und Geschäft unter der Begründung, dass sie auf seinen Vater Adnan und nicht ihn selbst angemeldet seien.

Widerstand:

Kurdische Partisanen ließen diese Aggressionen der Besatzungsmacht derweil nicht unbeantwortet. Bei einem Angriff der Widerstandseinheiten von Efrîn (HRE) am 2. April in Marea (östlich von Efrîn) wurde ein Kämpfer der islamistischen Jabhat ash-Shamiyah getötet und ein weiterer verletzt. Ein weiterer Kämpfer der Jabhat ash-Shamiyah wurde am selben Tag in Kefêrxeşar tödlich verwundet.

Am 3. April wurden drei Kämpfer der Brigade 55 in Kafr Kulbin bei einem Angriff der Partisanen verwundet.

Weiteres:

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Efrîn: Türkische Auxiliarkräfte stürmen kurdisches Dorf

Wie einige Quellen berichten, stürmten am Mittwoch Mittag türkische Auxiliarkräfte die kurdischen Dörfer Ober- und Unterkokan im Kreis Mabeta im besetzten Kanton Efrîn.

Die Auxiliarkräfte hatten versucht, die Dorfbewohner mit Gewalt aus ihren Häusern zu holen. Diejenigen, die sich den Befehlen der Dschihadisten widersetzen, wurden laut Augenzeugen beschossen. Durch die Schüsse wurden zehn Personen, unter ihnen auch Frauen und Kinder, verletzt. Zwei Personen erlitten schwere Verletzungen. Die Verletzten können im Krankenhaus nicht behandelt werden, denn seit vorgestern blockieren die Auxiliarkräfte die Ein- und Ausgänge zu dem Gebiet. Wer sich der Ausgangssperre widersetzte, wurde mit dem Tod bedroht.

Verhängte Ausgangssperren kommen in den Gebieten der türkischen Auxiliarkräfte immer vermehrter vor. Seit beginn der Besatzung, befinden sich unzählige Dörfer in temporären Ausgangssperren. Diese Dörfer werden unter anderem meistens hauptsächlich von Kurden bewohnt. Offiziell heißt es Seitens der Milizen, dass man mit solchen Aktionen Schläferzellen der ehemaligen lokalen Verteidigungseinheiten und der SDF auffindbar machen möchte.

Die mehrheitlich kurdische Bevölkerung in Efrîn ist, seit der Besatzung der türkischen Streitkräfte und ihren Milizen am 18. März 2018, starken Repressionen ausgesetzt. Durch das Vorgehen der Besatzung gegen die kurdischen Kultur, Sprache und Zugehörigkeit, sind viele dieser Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Dies berichten kurdische, wie aber auch unabhängige Medien und Hilfsorganisationen. So berichtet unter anderem die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV): "Mit Ankara verbündete islamistische Milizen entführen willkürlich Menschen, erpressen Lösegeld und foltern Gefangene brutal."

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (29. - 31. März)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 26. und dem 28. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

29. März:

Am 29. März entführte eine der türkischen Auxiliarfraktionen eine Gruppe von zehn Lehrern aus der Innenstadt von Efrîn. Unter den Entführten, die an einen unbekannten Ort gebracht wurden, befanden sich die Lehrer Reşîd Bêram, Behzad Xelîl, Ronahî Şêx Sîdî und Sedîqa Xelîl. Des Weiteren war eine der Lehrerinnen schwanger. Der Großteil der Lehrer unterrichtet die kurdische Sprache an den Schulen Efrîns, was inzwischen nur noch in wenigen Schulen Efrîns der Fall ist. Der Grund für diesen Umstand ist, dass die Schulen nur dann Kurdisch unterrichten, wenn der Rektor dies anordnet. Da inzwischen aber viele der Schulverwaltungen in die Hände der islamistischen Siedler aus Ghutah gefallen sind und viele kurdische Schulen sich vor den Folgen von solch einer Anfrage fürchten, kommt es oft nicht zu dem Angebot eines Kurdisch-Unterrichts.

Zunehmend ist in Efrîn außerdem die Zwangsverheiratung kurdischer Mädchen mit Milizionären der türkischen Besatzung zu beobachten. Am 29. März wandte sich ein Anwohner des Dorfes Xezênê nahe Mobeta im Westen von Efrîn an internationale Organisationen, sich für seine siebzehnjährige Tochter Xedîçe Bekir einzusetzen, die ein Milizionär unter der Androhung von Waffengewalt geheiratet hat. Der Milizionär hatte laut lokalen Quellen außerdem bereits vor der Zwangsheirat zwei Frauen, die ihm aber anscheinend nicht ausgereicht hatten.

Auch andersartige Übergriffe haben zugenommen. So belästigten zwei Milizionäre auf einem Motorrad Mädchen im Stadtviertel Eşrefiyê, die daraufhin verzweifelt nach Hilfe schrien, bis die Militärpolizei in dem Gebiet eintraf.

Laut Insiderberichten trafen sich am 29. März mehrere arabische Milizen zu einem geheimen Treffen, bei der sie darüber berieten, ob sie Sabotageaktionen und Hinterhalte gegen die turkmenischen Milizen und die türkische Armee durchführen sollten. Grund für ein solches Unterfangen war die beschlossene Lohnkürzungen durch die Erdogan-Regierung für einige arabische Fraktionen, während die der Turkmenen unverändert blieben.

In der Stadt Jarabulus, im Osten der türkischen Besatzungszone, baut der IS inzwischen wieder zunehmend seinen Einfluss aus. So fanden sich am 29. mehrere IS-Graffitis in Teilen der Stadt. Jarabulus war die erste Stadt in Syrien, die von der türkischen Armee in ihrer Invasion betreten wurde. Die Übergabe des IS an die Armee fand damals kampflos statt und ermöglichte es dem IS, Netzwerke in der Stadt aufrecht zu erhalten, sowie teilweise zu den türkischen Auxiliarfraktionen überzulaufen.

In dem Zeitraum vom 29. bis 31. März fanden in Efrîn mehrere Enteignungen durch die Besatzer statt. So übernahm die Miliz „Brigade 55“ die Kontrolle über das Haus des in Efrin bekannten Fotografen Yusif, das in der Altstadt Efrîns gelegen ist und richteten dort ihr Hauptquartier ein. Ein Siedler aus Ghutah übernahm das Studio21 in der Innenstadt und eröffnete dort einen Kamelmarkt. In der Altstadt von Efrîn wurde außerdem das Haus des Anwohners Heci Xelef durch Milizionäre des ´Umayrat-Stammes aus Ghutah beschlagnahmt und zum Büro des sogenannten Stammesrates von Damaskus umgewidmet.

30. März:

Am 30. März wurde der 25-Jährige Silêman Nasan von islamistischen Auxiliarkämpfern der türkischen Besatzung entführt und brutal gefoltert. Nachdem die Entführer ihm mehrfach auf den Kopf geschlagen hatten, wurde er bewusstlos und nachdem sich sein Zustand immer weiter verschlechterte, sahen sich die Entführer gezwungen, ihn freizulassen und in das Krankenhaus einzuliefern. Später in der Nacht kehrten sie zurück und versuchten, Nasans Auto zu stehlen, was ihnen jedoch nicht gelang.

31. März:

Einer der Führer des ENKS in Efrîn, Hisên Îbiş, wurde am 31. März in der Stadt Şera nördlich von Efrîn von pro-türkischen Milizen entführt. Der Verbleib des Politikers ist unklar. Die ENKS ist der sogenannte Kurdische Nationalrat, der trotz Repression mehrfach mit den türkischen Besatzern kooperiert hat und die derzeitige Regierung der PYD in der Autonomen Administration lautstärker kritisiert, als die Zustände in Efrîn.

Nachdem zuvor eigene Ausweise für die türkische Besatzungszone ausgefertigt worden waren, folgte am 31. ein einheitliches Neudesign von Führerscheinen. Der neue Führerschein erschien in türkischer und arabischer Sprache, sowie dem Symbol der Turkmenen, ein zweiköpfiger Adler, im Hintergrund des Dokuments.

Reaktionen:

Unbekannte Partisanen attackierten am 29. März einen Checkpoint der türkischen Auxiliarfraktion Firqat al-Hamzah in dem Dorf Çûqê. Bei der Explosion wurden drei Kämpfer getötet und ein weiterer verletzt.

Am 31. März attackierten die Widerstandskämpfer der HRE die türkische Armee im Dorf Maryamayn bei Şera. Die Widerstandskämpfer, bewaffnet mit einem leichten Geschütz, konnten dabei drei Soldaten der türkischen Armee töten.

Weiteres:

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Efrin: Besatzer prügeln Vater tot

Diversen berichten nach, wurde der 50-jährige Mihemed Ibrahim im Bezirk Bilbile in Efrin zu Tode geprügelt. Die von der Türkei unterstützten Dschihadisten haben ihn demnach am 14. Mai auf seinem Feld im Dorf Xelilaka attackiert. Später erlag Ibrahim seinen Verletzungen.

Solche Vorfälle haben sich in letzter Zeit erheblich intensiviert und dauern mittlerweile schon seit dem 18. März 2018 an. Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar 2018 eine Militäroffensive auf Efrin gestartet. Um die zivile Bevölkerung vor einem langen Krieg gegen die türkische Invasion und ihren Dschihadisten zu schützen, haben sich die lokalen Verteidigungskräfte wie auch die kurdische SDF zurückgezogen. Seither hat sich die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung erheblich verschlechtert und zurückkehrende Bewohner können wegen Enteignungen nicht in ihre Häuser. Nach Einschätzung zahlreicher Juristen, ist der türkische Angriff als völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu werten.

Die türkischen Auxiliarkräfte begehen seit der Invasion schwere Menschenrechtsverletzungen. Vom Verbot der kurdischen Sprache und Kultur bis hin zur Zwangsenteignung und Lösegeldforderung, treten verschiedene Verbrechen in Efrin und Umgebung zu tage. Unterdessen sind die verschiedenen Splittergruppen der türkischen Auxiliarkräfte untereinander verfeindet und bekämpfen sich regelmäßig.

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (26. - 28. März)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 26. und dem 28. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Am 26. wurde der Dorfbewohner Silêman Mîhemed Nasan aus Xalnerê von türkischen Auxiliarkräften entführt. Na’san, der nach seiner Entführung aus seinem eigenen Haus an einen unbekannten Ort gebracht wurde, ist alleinerziehender Vater von zwei Söhnen.

In Kefêrcenê, nördlich der Stadt Efrîn, kam es zu Kampfhandlungen zwischen zwei türkischen Milizen, die Gründe dafür sind unklar. Meist gehen derartige Kämpfe aber um die Verteilung von Diebesgut, die Kontrolle über Schmuggelrouten oder lediglich um Stammesfehden.

Am 27. März plünderte die islamistische Miliz Liwa‘ ash-Shuhadah mehrere Häuser von Anwohnern der Mahmudiyê-Nachbarschaft in Efrîn.

Im Dorf Jokê, in den westlichen Kurmêncbergen, attackierten unbekannte einen Checkpoint der Miliz Firqat al-Hamzah, die für ihre Übergriffe auf die Kurden berüchtigt ist. Bei der Explosion starben vier Milizionäre, weitere wurden verletzt.

Die islamistische Miliz Faylaq al-Majd führte Zerstörungsarbeiten mit einem Bulldozer an einem Schrein namens Xerabî Alo, nahe dem Dorf Cobanê im Distrikt Raco, durch, in Hoffnung, dabei auf Schätze zu stoßen. Bei den Grabräuberarbeiten nahe des alten römischen Brunnens wurden dabei außerdem zehn alte Olivenbäume im Besitz des Anwohners Maami Belikî gefällt.

Schon zuvor hatten die türkischen Besatzer Teams von Spezialisten an Stellen wie diese gebracht, um mit Suchtgeräten zu überprüfen, ob es dort Artefakte geben könnte.

Als sich am 27. März zwei türkische Auxiliarmilizen, die beide zur Jabhat ash-Shamiyah gehören, einen Feuerwechsel im industriellen Viertel Efrîns lieferten, wurde dabei ein 13 Jahre alter kurdischer Junge in den Rücken geschossen. Der Junge arbeitete zu diesem Zeitpunkt in einem Möbelgeschäft in dem Viertel. Glücklicherweise konnte sein Leben im Ferzendê-Krankenhaus gerettet werden.

Bei einem Plünderungszug der Jabhat ash-Shamiyah in der Eshrefiyê-Nachbarschaft, wurde das Wohnhaus des Bürgers „Abu Hanif“ aus Amrê zum zweiten Mal in kurzer Zeit ausgeplündert, wobei Motorradausrüstung und weitere elektronische Ausrüstung gestohlen wurden.

Ein Milizionär namens Abu Jum’ah, aus einer als Spezialeinheit bezeichneten Miliz, bedrohte eine Familie aus dem Dorf Coyqê und beschuldigte den Familienvater, Teil der YPG gewesen zu sein, obwohl sich dieser mehrere Jahre in Deutschland aufgehalten hatte. Das Ziel des Milizionärs war es, ihm das Haus abzunehmen und selbst dort einziehen zu können.

In der Racostraße von Efrîn, weigerte sich der kurdische Bürger Heftaru eine Teekanne an einen Islamisten zu übergeben, weil er bereits ein Schuldenproblem habe. Der Milizionär schoss daraufhin in die Luft, doch wurde letztendlich durch den vereinigten Widerstand der Anwohner ohne Beute vertrieben. Dies mag nur ein kleiner Sieg sein, dennoch  zeigt es, dass sich der Widerstand in allen Teilen der Gesellschaft fortsetzt.

Am 26. kam es zu Kämpfen zwischen islamistischen Auxiliarmilizen des türkischen Staats, namentlich die Liwa‘ Khalid ibn al-Walid und die Faylaq ash-Sham, nahe Meydan Ekbis im äußersten Nordwesten von Efrîn. Bei den Kämpfen, die sich um das Besitztum über ohnehin gestohlenes Land drehten, wurde ein Milizionär verletzt.

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls, wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, werden durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht, islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee Niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien anzusiedeln. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Türkische Besatzung fordert 100.000 US-Dollar und exekutiert Geisel in Efrin

In Efrin hat die Freie Syrische Armee zwei Männer und ein Kind entführt, als diese in der Stadt Izzaz waren im Norden von Aleppo. Die entführten Männer heißen Sharaf al-Din Siddo und Rashid Hamid Khalil, der Name des Kindes ist unbekannt. Über das Kind ist nur bekannt, dass er unter einer geistigen Behinderung leidet.

Ein Screenshot zeigt die Konversation zwischen der türkischen Besatzung und der Familie der entführten. Laut der türkischen Besatzung sei Sharaf al-Din Siddo ein Mitglied der Arbeiterpartei Kurdistans, dass für die türkische Besatzung die Legitimation für die Entführung zweier Männer und eines Kindes mit geistiger Behinderung darstellt.

Die türkische Besatzung verlangt von der Familie eine Summe von 100.000 US Dollar für die Freilassung der Geiseln. Diese Summe ist für den Großteil der Bevölkerung in Efrin nicht realisierbar. Die Türkei hat in ihrem Angriffskrieg gegen Efrin die Häuser der Bevölkerung geplündert und viele Grundstücke/Äcker wurden Zwangsenteignet.

Als die Familie der Entführten klarstellte, dass sie nicht in der Lage sind das Geld aufzutreiben, wurde ihnen ein Video zugespielt welches zeigt wie Sharaf al-Din Siddo gefoltert wird. In dem Video ist zu sehen wie er unter enormen Schmerzen seine Familie anbettelt, alles an Eigentum und Grundstücken zu verkaufen um das Geld aufzutreiben.

Einige Tage später, nachdem die Familie nicht weiter mit den Entführern kooperierte, wurde die Leiche des zweiten Mannes, Rashid Hamid Khalil, an einer Straße gefunden. Sein Körper ist laut Aussage der Familie übersät mit Spuren der Folter.

Die Situation der beiden anderen Geiseln ist ungewiss.

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (22.03. - 25.03.)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens sowie im umliegenden Kurmêncgebirge wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 22. und dem 25. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

22.03.

In der Stadt Efrîn wurde der letzte armenische Einwohner, ein Mann namens Harut Kevork, von den faschistischen Besatzern aus seinem Haus vertrieben. Herr Kevork besaß zudem ein Werkzeuggeschäft, das er von seinem Vater vererbt bekommen hat. Das Geschäft an der Straße nach Cindirêsê wurde von der turkmenisch-nationalistischen Sultan Murad-Brigade konfisziert und in eine Moschee umfunktioniert. Herr Kevork musste anschließend nach Aleppo fliehen. Die Verfolgung von Minderheiten wie Êzîden oder Armeniern, die seit dem 19. Jahrhundert tausende Mitglieder in Völkermorden durch Osmanen, Islamisten und Nationalisten verloren haben und inzwischen in ihrer Heimat von der Auslöschung bedroht sind, ist in den türkisch besetzten Gebieten mindestens mit der Situation religiöser Minderheiten unter der al-Qaida-Herrschaft in Idlib gleichzusetzen. Die Verfolgung findet systematisch statt und zielt eindeutig auf die Tilgung jeglicher Hinweise auf diese alten Kulturen.

In der großen Stadt al-Bab, gelegen zwischen Manbij und Efrîn, kam es zu weitreichenden Protesten gegen die faschistischen Besatzer, bei denen die Eingangsstraßen in die Stadt mit brennenden Reifen verbarrikadiert wurden. Ab dem 22. März dehnten sich diese Proteste auch auf Axtarê (Akhtarin), Qitmê und mehrere Dörfer in der Umgebung von Jarabulus aus. Bei den Demonstrationen wurden die Foltermaßnahmen und Plünderei der Besatzer, sowie die Auflösung der Gemeinderäte und die erhöhten Nahrungsmittelpreise kritisiert. Die bewaffneten Gruppen, die sich als “Erstes Korps” und “Zweites Korps” bezeichnen, umkreisten daraufhin die Stadt, sandten Einheiten in die aufständischen Stadtteile und verhafteten diejenigen, die sie als Initiatoren der Proteste vermuteten.

In der Stadt Jarabulus, gelegen am Fluss Euphrat auf der gegenüberliegenden Seite von SDF-Territorium sowie nahe der türkischen Grenze, kam es am 22. zu Kämpfen zwischen zwei islamistischen Auxiliarmilizen der türkischen Besatzung, Ahrar ash-Sham und Jabhat ash-Shamiyah. Die Kämpfe endeten erst, nachdem türkische Truppen in die Stadt einmarschierten und eine Ausgangssperre verhängten. In den besetzten Gebieten kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den mafia-ähnlichen Milizen. Meist geht es bei diesen um Plündergut, die Kontrolle über Schmuggelrouten oder oder es handelt sich um alte Stammesfehden.

23.03.

Am Samstag, den 23. März, hielten einige Dutzend islamistische Siedler aus Ghutah eine Demonstration im Stadtzentrum von Efrîn. Sie forderten die türkischen Auxiliarmilizen dazu auf, die übrigbleibenden Kämpfer des Islamischen Staates in Baghuz, in der ostsyrischen Wüste, im Kampf gegen die SDF zu unterstützen. Ein Sprecher der Demonstranten sagte in seiner Rede, „Wir sind von al-Ghutah nach Afrin gekommen, um für die Sache Allahs zu kämpfen und zeigen uns solidarisch mit unseren Brüdern in Baghuz [dem IS]. Täglich finden tausend Kämpfer dort ihren Tod und es hilft ihnen nichts, wenn wir nur darüber reden. Wir rufen die Fraktionen dazu auf, unsere Leute in Baghuz zu retten.“ Dies sind die Menschen, mit der die faschistische Besatzung das ehemals säkulare, multikulturelle Efrîn bevölkern will, nachdem sie der jahrhundertelangen kurdischen Präsenz ein Ende gesetzt haben.

24.03.

Das türkische Familienministerium führte bis zum 24. März ein Programm durch, bei dem etwa ein Dutzend ältere Personen aus Efrîn dazu gezwungen wurden, an einer Veranstaltung für ältere Personen in Iskenderun in der Provinz Hatay teilzunehmen. Zudem wurden sie von den türkischen Medien dazu gezwungen, in Interviews das Leben unter der türkischen Besatzung zu loben.

Die türkische Armee hat nahe des Dorfes Derwîş bei Raco in den Hainen etwa 3.000 Olivenbäume gefällt, die den Einwohnern Hisên Îbês und Ismail Sebi Kenco gehörten. Des weiteren wird den Einwohnern des Dorfes noch immer die Rückkehr verweigert, ohne dass genauere Gründe genannt werden. Die Einwohner halten sich derzeit in der Stadt Efrîn und anderen Orten bei Verwandten auf, von denen kürzlich sieben junge Männer entführt worden sind.

25.03.

Am 25. wurde im Dorf Miskê der alevitische Şêx Mîhemed-Schrein durch die faschistischen Besatzer geplündert und zerstört. Außerdem wurde ein 200 Jahre alter Baum gefällt, der von den lokalen Einwohnern als heilig betrachtet worden war. Eine Sache, die die islamistischen Fanatiker der Milizen offenbar nicht akzeptieren können.

Am selben Tag stürmte die Auxiliarmiliz Jabhat ash-Shamiyah ein Haus im Zentrum von Efrîn, das von einem Siedler aus Ghutah übernommen worden war, stahl eine große Menge Geld, technische Geräte und persönliche Dokumente und führte den Mann in Handschellen ab. Die Militärpolizei konnte drei der Einbrecher festnehmen und umgerechnet etwa 500 Euro sicherstellen, andere Teile der Gruppe konnten allerdings mit dem Geld entkommen, das eigentlich zu einer katarischen Hilfsorganisation gehört, die die islamistischen Siedler aus Südsyrien unterstützt.

Reaktionen

In drei Guerillaattacken nahe Efrîn und Azaz konnten die Befreiungskräfte von Efrîn (HRE), bestehend aus bewaffneten Einwohnern der besetzten Gebiete, zehn Milizionäre loyal gegenüber den türkischen Autoritäten töten und sechs weitere verletzen. Am 23. gelang es Partisanen, den Milizionär Abdul-Qadir al-Hammu aus der Miliz Firqat al-Hamzah nahe dem Dorf Gocimê zu töten, nachdem sie seine Routinen zuvor observiert hatten. Der Milizionär ist für mehrere Kriegsverbrechen bekannt, unter anderem gegen die Zivilbevölkerung der Enklave Şêx Meqsûd in Aleppo.

In der Innenstadt von Efrîn schossen Unbekannte auf das Fahrzeug des hochrangigen Milizenkommandeurs Muhammad Hammadiyin, was zu seinem Tod führte. Hammadiyin war Kommandeur der Jabhat ash-Shamiyah und hatte außerdem einen Posten bei der sogenannten Militärpolizei.

Weiteres

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (19.03. - 21.03.)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens sowie im umliegenden Kurmêncgebirge wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 19. und dem 21. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen. Im Rahmen des Jahrestages der Eroberung, sowie des Newroz-Festes, griffen die faschistischen Kräfte besonders hart gegen die Anwohner vor.

19.03.

Türkische Auxiliarkräfte feuerten mehrere schwere Geschosse auf die Dörfer Soganexê und Binê in der Nähe von Şera.

Zwischen zwei pro-türkischen Milizen kam es in der Stadt al-Bab, gelegen zwischen Efrîn und Manbij, zu heftigen Gefechten. Unter den zwei Milizen, die sich als Militärpolizei und zivile Polizei bezeichnen, wurden mehrere Kämpfer tödlich verletzt.

In einem Gefängnis der syrischen Armee in Aleppo wurde Ramedan Mistêfa Hennan aus Raco zu Tode gefoltert, sein Körper wurde am selben Tag gefunden.

Am selben Tag begannen die türkischen Besatzer mit der bislang größten Entführungskampagne seit der Invasion, passend zum Jahrestag der Besatzung Efrîns und zudem kurz vor dem kurdischen Newroz-Fest. In den Dörfern in der Umgebung von Meydan Ekbis ganz im Nordwesten Efrîns versammelten türkische Auxiliarkämpfer die Dorfbewohner und drohten ihnen mit Vergeltungsmaßnahmen, falls sie versuchen sollten, Newroz zu feiern. Zudem postierten sie Scharfschützen an den Dorfeingängen und entführten acht Zivilisten aus der Gegend.

Ebenfalls am 19. März, vertrieben die Kräfte der Besatzung alle Anwohner des Dorfes Çomkî/Cumkê 2 km nördlich von Efrîn aus ihren Häusern und brachten Bulldozer in das Dorf, um dieses dem Erdboden gleichzumachen. Den Anwohnern wurde nicht einmal mehr erlaubt, Wertgegenstände und Möbel aus den Häusern zu schaffen. Ein Aktivist äußerte die Vermutung, dass die Besatzer auf der Suche nach antiken überbleibseln sein könnten, die möglicherweise unter dem Dorf liegen. Aus ähnlichen Gründen waren im Vorjahr 16 Häuser im Dorf Girdqelêq zerstört worden.

Die rechtsextreme turkmenische Sultan Murad-Brigade entführte 14 Zivilisten aus dem Dorf Jeqallî Ortê nahe Şîyê und überbrachten ihren Angehörigen eine Lösegeldforderung von Umgerechnet über 1.500 Euro pro Person. Außerdem wurden neun Zivilisten aus den Dörfern Elkenê und Hec Xelîl von der Sultan Murad-Brigade entführt und nach Lösegeldzahlungen wieder freigelassen.
Ein weiteres Verbrechen der türkischen Auxiliarmiliz Sultan Murad-Brigade konnte dokumentiert werden, als ein Video auftauchte, bei dem einer der Führer der Miliz in der Nähe von al-Bab zwei Personen aus dem Vorort Ghutah von Damaskus auf brutale Weise foltert, nachdem diese das Handeln der Miliz kritisiert hatten.

20.03.

Am 20. kam es außerdem zu Kämpfen zwischen den Auxiliarkräften des 2. und des 3. Korps in der Innenstadt von Efrîn.

21.03.

An Newroz schließlich überschlug sich die Zahl der Vergehen der Besatzer gegen die feiernde kurdische Bevölkerung.
Die islamistische Liwa‘ Suqur ash-Shamal attackierte und verprügelte Êbrahim Ehmed aus dem Dorf Qizilbaş nahe Bilbilê, der ein Newrozfeuer auf dem Dach seines Hauses entzündet hatte. Obwohl die Besatzungsmacht das Feiern von Newroz sowie das entzünden von Feuern in faschistischer Manier offiziell verboten hatte, setzten viele kurdische Familien im Umland von Efrîn mit Newrozfeuern ein Zeichen des Widerstandes.

Im Dorf Kefêrsefrê nahe Cindirêsê brachte die türkisch-nationalistische Semerkend-Brigade die Anwohner des Dorfes zum Dorfplatz, nachdem diese mehrere Feuer entfacht hatten. Die Menschen wurden verwarnt, das Fest nicht zu feiern und dann nach Hause geschickt. Drei Zivilisten, namentlich Mîhemed Slêman, Mîhemed Mewas und Murad Xalo wurden in Gewahrsam genommen. Auch im Umland von Basûtê wurden etliche Zivilisten festgenommen, die Kerzen vor ihren Häusern entzündet hatten.

Insgesamt haben die türkische Armee und ihre Auxiliarkräfte an Newroz 64 Zivilisten aus Efrîn, Kefêrsefrê, Şera, Cindirêsê, Şîyê, Raco und Basûtê entführt, um das Feiern des traditionellen kurdischen Festes zu verhindern.

In Mobeta in den Bergen westlich von Efrîn hat die Besatzungsmacht 21 von 47 Häusern an ihre ursprünglichen Bewohner zurückgegeben. 26 Häuser sowie alle Anbaufelder und Oliven- und Granatapfelhaine bleiben allerdings weiterhin in den Händen der faschistischen Besatzer und ihrer Kolonisten. Die zurückerhaltenen Häuser wurden von ihren Bewohnern komplett ausgeplündert aufgefunden, ohne dass ein einziges Möbelstück im Haus geblieben wäre.

Reaktion

Im Osten Efrîns sowie im Umland von Marea wurden am 19.03. in mehreren Guerilla-Attacken der Befreiungskräfte von Efrîn (HRE) insgesamt neun pro-türkische Milizionäre getötet. Am Tag darauf wurden in Jalbar bei Şera, fünf Milizionäre getötet und zwei verwundet und in Kaljibrin nahe Azaz weitere drei Milizionäre getötet. In Marea konnte die HRE bei einer Guerilla-Attacke am 21. März einen Kämpfer der Faylaq ash-Sham töten und einen weiteren verwunden.

Weiteres

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

Es wird viel von kleinen, geheim operierenden Beobachtern berichtet, dass es praktisch unmöglich ist über alle Verbrechen zu berichten. Tragisch ist jedoch, dass aufgrund der enormen Menge an Verbrechen, die von den Besatzern verübt werden, fünf Verbrechen mehr in der Woche nicht einmal mehr auffallen würden. Es sind schlichtweg zu viele Verbrechen auf einmal, als man auf einmal begreifen kann.
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