Verbrechen der Besatzer in Efrin (01. - 04. April)

Von der Türkei unterstützte syrische Jihadisten bei einem Spaziergang, nach einem Kampf zwischen Türkei-geführte Kräfte und kurdischen Widerstands-Kämpfern am Stadtrand von Jandairis, in der Region Efrin. Bildquelle: Omar Haj Kadour / AFP Von der Türkei unterstützte syrische Jihadisten bei einem Spaziergang, nach einem Kampf zwischen Türkei-geführte Kräfte und kurdischen Widerstands-Kämpfern am Stadtrand von Jandairis, in der Region Efrin.
Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie der umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 1. und dem 4. April eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

1. April:

Am 1. April kam es zu Kämpfen zwischen nicht näher bekannten Auxiliarfraktionen der türkischen Besatzung.

In Şîyê wurde am selben Tag der 61-jährige Mistêfa Akeş durch die rechtsextreme Turkmenenmiliz, bekannt unter dem Namen „Sultan Süleyman Shah-Brigade“, entführt und in das Bezirksgefängnis gebracht, ohne genauerer Angabe von Gründen für die Festnahme. Sein Verbleib ist unklar. Zudem ist es, aufgrund bekannter Praktiken der Miliz, wahrscheinlich, dass Akeş brutaler Folter ausgesetzt ist.

2. April:

Am 2. April entführte die Auxiliarfraktion “Muntasir Billah-Brigade” die beiden Bürger Mîhemed und Nece Ekîd aus dem Dorf Habbo (nahe Mobeta, westlich von Efrîn) und brachte sie an einen unbekannten Ort. Später wurden die Entführten gegen ein Lösegeld freigelassen.

In der Stadt Cindirêsê wurde Mîhemed Ebdi Rehman, der Vorsitzende des Arya-Instituts für kurdische Kultur und Musik, bei welchem er auch als Musiklehrer und Schauspieler tätig ist, zum wiederholten Male von einer türkischen Auxiliarmiliz entführt. Die Miliz behauptete, sie habe Bilder von Rehman in Militärkleidung erhalten. Wenige Tage zuvor war außerdem sein Vater von den Milizionären entführt und gefoltert worden, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Unterdessen setzen die Milizen in Efrîn außerdem die Enteignungkampagne fort. So besetzt die turkmenisch-nationalistische Miliz Mohammed al-Fateh-Brigade die Häuser in der gesamten Wohngegend in der Umgebung des Mobeta-Kreisverkehrs im Westen der Stadt Efrîn. Laut lokalen Quellen plant die Miliz, an dieser Stelle eine große Militärbasis einzurichten. Die Enteignungen wurden gerechtfertigt mit dem angeblichen Fehlen offizieller Dokumente, sowie der Mitgliedschaft der (Ex-)Eigentümer in der Demokratischen Unionspartei (PYD). ren gefolgt von einer Plünderung der Milizionäre, die nach Wertgegenständen in den Häusern suchten.

3. April:

In der Umgebung der Kleinstadt Mobeta wurden etliche Felder aus dem Besitz vertriebener Kurden durch die Besatzer konfisziert. Die Auxiliarmiliz Jaysh an-Nukhbah übergab beispielsweise den Besitz mehrerer Olivenhaine nahe dem Dorf Amarê an islamistische Siedlerfamilien aus der syrischen Steppe. Die Siedlerfamilien lassen nun ihre Ziegen- und Schafherden auf dem Gelände grasen, was bereits zu ernsthaften Schäden an den Olivenbäumen führte. Auf Beschwerden der lokalen Bevölkerung reagierten die Siedler in der Vergangenheit damit, dass sie ihnen Gewalt durch die Milizen androhten.

Nach dem Streik dutzender Lehrkräfte vor dem Schulzentrum der Stadt Efrîn, der sich gegen die Entführung einer Gruppe von zehn kurdischen Lehrern durch die Milizen der Besatzung richtete, wurden diese von den Besatzern freigelassen. Die Lehrkräfte drohten damit, ihre Arbeit in den Ausbildungseinrichtungen an den Nagel zu hängen, sollten derartige Entführungen weiter fortgesetzt werden.

In der Stadt Efrîn wurde außerdem der 86-jährige Mîhemed Elî Reza, ein Mitglied der PDK-S, von der „Militärpolizei“, einer gegründeten Miliz der Besatzer die als Polizei fungieren soll, entführt. Einige Stunden nach seiner Verhaftung wurde Reza wieder freigelassen. Die PDK-S ist die syrische Schwesterpartei der KDP in der Autonomen Region Kurdistan (KRG) und ist Mitglied im ENKS, einer konservativ-kurdischen Parteienvereinigung, die der PYD kritisch gegenübersteht. Die PDKS ist allerdings wiederholt durch pro-türkische Rhetorik durch einige ihrer Mitglieder aufgefallen ist.

Nahe Şera beschossen türkische Auxiliarkämpfer die Dörfer Soxanekê und Eqibê mit Granaten. Mindestens ein Haus eines Zivilisten wurde zerstört.

4. April:

Am 4. April berichtete eine lokale Quelle, dass aufgrund von Misswirtschaft in der durch die türkischen Autoritäten neu besetzte Wasserverwaltung der Stadt Efrîn, der Stadt seit über einem Monat kein Trinkwasser mehr in den Leitungen zur Verfügung steht. Als Vorsitzender der Wasserverwaltung wurde ein islamistischer Siedler namens Abd al-Qadir al-Hafiz eingesetzt, der den übriggebliebenen kurdischen Angestellten, von denen viele jahrzehntelange Erfahrung aufweisen können, das Leben schwer macht um sie zur Kündigung zu bewegen. Der Halt der Trinkwasserversorgung ist laut lokaler Quelle darauf zurückzuführen, dass sich die neue Verwaltung nicht um die Erneuerung des Vertrags mit der Bhar-Assoziation kümmerte, die zuvor den Treibstoff lieferte, den die Wasserverwaltung für die Pumpen benötigt. Skurrilerweise beauftragte der Vorsitzende die Angestellten, trotzdem die monatlichen Kosten von den Einwohnern einzutreiben. Allerdings sollten lediglich die kurdischen Bürger und nicht die Siedlerfamilien belangt werden und die Gebühren zahlen. Im vorigen Monat waren bereits mehrere Mitarbeiter der Wasserverwaltung von Milizionären entführt worden. Ehmed Oso, einer dieser Entführten, wurde von dem Vorsitzenden der Wasserverwaltung in seiner Zelle besucht, da er auf seine Fachkunde angewiesen war. Seine Kooperation führte dennoch nicht zu seiner Freilassung.

Kämpfer der al-Qaida-nahen Miliz Jaysh ash-Sharqiyah stürmten das Haus von Essa Fêyo nahe des Dêrsim-Krankenhauses in Efrîn. Die Räuber konfiszierten Wohnung und Geschäft unter der Begründung, dass sie auf seinen Vater Adnan und nicht ihn selbst angemeldet seien.

Widerstand:

Kurdische Partisanen ließen diese Aggressionen der Besatzungsmacht derweil nicht unbeantwortet. Bei einem Angriff der Widerstandseinheiten von Efrîn (HRE) am 2. April in Marea (östlich von Efrîn) wurde ein Kämpfer der islamistischen Jabhat ash-Shamiyah getötet und ein weiterer verletzt. Ein weiterer Kämpfer der Jabhat ash-Shamiyah wurde am selben Tag in Kefêrxeşar tödlich verwundet.

Am 3. April wurden drei Kämpfer der Brigade 55 in Kafr Kulbin bei einem Angriff der Partisanen verwundet.

Weiteres:

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, wird durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien angesiedelt. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.