Verbrechen der Besatzer in Efrîn (15.3.-18.3.)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 15. und 18. März mehrere Menschenrechtsverstöße durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Im Dorf Korzelê nahe Şera entführten türkische Auxiliarkämpfer die kurdischen Zivilisten Mistêfa, Ebdo, Ebdilrehman und Mîhemed aus der Hêmkro-Familie. Sie wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Ihr Schicksal ist bislang unklar.

Am Kawa-Kreisverkehr in der Innenstadt von Efrîn kam es zu Kämpfen zwischen der Sultan Murad-Brigade und der Liwa‘ Shams ash-Shamal.

Auch in Qestelê, nahe Azaz, kam es zu Kämpfen zwischen den zwei Auxiliarkräften. Dabei wurde mindestens ein turkmenischer Milizionär der Sultan Murad-Brigade getötet. Die immer wieder auftretenden Kämpfe zwischen den mafia-ähnlichen Milizen, drehen sich meist um die Kontrolle über Grenzübergänge und Schmuggelrouten, sowie um die Verteilung von Diebesgut, dass den kurdischen Bewohnern geklaut wurde.

In einem vereinten Statement erklärten sieben lokale Räte in Efrîn, Newroz zu einem offiziellen Feiertag und gratulierten den Kurden zu ihrem nationalen Feiertag. Außerdem rief das Statement Anwohner dazu auf, Kerzen und Fackeln auf ihren Hausdächern zu platzieren und draußen zu feiern.
Einige Stunden später jedoch wurde das Statement auf Druck der türkischen Autoritäten zurückgezogen. Stattdessen wurde ein kurzes Statement auf Türkisch und Arabisch veröffentlicht, dass ankündigte, dass Newroz kein Feiertag sei und an diesem Tag Feuer, Demonstrationen und Feiern offiziell verboten seien. Auch hier lässt der türkische Staat wieder einmal keine Zweifel über seine faschistische Motivation.

Die nationalistische Turkmenenmiliz Süleyman Shah-Brigade, entführte im Dorf Xelîlê nördlich von Şîyê im Westen von Efrîn etwa 20 kurdische Zivilisten aus ihren Häusern. Die Miliz brachte die Gefangenen, vor allem junge Männer, in ihre Basis am Dorfeingang, die im Haus des kurdischen Bürgers Ewnî Reşîd eingerichtet wurde. Dort wurden die Gefangenen so laut gefoltert, dass ihre Schreie im ganzen Dorf zu hören waren. Die kurdischen Familien im Dorf waren zuvor nach Schutzgeld erpresst worden, konnten dies aber nicht aufbringen. Zwar haben die Familien Dokumente der Besatzungsräte, die ihnen offiziell erlauben in ihren Häusern zu bleiben, aber selbst diese werden von der faschistischen Miliz ignoriert.
Die Miliz fordert nun ein Lösegeld von etwa 1.700 Euro pro Entführten. Die Namen von acht der entführten Zivilisten sind bekannt, sie lauten Cemîl Xelîl, Mîhemed Xalo, Mîhemed Tûbel, Ebdirehman Sebrî, Mahmûd Cello, Ebdîn Reşîd, Welîd Xelîl und Mîhemed Alo

Ähnlich schlimm sieht die Lage in den Dörfern Berbendê, Goliyê Jêrîn und Behdînan westlich von Raco aus. Das Gebiet wird von der Miliz Firqat al-Hamzah kontrolliert, die eine der brutalsten Milizen im besetzten Efrîn ist. Im Dorf Berbendê waren über drei Viertel der kurdischen Anwohner nach etwa zwei Monaten zurückgekehrt und die Lage blieb noch weitere drei Monate relativ ruhig für die Anwohner. Als die islamistische Miliz jedoch in das Dorf vorrückte, änderte sich diese Lage dramatisch. Die Milizionäre plünderten in Berbendê und in den zuvor genannten Nachbardörfer alle Häuser auf der Suche nach Kostbarkeiten aus. Unter dem Diebesgut befanden sich Wassertanks, andere Behälter, Gaszylinder, große Zahlen an Gemüse und Früchten, Landwirtschaftsgeräte, Traktoren, Küchengeräte und weiteres.
Dann kam die zweite Phase, bei der sie die Häuser von Anwohnern an hellichtem Tage für ihre Kämpfer konfiszierten. Dies geschah unter der Anschuldigung an die Anwohner, sie hätten mit der kurdischen Selbstverwaltung, der YPG oder der Partei zu tun gehabt. In den Häusern wurden nun die Familien der Milizionäre angesiedelt und außerdem Olivenbäume als Feuerholz gefällt.

In einem Interview am 18. März sagte Abdul Bassit Hamo, ein Mitglied der ENKS, dass er die Pläne der Türkei zu einer Invasion der SDF-Gebiete östlich des Euphrats unterstütze und eine solche Operation ein Beginn einer Lösung für die Probleme Nordsyriens darstellen könne. Die SDF beschuldigte er, Zwangsrekrutierung zu betreiben, Zivilisten zu entführen und zu foltern und Journalisten zu verfolgen und sagte, dass politische Freiheit in den SDF-Gebieten nicht vorhanden sei.
Die Lage in Efrîn erwähnte das hochrangige ENKS-Mitglied hingegen mit keinem Wort, sagte aber, dass die Kurden Teil der Opposition seien und keinerlei Diskrimination oder Beschränkung in den Gebieten unter Kontrolle der Türkei erlebt hätten. In einem vorigen Statement hatte er jedoch zugegeben, dass die Türkei seit der Invasion Efrîns es dem ENKS nicht gestattet hätte, Efrîn zu besuchen oder dort zu verweilen.

Unterdessen hat sich auch der kurdische Widerstand gegen die Besatzung fortgesetzt. In Kimarê direkt östlich der Stadt Efrîn, wurde bei einem Guerillaangriff der HRE ein Milizionär der Firqat al-Hamzah getötet und drei weitere verwundet. Bei einem Sniperangriff in Azaz wurde ein türkischer Auxiliarkämpfer getötet und in Mari’a bei Tall Rifa’at ein weiterer. Außerdem gab es eine heftige Explosion in Terindê, nach welcher die Milizionäre das Gebiet abriegelten.
Last modified onFreitag, 26 April 2019 19:11