Enormer Regen in Kurdistan: Die Gebete wurden erhört

Landstraße überflutet vom ganzen Regen. Landstraße überflutet vom ganzen Regen.
Karge Landschaften, vertrocknete Büsche und Bäume: Wer den Sommer in Kurdistan kennt, der ist vertraut mit diesem Anblick.

Der kurdische Frühling zeichnet sich normalerweise durch tiefgrüne Landschaften, Weiden voller weißen Narzissen und roten Mohnblumen aus. Normalerweise! Der kurdische Frühling in Südkurdistan ist momentan geprägt durch Wolkenbrüche, Schlammlawinen und überflutete Straßen. 

Wie kommt es dazu? Wie kann es sein, dass eine Region, die bei jedem Frühling mit Überflutungen zu kämpfen hat, sich nicht darauf vorbereitet? 

Die Autonome Region Kurdistan hat es in 30 Jahren nicht geschafft, ein Kanalisationssystem zu bauen. Selbst die Hauptstraßen verfügen über kein funktionierendes Abwassersystem. Das Agrarkultur/Umwelt Ministerium hat es ebenfalls nicht geschafft an kritischen Stellen Ausweichkanäle zu bauen. Das Resultat ist verheerend: Schlammlawinen wälzen sich durch die kurdische Natur und reißen teilweise Dörfer mit sich. Die Äcker vieler Bauern wurden teilweise komplett weggespült. Vielerorts konnten die Bauern ihre Äcker nicht säen. Die Straßen in Südkurdistan sind überflutet. Vor einigen Tagen kursierte ein Video auf den sozialen Netzwerken, die zeigten wie ein Polizeibeamter mit einem Schlauchboot durch die Straßen paddelte. 

Fehlt es Südkurdistan an Ingenieuren? 
Fehlt es Südkurdistan an Geld? 
Nein und nein. 


Das Problem in Südkurdistan liegt in der massiven Korruption. An Bauprojekten, wie dem Straßenbau und einem vernünftigen Abwassersystem wird massiv gepfuscht. Die Ingenieure in Kurdistan sind teils nicht kompetent und teilweise fehlt es Ihnen an den Mitteln, welche wiederum nicht an sie gelangen durch die massive Korruption.  Ein Beispiel dafür sind die Brücken, welche vielerorts gesperrt werden mussten. Die Brücken wurden gebaut um noch stärkeren Fluten standzuhalten, aber sie haben bereits ihre Belastungsgrenzen bei diesen Fluten erreicht. Die enormen Regenfälle machen erneut deutlich, wie sehr Südkurdistan, geführt durch die beiden Parteien, unter der Korruption leiden. 

Eine gute Seite haben die Regenfälle jedoch - die Staudämme und Flüsse sind bis zum Maximum gefüllt. Südkurdistan bezieht seine Energie hauptsächlich durch Wasserkraftwerke. Durch die maximal gefüllten Staudämme wurde die Energieversorgung Südkurdistan enorm gesteigert. Tatsächlich wurde vor wenigen Tagen die höchste Energieversorgung Südkurdistans gemessen, welche ungefähr 3.600 Megawatt betrug und womit der Bevölkerung 16 Stunden lang Strom zur Verfügung gestellt werden konnte.  Ein Rekord das zeitgleich auch ein Armutszeugnis ist. 

Nur den kurdischen Galgenhumor konnten die Fluten nicht wegspülen: Die Bevölkerung bewitzelt die Fluten „Wir beten im Sommer so oft für den Regen, jetzt haben wir ihn aber wollen ihn nicht“ 

Nach jedem Regen kommt die Sonne und mit ihr erwacht das kurdische Volk! Nach jedem Regen erstrahlen die Landschaften in einem noch tieferen Grün. Wir hoffen das Südkurdistan nach diesen Fluten ebenso aufblüht, aufwacht und gedeiht.
Last modified onFreitag, 14 Juni 2019 10:04