Erdogan: Sind entschlossen den Dolch in das Herz des terroristischen Projekts in Syrien zu stossen

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Ein Jahr nach der Operation «Schutzschild Euphrat» in Nordsyrien mehren sich am Bosporus die Spekulationen um eine bevorstehende Offensive der türkischen Streitkräfte. «Wir sind entschlossen, den Dolch in das Herz des terroristischen Projekts in Syrien zu stossen», erklärte Präsident Erdogan Anfang August in der türkischen Stadt Malatya. Sehr bald würden «wichtige Schritte» eingeleitet. Nur wenn der Sumpf ausgetrocknet werde, könne man die Fliegen loswerden.



Erdogans mit Metaphern überladene Rede machte deutlich, dass er mit Terroristen und Fliegen primär die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) meint. Als am 24. August 2016 türkische Panzer über die syrische Grenze rollten, stand noch offiziell die Vertreibung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Vordergrund. Die Operation, bei der nach inoffiziellen Schätzungen rund 70 türkische Soldaten ihr Leben verloren, wurde im März 2017 offiziell beendet.

Den türkischen Streitkräften und der mit ihr liierten Freien Syrischen Armee (FSA) war es gelungen, die Terroristen aus dem türkischen Hinterhof zu vertreiben. Teilweise wurde mit dem IS verhandelt, so dass sich diese von vielen Orten kampflos zurück gezogen haben.



Ankara ist indes überzeugt, dass die Kurden mit Duldung oder gar aktiver Unterstützung Russlands und Amerikas ihre Stellung in Syrien ausbauen. Türkische Staatsmedien bezichtigten Washington kürzlich, die YPG mit Panzern zu beliefern, was die amerikanische Botschaft in Ankara dementierte. Erdogan betrachtet die Miliz wegen ihrer Verbindungen zur militanten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrortruppe. Das amerikanische Militär hingegen arbeitet beim Kampf gegen den IS eng mit den effektiven YPG zusammen und warnt vor Störmanövern der Türken. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Zwischenfällen an der türkisch-syrischen Grenze. Im Juli beschossen die türkische Armee und mit ihr verbündete Milizen Stellungen der YPG. Am vergangenen Wochenende verstärkte die Armee laut der Nachrichtenagentur Dogan ihre Präsenz in der Gegend. Bereits im Juni berichteten lokale Medien, die Generalität in Ankara plane eine Folge-Operation mit dem Arbeitstitel «Schwert Euphrat».

Nur Tage vor Erdogans furioser Rede hatte der regierungsnahe Oberste Militärrat die Spitze von Landes-, See- und Luftstreitkräften neu besetzt. Insbesondere der frisch ernannte Armeechef Yasar Güler, zuvor Chef der Gendarmerie, gilt als Hardliner.
Quelle: NZZ



Last modified onSamstag, 12 August 2017 07:37

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