Arne Gericke (Bündnis C) fordert Gerechtigkeit für die Menschen von Xelfetî

Laut dem HDP-Abgeordneten Ayşe Acar Başaran und der Menschenrechtsorganisation ÖHD führten die türkischen Sicherheitskräfte nach einem Zusammenstoß zwischen der PKK und den türkischen Sicherheitskräften in der Nähe von Xelfetî eine Kampagne von zufälligen Massenverhaftungen im Bezirk Xelfetî der Provinz Riha durch.

Laut ÖHD und MP Ayşe Acar Başaran haben die türkischen Sicherheitskräfte die Verhafteten schwer misshandelt. Einige der Verhafteten waren nur 13 Jahre alt. Den Berichten zufolge konnten viele der Verhafteten nicht einmal mehr laufen.

Der Europaabgeordnete Arne Gericke (BundnisC) fordert die sofortige Freilassung all derer, die ohne triftige Gründe gefoltert und willkürlich verhaftet wurden. “Diese Art von Barbarei wird von einem Staat begangen, der immer noch ein offizieller Partner der EU und der NATO ist. Wie ist es möglich, dass sich so viele in der EU scheinbar nicht um diese Verbrechen kümmern?“  Gericke fordert eine sofortige Untersuchung dieser Situation durch den Europäischen Ausschuss zur Verhütung von Folter (CPT).

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (26. - 28. März)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens, sowie im umliegenden Kurmêncgebirge, wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 26. und dem 28. März eine große Zahl von Menschenrechtsverstößen durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Am 26. wurde der Dorfbewohner Silêman Mîhemed Nasan aus Xalnerê von türkischen Auxiliarkräften entführt. Na’san, der nach seiner Entführung aus seinem eigenen Haus an einen unbekannten Ort gebracht wurde, ist alleinerziehender Vater von zwei Söhnen.

In Kefêrcenê, nördlich der Stadt Efrîn, kam es zu Kampfhandlungen zwischen zwei türkischen Milizen, die Gründe dafür sind unklar. Meist gehen derartige Kämpfe aber um die Verteilung von Diebesgut, die Kontrolle über Schmuggelrouten oder lediglich um Stammesfehden.

Am 27. März plünderte die islamistische Miliz Liwa‘ ash-Shuhadah mehrere Häuser von Anwohnern der Mahmudiyê-Nachbarschaft in Efrîn.

Im Dorf Jokê, in den westlichen Kurmêncbergen, attackierten unbekannte einen Checkpoint der Miliz Firqat al-Hamzah, die für ihre Übergriffe auf die Kurden berüchtigt ist. Bei der Explosion starben vier Milizionäre, weitere wurden verletzt.

Die islamistische Miliz Faylaq al-Majd führte Zerstörungsarbeiten mit einem Bulldozer an einem Schrein namens Xerabî Alo, nahe dem Dorf Cobanê im Distrikt Raco, durch, in Hoffnung, dabei auf Schätze zu stoßen. Bei den Grabräuberarbeiten nahe des alten römischen Brunnens wurden dabei außerdem zehn alte Olivenbäume im Besitz des Anwohners Maami Belikî gefällt.

Schon zuvor hatten die türkischen Besatzer Teams von Spezialisten an Stellen wie diese gebracht, um mit Suchtgeräten zu überprüfen, ob es dort Artefakte geben könnte.

Als sich am 27. März zwei türkische Auxiliarmilizen, die beide zur Jabhat ash-Shamiyah gehören, einen Feuerwechsel im industriellen Viertel Efrîns lieferten, wurde dabei ein 13 Jahre alter kurdischer Junge in den Rücken geschossen. Der Junge arbeitete zu diesem Zeitpunkt in einem Möbelgeschäft in dem Viertel. Glücklicherweise konnte sein Leben im Ferzendê-Krankenhaus gerettet werden.

Bei einem Plünderungszug der Jabhat ash-Shamiyah in der Eshrefiyê-Nachbarschaft, wurde das Wohnhaus des Bürgers „Abu Hanif“ aus Amrê zum zweiten Mal in kurzer Zeit ausgeplündert, wobei Motorradausrüstung und weitere elektronische Ausrüstung gestohlen wurden.

Ein Milizionär namens Abu Jum’ah, aus einer als Spezialeinheit bezeichneten Miliz, bedrohte eine Familie aus dem Dorf Coyqê und beschuldigte den Familienvater, Teil der YPG gewesen zu sein, obwohl sich dieser mehrere Jahre in Deutschland aufgehalten hatte. Das Ziel des Milizionärs war es, ihm das Haus abzunehmen und selbst dort einziehen zu können.

In der Racostraße von Efrîn, weigerte sich der kurdische Bürger Heftaru eine Teekanne an einen Islamisten zu übergeben, weil er bereits ein Schuldenproblem habe. Der Milizionär schoss daraufhin in die Luft, doch wurde letztendlich durch den vereinigten Widerstand der Anwohner ohne Beute vertrieben. Dies mag nur ein kleiner Sieg sein, dennoch  zeigt es, dass sich der Widerstand in allen Teilen der Gesellschaft fortsetzt.

Am 26. kam es zu Kämpfen zwischen islamistischen Auxiliarmilizen des türkischen Staats, namentlich die Liwa‘ Khalid ibn al-Walid und die Faylaq ash-Sham, nahe Meydan Ekbis im äußersten Nordwesten von Efrîn. Bei den Kämpfen, die sich um das Besitztum über ohnehin gestohlenes Land drehten, wurde ein Milizionär verletzt.

Die türkischen Besatzer haben sich bereits in Nachrichten an ihre Milizen offen zu ihren Zielen der ethnischen Säuberung in Efrîn und Umgebung bekannt und auch die Enteignung eines Großteils der Olivenernte, insbesondere des Olivenöls, wurde bereits vom türkischen Parlament ohne größeren Aufschrei bestätigt. Das gestohlene Olivenöl wird inzwischen erwiesenermaßen auf europäischen Märkten verkauft.

Der Anteil der kurdischen Zivilbevölkerung, die seit Jahrhunderten in diesem Gebiet siedelt, betrug vor der Invasion über 95% und ist laut Schätzungen inzwischen auf unter 40% gefallen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere die Êzîden und Christen Efrîns, werden durch Schikanen die seit einem Jahr unvermindert anhalten, aus ihrer Heimat verdrängt. Darauffolgend wird versucht, islamistische Kämpfer aus anderen Teilen Syriens, zum Teil Brigaden und Korps die gegen die syrische Armee Niederlagen erlitten, dort mitsamt ihrer Familien anzusiedeln. Die etwa 300.000 Geflohenen werden allesamt enteignet, was offiziell damit legitimiert wird, dass sie "Anhänger kurdischer Parteien" seien.

ECPM und Bündnis C - Im Interview mit Johannes De Jong

Die Europawahlen stehen an, können sie kurz erklären wer oder was die ECPM ist, wofür sie steht und welchen Bezug sie auf den Nahen Osten hat?

Wir sind die Europäische Christliche Politische Bewegung (engl.: European Christian Political Movement; also kurz ECPM), ein Dachverband von gleichgesinnten christlichen politischen Parteien aus ganz Europa. Viele unsere Parteien nehmen ebenfalls an der Europawahl teil. Hier in Deutschland steht unsere Mitgliedspartei Bündnis C zur Wahl. Wir haben die ECPM gegründet, weil wir glauben das es nötig ist eine klare christliche Alternative zu haben, zu den anderen Parteien, wie die in Deutschland vorhandene CDU/CSU oder der auf europäischer Ebene vorhandenen EPP, die ganz offensichtlich über den christlichen Werten hinaus agiert und Politik treibt. Daneben haben wir eine andere ökonomische Idee und Sichtweise als die EPP. Interessanterweise werden wir als konservativ bezeichnet oder gesehen, jedoch können unsere ökonomischen Sichtweisen und Ideen nicht in ein konservatives Spektrum kategorisiert werden.
Unsere ökonomischen Ideen gehen stark einher mit dem Prinzip der „Relational economy“. Demnach soll das Geld und somit auch die Macht, nicht an die 1% der obersten Schicht gehen, sondern das Geld soll gleich verteilt und ausgegeben werden. Wir glauben das wir als aufrichtige christliche Partei keine Vertreter für die Großkonzerne sein wollen, sondern wir wollen Vertreter von Moralen und Werten sein.



Wofür steht die ECPM im Bezug auf den Nahen Osten ?

Als 2014 der Daesh Shengal und die Ninive-Ebene angegriffen hat, gab es von uns nur eine mögliche Antwort auf diese Verbrechen: „Wir müssen hin! Wir dürfen nicht schweigen. Wir müssen etwas unternehmen.“ Also haben wir angefangen den Kurden, Jesiden, Suryoye und (am Anfang auch) den Turkmenen eine Stimme auf europäischer Ebene zu geben. Aber nicht mit dem Prinzip das wir für die Kurden, Jesiden und Suryoye sprechen und Vertreter sind, sondern sie sollen ihre eigene Stimme haben und sich selbst vertreten auf eine Art und Weise, die es dem Europäer erlaubt zu sehen und zu verstehen was gerade im Irak und Syrien passiert. Es ist seither unsere Rolle gewesen, gemeinsam mit den fantastischen Leuten vor Ort, die Informationen und die Lage, den westlichen Medien, Politikern und Menschen mit Einfluss zu erklären, dass sie auch verstehen was dort gerade passiert und wie unsere Politik hier dort aufsetzen kann. Besonders was das Vermitteln von Informationen angeht haben wir einen Vorteil als kleine christliche Organisation, die uns immer und immer wieder Türen und Möglichkeiten öffnet. Wir haben stets dort Eingang und Gehör, wo keine linke Organisation oder Partei, welche finden würde. Zum Beispiel würde die Trump-Administration niemals auf eine linke Organisation oder Partei in Europa hören. Aber auf eine christliche Partei werden die Organisationen in den USA hören. Christliche und Konservative Organisationen und Vereinigungen werden viel mehr auf das hören, was andere christlich-konservative Parteien zu sagen haben. Sie werden auf uns hören, weil wir aus derselben Ecke sind. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Wir haben uns immer wieder dafür eingesetzt, dass die Kurden, Jesiden und Suryoye Teil der Lösung sein müssen. Also keine Entscheidungen treffen, ohne auch sie mit einzubeziehen. Wir haben auch immer wieder zu den Menschen vor Ort gesagt, dass sie sich nicht als Menschen mit einem Problem präsentieren sollen, sondern sich als Menschen zeigen sollen, die eine Lösung haben. Eine Lösung und eine Idee für die Probleme der Gegenwart, um eine bessere Zukunft für sich selbst zu schaffen. Und das ist auch was die Europäer und die Amerikaner verstehen können. Es gibt viele Menschen auf der Welt, die ein Problem haben und Hilfe benötigen, aber es gibt zu wenige die auch eine Lösung für ihre eigenen Probleme haben und eine Idee verfolgen. Anstatt zu sagen „Wir werden vom Daesh angegriffen und brauchen Hilfe.“, sollte eine andere Herangehensweise eingenommen werden, die uns unmissverständlich sagt, dass der Daesh für uns alle, also auch uns Europäer und den Amerikanern, ein Problem darstellt das einer Lösung bedarf, die unser alle Zusammenarbeit fordert. Das ist eine ganz andere Art von Lösungsansatz, den wir immer und immer wieder vorantreiben und anstreben.
Wir haben auch immer und immer wieder die Propaganda gegen Kurden durch das syrische Regime unter Assad und das türkische Regime unter Erdogan widerlegt und erklärt was daran falsch war und warum. Wir glauben das ist sehr wichtig gewesen, weil sonst sie Sympathie nicht vorhanden gewesen wäre. Und das wäre sehr desaströs für den Kampf vor Ort gewesen.



Was hat ihre Partei bislang konkret für die Kurden, Jesiden und andere Minderheiten in Syrien oder im Nahen Osten erreicht ?

Einige Punkte habe ich schon genannt. Das haben wir immer und immer wieder wiederholt. Was wir auch versucht haben war, das Problem auf allen möglichen Plattform zu benenn um die Menschen darauf Aufmerksam zu machen. Unsere Arbeit bestand darin Menschen selbst eine Stimme zu geben. Also den Kurden, Jesiden, Suryoye etc.... Mit Politikern und Delegationen aus Irak, Rojava, KRG, Europa etc. haben wir versucht zusammen in ein Gespräch zu kommen und Entscheidungen mit direkter Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen zu fällen. So konnten die Menschen selbst erklären, was die derzeitige Lage vor Ort ist und wir konnten so die Propaganda aus der Türkei oder Syrien für die Behörden gut neutralisieren. Durch diese Methoden haben wir Einfluss ausgeübt und auch konkrete Resultate erzielt.
Wir erinnern uns an die angespannte Lage im Dezember/Januar als die USA angekündigt hat ihre Truppen aus Syrien zurück zu ziehen. Das war natürlich eine desaströse Entscheidung für alle Betroffenen und Partner in Syrien. Da wir schon seit 5 Jahren dabei sind und aktiv Politik machen, haben wir Partner und Beziehungen in den USA, die für unsere Lobbyarbeit wichtig sind. Nach der Entscheidung haben wir innerhalb von wenigen Stunden unsere Lobbyarbeit reaktiviert und versucht mit der Trump-Administration Gespräche zu führen, um eine Änderung des Truppenabzugs aus Syrien zu erreichen. Was wir von der ECPM machen ist, die Informationen so weiterzugeben und zu erklären, dass unsere Leute in den USA unsere Unterstützung und unsere Intentionen verstehen und weil wir seit 5 Jahren zusammenarbeiten, haben wir eine gegenseitige Vertrauensbasis geschaffen und nehmen an was wir sagen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass das was wir vermitteln stimmt. Das ist sehr wichtig. Dadurch konnten wir die christliche Ecke beeinflussen, wir konnten die großen Evangelischen Fraktionen überzeugen sich laut gegen den Rückzug der US-Truppen aus Syrien auszusprechen. Natürlich haben sich viele auch dagegen ausgesprochen, ohne von uns beeinflusst worden zu sein. Aber wir haben die nötige Lobby in den USA aufgezogen, um selber gegen diese Entscheidung zu arbeiten und wichtige Menschen mit Macht und Entscheidungsgewalt davon zu überzeugen, die Kurden nicht im Stich zu lassen.



Wie genau hat ihre Lobby in den USA dabei geholfen Rojava die Unterstützung zu sichern ?

Unsere Kontakte im Evangelischen Spektrum in den USA war wichtig. Wir hatten zum Beispiel guten Kontakt mit dem Journalisten Chris Mitchell von CBN News. CBN ist ein bekannter christlicher Sender in den USA. Er hatte die Efrin-Invasion irgendwie kurz mitbekommen und Bilder und Videos im Netz gesehen und hatte dann beschlossen selber nach Nordsyrien zu gehen. Wir haben alles gut organisiert , sodass er nach Rojava kommen und darüber direkt berichten kann als US-Journalist. Er hat all die Schrecken und Verbrechen gesehen und mitbekommen und ist dann zurückgegangen in die USA und war selber fassungslos und überzeugt davon gewesen, dass das nicht passieren muss. Sein Vorgesetzter bei CBN wurde ebenfalls von den Berichten und dem Bildmaterial von Mitchell und geprägt. CBN hatte sich also klar positioniert und auf Sendung (TV) gesagt, dass es eine christliche Sünde ist sich aus Rojava zurückzuziehen, nachdem sie gesehen haben was dort passiert und wer alles dort in Stich gelassen wird. Also sehen wir, dass es eine sehr starke christliche Lobby gewesen, die wir geschaffen haben. Diese starke Lobby hat dann den Einfluss gehabt, den Beschluss zumindest teilweise zurückzuziehen. Wenn Daesh besiegt ist und es nicht notwendig ist mit einigen 1000 Truppen dort zu bleiben, dann bleiben nur einige hunderte. Als Abschreckung für die Türkei und die restlichen Daesh. Die SDF hat auch gesagt das einige hundert Truppen als Abschreckung für die Türkei eine relevante Idee ist. Vor allem was Trump angeht ist unsere Arbeit wichtig. Präsident Trump und die gesamte Trump-Administration würden niemals auf Linke Politiker hören. Trump würde sich keineswegs die Mühe machen sich die Punkte eines linksliberalen Politikers anzuhören. Aber dadurch das wir christlich-konservativ einzustufen sind, wird die Regierung auch auch Trump selbst, sehr überzeugbar sein und sich unsere Forderungen bzw. unsere Unterstützungsgesuche anhören und williger sein diese auch durchzusetzen.
Wir sind schon seit ganz am Anfang, seit Kobane, dabei Lobby zu betreiben für die Kurden in Rojava. Wir haben immer versucht durch direkte Informationen, die USA dazu zu bringen bestimmte Orte zu bombardieren um den Menschen vor Ort zu helfen vor Daesh zu fliehen oder dabei zu helfen das die YPG gegen den Daesh kämpfen kann. Vieles davon haben wir nicht öffentlich bekannt gegeben. Unsere Priorität lag darin, den Leuten vor Ort zu helfen.

Immer wenn Shingal durch die Türkei attackiert wurde oder wenn die Hash-al-Shabi die YBS bedroht hat, haben wir diese Informationen an das Außenministerium der Vereinigten Staaten weitergeleitet. Dies hatte auch einen klaren Einfluss auf die Situation vor Ort, denn wir haben gemeinsam mit zahlreichen anderen ehrenamtlichen aus erster Hand über die Lage berichtet. Ich betone dabei, dass wir nur ein Teil davon waren. Wir nennen uns keinesfalls die großen Helden, sondern versuchen lediglich so viel zu helfen wie nur möglich. Auch bei der Schlacht um Kobane haben wir versucht zu helfen. Während viele Menschen vor dem europäischen Parlamentsgebäude demonstriert haben, haben wir innerhalb des europäischen Parlament gearbeitet. Wir haben vielen Politiker versucht zu erklären, was gerade in Kobane und Rojava passiert. Viele Politiker wussten nicht genau, wie die Situation im Detail aussieht. Auch in den USA hat unsere Lobby immer wieder klar gesagt, dass die Kurden zum eigenen Schutz Waffen brauchen um sich vor dem IS zu verteidigen. Dies haben wir mit der Unterstützung dortiger Christen und dem Fakt, dass wir eine christlich konservative Bewegung sind, aufgestellt. Und obwohl die Türkei immer wieder Druck ausgeübt hat, haben wir sowohl in Amerika wie auch in Europa klar und deutlich vermittelt, dass wenn man den IS besiegen will, man die dortigen Kurden bewaffnen und unterstützen muss. Ich erinnere mich noch ganz gut, als Trump noch nicht lange Präsident war und Erdogan massiv gedroht hatte, Rojava anzugreifen. Unser christliches Netz in Amerika war sofort alarmiert und ein großer evangelischer Pastor ist dann in Folge tatsächlich zu Trump gegangen und hat ihm erklärt, warum wir das nicht akzeptieren können. Er muss etwas dagegen machen oder Trump würde seine Unterstützung verlieren. In der folgenden Nacht haben sich dann amerikanische Soldaten zwischen der türkischen Grenze und den kurdischen Gebieten positioniert. Das war ein klares Signal der Amerikaner gegenüber der Türkei. Im Prinzip reicht unser Arm oftmals sogar bei Notwendigkeit bis hin zum Weißen Haus. Wir versuchen auf die Politik in Europa und in der USA Einfluss auszuüben, um die Freiheit der Völker zu gewährleisten. Deshalb finde ich es auch so wunderbar, dass Araber, Kurden, Suryoye, Turkmenen, Armenier, Christen, Eziden, Moslems und auch Aramäer usw. gemeinsamer Teil der SDF sind. Sie arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig, um Freiheit für alle zu ermöglichen.



Welche Rolle spielen ihrer Meinung nach die Kurden für den Nahen Osten?

Die Kurden sind eine Schlüsselrolle im Nahen Osten und das ist nicht nur meine Wahrnehmung. Viele sind da derselben Meinung und das auch zurecht. Jedoch sind die Kurden nicht die einzigen, die eine bedeutende Rolle für den Nahen Osten haben. Die Kurden verstehen auch immer mehr, dass der altertümliche kurdische Nationalismus kein Weg nach vorne ist. Die Kurden können die Freiheit für sich selbst, aber auch für alle anderen Minderheiten in der Region möglich machen. Wie man bereits in Nordsyrien sehen kann, ist genau das die Schlüsselrolle. Ein kleines Beispiel: Als die Operation zur Befreiung von Deir ez-Zor begonnen hat, hatten die Kurden noch um Rakka gekämpft. Wir waren zeitgleich im Süden Rojavas und sind in Richtung Irak gefahren. Auf dem Weg konnten wir genau sehen, wie großes und schweres Material, also Fahrzeuge und Waffen, in Richtung Syrien transportiert wurde. Deir ez-Zor konnte einige Zeit später vom Daesh befreit werden. Sicherlich gibt es dort auch heute noch einige Probleme, da die Ideologie von Daesh nach wie vor von einigen vertreten wird. Doch die Kurden haben gezeigt, zu was sie in der Lage sind. Die Kurden haben in Deir ez-Zor ein Frauenhaus aufgebaut und dort können Frauen hingehen und lernen, was Freiheit und Feminismus bedeutet. Hauptsächlich wird dieses Frauenhaus von arabischen Frauen besucht. Genau so schaffen es die Kurden, Freiheit für sich und allen anderen Menschen dort zu ermöglichen. Ohne eine Mentalitätsänderung im Sinne von Freiheit von Frauen, Minderheiten usw., wird sich im Nahen Osten nichts ändern können.



Was ist Ihre persönliche Meinung zur PKK und wie sieht ihre Partei die ganze Situation?

Bündnis C hat sehr klar erklärt, dass die PKK von der Terrorliste weg muss. Auch die höchsten europäischen Gerichte haben zugegeben, dass die PKK nicht auf der Terrorliste stehen sollte. Die PKK ist aber nach wie vor wegen dem politischen Druck dort eingetragen. Fakt ist jedoch, dass sie dort nicht hingehört. Ich glaube, man weiß eigentlich genau, wieso die PKK auf der Terrorliste ist. Sie ist nicht auf der Terrorliste, wie auch das belgische Revisionsgericht klar erklärt hat, weil von ihr eine Terrorgefahr für Europa ausgeht, sondern nur wegen dem politischen Druck der Türkei. Die Risikofaktoren müssten nun für alle europäischen Mitgliedsstaaten klar sein. Deshalb bin ich auch einverstanden mit der Position von Bündnis C. Denn sie positioniert sich ganz klar gegen die Auflistung der PKK auf der Terrorliste. Die kriminalisierung steht der Konfliktlösung in der Türkei im Weg und ist zudem auch ein Hindernis für die Lage in Shingal und Nordost-Syrien. Die YPG besteht aus so vielen verschiedenen Gruppen, wodurch das PKK-Argument für Nordost-Syrien wirklich Unsinn ist, denn alle wissen, dass die PKK nicht mehr dort ist. Das ist lediglich Propaganda aus der Türkei.



Welche konkreten Vorstellungen haben Sie und Ihre Partei für den Wiederaufbau in Syrien und was soll man mit den gefangenen IS-Kämpfern machen?

Erstens: Es ist wichtig, dass Europa und die USA klarstellen, dass alle Gebiete die unter der Kontrolle der SDF sind, nicht vom Syrien-Embargo betroffen sind. Das ist sehr wichtig, denn die SDF-Gebiete werden nicht von Assad kontrolliert und schließlich ist Assad Grund für das Syrien-Embargo. Das Embargo wird nämlich immer noch von hohen altertümlich-denkenden Politikern ausgenutzt, um ein Wiederaufbau von Nordost-Syrien zu blockieren. Es ist natürlich Unsinn zu behaupten, dass man mit dem unterstützen der SDF gleichzeitig auch Assad unterstützt.

Zu den gefangenen IS-Kämpfern: Mir war schon länger klar, dass dies Probleme mit sich bringen wird. Denn was sollte man mit den ganzen gefangenen IS-Kämpfern machen? Wir haben vorgeschlagen, dass es ein internationales Tribunal geben sollte, dass sich genau diesen IS-Kämpfern widmet. Bei einem internationalen Tribunal wären die europäischen Staaten auf vielen Wegen involviert, unter anderem auch amtlich, wodurch eine weitere Hilfe der SDF ermöglicht wird. So macht es wenig Sinn, ein internationales Tribunal zu haben, aber dennoch bleibt das alles unter Embargo. Das ist so nicht mehr nachvollziehbar. Das Embargo stellt ein Problem für den Wiederaufbau, aber auch für die Nothilfe dar. Eine Vertreterin von “Ärzte ohne Grenzen” hatte mir von der Lage in Tabqa erzählt. Die Situation war dort sehr schlimm. Zumal die Operation zur Befreiung von Rakka noch stattfand. Sie sagte mir, dass außer “Ärzte ohne Grenzen” keine weiteren Hilfsorganisationen dort waren. Solche Umstände müssen wir verändern. Sicherlich braucht alles seine Zeit, aber ich denke, dass dies auf jeden Fall möglich ist. Man muss sich diese Sachen immer vor Augen halten. Wir dürfen nicht vergessen, wie das alles angefangen hat; die Schlacht um Kobane und die Sehids dort. Wir sind von einer sehr dunklen Ecke sehr weit gekommen und das nur dank den Sehids. Ich wiederhole gerne noch: Alles was wir nur machen, ist zu unterstützen, was ihr in Nordost-Syrien macht.



Was können wir Kurden aus Deutschland und Europa tun, um ihre Partei zu unterstützen?

Bündnis C wählen. Die Kurden müssen sich für diese Europawahl folgende Frage stellen: “Was ist das effektivste, dass wir Kurden bei der Europawahl machen können, um wirklich etwas für unsere Hevals in Syrien, Irak, Iran oder der Türkei zu bewegen?”



Bekanntermaßen sind die meisten Kurden eher links orientiert und viele wählen Die Linke, wohingegen Bündnis C mittig einzustufen ist. Das schneidet sich im Prinzip. Was sagen Sie dazu?

Ich respektiere die Arbeit der Linksfraktion. Zum Beispiel, als sie vor dem deutschen Bundestag protestiert haben, weil die YPG-Fahne illegal ist. Die Frage ist aber, was haben sie konkret erreichen können? Welche konkreten Resultate kann Die Linke verzeichnen? Linke Parteien haben ein Problem, wenn es um internationale Politik geht. Zum Beispiel würden amerikanische Politiker die mitte-rechts orientiert sind, niemals auf einen linken Politiker bzw. einer linken Partei hören. Auch evangelische Leiter würden nicht auf linke Politiker hören. Die Frage ist nun, welche konkreten Resultate man mit seiner Politik erreichen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es mehr Sinn macht, bei einer Nationalwahl oder bei Landtagswahlen Die Linke zu wählen, weil dann auch eine 5% Hürde gilt. Aber bei dieser europäischen Wahl, wo Bündnis C mit 0.6% einen Sitz im europäischen Parlament bekommen würde, könnten die Kurden eine Ausnahme machen. Man muss sich folgende Frage stellen: “Was ist jetzt am effektivsten?”.

Eine Wahl für Bündnis C hat drei konkrete folgen: 1. - Weitere Unterstützung von der ECPM, um die Projekte, die wir machen, fortsetzen zu können. Für unsere Projekte bekommen wir regelmäßig positives Feedback.
2. - Bündnis C hat sich in den Themen PKK, Efrin usw. klar zugunsten der Kurden positioniert und das nicht nur für diese Wahl. Bereits 2016 hat zum Beispiel Arne Gericke (Mitglied des Europäischen Parlaments seit 2014) klar gesagt, dass die PKK aus der Terrorliste gestrichen werden muss. Bündnis C hat sich auch für Efrin eingesetzt und klare Stellung eingenommen.
3. - Im Gegensatz zur Linksfraktion wird Bündnis C ernst genommen, unter anderem auch von anderen mitte-rechts Parteien.



Möchten Sie noch etwas sagen? (Schlusswort)

Die Kurden sollten schauen, was das effektivste ist was sie tun können. Es führt zu nichts, wenn sie sich immer wiederholt emotional ausdrücken wollen und deshalb jedes Mal dieselben Politiker wählen. Ich verstehe das Gefühl, wenn man sich dann gehört und verstanden fühlt. Aber die Frage ist: “Was ist damit gelöst?” Wichtig für die Kurden in der Diaspora sollte sein, wie man die Lage tatsächlich lösen kann. Es bringt nichts, nur Anerkennung anzustreben. Die Lösungen sollten angestrebt werden und es sollte genau das gemacht werden, welches die Lösungen realisieren lässt. Arne Gericke (Mitglied des Europäischen Parlaments seit 2014) ist zu den Hungerstreikenden nach Straßburg gegangen und hat klar gesagt, dass er dafür ist, dass Abdullah Öcalan freikommen sollte. Denn die Unterdrückung und der Terror geht von Erdogan aus. Das konnte man auch in den Nachrichten lesen. Die Kurden wollen genau das gerne hören. Sie möchten eine emotionale Anerkennung. Es ist aber auch wichtig, voraus zu blicken und die Strategien so auszulegen, dass mit der Kommunikation ein Problem gelöst werden kann. Die Kurdische Bewegung und die Christen sollten in Deutschland und in Europa zusammenarbeiten. Wir haben die selben Ideen für den Nahen Osten. Wir sind alle gegen Unterdrückung und sind für die Menschenwürde. Wir haben eine große Gesamtidee von dem, was wie und wann geändert werden muss. Das schließt keinesfalls eine Zusammenarbeit mit anderen, zum Beispiel mit den Linken, aus. Im Großen und Ganzen sollte man darüber nachdenken, wie wie man gemeinsam mit den westlichen Christen, Deutschland und Europa eine Brücke bauen kann. Es gibt nämlich viel, was uns verbindet. Das ist jedenfalls meine Erfahrung der letzten fünf Jahre. So empfindet das auch sicherlich die kurdische Seite. So erreichen die Kurden, Suryoye, Eziden usw., auch mehrere Leute und können eine größere Unterstützung bekommen. Ich glaube, so kann man vieles ins positive ändern.

Istanbul-Wahl: AKP buhlt um die Gunst von kurdisch-islamischen Geistlichen

Am 23. Juni ist es soweit und die Bürgermeisterwahl in Istanbul wird auf Druck der AKP wiederholt. Die AKP indes, setzt wieder einmal auf die Stimmen von islamisch-konservativen Kurden.

Verwundert rieben sich Beobachter die Augen, als der türkische Justizminister Gül vergangene Woche verkündet hat, dass die Anwälte des inhaftierten PKK-Führers Öcalan ihn wieder besuchen dürfen. Zuvor wurde ihm dies jahrelang verwehrt. Analysten gehen davon aus, dass dahinter eine perfide Strategie der AKP steckt. Denn Erdogan und seine islamisch-konservative AKP, ist auf die Stimmen der zahlreichen Kurden in Istanbul angewiesen. Diese wichtigen kurdischen Stimmen sind bei den letzten Istanbul-Wahlen deutlich zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist das harte Vorgehen des Erdogan-Regimes gegen kurdische Oppositionelle und der Einmarsch ins kurdische Efrin.

Aber auch an anderer Stelle bemüht sich die AKP um kurdische Wähler. Wie das türkische Nachrichtenportal Odatv jetzt berichtet, sollen rund 50 Millionen Lira (rund acht Millionen Euro) ausgegeben worden sein, um sich die Unterstützung kurdischer Islam-Gelehrten zu sichern. Gerade in den armen Stadtteilen Istanbuls leben viele konservative Kurden und genau diese Menschen sollen die sogenannten „Mele“ (kurdisch-islamische Geistliche) für die AKP mobilisieren.

Ob der Plan der AKP aufgeht und sich die kurdische Bevölkerung tatsächlich davon beeinflussen lässt, sehen wir spätestens am 23. Juni, wenn in Istanbul wieder gewählt wird.

Emine Erdogan - First Lady der Türkei erhält Humanitarian Award

Von Anonymer Autor

In London wurde am 17. April 2019 die „Changemaker“ Auszeichnung an Emine Erdogan verliehen. Die Auszeichnung wurde von der in London sitzenden Hilfsorganisation „World Humanitarian Forum“ (Kurz: WHF) verliehen. Die WHF soll nach Aussagen von Kritikern enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft, Katar und der Türkei pflegen.
Die Führungsebene dieser Organisation besteht aus zwei Briten mit türkische Wurzeln und einem türkischen Staatsbürger, welcher in Großbritannien lebt. Ebenfalls bestandteil des Netzwerkes ist die Organisation „Aid and Trade“, welche die Veranstaltung mitorganisiert und finanziert hat.


Emine Erdogan ist die Frau von Recep Tayip Erdogan und die First Lady der Türkei. Es gibt keinerlei Aufzeichnungen von Hilfslieferungen oder ähnlichem die auf Emine Erdogans Initiative zurückzuführen sind. Es ist bereits die zweite Auszeichnung die verliehen wurde, ohne einen Anlass für die Vergabe vorweisen zu können. Der einzige nennenswerte Humanitäre Einsatz der First Lady der Türkei war in Rohingya, wo sie begleitet von unzähligen Sicherheitskräften ein Flüchtlingscamp besucht hat. Im Flüchtlingscamp sprach Emine Erdogan dann mit ausgewählten Frauen und verletzten Kindern, all das natürlich dokumentiert von mehreren Kamerateams.

Was als hilfsbereite und menschliche Geste erscheint, ist jedoch nur die scheinheilige Kalkulation für eine Verbesserung der Reputation. Kritiker sehen in dieser Auszeichnung eine reine Image Aufbesserung der Türkei und ihrer Führung. Es ist bereits die zweite Auszeichnung die Emine Erdogan innerhalb von 6 Monaten aus London bekommen hat. Es ist zu betonen das die Auszeichnungen ausschließlich von türkischen und/oder Türkei nahen Organisationen verliehen wurden. Es ist nicht auszuschließen das die Türkei die Verleihung selbst inszeniert hat, denn die Türkei zahlt hohe Geldsummen an islamische “Hilfsorganisationen” in ganz Europa. Durch die hohen Geldsummen erwirkt die Türkei enormen Einfluss auf die Organisationen und ihrer Führung drängt diese dazu, Auszeichnungen an die gewünschten Personen zu verleihen.
Die Türkei bemüht sich momentan mit allen Mitteln ihr Image aufzubessern und sich durch die opportunistische Herangehensweise an den Gaza-Konflikt, der Rohingya-Krise und der anhaltenden Krise in Somalia als „Retter“ der Islamischen und asiatischen-afrikanischen Welt zu manifestieren.

In ihrer Dankesrede bezeichnet die die First Lady die Türkei als „Großzügigste Nation der Welt“ und als „Größter Spender von Hilfsgütern auf der ganzen Welt“. Die Türkei und Frau Erdogan brüsten sich in ihrer Rede mit umgerechnet 2 Milliarden Euro, die als Entwicklungshilfe von 2010-2017 an afrikanische Länder geflossen sind. Zum Vergleich: Deutschland hat allein im Jahr 2016 22,07 Milliarden Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt.

Die von Emine Erdogan gehaltene Rede basierte vor allem auf Unwahrheiten und Propaganda. Sie behauptet beispielsweise „Wir haben jeden Flüchtling aus Syrien bedingungslos in unser Land gelassen“, dabei wurden laut Human Rights Watch seit Beginn des Syrien Konflikts hunderte Menschen an der türkischen Grenze durch türkische Soldaten gezielt getötet, darunter auch Kinder. Immer wieder kommt es zu Protesten von türkischen Nationalisten gegen die Flüchtlinge im Land, bei denen nicht selten die Geflüchteten von einem Mob gelyncht werden. Die Polizei schreitet in den meisten Fällen nicht einmal ein.
Die Grenzen der Türkei sind entgegen ihrer Aussage nicht „Willkommen heißend für alle“. Die Türkei lehnt kategorisch die Aufnahme von kurdischen Flüchtlingen ab und bemüht sich, die bereits geflohenen Kurden aus der Türkei nach Syrien abzuschieben.

In ihrer Rede behauptet Emine Erdogan, die türkische Außenpolitik hätte nur „Frieden und Stabilität“ gebracht. Dabei finanziert und unterstützt sie verschiedene jihadistisch-islamistische Gruppierungen in Syrien wie die FSA und es wurde sogar schon mehrfach bewiesen das die Türkei Beziehungen zum IS hielt und sowohl unterstützte, als auch finanzierte und Wirtschaftspolitische Bindungen mit dem IS hatte. Die Gruppierungen wie die FSA, die immer noch im Norden Syriens Verbrechen gegen die Menschlichkeit verüben, führen keineswegs zu mehr Stabilität und Frieden, sondern befeuern das Mass an Ungerechtigkeit gegen Kurden. Systematische Verfolgung und Tötung von Kurden geschieht derzeit in Efrin und Shebaregion. Derzeit erkennen wir in der türkischen Außenpolitik die gleichen Muster wieder, wie sie es damals mit der Annektierung von Hatay und Nordzypern taten. Die türkischen Soldaten haben in ihrer Invasion von Efrin nur Tod, Leid und einen Völkermord mit sich gebracht. Efrin leidet nun unter der Herrschaft der Türkei. Die Bevölkerung ist der Willkürlichkeit und dem Hass der türkischen Besatzung ausgeliefert. So stehen Vergewaltigungen, Zwangsprostitution und Entführungen auf der Tagesordnung.
Es ist anmaßend und dreist, angesichts all dem Leid das die türkische Außenpolitik gebracht hat, von einer Politik zu sprechen die „Frieden und Stabilität“ bringt.

Die First Lady der Türkei liest nur vor und tut entsprechend dem Frauenbild der AKP nur was ihr vorgelegt wird. Privat soll sie ein ganz anderer Mensch sein. Es wird Emine Erdogan nachgesagt sie sei Shopping süchtig. So soll sie täglich für Tausende Euros Designer Klamotten, Tee der pro Kilo mindestens 1.800 Euro kostet und Antiquitäten einkaufen.
Es wird berichtet, sie habe für den Präsidentenpalast persische Teppiche im Wert von 8 Millionen Euro gekauft haben. Emine Erdogan hat bereits in Belgien ein ganzes Einkaufszentrum sperren lassen um in ruhe mit ihren Stylisten Designer Klamotten einkaufen zu können. Zum Vergleich leben die Menschen in der Türkei von durchschnittlich 700 Euro im Monat und leiden an den immer weiter in die Höhe steigenden Lebensmittelpreisen. Fraglich ist auch, woher die die First Lady das Geld hat sich solche Luxusgüter zu leisten. Experten gehen davon aus das die Familie seit Jahren auf Staatskosten Private Einkäufe erledigt.

Eine First Lady welche zwei Gesichter hat: Sie soll islamische Werte wie Bescheidenheit und Geistlichkeit für die Öffentlichkeit repräsentieren, gleichzeitig ist ihr wahres Gesicht das Gegenteil von dem was sie Repräsentiert. Ihr islamisches Gesicht an die Öffentlichkeit ist getrübt von ihrer privaten Art, welche die Werte die die AKP vertritt nicht widerspiegelt.
Emine Erdogan tritt als First Lady der Türkei als AKP konformes Ideal der Frau auf. Schweigend, ruhig und gehorsam sind Attribute dieses Welt- und Frauenbildes. Als Teil dessen lobte sie 2016 den Harem, wodurch sie International Kritik erntete. Nach ihr sei der Harem der Platz gewesen in dem „Frauen auf ihr Leben vorbereitet wurden“ , Männern zu dienen, zu unterhalten und sie sexuell zu befriedigen ist nach ihrem Weltbild und dem der AKP die einzige Aufgabe einer Frau.

Emine Erdogans Rede und ihre Auszeichnung dienen einer kalkulierten Imageverbesserung der Türkei und des Staatspräsidenten. Die Türkei versucht auf internationaler Ebene mittels eigener Organisationen ihr Prestige zu schmücken, die vorgehaltenen Gründe für diese Verleihung und Auszeichnung sind von der Organisation selbst erfunden wurden.
Wertlos und Heuchlerisch auf allen Ebenen.

Wahlergebnis in Istanbul annulliert und Neuwahlen angekündigt

Die türkische Wahlkommission hat am Montag den 06.05.2019 eine Neuwahl für das Amt des Bürgermeisters in Istanbul angekündigt. Mit der Ankündigung wird gleichzeitig, dass von der AKP anerkannte Ergebnis in Istanbul annulliert.

Die AKP hat bei den Kommunalwahlen am 31. März in der Türkei massive Niederlagen einstecken müssen. Die AKP hat nicht nur die Hauptstadt Ankara an die Opposition verloren, sondern auch die wichtigste und bevölkerungsreichste Stadt der Türkei für die Wahlen Istanbul. 25 Jahre lang regierte die AKP in Istanbul, doch bei den Kommunalwahlen am 31. März hat die AKP die Mehrheit in Istanbul verloren und die CHP ging als Sieger hervor.
Seitdem das Ergebnis in Istanbul verkündet wurde, versucht die AKP das Wahlergebnis anzufechten, obwohl die Wahlkommission Ekrem Imamoglu bereits als Sieger ernannt hat. Die AKP hat das Wahlergebnis, nachdem die Widersprüche fehlgeschlagen sind, auch anerkannt und der Sieger Ekrem Imamoglu nahm die Ernennungsurkunde in Empfang.

Dennoch behaupten Erdogan und seine Partei weiterhin vehement, dass die AKP bei den Wahlen zum Opfer von gezielten Wahlbetrug wurden. Erdogan selbst spricht von einem „Diebstahl der Urnen“ und von einem „organisierten Verbrechen“. Die AKP hat ihren Angaben zufolge diese Verbrechen dokumentiert und der Wahlkommission vorgelegt, die AKP verfüge laut Erdogan über Videoaufnahmen die dies beweisen. Diese Aufnahmen wurden der Wahlkommission bereits kurz nach der endgültigen Auszählung vorgelegt, aber es schien als würden sie in den Augen der Wahlkommission nichts beweisen. Erst zwei Wochen nachdem selbst die AKP das Wahlergebnis anerkannt hat, scheinen die Aufnahmen zu überzeugen und die Wahlkommission kündigt Neuwahlen an.

Kritiker der AKP-Regierung sahen in der Wahlniederlage Erdogans bereits einen Beweis dafür, dass die AKP in der Türkei an Macht verliert. Erdogan startete seine politische Karriere in Istanbul und war selber dort der Bürgermeister. Das Zehren um die Macht in Istanbul, sei dabei das Symbol für den Kampf zwischen der Demokratie und der Diktatur in der Türkei gewesen und mit der Annullierung der Wahl hat die Diktatur gewonnen.

Die Wahlkommission hat bisher kein Datum für die Neuwahlen bekannt gegeben. Auf Antrag der AKP wird jeder Wahlhelfer überprüft.

Türkei bedroht Camps von 300.000 Geflüchteten in Tall Rifa’at

Die türkische Auxiliarmiliz Quwwat ath-Thalit hat eine Offensive gegen die verbleibenden Ortschaften unter der Kontrolle der SDF in der Region Şehba nordwestlich von Aleppo gestartet. Es wurde bereits bestätigt, dass sie das Dorf Mar’anaz erobert haben, welches nördlich von Tall Rifa’at, dem zentralen Ort der SDF-Enklave zwischen dem von der SAA kontrollierten Aleppo und den türkisch besetzten Gebieten liegt. Zudem soll die kleine Nachbarortschaft al-Malikiyah an die Milizen gefallen sein, welche nun angeben die weiter westlich gelegene Ortschaft Shawaghirat al-Araz anzugreifen. Von ‚Azaz aus hat sich zudem ein großer Konvoi der türkischen Armee, der von Hubschraubern begleitet wird, in Richtung der angegriffenen Gebiete in Bewegung gesetzt.

Der Angriff fällt zusammen mit einer massiven Eskalation zwischen SAA und der islamistischen HTS entlang der Frontlinien südlich von Idlib. Gestern wurde dabei der türkische Überwachungsposten beim Berg Shahshabu bombardiert, woraufhin türkische Hubschrauber verwundete abholten. Es ist allerdings noch unklar, ob dabei auch türkische Soldaten zu Tode gekommen sind.



Des Weiteren finden seit Tagen weitreichende Bombardements der Städte und Dörfer südlich von Idlib durch die syrische Armee statt. Die Ortschaften befinden sich vor allem unter Kontrolle des al-Qa’ida-Ablegers Hayyat Tahrir ash-Sham (HTS). Die südlichen Städte wie al-Lataminah werden allerdings von der ebenfalls radikalislamischen Miliz Jaysh al-Izza gehalten. Bei den Angriffen, bei denen auch Fassbomben verwendet wurden, kamen auch Zivilisten sowie ein Mitglied der sogenannten Weißhelme zu Tode. Als Reaktion kam es zu Vergeltungsschlägen der Milizen.

Bei den Angriffen auf die Dörfer durch die türkischen Auxiliarmilizen, kam es zu keinem nennenswerten Widerstand. Es ist sogar möglich, dass SDF und SAA die Dörfer im Vorfeld verlassen hatten. Insbesondere die Präsenz der syrischen Armee konnte durch nennenswerte Quellen nicht bestätigt werden, weshalb die Aktion, Experte nach, eher als eine PR-Aktion zu kategorisieren wäre. Manche Konfliktebeobachter vermuten, dass die zwei Vorfälle miteinander zu tun haben könnten und sagen, dass dies ein weiterer Deal zwischen Russland und der Türkei sein könnte, bei dem der Süden Idlibs (vielleicht sogar die ganze Provinz) gegen eine Operation auf die SDF-Enklave von Tall Rifa’at getauscht wird. Andere behaupten jedoch, dass sich die SDF nur aus einigen strategisch vernachlässigbaren Dörfern zurückgezogen habe und die Syrische Armee keine Anstalten mache, sich aus Tall Rifa’at zurückzuziehen. Eine weitere (pro-türkische) Quelle behauptete, es habe sich um einen Überraschungsangriff gehandelt und die SDF reagiere nun mit einem Gegenangriff.

Unter der Zivilbevölkerung haben die Gerüchte über eine Offensive und eines Deals zwischen Russland und der Türkei, Wut und Verunsicherung ausgelöst. Viele gehen davon aus, dass sie wieder einmal von der Türkei verraten wurden. Etliche haben bereits ihre Heimatorte verlassen und sind in die türkisch besetzten Gebiete, vor Allem Efrîn geflohen. Die Wut auf die türkische Politik geht inzwischen so weit, dass Menschen die sich vor einigen Monaten noch über die Ankunft der türkischen Truppen bei den Beobachtungsposten freuten, nun die Verluste der türkischen Armee gegen die Widerstandseinheiten von Efrîn begrüßen.

Um die Gegend von Tall Rifa’at und nördlich von Aleppo, befinden sich zudem die Camps der Geflüchteten Menschen aus der Sheba-Region und aus Efrin. Nachdem die Türkei internationales Recht verletzte und letztes Jahr in Efrin intervenierte, mussten viele Menschen aufgrund von Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen aus der Region fliehen und im Schutz der SDF und der Koalition in Camps eine Notunterkunft beziehen. Schätzungsweise leben in den Camps mehr als 300.000 Menschen die ihre Heimat verlassen mussten und die Zahl steigt weiterhin. Die Türkei und ihre Milizen verfolgen eine systematische Repressionspolitik gegen Kurden die sich dadurch zeigt, dass kurdisch weder als Sprache noch als Kultur in ihren besetzen Regionen erlaubt wird.

Die Situation ist derzeit sehr chaotisch. Allerdings findet eindeutig eine massive Eskalation der Gewalt statt und es ist damit zu rechnen, dass es in den folgenden Tagen und Wochen wieder zu weitreichenden Kriegshandlungen in Syrien kommen könnte.

Hinweise das türkische Armee US-Soldaten tötet

Das US-Militär gibt bekannt, dass Michael A. Thompson ein First Class Private der US Armee in Syrien ums Leben kam. Der 28-Jährige US-Soldat aus Michigan erlag nach Angaben des US-Militärs am Montag den 29.04.2019 seinen Wunden, welche er durch einen „Nicht-kampfbezogenen Zwischenfall“ (Englisch Original: „Noncombat incident“) erlitt.
Laut dem Platoonführer (deutsch: Zugführer) wird der Zwischenfall immer noch untersucht. Michael A. Thompson ist in einem Krankenhaus nahe Kobane verstorben. Die Meldung des Verlustes und des Zwischenfalles und die Erklärung des US-Militärs, wurden erst drei Tage später veröffentlicht.


Die Schwester des Soldaten erklärt in einem Interview „Mein Bruder ist der Armee beigetreten, um denen zu helfen die Hilfe brauchen. Um diejenigen zu beschützen, die sich nicht selbst schützen können.“.
Sie erklärte auch, ihrer Familie wurde erklärt, dass ihr Bruder durch Schüsse gestorben sei und das Michael in einem Telefonat einige Tage vor dem Zwischenfall erzählte, er würde die nächsten Tage wieder auf Patrouille gehen.

In der Nacht zu Montag, dem 29.04., melden mehrere türkische Quellen auf diversen sozialen Medien von einem erfolgreichen Angriff auf eine Patrouille der YPG westlich von Tal Abyad nahe dem Dorf Tel Fender. Die US-Armee patrouilliert, als Teil der Deeskalationsmaßnahmen zwischen der Türkei und der YPG, regelmäßig dieses Gebiet. Laut den türkischen Quellen wurde ein Fahrzeug der Patrouille unter Beschuss genommen und beschädigt.
Die Sprecher der YPG melden an diesem Tag keine Zwischenfälle und auch keine Angriffe der Türkei auf Einheiten der YPG.

Diese Meldungen liefern in den sozialen Medien viel Freiraum und Stoff für Theorien. Einige Aktivisten gehen davon aus, dass die Türkei versehentlich eine Patrouille der US-Armee angriff und den US-Soldaten verwundet haben.
Die verzögerte Veröffentlichung des Zwischenfalles und den Unstimmigkeiten zwischen der offiziellen Erklärung und der Aussage der Schwester seien, Experten zufolge, Indizien das die USA versucht diesen Vorfall zu verschleiern.
Einige Aktivisten argumentieren aber auch entgegen dieser Theorie und verweisen darauf das türkische Quellen regelmäßig Falschmeldungen in die Welt setzen. So kann es sein, dass auch diese Meldung eine Falschmeldung ist. Die Schüsse an denen der US-Soldat Michael A. Thompson gestorben ist, können laut der Gegenargumentation von einer ungesicherten Waffe stammen. Dies würde auch mit der offiziellen Erklärung einhergehen, welche von einer „Nicht-kampfbezogenen Zwischenfall“ spricht.
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