Städtefreundschaft Hewler - Paris

Der Premierminister der Region Kurdistan, Nechirvan Barzani, empfing am Samstag eine französische Delegation, bei der beide Seiten bilaterale Beziehungen zwischen Paris und Hewler (Erbil) diskutierten.

Die französische Delegation, angeführt von der Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, war am Donnerstag in der Hauptstadt der Region Kurdistan angekommen. Der Besuch ist die zweite Reise von Hidalgo in die autonome Region. Der erste war im September 2014 mit dem damaligen französischen Präsidenten Francois Hollande, vier Monate nach der Entstehung und Ausbreitung des sogenannten Islamischen Staates im Irak.

Bei ihrem Treffen mit Premierminister Barzani am Samstag drückte der französische Bürgermeister den Wunsch der Stadt aus, "gute Beziehungen zu Erbil und den übrigen Provinzen in der Region Kurdistan" aufzubauen. Hidalgo fasste zusammen, dass einige Bereiche der Zusammenarbeit zwischen Paris und Erbil, die saubere Energie, Kultur, Transport und Kommunikation umfasst. Sie lobte auch die kurdische Peschmerga, die "die ganze Welt verteidigte, um die gemeinsamen universellen Werte des Zusammenlebens, der Toleranz und des Friedens zu wahren".

Premierminister Barzani begrüßte die Unterstützung von Paris und dankte Frankreich generell dafür, dass er die Region Kurdistan während des Krieges gegen die extremistische Gruppe unterstützt hat, "weil ohne diese Hilfe kein Sieg erreicht worden wäre." Frankreich, eines der wichtigsten Mitglieder der US-geführten Koalition gegen den Islamischen Staat, hat in den letzten Jahren die Region Kurdistan militärisch und humanitär unterstützt. Barzani bekräftigte auch die Entschlossenheit der Region Kurdistan, die Kultur des Zusammenlebens, des Friedens und der Toleranz zu schützen, und versicherte Hidalgo, dass die KRG "diese Prinzipien mit allen Mitteln verteidigen" werde.

16. Mai 1997 - Das Massaker von Hewler

In der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1997 ist das türkische Militär mit 200.000 Soldaten und 10.000 „Dorfschützern“ - unterstützt von Kampfflugzeugen und Artillerie - in Südkurdistan (Nordirak) einmarschiert. Das türkische Militär und die damalige türkische Koalitionsregierung von Wohlfahrtspartei (türk. Refah Partisi) und Partei des Rechten Weges (türk. Doğru Yol Partisi) bezeichneten diese Operation als die größte Militäroperation, die in die türkische Geschichte einging. Diese Militäroperation war bis zu diesem Tag gleichzeitig auch der 19. Einmarsch des türkischen Militärs in Südkurdistan.

Bereits im Vorfeld des Einmarsches wurden die Grenzgebiete zum Irak und Iran flächendeckend bombardiert, wobei zahlreiche Dörfer in den Gebieten Haftanin, Sinath, Derkar, Gare u.a. zerstört wurden, sodass tausende BewohnerInnen flüchten mussten.
Vor Beginn des Einmarsches gaben die südkurdischen Parteien, die Patriotische Union Kurdistans (PUK) und die Demokratische Partei Kurdistans (KDP), durch ihre Medien bekannt, dass sie sich bei den Operationen gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nicht auf die Seite des türkischen Staates stellen und sich aus den Gefechten raushalten werden. Sie erklärten, dass sie nie wieder ihre Waffen gegen eine andere kurdische Organisation erheben werden. Das kurdische Volk forderte ein Ende des Brudermordes (Birakûjî) und rief zu einer Einheit auf.

Doch die KDP hielt ihr Wort nicht und beteiligte sich aktiv an der sogenannten „Hammer-Operation“ des türkischen Militärs gegen die PKK. Die Teilnahme der KDP beschränkte sich nicht nur auf die Gefechte, sondern griff über auf die Städte in Südkurdistan. So wurde am zweiten Tag der Invasion, am 16. Mai 1997 ein Krankenhaus des Kurdischen Roten Halbmondes namens „Stiftung für das Leben und den Aufbau Kurdistans“ (kurd. Dezgay Jiyan û Awedan, DJAK) für Verletzte der PKK und viele andere Einrichtungen der PKK-nahen Organisationen, wie z.B. Parteibüros der YNDK (Nationaldemokratische Einheit Kurdistans), der YAJK (Verband der Freiheit der Frauen Kurdistan), das Mesopotamia Kulturzentrum, das Büro der Zeitung Welat (Heimat) und Welatê Roj (Die Heimat der Sonne) in der Stadt Hewler von schwerbewaffneten KDP-Milizen überfallen. Alleine im Krankenhaus für Verletzte der PKK ermordete die KDP 62 verletzte und kranke PKK-KämpferInnen. Insgesamt haben KDP-Milizen 83 PKK-Mitglieder ermordet.

Dieses schwarze Ereignis ging in die kurdische Geschichte als „das Massaker von Hewler“ ein. Das Lied „Hewlêr“ von Hozan Serhad - einer der populärsten Künstler der kurdischen Guerilla-Musik - ist an das Massaker vom 16. Mai 1997 in Hewler gewidmet.

Ein Beitrag von Ismail Zagros

Kurdistan werde für verschiedene Religionen ein sicherer Hafen bleiben

Die Region Kurdistan wird ein sicherer Hafen für alle Religionen und ethnischen Gruppen bleiben, in denen sie ein friedliches Zusammenleben genießen können, sagte der Kanzler des Sicherheitsrats, Masrour Barzani.  

Der oberste kurdische Sicherheitsbeamte machte diese Äußerungen, als er eine Delegation der armenischen Kirche verschiedener Länder empfing. In diesem wurden verschiedene Themen zwischen beiden Seiten angesprochen.

Sie überprüften die Situation der vertriebenen Christen, die aus ihrer Heimatstadt geflohen waren, um in der Autonomen Region Kurdistan Zuflucht zu suchen. Den Binnenvertriebenen wurde die Unterstützung bei der sicheren Rückkehr in ihre Häuser zugesprochen.  

Barzani betonte die Wichtigkeit konkreter Maßnahmen, die Christen ermutigen könnten, nicht aus ihrem angestammten Land auszuwandern. Er wies darauf hin, dass es Bestrebungen gibt, die Demografie der Region zu verändern, indem von Radikalen versucht wird Christen zu ermutigen, ihre Heimat zu verlassen.

„Der Sicherheitsrat des Kanzlers der Autonomen Region Kurdistan hat betont, dass die Bevölkerung Kurdistans niemals ihre Kultur der Versöhnung und des Zusammenlebens aufgeben wird.“, heißt es in der Sitzung.

Auch wurde zitiert, dass jeder einzelne, der die Werte anderer Religionen verletze, nicht verdient habe, in diesem freien Land zu leben. „Man soll alle Religionen akzeptieren und begrüßen, da jeder das Recht hat, zu wählen, was er glaubt oder nicht“.  

Die Gäste dankten der Autonomen Region Kurdistan und der Unterstützung von Masoud Barzani für die Christen, insbesondere für ihre Erleichterung bei der Eröffnung einer armenischen Kirche in Hewler (Erbil) und anderen kurdischen Städten.

Damit zeigt sich, dass die Autonome Region Kurdistan stark für die Rechte der Menschen einsetzt und diese auch weiterhin pflegt.

Verbrechen der Besatzer in Efrîn (5.3.-9.3.)

Im von der Armee des türkischen Regimes und ihren Auxiliarkräften besetzten Efrîn im Nordwesten Syriens sowie im umliegenden Kurmêncgebirge wurde von lokalen Quellen im Zeitraum zwischen 15. Und 18. März mehrere Menschenrechtsverstöße durch die Besatzer berichtet, welche sich seit der Invasion vor etwa einem Jahr unvermindert fortsetzen.

Im Dorf Korzelê nahe Şera entführten türkische Auxiliarkämpfer die kurdischen Zivilisten Mistêfa, Ebdo, Ebdilrehman und Mîhemed aus der Hêmkro-Familie. Sie wurden an einen unbekannten Ort gebracht, ihr Schicksal ist bislang unklar.

Am Kawa-Kreisverkehr in der Innenstadt von Efrîn kam es zu Kämpfen zwischen der Sultan Murad-Brigade und der Liwa‘ Shams ash-Shamal.

Auch in Qestelê nahe, Azaz kam es zu Kämpfen zwischen den zwei Auxiliarkräften, dabei wurde mindestens ein turkmenischer Milizionär der Sultan Murad-Brigade getötet. Die immer wieder auftretenden Kämpfe zwischen den mafia-ähnlichen Milizen drehen sich meist um die Kontrolle über Grenzübergänge und Schmuggelrouten sowie um die Verteilung von Diebesgut, das den kurdischen Bewohnern geklaut wurde.

In einem vereinten Statement erklärten sieben lokale Räte in Efrîn Newroz zu einem offiziellen Feiertag und gratulierten den Kurden zu ihrem nationalen Feiertag. Außerdem rief das Statement Anwohner dazu auf, Kerzen und Fackeln auf ihren Hausdächern zu platzieren und draußen zu feiern.

Einige Stunden später jedoch wurde das Statement auf Druck der türkischen Autoritäten zurückgezogen. Stattdessen wurde ein kurzes Statement auf Türkisch und Arabisch veröffentlicht, dass ankündigte, dass Newroz kein Feiertag sei und an diesem Tag Feuer, Demonstrationen und Feiern offiziell verboten seien. Auch hier lässt der türkische Staat wieder einmal keine Zweifel über seine faschistische Motivation.

Die nationalistische Turkmenenmiliz Süleyman Shah-Brigade entführte im Dorf Xelîlê nördlich von Şîyê im Westen von Efrîn etwa 20 kurdische Zivilisten aus ihren Häusern. Die Miliz brachte die Gefangenen, vor allem junge Männer, in ihre Basis am Dorfeingang, die im Haus des kurdischen Bürgers Ewnî Reşîd eingerichtet wurde. Dort wurden die Gefangenen so laut gefoltert, dass ihre Schreie im ganzen Dorf zu hören waren.

Die kurdischen Familien im Dorf waren zuvor nach Schutzgeld erpresst worden, konnten dies aber nicht aufbringen. Zwar haben die Familien Dokumente der Besatzungsräte, die ihnen offiziell erlauben in ihren Häusern zu bleiben, selbst diese werden jedoch von der faschistischen Miliz ignoriert.

Die Miliz fordert nun ein Lösegeld von etwa 1.700 Euro pro Entführten. Die Namen von acht der entführten Zivilisten sind bekannt, sie lauten Cemîl Xelîl, Mîhemed Xalo, Mîhemed Tûbel, Ebdirehman Sebrî, Mahmûd Cello, Ebdîn Reşîd, Welîd Xelîl und Mîhemed Alo.

Ähnlich schlimm sieht die Lage in den Dörfern Berbendê, Goliyê Jêrîn und Behdînan westlich von Raco aus. Das Gebiet wird von der Miliz Firqat al-Hamzah kontrolliert, die eine der brutalsten Milizen im besetzten Efrîn ist.

Im Dorf Berbendê waren über drei Viertel der kurdischen Anwohner nach etwa zwei Monaten zurückgekehrt und die Lage blieb noch weitere drei Monate relativ ruhig für die Anwohner. Als die islamistische Miliz jedoch in das Dorf einrückte, änderte sich diese Lage dramatisch. Die Milizionäre plünderten Berbendê und die zuvor genannten Nachbardörfer alle Häuser auf der Suche nach Kostbarkeiten aus. Unter dem Diebesgut befanden sich Wassertanks, andere Behälter, Gaszylinder, große Zahlen an Gemüse und Früchten, Landwirtschaftsgeräte, Traktoren, Küchengeräte und weiteres.

Dann kam die zweite Phase, bei der sie die Häuser von Anwohnern an hellichtem Tage für ihre Kämpfer konfiszierten. Dies geschah unter der Anschuldigung an die Anwohner, sie hätten mit der kurdischen Selbstverwaltung, der YPG oder der Partei zu tun gehabt. In den Häusern wurden nun die Familien der Milizionäre angesiedelt und außerdem Olivenbäume als Feuerholz gefällt.

In einem Interview am 18. März sagte Abdul Bassit Hamo, ein Mitglied der ENKS, dass er die Pläne der Türkei zu einer Invasion der SDF-Gebiete östlich des Euphrats unterstütze und eine solche Operation ein Beginn einer Lösung für die Probleme Nordsyriens darstellen könne. Die SDF beschuldigte er, Zwangsrekrutierung zu betreiben, Zivilisten zu entführen und zu foltern und Journalisten zu verfolgen und sagte, dass politische Freiheit in den SDF-Gebieten nicht vorhangen sei.

Die Lage in Efrîn erwähnte das hochrangige ENKS-Mitglied hingegen mit keinem Wort, sagte aber, dass die Kurden Teil der Opposition seien und keinerlei Diskrimination oder Beschränkung in den Gebieten unter Kontrolle der Türkei erlebt hätten. In einem vorigen Statement hatte er jedoch zugegeben, dass die Türkei seit der Invasion Efrîns es dem ENKS nicht gestattet hätte, Efrîn zu besuchen oder dort zu verweilen.

Unterdessen hat sich auch der kurdische Widerstand gegen die Besatzung fortgesetzt. In Kimarê direkt östlich der Stadt Efrîn wurde bei einem Guerillaangriff der HRE ein Milizionär der Firqat al-Hamzah getötet und drei weitere verwundet. Bei einem Sniperangriff in‚ Azaz wurde ein türkischer Auxiliarkämpfer getötet und in Mari’a bei Tall Rifa’at ein weiterer. Außerdem gab es eine heftige Explosion in Terindê, nach welcher die Milizionäre das Gebiet abriegelten.
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